Bewässerungssysteme - "Flut & Ebbe" oder "Hydrokultur"...
Bewässerungssysteme - "Flut & Ebbe" oder "Hydrokultur"...
Hallihallo,
es naht wieder die Urlaubszeit, und man macht sich wieder so seine Gedanken zur automatisierten Bewässerung.
Beregnungssysteme "von oben" sind etwas kompliziert einzurichten, "Wasserspender" per Schlauch passen eventuell nicht zum Substrat und implizieren doch einiges Schlauchgerödel... bei beiden stellt sich dann auch die Frage nach Vorratsbehälter bzw. Wasseranschluss.
Da bleiben prinzipiell noch Systeme, die mit im Kreislauf gepumptem Wasser arbeiten, welches die Schalen von unten über- bzw. umspült.
Nachteil ist dann natürlich unmittelbar, dass die Ionenkonzentration in diesem Wasser stetig steigt, man also nicht ganz so PixDaumen düngen kann. Andererseits kann man ja das Wasser ab und zu wechseln, es muss ja nicht immer nur aufgefüllt werden.
Vorteil wäre gleichzeitig, dass man mit einem weichen Wasser (Regenwasser, destilliertes) anfangen kann, was sonst oft zu aufwändig ist.
Als Technik kommt grob zweierlei in Frage:
(1) "Flut & Ebbe": Eine Pumpe bringt das Wasser aus einem Vorratstank nach oben in einen Behälter, in dem die Schalen stehen. Nach einiger Zeit schaltet die Pumpe ab, und das Wasser läuft durch den selben Schlauch (Bodenbohrung, Flansch) durch die Pumpe wieder zurück.
Ich stelle mir da als Behältnis für die Schalen ein mit Teichfolie ausgekleidetes Holztablett (Randhöhe in Abhängigkeit von der Schalengröße, eventuell mit Podestchen arbeiten)und als Vorratsbehälter ev. einen großen, klaren IKEA-Kasten vor. Mörtelkübel mag ich nicht so, weil sie extrem viel Weichmacher enthalten. Die Pumpe steht am Boden des Behälters, daher keine Gefahr des Trockenlaufens.
(2) "Hydrokultur": Die Schalen werden dauerhaft von Wasser umspült, man braucht also eigentlich keinen ganz separaten Vorratsbehälter. Das sollte sich bei "erdfreien" Substraten gut anbieten, allerdings ist sicher die Höhe des Wasserstandes bei flachen Schalen heikel zu justieren. Wahrscheinlich ist das eher eine Option für Anzuchtgefäße, TPK, Blumentöpfe etc., bei denen es auf einige Zentimeter hin oder her nicht ankommt.
Auch hier ist eine Pumpe (hier allerdings eher Dauerbetrieb) wahrscheinlich sinnvoll, um den Sauerstoffgehalt hoch zu halten.
Hat jemand Erfahrung mit solchen Konzepten? Oder sich auch schon Gedanken in ähnlicher Richtung gemacht?
Gruß,
Stefan
es naht wieder die Urlaubszeit, und man macht sich wieder so seine Gedanken zur automatisierten Bewässerung.
Beregnungssysteme "von oben" sind etwas kompliziert einzurichten, "Wasserspender" per Schlauch passen eventuell nicht zum Substrat und implizieren doch einiges Schlauchgerödel... bei beiden stellt sich dann auch die Frage nach Vorratsbehälter bzw. Wasseranschluss.
Da bleiben prinzipiell noch Systeme, die mit im Kreislauf gepumptem Wasser arbeiten, welches die Schalen von unten über- bzw. umspült.
Nachteil ist dann natürlich unmittelbar, dass die Ionenkonzentration in diesem Wasser stetig steigt, man also nicht ganz so PixDaumen düngen kann. Andererseits kann man ja das Wasser ab und zu wechseln, es muss ja nicht immer nur aufgefüllt werden.
Vorteil wäre gleichzeitig, dass man mit einem weichen Wasser (Regenwasser, destilliertes) anfangen kann, was sonst oft zu aufwändig ist.
