Eichen Yamadori

Spezielle Baumpflege z.B. düngen, umtopfen, Erden, ein- und auswintern, Pflanzenschutz
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espanna
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Eichen Yamadori

Beitrag von espanna » 04.01.2017, 17:35

Moin ihr Lieben,

meine Tochter reitet und ganz in der nähe gibt es einen alten Sperrwerk wo wir oft spazieren gehen.
Ich habe eine Eiche dort vor ca. 8-9 Monaten gesehen und immer wieder MUSSTE ich dahin (kennt ihr das auch?). Vorgestern habe ich den Besitzer ausfindig gemacht und gestern habe ich den Erlaubnis bekommen sie auszugraben :-D
Mir gefallen: der Stamm, die Bewegung, die Borke, die Verjüngung ist auch ganz passabel und der Wurzelansatz soweit ich das sehen konnte ist auch ok.
Das Problem (oder auch nicht) ist dass 2 Äste / Stämme aus einem Punkt entspringen -> die Bilder sprechen für sich (geben aber nicht gut wieder wie schön der Baum ist)
Die Gabelung ist auf ca. 30-35 Cm Höhe.
Der Plan ist eine elegante, knorrige Eiche zu gestalten.
Der Weg dahin (und hier möchte ich euch um Hilfe / um eure Meinung bitten)
->Ausgraben wenn sich die Knospen öffnen. (würde mir irgendjemand raten den Baum jetzt auszugraben und Frostfrei zu halten, ich frage nur weil ich ALLE meine Eichen (4 St.) zur falschen Zeit ausgegraben habe und ALLE ausgezeichnet angewachsen sind *kopfkratz* )
->Die Äste im Ausgleich bringen mit den Wurzeln und 1 Saison lang nichts machen, nur frei wachsen lassen oder
gleich den dickeren Stamm gewölbt-bündig abschneiden und mit dem Kleineren weitermachen oder
wenn genug Wurzeln vorhanden austreiben lassen, 3-4 Wochen Kraft tanken lassen und dann unter der Gabelung komplett abschneiden (ansetzte für Knospen bzw. "Augen" sind sichtbar) und die Krone so aufbauen?
Vielleicht kommt schon beim Austrieb die eine oder andere Knospe am Stamm in die Gänge wenn ich oben reduziere?!
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Gruß!

László

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Re: Eichen Yamadori

Beitrag von abardo » 04.01.2017, 18:44

M.M.n. treibt eine Eiche nicht aus dem Stamm, wenn du ihr oben nur etwas das Grün reduzierst.
Siehe dazu: viewtopic.php?f=121&t=44460

Also entweder würde ich den Stamm im Frühjahr radikal in vielleicht 15cm Höhe kappen oder einen der beiden Äste entfernen und den zweiten soweit runterbiegen, dass er leicht nach unten zeigt. Und sie dann aber unbedingt noch mind. ein Jahr dort stehen lassen. Dann erst im Frühjahr 2018 ausbuddeln ...
Grüße, Frank
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Re: Eichen Yamadori

Beitrag von espanna » 04.01.2017, 18:59

Hi Frank,

also bergen möchte ich sie diesen Frühling.
Dann lasse ich Sie ankommen, sollte ich die Eiche dann 2018, vor dem Johannistrieb kappen? Oder wenn genug Wurzeln vorhanden sind gleich nach dem Bergen?
Gruß!

László

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Re: Eichen Yamadori

Beitrag von Bonsai-Abbing » 04.01.2017, 19:30

Ich würde sie dann beim Bergen kappen. Damit bin ich selber immer am Besten gefahren. Sonst bekommt die Eiche in einem Jahr zwei mal einen großen Schock. Nicht gut.
Gruß, Frank *wink*

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Re: Eichen Yamadori

Beitrag von souljah » 04.01.2017, 19:55

Wenn ich meine Eiche oben im Frühjahr zurückschneide, bzw. Die dicken Knospen ausbreche, treibt sie auch aus altem Holz und durch dicke Borke unten am Stamm aus. Ich würde sie nicht direkt kappen, da sie neben der Kraft, die sie in die Wurzeln stecken muss, auch noch neue Knospen austreiben müsste. Ich hab selber noch keine geborgen, erscheint mir nur logisch. So öffnen sich die Knospen durch die gespeicherte Energie und können Photosynthese machen. Die Pflanze kann dann die Energie in die Wurzeln stecken.
Kappen würde ich sie dann erst, wenn sie angewachsen ist, ein Jahr später.
Grüße
Michael

