Mädchenkiefer aus Sämling -- Zickenterror?

Spezielle Baumpflege z.B. düngen, umtopfen, Erden, ein- und auswintern, Pflanzenschutz
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Dirk K. aus L.
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Mädchenkiefer aus Sämling -- Zickenterror?

Beitrag von Dirk K. aus L. » 25.09.2011, 08:56

Moin, allerseits!

Ihm Rahmen eines Workshops habe ich mir gestern eine etwa 30jährige Pinus pentaphylla gegönnt. Die Nadeln sehen nicht allzu gut aus, aber die neuen Knospen lassen auf eine gute Prognose hoffen. Im Frühjahr sah der Baum beim Händler noch deutlich ungesünder aus. Damals stand die Kiefer (Japan-Import) noch in einer viel zu kleinen Schale, zudem in sehr schlechtem Substrat. Ferner hatten die Wurzeln den Baum bereits um rund 6 cm aus dem Topf gehoben.

Der Händler betonte, dass die Kiefer aus dem Norden Japans stammt. Ich habe noch ein anderes Exemplar aus dieser Lieferung -- ihr geht es prächtig!

Zu meiner eigentlichen Frage: Stimmt es, dass die Bonsai-Kultivierung von Mächenkiefern, die aus Sämlingen gezogen wurden (also nicht gepfropft sind!), in unserem mitteleuropäischen Klima grundsätzlich problematisch ist? Was ist dann bei der Pflege besonders zu beachten? Begrenzte Winterhärte?

Bin auf eure Beiträge sehr gespannt.

Schönen Gruß, Dirk
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Totoro

Re: Mädchenkiefer aus Sämling -- Zickenterror?

Beitrag von Totoro » 25.09.2011, 11:15

Hallo Dirk,


ich meine das die drei japanischen Kiefernarten P. thunbergii, parviflora und densiflora für unser Klima (trockene Sommer, harte Winter) nur bedingt als Bonsai zu pflegen sind.
Als Garten oder Parkbäume kommen sie ja noch voran, aber unter unserem Wetter erreichen sie nie die für die Bonsaitechniken erforderliche Wuchsstärke meine ich. Du kannst praktisch nur einen "fertigen" Bonsai dieser Arten importieren und dann hoffen ihn lange am Leben zu erhalten. Kalthaus , Gewächshaus Überwinterung sowieso. Besonders bei Sämlings Mädchenkiefern. Ich finde das nicht so spannend. Es gibt aber keinen europäischen Ersatz für die Schönheit der Mädchenkiefer finde ich. (Für P.thunbergii kann man zur Not P.nigra nehmen und für P.densiflora gut P.sylvestris)

Gruß
Dirk

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zopf
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Re: Mädchenkiefer aus Sämling -- Zickenterror?

Beitrag von zopf » 25.09.2011, 14:43

Hallo Dirk
Persönlich habe ich genau gegenteilige Erfahrungen gemacht.
Im Winter 2009/2010 habe ich 3 gepropfte Mädchenkiefern verloren,
die wie schon die Jahre zuvor einfach ungeschützt überwintert wurden.
2 Sämlinge haben den Winter unter den selben Bedingungen
ohne grössere Schwierigkeiten überlebt.
Sollte noch mal ein "Mädchen" den Weg in meinen Garten finden,
würde es nur ein ungepropftes sein.
Der wohl wichtigste Punkt dürfte der Wasserhaushalt sein.
Langfristig sollte das gesamte alte Substrat (meist ein Lehmpanzer)
ausgetauscht werden und mit durchlässigem Substrat
ist die Gefahr des Vertrocknens oder Absaufens minimiert.
Ausserdem ist doch ein Mädel, also immer schon zärtlich sein.
mfG Dieter
cogito ergo pups

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Dirk K. aus L.
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Re: Mädchenkiefer aus Sämling -- Zickenterror?

Beitrag von Dirk K. aus L. » 25.09.2011, 18:57

Hallo Dieter, hallo Dirk!