Als Technik kommt grob zweierlei in Frage:
(1) "Flut & Ebbe": Eine Pumpe bringt das Wasser aus einem Vorratstank nach oben in einen Behälter, in dem die Schalen stehen. Nach einiger Zeit schaltet die Pumpe ab, und das Wasser läuft durch den selben Schlauch (Bodenbohrung, Flansch) durch die Pumpe wieder zurück.
Ich stelle mir da als Behältnis für die Schalen ein mit Teichfolie ausgekleidetes Holztablett (Randhöhe in Abhängigkeit von der Schalengröße, eventuell mit Podestchen arbeiten)und als Vorratsbehälter ev. einen großen, klaren IKEA-Kasten vor. Mörtelkübel mag ich nicht so, weil sie extrem viel Weichmacher enthalten. Die Pumpe steht am Boden des Behälters, daher keine Gefahr des Trockenlaufens.
(2) "Hydrokultur": Die Schalen werden dauerhaft von Wasser umspült, man braucht also eigentlich keinen ganz separaten Vorratsbehälter. Das sollte sich bei "erdfreien" Substraten gut anbieten, allerdings ist sicher die Höhe des Wasserstandes bei flachen Schalen heikel zu justieren. Wahrscheinlich ist das eher eine Option für Anzuchtgefäße, TPK, Blumentöpfe etc., bei denen es auf einige Zentimeter hin oder her nicht ankommt.
Auch hier ist eine Pumpe (hier allerdings eher Dauerbetrieb) wahrscheinlich sinnvoll, um den Sauerstoffgehalt hoch zu halten.
Hat jemand Erfahrung mit solchen Konzepten? Oder sich auch schon Gedanken in ähnlicher Richtung gemacht?
Gruß,
Stefan
"Leoparden brechen in den Tempel ein und saufen die Opferkrüge leer; das wiederholt sich immer wieder; schließlich kann man es vorausberechnen, und es wird ein Teil der Zeremonie." (F. Kafka)
Re: Bewässerungssysteme - "Flut & Ebbe" oder "Hydrokultur"..
Hallo Stefan
Früher habe ich damit experimentiert, allerdings zur Anzucht von Jungpflanzen.
Im krautigen Stadium funktionieren hydroponische Systeme gut,
ein geschlossenes System mit versenkten TPK´s und Tröpfchenbewässerung im 4 Stunden Rhytmus.
Die dabei entstehenden Wurzeln sind allerdings kaum für ein Substrat zu gebrauchen.
Wurzel- und überirdisches Wachstum toll, nach der Umstellung auf "normales" Bonsaitum
reihenweises Abkacken.
Ebb and Flowsysteme wären ein System das auch längerfristig bei Bäumen funktionieren könnte,
allerdings nur wenn von der Schale und dem Substrat her die Bedingungen angepasst sind.
Bei einem sehr offenem Substrat und genügend Drainageöffnungen in der Schale
wird sich (eine Blähtonschicht auf dem Tablett) ein sehr guter Gesundheitszustand einstellen.
Dann gibt es aber noch die Abers und davon nicht wenige.
mfG Dieter
Früher habe ich damit experimentiert, allerdings zur Anzucht von Jungpflanzen.
Im krautigen Stadium funktionieren hydroponische Systeme gut,
ein geschlossenes System mit versenkten TPK´s und Tröpfchenbewässerung im 4 Stunden Rhytmus.
Die dabei entstehenden Wurzeln sind allerdings kaum für ein Substrat zu gebrauchen.
Wurzel- und überirdisches Wachstum toll, nach der Umstellung auf "normales" Bonsaitum
reihenweises Abkacken.
Ebb and Flowsysteme wären ein System das auch längerfristig bei Bäumen funktionieren könnte,
allerdings nur wenn von der Schale und dem Substrat her die Bedingungen angepasst sind.
Bei einem sehr offenem Substrat und genügend Drainageöffnungen in der Schale
wird sich (eine Blähtonschicht auf dem Tablett) ein sehr guter Gesundheitszustand einstellen.
Dann gibt es aber noch die Abers und davon nicht wenige.
mfG Dieter
cogito ergo pups
Re: Bewässerungssysteme - "Flut & Ebbe" oder "Hydrokultur"..
