Mädchenkiefer aus Sämling -- Zickenterror?

Spezielle Baumpflege z.B. düngen, umtopfen, Erden, ein- und auswintern, Pflanzenschutz
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Arkadius
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Re: Mädchenkiefer aus Sämling -- Zickenterror?

Beitrag von Arkadius » 13.02.2012, 15:31

Hallo Dirk,

in dem Link wird aber auch davon gesprochen das Schwarzkiefern in den Bergen wachsen...
Naja egal, aber was sind die max. Minustemperaturen für beide?

Gruß

Arkadius
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Totoro

Re: Mädchenkiefer aus Sämling -- Zickenterror?

Beitrag von Totoro » 13.02.2012, 17:11

Hallo Arkadius,


mit ganz genauen Celsius Graden kann ich nicht dienen. Da hängen ja noch andere Faktoren mit dran. Wie etwa Luftfeuchte,Substratfeuchte, Schalenkultur, Wind und Sonnenexposition etc.
In meinen Büchern " Nadelholzkunde", "Die Baumschule" und "Nadelhölzer" wird einhellig die Mädchenkiefer als die frosthärteste ! und auch für das deutsche Klima geeigneteste japanische Kiefernart erwähnt. ( In der Forstkultur und in Baumschulen)

Die Thunbergskiefer und die Japanische Rotkiefer werden dagegen für unser Klima als ungeeignet bezeichnet. Du hast dich doch auch gewiss schon gefragt warum hier im Forum diese Arten relativ selten vorgestellt werden.
Weil sie nämlich Zicken sind. Ihre Wuchskraft beträgt hier nur einen Bruchteil der in Ihrer Heimat.
Wenn sie wüchsig und robust wären, wäre ich der erste der eine hätte. Es gibt für mich kaum schönere Bonsaiarten als die drei jap. Kiefern.
Ich lasse mich aber gerne eines besseren belehren !

PS: Ich zittere ja schon jeden Winter um meine deutschen Waldkiefern *hetz*

Grüße

Dirk

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heinz leitner
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Re: Mädchenkiefer aus Sämling -- Zickenterror?

Beitrag von heinz leitner » 13.02.2012, 18:08

Totoro hat geschrieben:Hallo zusammen,

mit der Pfropfung hört sich plausibel an. Bonsaimädchenkiefern aus Japanimport sind ja auf die ebenso zickige Pinus thunbergii gepfropft.
Dirk
Also ich habe seit ca 30 Jahren eine gepfropfte Mädchenkiefer und überwintere die immer draussen.
Und bei uns wird es schon sehr kalt.
Bis jetzt hat sie das alles ohne Probleme überlebt.
Ich kann also sagen, das die gepropften Mädchen voll winterhart sind.
Gruss Heinz

Totoro

Re: Mädchenkiefer aus Sämling -- Zickenterror?

Beitrag von Totoro » 14.02.2012, 08:41

Hallo Heinz,


DEINE Mädchenkiefer ist voll winterhart. So pauschal kann man das aber nicht sagen. Die meisten nicht voll akklimatisierten Importe versterben ja zügig. Es macht auch einen gewaltigen Unterschied aus welcher Region Japans der Pfropfling kam.
Bäume aus dem subtropischen Anzuchtgebiet Shikoku sind empfindlicher als weiter nördlich gezogene. Das gilt es alles zu berücksichtigen.
Wenn du eine P.sylvestris aus Spanien oder Italien oder dem südlichen Frankreich einführst kannst du auch (zunächst !) keine Winterhärte einer Brandenburgischen Waldkiefer ( oder noch besser einer Norwegischen :lol: ) erwarten.


Gruß
Dirk

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Re: Mädchenkiefer aus Sämling -- Zickenterror?

Beitrag von heinz leitner » 14.02.2012, 18:32

Totoro hat geschrieben:Hallo Heinz,
Es macht auch einen gewaltigen Unterschied aus welcher Region Japans der Pfropfling kam.
Bäume aus dem subtropischen Anzuchtgebiet Shikoku sind empfindlicher als weiter nördlich gezogene. Das gilt es alles zu berücksichtigen.
Wenn du eine P.sylvestris aus Spanien oder Italien oder dem südlichen Frankreich einführst kannst du auch (zunächst !) keine Winterhärte einer Brandenburgischen Waldkiefer ( oder noch besser einer Norwegischen :lol: ) erwarten.
Gruß
Dirk
Das ist der Punkt,aber wie stellst du bei einen Importbaum fest, woher er stammt?
Bei einem Solität ist das ja noch leicht ,aber bei der Massenware wirds zum Risiko.
Aber alles ist auch eine Frage wie gut die Überwinterungsmassnahmen sind
Totoro hat geschrieben: Die Thunbergskiefer und die Japanische Rotkiefer werden dagegen für unser Klima als ungeeignet bezeichnet. Wenn sie wüchsig und robust wären, wäre ich der erste der eine hätte. Es gibt für mich kaum schönere Bonsaiarten als die drei jap. Kiefern.
Ich kenne da eine Rotkiefer die voll winterhart und sehr gesund ist.
Gruss Heinz

Totoro

Re: Mädchenkiefer aus Sämling -- Zickenterror?