Eure konträren Erfahrungen und Einschätzungen machen die Sache für mich natürlich nicht einfacher. Jedenfalls ist es interessant zu hören, dass deine "echten" Mädchenkiefern, Dieter, eine gewisse Zähigkeit unter Beweis gestellt haben. :)

Was das Substrat betrifft: Auch bei meinem Exemplar wurde der ursprüngliche Lehmboden wohl nicht vollständig entfernt; in Stammnähe ist er noch erkennbar. Dieses halbherzige Umtopfen kann nun zu Komplikationen führen.

Ich werde aber mit einem erneuten Umtopfen noch bis Mitte März warten. Walter P. meint, dass sei in unseren Gefilden der optimale Zeitpunkt für die "Mädchen".

Beste Grüße, Dirk
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Werner
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Re: Mädchenkiefer aus Sämling -- Zickenterror?

Beitrag von Werner » 07.10.2011, 12:56

hallo leute,
vor einiger zeit habe ich mir auch eine mädchenkiefer aus einem sämling zugelegt, das war mitte august. seitdem habe ich das bäumchen nur minimal gestaltet, also ein paar ästchen rausgenommen und andere äste mit draht abgespannt, also nichts großartiges.
aber seitdem sie in meinem besitz ist, werden die nadeln von der spitze her zusehends gelblicher/gelbgrüner und ich weiß nicht, was das zu bedeuten hat. der wurzelballen scheint soweit in ordnung zu sein, jedenfalls habe ich keine faulen stellen und viele gesunde, weiße wurzeln. was ebenfalls auffällig ist, dass der baum an der spitze scheinbar schneller "gelb" wird, als an den unteren ästen. allerdings scheinen die knospen, aus denen im nächsten jahr die kerzen wachsen, auch eher praller/größer zu werden, als zu vertrocknen. was noch auffällt ist, dass fast keine nadeln wirklich absterben, jedenfalls bis jetzt nicht.
hat jemand eine ahnung, was mit dem bäumchen los sein könnte? und welche pflegemaßnahmen ich jetzt ergreifen soll? könnte es einfach ein "umstellungssymptom" sein, das recht harmlos ist?
liebe grüße,
werner

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Dirk K. aus L.
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Re: Mädchenkiefer aus Sämling -- Zickenterror?

Beitrag von Dirk K. aus L. » 07.10.2011, 14:58

Moin, Werner!

Dass die Nadeln aus dem letzten Jahr gelb werden, ist normal. Die kannst du jetzt ganz leicht abzupfen. Die neuen Nadeln nahe der Knospen sollten allerdings vital aussehen.

Dennoch: Für den Gesamtzustand des Baumes ist entscheidender, ob die Knospen kräftig und gesund wirken. Das habe ich bei Walter Pall gelernt. Steht dein Baum evtl. noch in Lehmerde? Das ist bei Importware eher die Regel. Umtopfen kostet eben, daher wird es, so weit es irgendwie geht, von den Händlern vermieden.

Werner, zeige doch nach Möglichkeit Bilder von deiner Kiefer. Das würde vieles vereinfachen.


Schönen Gruß, Dirk
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Re: Mädchenkiefer aus Sämling -- Zickenterror?

Beitrag von Werner » 07.10.2011, 17:24

hallo dirk,
bilder kann ich leider nur in einigen tagen schicken.
ja, der baum steht in "lehmerde", also akadama. allerdings sind die körner noch ganz und es ist keine lehm"pampe" entstanden. darum hatte ich geplant, erst im frühjahr umzutopfen. aber vll wäre es dann ratsamer, heuer noch umzutopfen (natürlich ohne wurzelschnitt, nur das substrat wechseln)?
die nadeln vom vorjahr werden trocken und fallen ab, ja. aber die nadeln von heuer werden eher nur gelblich, ohne dass sie absterben würden. bei "naturbonsai" der art pinus sylvestris hab ich sowas ähnliches zu dieser jahreszeit öfters gesehen, allerdings sah das dort auch nicht allzu gesund aus..
lg,
werner

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Re: Mädchenkiefer aus Sämling -- Zickenterror?

Beitrag von Werner » 08.10.2011, 20:25

hallo,
am unteren teil der schale war nach etwas regen wirklich richtiger matsch. habe jetzt einfach das substrat einfach etwas weggemacht, und mit perlit ausgetauscht, damit jetzt eine drainage da ist. sollte der kiefer nicht schaden, oder? und wenns nützt, umso besser...
nebenbei: haben zushio-liefern die angewohnheit, bei änderung der lichtverhältnisse die blattfarbe zu ändern? oder liegt das am "matsch" am schalengrund?
lg,
werner

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Re: Mädchenkiefer aus Sämling -- Zickenterror?

Beitrag von Werner » 10.10.2011, 14:49

hab jetzt das bäumchen nochmal aus der schale gehoben, nachdem es geregnet hatte und gemerkt, dass bei dem baum unten doch etwas matsch war. hab also am rand des wurzelballens mal durch grobkörniges substrat ersetzt. scheinbar war das der grund, jedenfalls haben die nadeln innerhalb von 2 tagen von der basis her wieder deutlich kräftigeres grün bekommen. leider werden die spitzen wohl gelb bleiben, aber due knospen sind gesund. muss ich mir um den baum immer noch sorgen machen?
kann jetzt übrigens auch bilder schicken..
lg,
werner

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Re: Mädchenkiefer aus Sämling -- Zickenterror?

Beitrag von Heike_vG » 10.10.2011, 14:56

Hallo Werner,

ein Bild sagt natürlich immer mehr als Worte.
Sag mal, lässt Du Deine Kiefer auch um diese Jahreszeit einfach im Regen stehen? Vielleicht kannst Du sie besser unterstellen, damit sie nicht zu nass wird?
Ich habe generell gute Erfahrungen damit gemacht, die Bäume über den Winter unter den Dachüberstand zu stellen und damit vor übermäßigem Niederschlag zu schützen.
Das bekommt allen Arten gut, den Kiefern aber besonders.

LG, Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

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Re: Mädchenkiefer aus Sämling -- Zickenterror?

Beitrag von Werner » 15.10.2011, 16:17

nein, die kiefer ist schon unter einem dach. aber in der sommerzeit stehen sie oft auch im regen, das mögen sie scheinbar.. das bäumchen stand also nur mehr oder weniger "zufällig" im regen..
lässt man sie zu dieser jahreszeit im regen stehen, kriegen auch gesunde bäume mit gutem substrat wurzelfäule, oder gibt es noch andere gründe dagegen?
lg,
werner

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Re: Mädchenkiefer aus Sämling -- Zickenterror?

Beitrag von Heike_vG » 15.10.2011, 18:17

Werner, Kiefern mögen einfach so viel Nässe nicht, egal wie gut das Substrat ist. Ich kenne genug Leute, die ihre Kiefern gar nicht ins Substrat gießen, sondern nur über das Laub brausen. "Was unten ankommt reicht völlig" sagen sie.
Bei mir stehen die Bäume im Sommer vollsonnig und auch noch windig, so dass viel Wasser verdunstet. Deswegen kann ich sie auch tüchtig gießen, Sommerregen schaden auch nicht.
Bei Kälte können die Kiefern nicht so viel Wasser aufnehmen und es verdunstet nicht genügend direkt aus dem Substrat. Ständige Nässe führt zu Problemen und wenn es erst einmal angefangen hat, dass eine Kiefer kränkelt, ist oft auch schon alles zu spät. Nach meinen Erfahrungen sind Mädchenkiefern da noch sensibler als heimische Kiefernarten.

LG, Heike
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Re: Mädchenkiefer aus Sämling -- Zickenterror?

Beitrag von Delamitri » 15.10.2011, 19:03

Mein Vater hat einen Mädchenkiefer- Sämling seit 1993 - der steht das ganze Jahr über draussen - dem geht es bestens! Dagegen hat er einige japanische Schwarzkiefern verloren ...
Bis bald!