Hallo Stefan
Dieses Jahr versuche ich eine andere Variante, mit einem Magnetspulenventil... Die Ventile habe ich noch aus den Zeiten als ich als Servicetechniker für Gewerbliche Waschmaschinen arbeitete... Die Ventile werden mit einer Zeitschaltuhr angesteuert. Ich zieh in das neue Heim erst im Juli, ich könnte dann weiter berichten.
Also die Zeitgesteuerten Magnetventile steuern Gartensprenger die dann die ganzen Bonsais beregnen... Ich weiss nicht ob das machbar wäre wenn man die Wassermenge nach Kubikmetern bezahlen müsste. In meiner Gegend wird das Wasser nach Anschlüssen verrechnet... also quasi Flatrate...
Ausserdem ist es Quellwasser mit Härtegrad 3-4... In andern Ländern würden sie mich erschiessen....
Gruss Vali
Dieses Jahr versuche ich eine andere Variante, mit einem Magnetspulenventil... Die Ventile habe ich noch aus den Zeiten als ich als Servicetechniker für Gewerbliche Waschmaschinen arbeitete... Die Ventile werden mit einer Zeitschaltuhr angesteuert. Ich zieh in das neue Heim erst im Juli, ich könnte dann weiter berichten.
Also die Zeitgesteuerten Magnetventile steuern Gartensprenger die dann die ganzen Bonsais beregnen... Ich weiss nicht ob das machbar wäre wenn man die Wassermenge nach Kubikmetern bezahlen müsste. In meiner Gegend wird das Wasser nach Anschlüssen verrechnet... also quasi Flatrate...
Ausserdem ist es Quellwasser mit Härtegrad 3-4... In andern Ländern würden sie mich erschiessen....
Gruss Vali
"Character is like a tree and reputation like a shadow.
The shadow is what we think of it; the tree is the real thing."
- Abraham Lincoln
The shadow is what we think of it; the tree is the real thing."
- Abraham Lincoln
Re: Bewässerungssysteme - "Flut & Ebbe" oder "Hydrokultur"..
Hallo Vali,
klar - an so eine Variante habe ich auch schon gedacht... Nicht zuletzt bin ich damit gedanklich nicht weitergekommen, weil ich mir die entsprechene Hardware nicht vorstellen kann - wie ist das, das Magnetspulventil sitzt an der Hauswand am Schlauchanschluss, oder steht es beim Sprinkler im Garten?
Hast du vielleicht einen Link, damit man sich das anschauen kann?
Was die Kosten angeht: nun ja, es ist ja vor allem für die Ferienwochen, und die meisten hier gießen sowieso per Wasserhahn nach Volumen; der Unterschied ist also auch ohne Flatrate nicht so gravierend.
Gruß,
Stefan
klar - an so eine Variante habe ich auch schon gedacht... Nicht zuletzt bin ich damit gedanklich nicht weitergekommen, weil ich mir die entsprechene Hardware nicht vorstellen kann - wie ist das, das Magnetspulventil sitzt an der Hauswand am Schlauchanschluss, oder steht es beim Sprinkler im Garten?
Hast du vielleicht einen Link, damit man sich das anschauen kann?
Was die Kosten angeht: nun ja, es ist ja vor allem für die Ferienwochen, und die meisten hier gießen sowieso per Wasserhahn nach Volumen; der Unterschied ist also auch ohne Flatrate nicht so gravierend.
Gruß,
Stefan
"Leoparden brechen in den Tempel ein und saufen die Opferkrüge leer; das wiederholt sich immer wieder; schließlich kann man es vorausberechnen, und es wird ein Teil der Zeremonie." (F. Kafka)
Re: Bewässerungssysteme - "Flut & Ebbe" oder "Hydrokultur"..
Hallo lieber Hydrokultur-Freund,
seit gut 40 Jahren kutivieren wir unsere Zimmerpflanzen in Hydrokultur! Hydrokultur ist das einzige Kulturverfahren mit dem Pflanzenliebhaber ihre Pflanzen wirklich langfristig kultivierren können. Wir haben bestimmt noch drei bis vier Pflanzen, die wir seit Anfang der 80er-Jahren auf der Fensterbank pflegen.
Aus diesem Grunde sind wir auch der DGHK (Deutsche Gesellschaft für Hydrokultur) beigetreten, wenn Sie Lust haben, schauen Sie sich unsere Seite mal im Internet an: www.dhhk.net!