Beitrag von Totoro » 15.02.2012, 08:43

Hallo Heinz,


es ging mir nur darum darauf hinzuweisen, das man durch einzelne, erfreulich frostharte Individuen der japanischen Arten nicht generell eine gleichwertige Frosthärte z.B im Vergleich zu Sylv. annehmen sollte.

Umso schöner wenn es doch den ein oder anderen Baum, wie etwa der deine, gibt der allen Frösten trotzen kann.
*daumen_new*


gruß
Dirk

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Re: Mädchenkiefer aus Sämling -- Zickenterror?

Beitrag von Dirk K. aus L. » 15.02.2012, 09:49

Hallo, miteinander!

Ich habe mich angesichts dieses Threads über das Klima im Norden(!) Japans informiert (nördlicher Teil der Insel Honshu (Station: Abashiri), nördlichste Insel Hokkaido (Station: Aomori)). Dort liegen die Jahresdurchschnitts-Temperaturen der Wintermonate teils deutlich im Minus-Bereich -- und das auf annähernd Meereshöhe!

Bedenkt man also, dass Mädchenkiefern vorzugsweise in noch kälteren höheren Lagen wachsen, müsste Importware aus diesen Gefilden sehr frostgewöhnt sein.

Gruß, Dirk
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Totoro

Re: Mädchenkiefer aus Sämling -- Zickenterror?

Beitrag von Totoro » 15.02.2012, 10:56

Hallo Dirk,

dann finde doch mal heraus wo sich die Bonsaibaumschulen in Japan angesiedelt haben. :lol:
Wohl kaum auf nördlichen Kurilen :lol:


Grüße
Dirk

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Re: Mädchenkiefer aus Sämling -- Zickenterror?

Beitrag von PeterBonsai » 15.02.2012, 14:34

Hallo Dirk,

aber die Nurseries sind auch nicht auf Okinawa.
Shikoku hat von Dezember bis Februar eine durchscnittliche Min. Temeratur um die 0 Grad.

Da gibt es aber auch große Unterschiede: die Insel ist bei einer Breite von 50 - 150 km von 0 Meter bis zu 2000 Meter hoch.
Shikoku liegt auf dem gleichen Breitengrad wie der Libanon.
und zum Vergleich: Sapporo und Florenz liegen auch auf dem gleichen Breitengrad.

Gruß Peter

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Re: Mädchenkiefer aus Sämling -- Zickenterror?

Beitrag von Odoridori » 18.02.2012, 18:30

Hallo Peter,

es ist überhaupt nicht die Kälte, oder unser Winter der die Mädchenkiefer Sämlinge bei uns
von Jahr zu Jahr schwächer werden lässt. Es sind unsere Sommermonate mit Ihrer trockenen, stehenden
Hitze oder den warmen Winden. Bei uns im Rhein/Main Gebiet haben Sie besonders viele Probleme.
Das sieht man dann, daß die Nadelbüschel immer dünner werden, die Nadeln werden länger und gebogen und auch
die Farbe wird ganz hell grün, irgendwann fangen dann Äste und Zweige an abzusterben. Ein unabwendbarer Prozeß
der über Jahre geht und ohne Standortwechsel dann zum Absterben des Baumes führt. Standortwechsel heisst in eine kühlerer Region in Deutschland. Die Bäume haben verwunderlicherweise oft ein ganz gesundes Wurzelwerk mit Mykorrhiza. Ich hatte eine grosse 3 Stämmige (95 cm) von 1992 an. 2001 habe ich Sie nochmal in einem Workshop mit Marc Noelanders überarbeitet. Mark sagte damals das er es nicht verstehen kann, daß der Handel noch immer diese Kiefern importieren würde, obwohl man um die Probleme wüsste. Es schmerzt den eigenen Baum sterben zu sehen ...

Gruß
Holger
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Re: Mädchenkiefer aus Sämling -- Zickenterror?

Beitrag von Totoro » 19.02.2012, 18:33

Hallo zusammen,

das stimmt gewiß was Holger da sagt.
In Bonsai art Nr. 102 gibt es einen ausführlichen gleichartigen japanischen Artikel zu Problemen durch zu hohe Sommertemperaturen bei Mädchenkiefern.
Zumindestens ist es Teil eines Komplexes welcher diese Art so zickig macht.


