Hilfe mein Baum ist krank !

Spezielle Baumpflege z.B. düngen, umtopfen, Erden, ein- und auswintern, Pflanzenschutz
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zopf
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Hilfe mein Baum ist krank !

Beitrag von zopf » 13.07.2019, 10:31

Hallo
Einfach mal nicht als Ratespiel !

Der erste Punkt ist eine möglichst konkrete Schadensbeschreibung.
Der nächste Punkt ist eine möglichst genaue Beschreibung der bisherigen Pflege- und Gestaltungsmaßnahmen.

Dazu kämen dann die möglichen Ursachen und wie man Sie erkennen kann
Wasser - Zuwenig, Zuviel
Dünger - Zuwenig, Zuviel
Insekten
Pilze

Und dann noch die Hauptursache - Ihr selbst
Mit dem letzten Punkt beginnend,
solange Ihr nicht einseht, das Ihr meist die Ursache seid,
solltet Ihr zurück auf Start gehen.
Bäume gibt es seid hunderten Millionen Jahren
und können auch mit widrigsten Umständen fertig werden.

Wasser - was passiert bei Zuwenig Wasser,
erst mal überhaupt nichts, dann fangen bei Laubbäumen die Blätter an zu hängen,
erst die obersten, sich dann nach unten ausbreiten.
Hängen die obersten Blätter ist überhaupt noch nichts schlimmes passiert,
Ihr gießt und 2-3 Stunden später sind alle Blätter wieder straff.
...
cogito ergo pups


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zopf
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Re: Hilfe mein Baum ist krank !

Beitrag von zopf » 13.07.2019, 11:55

Wenn Ihr nicht gegossen habt wenn die obersten Blätter hängen,
sondern auch die Unteren, ist immer noch nichts schlimmeres passiert.
Den Baum in den Schatten stellen, ganz vorsichtig etwas wässern,
nach ein paar Minuten kräftig wässern und nach 1-2 Tagen ist alles wieder beim alten.
Solltet Ihr aber immer noch nicht gegossen haben, trocknen die Blätter von den Spitzen her ein.
Erst jetzt ergeben sich Schäden, noch nicht kritisch für das Überleben des Baumes,
aber jetzt muss man handeln.

Wodurch bekommt der Baum Zuwenig Wasser ?
In erster Linie durch Zuwenig und falsches Gießen.
Einen leistungsfähigen Wurzelballen zu "erziehen", ist eine langwierige Aufgabe,
gehört aber zu den aller wichtigsten Basics bei der Pflege Unserer Zöglinge.
Dann noch die never ending Story mit dem Substrat.
Von modernen Substraten ist allen Anfängern (die ersten Jahre) abzuraten.
Da immer wieder auf Walter verwiesen wird,
sollte man zu aller erst mal überlegen,
ob man so gut wie Walter ist,
ob man so viel Erfahrung wie Walter besitzt,
ob man so viele und verschiedene Bäume wie Walter pflegt
und zu aller letzt, auch mal gut fürs Training der Augen
bei den tollen Dokus von Walter mal darauf achten,
das die meisten Kernballen seiner Japaner in einer Akadama-"Pampe" sitzen.

ps das soll kein Monolog sein, sondern der Versuch das Ihr Euer "Baumverständnis" erweitert
cogito ergo pups

Tete
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Re: Hilfe mein Baum ist krank !

Beitrag von Tete » 13.07.2019, 12:54

Hallo Dieter
Eine sehr schöne erklärung hast du da eingestellt.
Mir ist ein kleiner Weissdorn letztes Jahr fast eingegangen (ein Ast ist Tot).Ich hab so einige Bäume
aber der ist mir durchgegangen.Da wäre dein Bericht hilfreich gewesen,
also von mir *daumen_new* .
Gruß
Tete
Der Lohn des Künstlers ist der applaus.

Bonmotion

Re: Hilfe mein Baum ist krank !