Alle, (fast) alle Fragen rund um die Hydrokultur haben wir dort gesammelt und ausführlich und fach-kompetent beantworten.
Mit freundlichen Grüßen
jogaeu
seit gut 40 Jahren kutivieren wir unsere Zimmerpflanzen in Hydrokultur! Hydrokultur ist das einzige Kulturverfahren mit dem Pflanzenliebhaber ihre Pflanzen wirklich langfristig kultivierren können. Wir haben bestimmt noch drei bis vier Pflanzen, die wir seit Anfang der 80er-Jahren auf der Fensterbank pflegen.
Aus diesem Grunde sind wir auch der DGHK (Deutsche Gesellschaft für Hydrokultur) beigetreten, wenn Sie Lust haben, schauen Sie sich unsere Seite mal im Internet an: www.dhhk.net!
Alle, (fast) alle Fragen rund um die Hydrokultur haben wir dort gesammelt und ausführlich und fach-kompetent beantworten.
Mit freundlichen Grüßen
jogaeu
Re: Bewässerungssysteme - "Flut & Ebbe" oder "Hydrokultur"..
sorry-doppel
Zuletzt geändert von Georg am 11.06.2012, 11:18, insgesamt 1-mal geändert.
Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben geben, daß Du es sagen darfst(Voltaire)
Re: Bewässerungssysteme - "Flut & Ebbe" oder "Hydrokultur"..
Ich müßte mich doch sehr wundern, wenn es ältere (Pflegedauer) Hydrokulturen gibt wie Bonsais, die Jahrzente schon in der Schale gepflegt werden.
Ich will nicht an der Hydrokultur Kritik üben, aber sehr wohl an den Worten : einzige Kulturverfahren für langfristige Pflanzenpflege.

Ich will nicht an der Hydrokultur Kritik üben, aber sehr wohl an den Worten : einzige Kulturverfahren für langfristige Pflanzenpflege.
Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben geben, daß Du es sagen darfst(Voltaire)
- Andreas R.
- BFF-Autor
- Beiträge: 1172
- Registriert: 16.10.2011, 17:56
- Wohnort: bei München
Re: Bewässerungssysteme - "Flut & Ebbe" oder "Hydrokultur"..
Servus Stefan,
die klassische Hydrokultur ist nicht für alle Pflanzen geeignet. Manchen Arten macht es nichts aus, wenn sie längere Zeit Staunässe haben, das sind dann die typischen Hydrokulturpflanzen wie Ficus, Drachenbäume etc. Bei Bonsai wird das nicht funktionieren. Auch dauerhaftes Stehen in umgewälztem Wasser werden wahrscheinlich nur manche Arten vertragen (Weiden, Erlen und sowas). Was es da noch gibt ist Aeroponik, dabei wurzeln die Pflanzen in ein Wasser-Luft-Gemisch, das durch Luftausströmer für Aquarien erzeugt wird. Die Pflanzen bekommen spezielle, lange Wurzeln. In eine Bonsaischale bekommt man die dann nicht so leicht wieder rein.
Ich habe dieses Jahr ein hydroponisches System (Ebbe & Flut) für meine Chilis und Tomaten gebaut, das funktioniert bisher wunderbar. Sowas könnte ich mir für Bonsai durchaus auch vorstellen. Es gab sogar mal einen Artikel in Bonsai Art über einen japanischen Shohin Sammler, der seine Bäume auf großen Fluttischen hatte, die mehrmals täglich geflutet wurden (also quasi ein Ebbe & Flut System). Müsste die Nummer raussuchen.