K.

"Was machen Sie da?" wurde Herr K. gefragt. Herr K. antwortete: "Ich gestalte Bonsai."

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Re: Mädchenkiefer aus Sämling -- Zickenterror?

Beitrag von Lioth » 15.10.2011, 21:39

Mein Fazit:
Sollte ich noch jemals in Besitz einer solchen "Zicke" kommen, so trocken wie möglich!!!!!
Gott schuf die Zeit, von Eile hat er nichts gesagt...!

Allegra
Gerd
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Dirk K. aus L.
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Re: Mädchenkiefer aus Sämling -- Zickenterror?

Beitrag von Dirk K. aus L. » 16.10.2011, 10:23

Hallo, miteinander!
Heike_vG hat geschrieben:Werner, Kiefern mögen einfach so viel Nässe nicht, egal wie gut das Substrat ist. Ich kenne genug Leute, die ihre Kiefern gar nicht ins Substrat gießen, sondern nur über das Laub brausen. "Was unten ankommt reicht völlig" sagen sie.
Bei mir stehen die Bäume im Sommer vollsonnig und auch noch windig, so dass viel Wasser verdunstet. Deswegen kann ich sie auch tüchtig gießen, Sommerregen schaden auch nicht.
Bei Kälte können die Kiefern nicht so viel Wasser aufnehmen und es verdunstet nicht genügend direkt aus dem Substrat. Ständige Nässe führt zu Problemen und wenn es erst einmal angefangen hat, dass eine Kiefer kränkelt, ist oft auch schon alles zu spät. Nach meinen Erfahrungen sind Mädchenkiefern da noch sensibler als heimische Kiefernarten.
LG, Heike
Walter Pall hat zu diesem Thema einmal hier (http://www.bonsai-fachforum.de/viewtopi ... ben#p31583) Folgendes gepostet (Hervorhebungen stammen von mir):

***********schnipp***********
Weiters passt dazu meine Empfehlung, immer wenn man gießt, sehr viel zu gießen. So, dass das gesamte Substrat ausgewaschen wird.

Außerdem meine weithin mit Unglauben aufgenommene Empfehlung, sehr oft zu gießen. Voraussetzung ist aber, dass das Substrat absolut durchlässig ist und dass man auch sehr viel und häufig düngt.
Das häufig und viel Gießen gilt insbesondere auch für Nadelbäume!!!
Bei mir wird ALLES täglich sehr stark gegossen. Im Sommer zweimal.

Genau das machen die japanischen Gärtner seit Jahrzehnten. Vor allem in der Entwicklung von Bäumen. Und hier bei uns haben sie das Gerücht aufgebracht, dass man ganz besonders sparsam gießen soll. Besonders Nadelbäume. Kein Wunder dass so viele Bonsai verrecken.

Rätsel: was glaubt ihr was die dringende Empfehlung des American Department of Agriculture ist was das Gießen und Düngen von Nadelbäumen in Containern ist? Nach hundertausendfachen wissenschaftlichen Versuchen.
***********schnapp***********

Es geht mir jetzt nicht darum, jemandes Bonsai-Kompetenz untergraben zu wollen. Aber es sind halt immer wieder diese konträren Aussagen, die mich als Anfänger stark verunsichern. Ich weiß von Walter, dass gerade mit Blick auf Mädchenkiefern einiges an Falschwissen in unseren Landen verbreitet wurde -- aus welchen Gründen auch immer.

Ich für meinen Teil (wohlgemerkt: ein einziges Jahr an praktischer Bonsai-Erfahrung) gieße meine Mädchen-Kiefer, die in sehr durchlässigem Subtrat steht, täglich. Und sie sieht mittlerweile sehr gesund aus. Viel gesünder als all das, was man bei den meisten Händlern angeboten bekommt. Und bei der Anschaffung sah auch meine Kiefer kränklich aus.

Ich bin gespannt auf eure Antworten.

Schönen Gruß, Dirk
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