Beitrag von Bonmotion » 13.07.2019, 13:14

Eine hervorragende Zusammenfassung! *daumen_new*

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achim73
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Re: Hilfe mein Baum ist krank !

Beitrag von achim73 » 13.07.2019, 13:24

Von modernen Substraten ist allen Anfängern (die ersten Jahre) abzuraten.
Da immer wieder auf Walter verwiesen wird,
sollte man zu aller erst mal überlegen,
ob man so gut wie Walter ist,
ob man so viel Erfahrung wie Walter besitzt,
ob man so viele und verschiedene Bäume wie Walter pflegt
und zu aller letzt, auch mal gut fürs Training der Augen
bei den tollen Dokus von Walter mal darauf achten,
das die meisten Kernballen seiner Japaner in einer Akadama-"Pampe" sitzen.
ich mache jetzt seit ca 15 jahren erfahrungen mit verschiedenen substratmischungen.
und das von dir geschriebene ist dieser erfahrung nach richtig und wichtig.

ich kann verstehen, dass man - aus preisgründen, weil es um die halbe welt geschippert wird etc. - kein akadama verwenden will. ich merke jedoch seit längerer zeit, dass eine gewisse beimischung (so 30 %) die pflege wesentlich vereinfacht. ich mache dafür in erster linie die wasserspeicherungseigenschaft und v.a. die fähigkeit zur pufferung (ph-wert, salzgehalt etc.) verantwortlich. bei kleineren sammlungen ist es auch kein wesentlicher kostenfaktor, oder anders gesagt: für einen 250-euro-rohling, der mir durch anspruchsvolle substrat/wasser/dünger-kombi verreckt, kann ich mir 20 säcke akadama kaufen.
ein weiterer günstiger bestandteil, der ph-puffernd wirkt, ist zeolith.
Gruss, Achim
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Re: Hilfe mein Baum ist krank !

Beitrag von Thorsten1504 » 13.07.2019, 13:36

Jep. "Walter Mischung" ist kein Allheilmittel und funktioniert auch nicht bei jedem.
Im Frühjahr und Herbst muss ich trotz durchlässigem Substrat aufpassen, das ich nicht zuviel gieße.
Würde ich da wie Walter agressiv wässern würde ich meine Bäume ersaufen.
Liegt aber sicherlich auch daran, weil ich viele Rohlinge mit noch nicht so ausgereiften und gut verzweigten Wurzelballen habe.
Außerdem stehen die dann auch noch in relativ großen Anzuchtschalen.

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Re: Hilfe mein Baum ist krank !

Beitrag von abardo » 13.07.2019, 17:00

Nicht zu vergessen: das Alter der Bäume. Die Grösse der Bäume. Wie lange die schon in der Schale stehen, wie hoch die Schale ist usw. EInen Shohin kann man m.M.n. bei sehr trockenem Klima nicht in ausschliesslich modernem Substrat halten. Es geht beim Substrat m.M.n. darum, das Substrat pro Baum "auf den Giesser" abzustimmen.

Dafür kann es kein einheitliches Rezept geben. Man muss den Wasserbedarf der Art kennen, den Zustand des Ballens, das ungefäre Alter des Baumes und das Verhältnis von Wuchskraft und jeweiliger Schalengrösse (bei letzterem wachsen einem manche Bäume nur zu schnell aus der Schale raus.

Am anderen Ende der "Skala" haben wir dann Yamadori, die schon lange in der Schale stehen, eine grossen, guten Ballen haben und dann "final" in modernem Substrat auf einen Slab kommen und NIE mehr umgetopft werden müssen.

Also: wer selbst im Sommer nur 2x pro Tag giessen kann, braucht ein Substrat dass zu "ihm" oder "ihr" passt und soviel Feuchtigkeit hält, bis man wieder giessen kann.

Und das geht nur mit Erfahrung, mit Lesen, mit Workshops, mit Austausch, mit gärtnern ... mit dem entwickeln eines Gefühls und der Fähigkeit "des Lesens von Pflanzen".
Grüße, Frank
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Re: Hilfe mein Baum ist krank !

Beitrag von abardo » 13.07.2019, 17:12

Und jetzt kommt noch "die Unke" (immer ich): wenn es bis 2030 in unseren Grossstädten 5-6 Grad und auf dem Land auch ein paar Grad wärmer wird, wird modernes Substrat immer seltener funktionieren, wenn man seine Gieshäufigkeit nicht erhöhen kann.

Die Unke sagt: bald stehen unsere Bäume in ganz grossen Schalen, am Besten auf Slabs mit riesigen Hügeln ... und ja ... ich sags ... reiner Bumenerde !
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Re: Hilfe mein Baum ist krank !

Beitrag von Thorsten1504 » 13.07.2019, 18:08

Ja wenn dem so ist.

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Re: Hilfe mein Baum ist krank !

Beitrag von abardo » 13.07.2019, 20:59

zopf hat geschrieben:
13.07.2019, 11:55
sondern der Versuch das Ihr Euer "Baumverständnis" erweitert
Zurück zu kranken Bäumen. Das "Baumverständnis" ist auch meine Grundlage, die ich immer weiter zu entwickeln suche. Zu oft merke ich, dass Leute, die vielleicht nur Zimmerpflanzen besitzen, keinerlei Wissen über Pflanzen haben und somit auch keinerlei Intuition entwickeln.

Oft herrscht dort das "Menschenbild" vor. Ala: eine Pflanze wird krank, wenn sie nicht das Beste zu essen bekommt oder wenn ihr kalt wird. Aber auch Grundlegendes, wie z.B. "das Pflanzen wachsen müssen, um gesund zu sein" oder das die eigentliche Pflanze ja zumeist unter der Erde sitzt, und das Grün nur zur Energieaufnahme und zur Vermehrung dient ... wird gar nicht wahrgenommen. Klimabedingungen werden vermenschlicht. "Ich fühl mich wohl, dann muss es auch der Pflanze gut gehen".

Der zeitliche viel grössere und langsamere Horizont unserer Bäume wird oft genug komplett ignoriert.

Und was in unseren Strassen und Wäldern gerade wie wächst wird weggeblendet. Wer guck sich schon mal ein paar Minuten einen Strassenbaum an ? Und macht das in einer Woche wieder beim gleichen Baum ? Über ein Jahr oder zehn Jahre ? Und analysiert das dann noch so für sich ?

Ist was, muss gehandelt werden und der Baum muss ins Krankenhaus und mit Chemie und Apparatemedizin behandelt werden. Das mag beim Menschen noch passen, kann einen bei Pflanzen aber nicht leiten.

Dabei braucht man oft einfach nur genau beobachten oder eine Entwicklung über Tage und Wochen vergleichen. Sich ans letzte Jahr erinnern. Mit den Augen, der Nase und den Fingern.

Ich kann daher empfehlen: wer Bonsai machen möchte, sollte auch andere Pflanzen im Garten und Balkon sähen, vermehren, pflegen, ernten. Ein guter Gärtner wird immer auch ein guter Bonsaipfleger sein. Und wer in einer Wohnung ohne Balkon lebt ? Der soll sich draussen einen Baum suchen und ihm einen Namen geben ... aber bitte keinen menschlichen.

P.S.: https://www.n-tv.de/wissen/Europas-Stae ... 38089.html
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Re: Hilfe mein Baum ist krank !

Beitrag von Thorsten1504 » 13.07.2019, 22:23

Propaganda und Panikmache um ne Co2 Steuer durchzudrücken und uns wieder ein bißchen mehr einzuschränken durch Dieselfahrverbote, höhere Benzinpreise, höhere Strompreise usw.

Willkommen bei Orwell 1984 :-D

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Re: Hilfe mein Baum ist krank !

Beitrag von abardo » 13.07.2019, 22:43

Bei Orwell gehts um Überwachung. Thema verfehlt.

Wer die Klimakatastrophe und die Wetterveränderungen nicht sieht, der wird wohl auch kein Baumverständnis entwickeln.
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Re: Hilfe mein Baum ist krank !

Beitrag von Venkmaster » 13.07.2019, 23:32

zopf hat geschrieben:
13.07.2019, 11:55
Dann noch die never ending Story mit dem Substrat.
Von modernen Substraten ist allen Anfängern (die ersten Jahre) abzuraten.
Da immer wieder auf Walter verwiesen wird,
sollte man zu aller erst mal überlegen,
ob man so gut wie Walter ist,
ob man so viel Erfahrung wie Walter besitzt,
ob man so viele und verschiedene Bäume wie Walter pflegt
und zu aller letzt, auch mal gut fürs Training der Augen
bei den tollen Dokus von Walter mal darauf achten,
das die meisten Kernballen seiner Japaner in einer Akadama-"Pampe" sitzen.

ps das soll kein Monolog sein, sondern der Versuch das Ihr Euer "Baumverständnis" erweitert
Ich bin sehr dankbar für diesen Thread, er gibt mir ein gutes Gefühl das ganze auch als Anfänger hin zu bekommen.
Allerdings möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass ich nicht nur modernes substrat verwende, weil mir Walter als erster Bonsai “Guru“ über den weg lief oder weil ich fast Fan von ihm bin :-D , sondern weil er in bekanntem Artikel davon schreibt, dass er die Methode auf alle Bäume anwendet , egal ob groß, klein , jung oder alt. Genauso wenig steht in dem Artikel das, dass nur bei Walter funktioniert, sondern, dass es sich um moderne allgemeingültige Methoden handelt.
Sei's drum, ich werde die Bäumchen wieder in herkömmliche Bonsaierde stecken. Es leuchtet mir schon ein, dass “nur“ richtiges wässern einfacher ist, als substrat-wässern-düngen komplett zu beherrschen.

Jetzt bleiben für mich aber noch ein paar Fragen offen. Zuallererst natürlich ob ich zu dieser Jahreszeit das substrat wechseln darf oder geht das auch nur zu den gängigen Umtopfzeiten im Frühjahr?

Benötigt die Hainbuche und/oder die Bergulme eine größere Schale?
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Soll ich den Wacholder auch in Bonsaierde wechseln obwohl er gut gedeiht?
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Re: Hilfe mein Baum ist krank !

Beitrag von espanna » 14.07.2019, 00:11

Hallo Michael,

umsetzen (also ohne Wurzelschnitt) geht immer. Mit Wurzelschnitt halt im Frühling, oder Spätsommer.
Wie im anderen Thread geschrieben, solltest du die Pflege anpassen.
Dafür solltest du wissen wie oft du es am Tag sicher schaffst zu gießen.
Welchen Dünger wird dein gewähltes Substrat vertragen?
Wie groß soll die Schale sein?
Brauchen die Bàume viel wachstum?

Wenn der Wacholder gut wächst, kannst du ihn ja bis zum nächsten Frühling lassen und dann in DEIN Substrat topfen. Es ist ratsam einen Substrat im Bestand zu haben, dann kannst du die Pflege optimal anpassen.
Gruß
László

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Re: Hilfe mein Baum ist krank !

Beitrag von Arthur Dent » 14.07.2019, 01:40

Thorsten1504 hat geschrieben:
13.07.2019, 13:36
Im Frühjahr und Herbst muss ich trotz durchlässigem Substrat aufpassen, das ich nicht zuviel gieße.
Würde ich da wie Walter agressiv wässern würde ich meine Bäume ersaufen.
Liegt aber sicherlich auch daran, weil ich viele Rohlinge mit noch nicht so ausgereiften und gut verzweigten Wurzelballen habe.
Verstehe ich nicht. Kleine Wurzelballen ersaufen schneller als Große? Woran erkennst du das du deine Pflanzen im modernen Substrat übergießt?

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