Zu meinem Ebbe & Flut System: Es handelt sich dabei um zwei große Ikea Kisten, eine flache und eine tiefe, die ineinander gestellt wurden. Bei Ikea Brunnthal gab es leider nur klare Kisten, deswegen hab ich die mit Silofolie (außen weiß, innen schwarz) beklebt, in der Düngerlösung wachsen schnell Algen wenn Licht drankommt und die weiße Farbe außen verhindert zu starkes aufheizen des Tanks. Als Pumpe habe ich einen alten Aquarienfilter verwendet. Darauf habe ich einen Schlauch gesteckt und den durch ein Loch im Boden der flachen Kiste gesteckt. Ein Flansch o.ä. ist nicht notwendig, wenn man das Loch etwas kleiner als der Durchmesser des Schlauches bohrt. Der Filter ist an eine digitale Zeitschaltuhr angeschlossen und wird 3x am Tag für 5min angeschalten. Wichtig ist ein Überlauf in der oberen Wanne, ich habe dafür einfach viele Löcher in die Griffe der Kiste gebohrt (schau dir so eine Ikea-Kiste an, dann weist du was ich mein). Ein zweiter (kleinerer) Filter ist ständig in Betrieb und dient als Umwälzpumpe. Am Anfang hatte ich den nicht, dann sammelt sich immer etwas Schlamm am Boden.
Es gibt spezielle Dünger für Hydroponik. Ich verwende ein 3-Komponenten System. Dabei gibt es eine Mikronährstoff- und Spurenelementkomponente, eine N- und K- Komponente und eine P-Komponente. Je nach Phase (Wachstums- oder Blühphase) wird dann mehr N und K oder mehr P gegeben. Für Bonsai könnte man das sicherlich entsprechend anpassen.
Die Verdunstung hält sich in Grenzen, in 2-3 Wochen verdunsten vielleicht 5-10% der Lösung und dann muss man sie eh austauschen. Der Dünger in der Lösung ist nicht allzu stark konzentriert, weil er ja immer zur Verfügung steht und nicht nur bei jedem dreißigsten Mal Gießen. Ich denke also man braucht keine Versalzung zu befürchten. Im Gegenteil, man kann ja sicher sein, dass beim Wasserwechsel der gesamte Dünger wieder draußen ist, im Gegensatz zur Kultur in Erde.
Als Substrat verwende ich Fibotherm, genau wie bei den Bonsai. Ein sehr durchlässiges Substrat ist Vorraussetzung, damit das Ganze funktioniert.
Wie gesagt, die Chilis und Tomaten wachsen bis jetzt wunderbar darin, sogar besser als die im Beet oder Kübel. Nächstes Jahr werde ich es mal für Bonsai ausprobieren.
Beim nächsten Wasserwechsel könnte ich ein paar Fotos machen.
Viele Grüße,
Andy
die klassische Hydrokultur ist nicht für alle Pflanzen geeignet. Manchen Arten macht es nichts aus, wenn sie längere Zeit Staunässe haben, das sind dann die typischen Hydrokulturpflanzen wie Ficus, Drachenbäume etc. Bei Bonsai wird das nicht funktionieren. Auch dauerhaftes Stehen in umgewälztem Wasser werden wahrscheinlich nur manche Arten vertragen (Weiden, Erlen und sowas). Was es da noch gibt ist Aeroponik, dabei wurzeln die Pflanzen in ein Wasser-Luft-Gemisch, das durch Luftausströmer für Aquarien erzeugt wird. Die Pflanzen bekommen spezielle, lange Wurzeln. In eine Bonsaischale bekommt man die dann nicht so leicht wieder rein.
Ich habe dieses Jahr ein hydroponisches System (Ebbe & Flut) für meine Chilis und Tomaten gebaut, das funktioniert bisher wunderbar. Sowas könnte ich mir für Bonsai durchaus auch vorstellen. Es gab sogar mal einen Artikel in Bonsai Art über einen japanischen Shohin Sammler, der seine Bäume auf großen Fluttischen hatte, die mehrmals täglich geflutet wurden (also quasi ein Ebbe & Flut System). Müsste die Nummer raussuchen.
Zu meinem Ebbe & Flut System: Es handelt sich dabei um zwei große Ikea Kisten, eine flache und eine tiefe, die ineinander gestellt wurden. Bei Ikea Brunnthal gab es leider nur klare Kisten, deswegen hab ich die mit Silofolie (außen weiß, innen schwarz) beklebt, in der Düngerlösung wachsen schnell Algen wenn Licht drankommt und die weiße Farbe außen verhindert zu starkes aufheizen des Tanks. Als Pumpe habe ich einen alten Aquarienfilter verwendet. Darauf habe ich einen Schlauch gesteckt und den durch ein Loch im Boden der flachen Kiste gesteckt. Ein Flansch o.ä. ist nicht notwendig, wenn man das Loch etwas kleiner als der Durchmesser des Schlauches bohrt. Der Filter ist an eine digitale Zeitschaltuhr angeschlossen und wird 3x am Tag für 5min angeschalten. Wichtig ist ein Überlauf in der oberen Wanne, ich habe dafür einfach viele Löcher in die Griffe der Kiste gebohrt (schau dir so eine Ikea-Kiste an, dann weist du was ich mein). Ein zweiter (kleinerer) Filter ist ständig in Betrieb und dient als Umwälzpumpe. Am Anfang hatte ich den nicht, dann sammelt sich immer etwas Schlamm am Boden.