Gruß
Dirk

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Re: Mädchenkiefer aus Sämling -- Zickenterror?

Beitrag von Odoridori » 20.02.2012, 11:39

Hallo,

Fakt ist, mir ist im Moment Niemand bekannt, der eine kerngesunde Sämlings-Mädchenkiefer
über mehr als 20 Jahre in Besitz hat. Ein grosser Deutscher Bonsaihändler hat Anfang der
90ziger Jahre so viele tolle, sehr alte Sämlings-Mädchenkiefern importiert. Was ist aus Ihnen
denn geworden? Auf Ausstellungen sieht man kaum mal eine Sämlings-Mädchenkiefer und wenn
dann eher frisch importiert.

Das ist kein gezicke von dem Baum, er kommt einfach mit unserem Klima nicht zurecht. Da nutzt auch die Beste Pflege nichts. Japanisches Hochgebirgsklima, haben wir in Deutschland nicht. Ich kann nur jedem raten, Finger weg auch wenn Sie noch so reizen, man erspart sich Frust und wie gesagt es schmerzt einen Baum über Jahre sterben zu sehen.

Gruß
Holger
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Re: Mädchenkiefer aus Sämling -- Zickenterror?

Beitrag von ashtar » 23.05.2012, 21:25

Hallo,

Habe gerade meine Kokonoe erhalten und frage deshalb nochmal nach - hat niemand eine ältere Sämlings-Mädchenkiefer, die sich schon seit Jahren bester Gesundheit erfreut? Ich denke da z. B. An die alten, ehrwürdigen Zuisha-Mädchenkiefer in Remscheid, John van der Laan hat doch auch seit Jahren Mädchenkiefer und Walter Pall doch auch - die sind ALLE zwangsläufig zum langsamen Dahinsiechen verurteilt? Macht mir keine Angst...
Gruß Jörg

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Re: Mädchenkiefer aus Sämling -- Zickenterror?

Beitrag von Dirk K. aus L. » 29.05.2012, 11:43

Hallo, allerseits!

Inzwischen habe ich -- mit freundlicher Unterstützung von Dieter (alias "Zopf") -- meine Kiefer im Ansatz kernballensaniert (Den Baum hatte ich bereits hier gezeigt.). Das Substrat war sehr stark verdichtet, sodass es auch nur sehr schwierig zu entfernen war. Der Wurzelzustand war wie erwartet kritisch: viele braun-schwarze, abgestorbene Bereiche. Zurückzuführen ist dies m.E. auf jahrelange mangelnde Pflege (vor allem: eine viel zu kleine Schale, die erst im Frühjahr 2011 per Umsetzen ausgetauscht wurde). Hier und da zeigten sich aber auch neue, weiße und fleischige Wurzelspitzen, die übrigens sehr leicht brechen. Vorsicht!

Die Kiefer kam in eine größere Trommel-Schale, in der sich neue Wurzeln im Außenbereich bilden sollen. Sobald diese vorhanden sind, kann man im Kernbereich wieder eingreifen, bis irgendwann das alte Substrat (wahrscheinlich: Akadama) hoffentlich vollständig entfernt ist. Das ist ein Prozess, der über Jahre geht. Als Substrat verwende ich Blähton und groben Torf (Verhältnis 4:1).

Das Mädel treibt nun sehr ansprechend aus, und zwar in allen Etagen! Macht Spaß so. Ich habe den Baum wegen der höheren Luftfeuchte nun im Gewächshaus stehen, wo er alle paar Tage kräftig gegossen wird. Unterstützend wird Blattdünger verabreicht.

Die Gestaltung kann warten ...
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Grüße, Dirk
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Re: Mädchenkiefer aus Sämling -- Zickenterror?

Beitrag von zopf » 30.05.2012, 15:37

Hallo Dirk
Sieht gut aus !
Zopf-Mädchenkiefer-1.jpg
Zopf-Mädchenkiefer-1.jpg (64.35 KiB) 645 mal betrachtet
Wenn das Mädchen solche Langtriebe schiebt,
kann man davon ausgehen das er auch Wurzeln schiebt

Zopf-Mädchenkiefer-2.jpg
Zopf-Mädchenkiefer-2.jpg (60.52 KiB) 645 mal betrachtet
Die Triebe auf diesem Foto sind eher reine "Überlebenstriebe"
und lassen keinen Rückschluss auf das Wurzelwachstum zu.
mfG Dieter

ps Keine Sorge wegen der langen Triebe,
die darin gespeicherte Kraft führt nach dem Schnitt
zu recht sicherer Rückknospung.
Daher auch alle Nadeln am Baum belassen
um die spätere Rückknospung zu erleichtern
cogito ergo pups

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