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Re: Eichen Yamadori

Beitrag von Bonsai-Abbing » 04.01.2017, 20:28

So schnell macht die Eiche keine Wurzeln. Dazu benötigt sie zwei Jahre und länger. ;)
Michael, du hast aber selber bemerkt, das sie sehr leicht am Stamm ausschlägt, auch aus altem Holz. Dazu nimmt sie die Energie, die im Frühjahr im Stamm lagert und von der Vorjahresblattmaße stammt, die im Winter in der Wurzel gelagert war (deswegen nicht im Winter bergen).
Die gekappte Eiche bildet also an vielen Stellen Knospen und treibt die aus. Nun beginnt die Fabrik Eiche langsam, aber autark Wurzelwerk zu bilden (deswegen sollte man darauf verzichten, um Johannis nochmal zu stutzen).
Er dauert bei größeren Eichen zwei Jahre (und länger), bis sie sich stabilisiert hat.
Bei Michaels Vorschlag ist im Ersten Sommer mehr Blattmasse vorhanden als Wurzelmasse. Deswegen wird der Baum in Bedrängnis geraten...

Die beiden Eichen im Bild sind im April zwei Jahre im Topf und wurden mit Kappschnitt geborgen. Insgesamt hab ich ca. 10 Eichen so geborgen, alle angegangen.
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Zuletzt geändert von Bonsai-Abbing am 04.01.2017, 20:37, insgesamt 1-mal geändert.
Gruß, Frank *wink*

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Re: Eichen Yamadori

Beitrag von abardo » 04.01.2017, 20:35

Also nochmal: wenn du eine Eiche gar nicht oder nur wenig kappst (stressts), wächst die einfach oben/aussen weiter. Wenn du ihr die Knospen ausbrichst UND ausbuddelst, stresst du den Baum doppelt. Wenn du eine Eiche ausbuddelst UND komplett kappst, also gar kein Grün mehr dran lässt, stirbt sie eventuell gleich, gibt den ganzen Stamm auf und treibt dann vielleicht einfach wieder aus dem Ballen, auch doof.

Wenn du die unbedingt im Frühjahr ausbuddeln musst, hast du das Problem mit der Stelzwurzel, wirst diese also kappen müssen. Je nachdem, wieviel Feinwurzeln dann noch dran bleiben (die Wurzeln hängen ja eben zumeist an der Stelzwurzel), hast du dann ein echtes Problem, wie der verbleibende Rest den ganzen langen Stamm versorgen soll, egal, wie viel oder wie wenig Grün du dran lässt. Kann knapp werden.

Alternativ kannst du natürlich auch ein über einen Meter tiefes Loch buddeln und die Stelzwurzel komplett mitnehmen, brauchst dann bloss zu Hause auch einen passenden Topf ...

Deshalb wirklich lieber: erst vor Ort zum Austrieb aus dem Stamm bringen und dann ein Jahr später bergen (die Mühe des Mitnehmens lohnt sich ja auch nicht, wenn die gar nicht zum Austrieb aus dem Stamm zu überreden ist).
Grüße, Frank
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Re: Eichen Yamadori

Beitrag von souljah » 04.01.2017, 20:39

Danke für die ausführliche Antwort.

Grüße
Michael

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Re: Eichen Yamadori

Beitrag von espanna » 04.01.2017, 20:42

Hi Michael,
so wie du das meinst wäre es logisch, ich habe meine geborgenen Eichen auch gleich gekappt und wie gesagt die trieben alle aus.
Hallo Frank (B.A.),
so (ähnlich) wie du das beschreibst bin ich auch vorgegangen. Die Frage die sich für mich stellt ist, soll ich warten bis sie anfängt die Knospen zu öffnen? Ist das nicht Energieverschwendung? Ich meine dann wird Alles abgeschnitten. / Nach dieser Theorie sollte man Bäume im Herbst wenn die Blätter sich verfärben bergen, denn die Energie kann in die verbleibenden Wurzeln fließen und kann im Frühjahr ohne Shock austreiben -> wo ist da der Denkfehler? /
Gruß!