Es gibt spezielle Dünger für Hydroponik. Ich verwende ein 3-Komponenten System. Dabei gibt es eine Mikronährstoff- und Spurenelementkomponente, eine N- und K- Komponente und eine P-Komponente. Je nach Phase (Wachstums- oder Blühphase) wird dann mehr N und K oder mehr P gegeben. Für Bonsai könnte man das sicherlich entsprechend anpassen.
Die Verdunstung hält sich in Grenzen, in 2-3 Wochen verdunsten vielleicht 5-10% der Lösung und dann muss man sie eh austauschen. Der Dünger in der Lösung ist nicht allzu stark konzentriert, weil er ja immer zur Verfügung steht und nicht nur bei jedem dreißigsten Mal Gießen. Ich denke also man braucht keine Versalzung zu befürchten. Im Gegenteil, man kann ja sicher sein, dass beim Wasserwechsel der gesamte Dünger wieder draußen ist, im Gegensatz zur Kultur in Erde.
Als Substrat verwende ich Fibotherm, genau wie bei den Bonsai. Ein sehr durchlässiges Substrat ist Vorraussetzung, damit das Ganze funktioniert.
Wie gesagt, die Chilis und Tomaten wachsen bis jetzt wunderbar darin, sogar besser als die im Beet oder Kübel. Nächstes Jahr werde ich es mal für Bonsai ausprobieren.
Beim nächsten Wasserwechsel könnte ich ein paar Fotos machen.
Viele Grüße,
Andy
Re: Bewässerungssysteme - "Flut & Ebbe" oder "Hydrokultur"..
Wow, Andreas,
das ist ja genial, genau was ich suche!
Falls du mir die Nummer mit den Shohin-Fluttischen pnnen könntest, wäre das toll.´
Witzig, dass du auch genau an die Ikea-Kisten gedacht hattest - sind ja auch wirklich in großer Auswahl vorhanden und kostengünstig; das Ineinanderstellen der Kisten scheint mir auch eine gute Idee (wenn auch für Bonsais optisch nicht so sehr ansprechend).
Grüße,
Stefan
das ist ja genial, genau was ich suche!
Falls du mir die Nummer mit den Shohin-Fluttischen pnnen könntest, wäre das toll.´
Witzig, dass du auch genau an die Ikea-Kisten gedacht hattest - sind ja auch wirklich in großer Auswahl vorhanden und kostengünstig; das Ineinanderstellen der Kisten scheint mir auch eine gute Idee (wenn auch für Bonsais optisch nicht so sehr ansprechend).
Grüße,
Stefan
"Leoparden brechen in den Tempel ein und saufen die Opferkrüge leer; das wiederholt sich immer wieder; schließlich kann man es vorausberechnen, und es wird ein Teil der Zeremonie." (F. Kafka)
- Andreas R.
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- Registriert: 16.10.2011, 17:56
- Wohnort: bei München
Re: Bewässerungssysteme - "Flut & Ebbe" oder "Hydrokultur"..
Endlich hab ich das richtige Heft gefunden. Ich bin den gesamten Bestand zwei Mal durch gegangen, heute habe ich dann bemerkt, dass das Heft auf dem Schreibtisch lag. Es ist Nummer 111 (1-2012) S. 60 ff. Auf der letzten Seite sieht man das System mit den Fluttischen.
Weil heute auch Wasserwechsel war hier noch ein paar Bilder von meiner Ebb&Flood-Anlage:
Weil heute auch Wasserwechsel war hier noch ein paar Bilder von meiner Ebb&Flood-Anlage:


