Vorgehen nach Wolllausbefall

Spezielle Baumpflege z.B. düngen, umtopfen, Erden, ein- und auswintern, Pflanzenschutz
serge87
Beiträge: 47
Registriert: 08.11.2015, 21:25

Vorgehen nach Wolllausbefall

Beitrag von serge87 » 16.01.2019, 14:27

Hallo allerseits.
Ich habe eine Frage zu meinem Zierapfelbonsai. Ich hatte vor ca. 1 Jahr einen ganz massiven Befall von Wollläusen welcher das Bäumchen sichtlich mitgenommen hat. Ich habe das mit der Zeit in den griff bekommen, nachdem ich zuerst die Chemiekeule angewendet habe (ich weiss jetzt auch dass es auch ohne ginge) und später bei sichtbarem Befall mit einem Gemisch aus Ethanol und Spüli gegen die Viecher vorgegangen bin. Das Prozedere hat sich über x Wochen hingezogen. Nun habe ich seit ca. 3 Wochen keine "Wollrückstände" mehr gesehen an den Ästchen. Ich hoffe nun natürlich, dass die Sache nun überstanden ist.

Muss ich nach einem derartigen Befall weitere Massnahmen treffen um das Risiko eines erneuten Befalls zu reduzieren? Umtopfen mit kompletten Austausch der Erde inkl Desinfekton der Schale? Erhitzen der neuen Erde im Backofen? Ich hab da jetzt schon diverse Sachen gelesen, würde gerne noch eine Meinung hören von euch :)

vielen Dank und Gruss
Serge

Michael 86
Beiträge: 1447
Registriert: 08.10.2016, 09:00
Wohnort: Saarland

Re: Vorgehen nach Wolllausbefall

Beitrag von Michael 86 » 16.01.2019, 14:36

Hatte auch schon Wollläuse und die mit Spruzit AF behandelt. sofort erfolgreich. Die sind auch nicht wieder gekommen. Das beste ist ein gesunder und kräftiger Baum. Umtopfen wenn nicht nötig wäre schon mal kontraproduktiv. Weiter habe ich deswegen auch keine Informationen für dich. Noch ein Tipp, öfter kontrollieren, damit der Befall nicht zu intensiv wird
Grüße Michael :)

serge87
Beiträge: 47
Registriert: 08.11.2015, 21:25

Re: Vorgehen nach Wolllausbefall

Beitrag von serge87 » 16.01.2019, 15:18

Hi Michael
Ich hab das damals glaub auch mit Spruzit behandelt und war zu 97% erfolgreich. Aber die kerle kamen halt wieder zurück. Ich kontrolliere nun regelmässig. Meine angst war nur, dass die viecher sich nun evtl im Untergrund tummeln und ich nix davon mitbekomme?!
Der Baum hat letztes jahr auch keine Früchte getragen. Ich werde also eher nicht umtopfen bis der Baum wieder kräftig ist

lg
Serge

Benutzeravatar
Heike_vG
Beiträge: 21857
Registriert: 04.09.2005, 20:30
Wohnort: Norddeutschland
Kontaktdaten:

Re: Vorgehen nach Wolllausbefall

Beitrag von Heike_vG » 16.01.2019, 15:39

Hallo Serge,

Spruzit ist wirklich ein sehr wirkungsvolles Mittel gegen Wollläuse, aber es muss mehrmals im Abstand einiger Tage (steht in der Packungsbeilage) angewendet werden, um auch die versteckten Tiere und die noch aus Eiern nachschlüpfenden mit einigermaßen großer Sicherheit zu erledigen. Bei Woll- wie auch bei Schildläusen wende ich immer gerne noch zusätzlich Insektizidstäbchen an, die in die Erde gesteckt werden, weil diese dann von innen wirken, da die Wirkstoffe vom Baum aufgenommen werden.

In der Erde sollten sich eigentlich keine Winterstadien der Wollläuse befinden, auf Stamm, Ästen und Zweigen ist es aber nicht ausgeschlossen. Eine Winterspritzung mit verdünntem Jinmittel und einem Austriebsspritzmittel (Weißöl) kann deswegen Sinn machen, wie überhaupt, wenn man in der letzten Saison einigen Ärger mit Schädlingen hatte. (Zu den Stichworten Winterspritzung, Austriebsspritzmittel, Jinmittel, Weißöl etc. liefert die Suchfunktion hier im BFF reichlich Informationen)

Meiner Erfahrung nach werden Apfelbäume nur selten von Wollläusen befallen. Da würde ich vermuten, dass mit der allgemeinen Vitalität etwas nicht stimmt, vielleicht durch Probleme mit der Pflege. Letzten Sommer war es heiß und trocken und wenn ein Bonsai dann fast täglich am Rande des Vertrocknens ist, bis der Pfleger von der Arbeit heimkommt, kann ihn das schwächen und anfällig machen. Nur um mal eine Möglichkeit von vielen zu erwähnen.

Liebe Grüße,
Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

AK Hamburg & Umland

Benutzeravatar
Marco_H
Beiträge: 374
Registriert: 04.05.2010, 14:42
Wohnort: Westerwald

Re: Vorgehen nach Wolllausbefall

Beitrag von Marco_H » 17.01.2019, 08:06

Hallo Serge,

mit Wollläusen hatte ich bisher an meinem Zierapfel noch nie Probleme, zum Glück.

Bist du dir aber auch sicher, dass es Wollläuse waren? In diesem Zusammenhang fiel mir gerade wieder spontan Werner Buschs Aussage ein, dass Blutläuse den Apfel befallen und diese tatsächlich im Winter an den Wurzeln weitersaugen und so unbemerkt Schaden anrichten könnten.

Vielleicht magst du mal Fotos der beiden Spezies vergleichen und vorsichtshalter die Wurzeln inspizieren.
Gruß aus dem Westerwald

Marco

Bonsai ist die Kunst der Zeit!

masterdog
Beiträge: 83
Registriert: 27.08.2009, 08:38
Wohnort: Kreis Limburg/Lahn

Re: Vorgehen nach Wolllausbefall

Beitrag von masterdog » 17.01.2019, 10:04

Hallo,
ich vermute auch das es Blutläuse waren ,denn die befallen meiner Erfahrung nach gerne den Apfelbaum .
Da sie auch gerne in der Erde an den Wurzeln stecken ist ein Umtopfen im Frühjahr mit Spritzen der Wurzeln unbedingt zu empfehlen.
mfG
Michael

Benutzeravatar
Heike_vG
Beiträge: 21857
Registriert: 04.09.2005, 20:30
Wohnort: Norddeutschland
Kontaktdaten:

Re: Vorgehen nach Wolllausbefall

Beitrag von Heike_vG » 17.01.2019, 12:38

So zeigt sich mal wieder, dass ohne Fotos überwiegend im Nebel gestochert wird.

LG, Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

AK Hamburg & Umland

serge87
Beiträge: 47
Registriert: 08.11.2015, 21:25

Re: Vorgehen nach Wolllausbefall

Beitrag von serge87 » 17.01.2019, 14:40

hallo zusammen
Also, ich hab jetzt nochmals ein altes foto von letztem jahr rausgesucht, wo der befall seine spitze erreicht hat. All diese "Wollrückstände" sind nun weg.

ich hoffe man kann nun genaueres sagen

danke und grüsse
Serge
Dateianhänge
pflanze1.png
pflanze1.png (1.18 MiB) 381 mal betrachtet
pflanze2.png
pflanze2.png (857.16 KiB) 381 mal betrachtet

Benutzeravatar
Ferry
Beiträge: 1638
Registriert: 28.10.2012, 12:45
Wohnort: Kuala Lumpur · 吉隆坡

Re: Vorgehen nach Wolllausbefall

Beitrag von Ferry » 17.01.2019, 16:02

Es sind eindeutig Wollläuse, die auch als Schmierläuse bezeichnet werden und zur Familie der Schildläuse gehören. Zur Bekämpfung hat Heike weiter oben im Text eigentlich schon alles geschrieben.
LG,
F.

serge87
Beiträge: 47
Registriert: 08.11.2015, 21:25

Re: Vorgehen nach Wolllausbefall

Beitrag von serge87 » 17.01.2019, 16:23

Hi Ferry
Danke für die bestätigung. Habe mich nun kurz eingelesen wegen der Jinmittel und Weissöl Behandlung. Werde das wohl mal versuchen. Finde ich Weissöl normalerweise im Baumarkt (in vernünftigen Mengen)? Im netz habe ich auf die schnelle nur grad eher grössere Mengen gefunden (und zT ohne explizite erwähnung der Funktion als Pflanzenschutz)

grüsse
Serge

Benutzeravatar
Heike_vG
Beiträge: 21857
Registriert: 04.09.2005, 20:30
Wohnort: Norddeutschland
Kontaktdaten:

Re: Vorgehen nach Wolllausbefall

Beitrag von Heike_vG » 17.01.2019, 16:51

Wenn Du "Austriebsspritzmittel" in die Suchmaschine eingibst, bekommst Du eine ganze Reihe handelsüblicher Produkte in kleinen Packungen angezeigt. Die bekommt man z.T. auch in Gärtnereien und Baumärkten. Wenn man auf die Inhaltsstoffe achtet, findet man welche mit Weißöl (das ist ein Paraffinöl), was ich gegenüber Rapsöl für diesen Zweck bevorzuge.

LG, Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

AK Hamburg & Umland

Benutzeravatar
Marco_H
Beiträge: 374
Registriert: 04.05.2010, 14:42
Wohnort: Westerwald

Re: Vorgehen nach Wolllausbefall

Beitrag von Marco_H » 17.01.2019, 17:50

Ferry, und die anderen natürlich, ich möchte hier gerne für mich nochmal nachhaken und fragen, woran du die Wollläuse erkennst und wie du Blutläuse ausschließen kannst? Auf Bildern im Netz kann ich den Unterschied zwischen den beiden nämlich nicht ausmachen. Ich wäre froh, wenn hier dazu noch geantwortet wird und ich etwas dazu lernen kann.
Gruß aus dem Westerwald

Marco

Bonsai ist die Kunst der Zeit!

Sanne
Beiträge: 4990
Registriert: 01.02.2009, 19:09
Wohnort: Norddeutschland

Re: Vorgehen nach Wolllausbefall

Beitrag von Sanne » 17.01.2019, 19:30

Auch ich kann das Aussehen der Wollläuse von Blutläuse nicht unterscheiden. Habe eben mal im Buch „Bonsai - Gestalten mit heimischen Gehölzen“ von Werner M. Busch/Achim R. Strecker nachgeschaut.

Unter „Die Gesundheit des Bonsai-Apfels“ auf Seite 314 steht: „...Die Blutlaus saugt an holzigen Teilen des Baumes und verursacht dort krebsartige Geschwulste. Sie ist leicht an ihrer wollig-weißen Wachsausscheidungen zu erkennen. Zerdrückt man die darunter sitzenden Tiere, erhält man ein blutrotes Mus, woher die Laus ihren Namen hat...“

Das Foto des Befalls von Blutlaus sowie die Behandlung usw. ist von Seite 374 dieses genannten Buches.

Grüße, Sanne
Dateianhänge
Blutlaus.jpg
Blutlaus.jpg (147.72 KiB) 308 mal betrachtet

serge87
Beiträge: 47
Registriert: 08.11.2015, 21:25

Re: Vorgehen nach Wolllausbefall

Beitrag von serge87 » 18.01.2019, 09:00

hmm, ok jetzt bin ich verunsichert. Das mit dem Mus beim zerdrücken kann ich bestätigen. Soweit ich mich erinnere war die farbe beim Zerdrücken irgendwas zwischen rötlich und violett.

Ich würde jetzt aber in jedem fall mal Jinmittel besorgen und dieses Austriebspritzmittel.
Würdet ihr mir empfehlen gleich all meine Pflanzen damit zu behandeln (Ahorne, Buche, Kiefer)?

Ich würde mir dieses Jin Mittel bestellen:
Mod: Link gelöscht. Bitte die NB beachten. Keine kommerziellen Bonsailinks

hoffe das ist ok da ich mich überhaupt nicht damit auskenne.

grüsse
Serge

edit: Und falls ich die Wurzeln kontrollieren soll. Soll ich das jetzt machen oder im frühling erst?

Benutzeravatar
Ferry
Beiträge: 1638
Registriert: 28.10.2012, 12:45
Wohnort: Kuala Lumpur · 吉隆坡

Re: Vorgehen nach Wolllausbefall

Beitrag von Ferry » 18.01.2019, 09:03

Sanne hat geschrieben:
17.01.2019, 19:30
Auch ich kann das Aussehen der Wollläuse von Blutläuse nicht unterscheiden. Habe eben mal im Buch „Bonsai - Gestalten mit heimischen Gehölzen“ von Werner M. Busch/Achim R. Strecker nachgeschaut.

Unter „Die Gesundheit des Bonsai-Apfels“ auf Seite 314 steht: „...Die Blutlaus saugt an holzigen Teilen des Baumes und verursacht dort krebsartige Geschwulste. Sie ist leicht an ihrer wollig-weißen Wachsausscheidungen zu erkennen. Zerdrückt man die darunter sitzenden Tiere, erhält man ein blutrotes Mus, woher die Laus ihren Namen hat...“

Das Foto des Befalls von Blutlaus sowie die Behandlung usw. ist von Seite 374 dieses genannten Buches.

Grüße, Sanne
Danke, Sanne.

Der Hinweis aus dem Buch mit der austretenden roten Flüssigkeit beim Zerdrücken der Blutlaus ist eine eindeutige Identifikation. Der weiße Flaum oder die wattebauschähnlichen Gespinste der Wollläuse und Blutläuse sehen sich ähnlich. Ohne Vergrößerungsglas oder Mikroskop ist eine Ferndiagnose schwierig und unter dem Gespinst ist dann doch eine Blutlaus anstatt Wolllaus.

Ich habe vorletztes Jahr aufgrund großen Interesses die Ausbildung zur Sachkunde im Pflanzenschutz (Anwendung von Pflanzenschutzmittel / Beratung zum Pflanzenschutz gemacht, und bin berechtigt, Pflanzenschutzmittel anzuwenden und zu darüber zu beraten) und kann nicht oft genug empfehlen, ein Vergrößerungsglas und die Hände zu benutzen.

Vielleicht ist es doch die Blutlaus, aber die Bekämpfung der Blutlaus ist beim Bonsai gut und effektiv möglich.
LG,
F.

Antworten