László

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Re: Eichen Yamadori

Beitrag von espanna » 04.01.2017, 20:49

Hi Frank (Abardo),
ich habe am Baum ein wenig gezogen, und fühlte sich "lose" an wenn ich das so sagen darf, es fühlte sich nicht so an wie die Anderen, bombenfest mit langen Stelzwurzeln. An der oberfläche habe ich mit einem Holz-Eisstiel ein wenig gegraben und es gibt oben einige Wurzeln.
Der Baum steht direkt am Wasser. Es könnte sein daß die Wurzeln nicht in die Tiefe mussten, oder die Erde ist weich die Wurzeln gehen tief ist aber "wackelig".
Gewissheit werde ich nur haben wenn ich sie berge.
Gruß!

László

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Re: Eichen Yamadori

Beitrag von Bonsai-Abbing » 04.01.2017, 20:58

espanna hat geschrieben:Hallo Frank (B.A.),
so (ähnlich) wie du das beschreibst bin ich auch vorgegangen. Die Frage die sich für mich stellt ist, soll ich warten bis sie anfängt die Knospen zu öffnen? Ist das nicht Energieverschwendung? Ich meine dann wird Alles abgeschnitten. / Nach dieser Theorie sollte man Bäume im Herbst wenn die Blätter sich verfärben bergen, denn die Energie kann in die verbleibenden Wurzeln fließen und kann im Frühjahr ohne Shock austreiben -> wo ist da der Denkfehler? /
Ich warte bei den Kappeichen immer, bis die Knospen schwellen. Dann wurde die Energie aus dem Wurzelwerk gezogen.

Die verbliebenen Wurzeln sind ja nur ein Bruchteil der ursprünglichen Wurzelmasse. Da sollte man sich keine Illusionen machen, das ist bei Eichen so. Darum ist der Kappschnitt sogesehen gar kein schlechter Ausgleich für den Baum.
Gruß, Frank *wink*

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Re: Eichen Yamadori

Beitrag von espanna » 04.01.2017, 21:06

"
Ich warte bei den Kappeichen immer, bis die Knospen schwellen. Dann wurde die Energie aus dem Wurzelwerk gezogen.

Die verbliebenen Wurzeln sind ja nur ein Bruchteil der ursprünglichen Wurzelmasse. Da sollte man sich keine Illusionen machen, das ist bei Eichen so. Darum ist der Kappschnitt sogesehen gar kein schlechter Ausgleich für den Baum."

warum nicht im Herbst ausgraben? Die Energie könnte in den verbliebenen Wurzeln oder? Oder ist die Infektionsgefahr im Winter zu hoch?
Gruß!

László

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Re: Eichen Yamadori

Beitrag von Bonsai-Abbing » 04.01.2017, 21:08

Wie gesagt, die verbliebenen Wurzeln sind nur sehr wenige. Höchstens 10 Prozent geschätzt. Zu wenig zum Energie lagern...
Ist aber nicht so, dass nur in der Wurzel gelagert wird. Auch im Stamm und in Ästen wird gespeichert. Darum kann es auch gut gehen, wenn man im Winter ausgräbt. Aber im Frühjahr halte ich es für besser.
Gruß, Frank *wink*

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Re: Eichen Yamadori

Beitrag von espanna » 04.01.2017, 21:16

Danke euch!
Ich lasse mir das durch den Kopf gehen und entscheide dann.
Gruß!

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Re: Eichen Yamadori

Beitrag von abardo » 04.01.2017, 21:34

Ich kann auch unterstreichen, was B.A.-Frank bezüglich des Zeitpunkts schreibt. Warte bis sich die Knospen öffnen. Dann weisst du nämlich auch, welche wirklich aktiv sind und an jedem Zweig dann auf die letzten paar Knospen zurückschneiden. Nicht dass du dann auf was zurückschneidest, was sowieso nicht will.
Und denk bitte dran, dass Eichen ziemlich spät austreiben ...
Grüße, Frank
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