Hilfe mein Baum ist krank !

Spezielle Baumpflege z.B. düngen, umtopfen, Erden, ein- und auswintern, Pflanzenschutz
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Re: Hilfe mein Baum ist krank !

Beitrag von bock » 15.07.2019, 09:21

... und zu viel Wasser führt zu Chlorose.
Wie auch ein ungeeigneter pH-Wert, zu wenig Dünger (Stickstoff), in selteneren Fällen Mangel an Spurenelementen wie Magnesium, Eisen, Mangan, Schwefel, Bor, ...
liebe Grüße Andreas
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Arthur Dent
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Re: Hilfe mein Baum ist krank !

Beitrag von Arthur Dent » 15.07.2019, 23:54

Was ist ein geeigneter pH wert? Wie erreicht man ihn, bzw. wodurch wird er ungünstig beeinflusst?

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Re: Hilfe mein Baum ist krank !

Beitrag von mydear » 16.07.2019, 00:44

Arthur Dent hat geschrieben:
15.07.2019, 23:54
Was ist ein geeigneter pH wert? Wie erreicht man ihn, bzw. wodurch wird er ungünstig beeinflusst?
Der pH-Wert hat eine Skala von 0 bis 14, wobei pH = 7 als neutral gilt. Darunter ist der Boden sauer, über 7 ist er alkalisch (basisch).
Die meisten Pflanzen fühlen sich in schwach saurer Erde wohl bei etwa pH = 6-7. Durch kalkhaltiges Gestein erhöht sich der pH-Wert. Mit Torf kann er angesäuert (erniedrigt) werden. Azaleen, Kamelien und Heidelbeeren brauchen sauren Boden mit pH = 4,5-5,5. Azaleen-Bonsai stehen meist in reinem Kanuma, das diesen pH-Wert bietet.

Grüße
Rainer

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Re: Hilfe mein Baum ist krank !

Beitrag von bock » 16.07.2019, 07:47

Das Substrat hat eine gewisse Pufferkapazität, dennoch beeinflusst auch der pH-Wert bzw. die Härte des Gießwassers und der Dünger den pH-Wert des Substrates.
Regenwasser ist weich und meist sauer, Leitungswasser ist je nach Herkunft meist pH-neutral und mehr oder weniger hart. Die Ca-Ionen ("Kalk") führen auf Dauer zu einer Anhebung des pH-Wertes und Krustenbildung an Nebari und Schalenrand.
liebe Grüße Andreas
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Re: Hilfe mein Baum ist krank !

Beitrag von zopf » 16.07.2019, 08:52

Hallo
Ein dauerhaft zu nasses Substrat bringt also nur Nachteile,
die die Gesundheit des Baumes stark beeinträchtigen.
Eigentlich sollte man daraus schließen das die beste Zeit zum Gießen in den Vormittagsstunden liegt.
In den frühen Morgenstunden sorgt der Tau für eine leichte Befeuchtung.
Da es für die Durchlüftung des Substrats positiv ist wenn einmal am Tag gegossen wird,
sollte also ein gutes Substrat so gewählt werden, das es innerhalb eines Tages soweit abgetrocknet ist,
das über Nacht nur wenig Feuchtigkeit im Substrat ist.
Wasser ist ein guter Wärmeleiter und die Nachts abfallenden Temperaturen
können das Substrat schneller auskühlen.
Grob geschrieben gibt es 2 Arten von Zellwachstum,
Teilungs- und Streckungswachstum, wobei letzteres "weicher" ist und eher von Schädlingen bevorzugt wird.
Der Gießvorgang selbst ist meist viel zu oberflächlich,
der erste Guss sollte dazu dienen das Substrat aufnahmefähiger zu machen
und nach der ersten Runde kommt der 2te Gießvorgang der durchdringend sein sollte,
bis das Wasser aus den Drainagelöchern kommt.
Bei kleinen Bäumen und verdichtetem Substrat ist Tauchen eine gute Vorgehensweise,
da beim "normalen" Gießen der Kernballen meist trocken bleibt.
mfG Dieter

ps vielleicht hat jemand Lust dies alles etwas zusammen zu fassen
und in gut verständlicher Weise, am Besten auch Bildern
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Re: Hilfe mein Baum ist krank !

Beitrag von abardo » 16.07.2019, 09:42

Hi,

generell ist es klar. Morgens ist besser und wenns schön warm ist noch am Nachmittag, wenns heiss ist, morgens, mittags und späten Nachmittag. Gucken, fühlen und Erfahrung sind aber besser.

Den Giesszeitpunkt kann man leider auch nicht an der Uhrzeit festmachen (siehe Kalender oben). Wenn es regnet, braucht man gar nicht giessen. Hat es morgens geregnet, brauch ich morgens nicht giessen. Hat es nur getröpfelt, kommt in der Schale nichts an und ich muss trotzdem giessen. Wenn es 40 Grad sind, reicht 1x giessen nicht aus usw.

Im Winter reichen je nach Unterkunft und Art alle paar Tage, alle paar Wochen oder gar nicht.
Gerade das Giessen im Winter finde ich schwieriger als im Rest des Jahres. Immergrüne brauch schon öfter Wasser, Nadelbäume auch mal, manche Laubbäume lieben es im Winter feucht, andere eher nicht.

Und dann hängt das alles noch vom Standort, Kleinklima, Wind und Wetter ab.

Giessen kann man in der Wachstumsphase, wenn der Ballen trocken ist und das hängt wieder von der Schale (Ton, Holz, Plastik, TPK ?), deren Grösse, Höhe, dem Alter des Zöglings und dem Zustand des Ballens ab. Und natürlich wieder vom Substrat. Und da empfehle ich immer wieder: passt das Substrat an euer Giessverhalten an. Wer will schon jeden Baum jede Stunde einzeln begucken und giessen ? Nein, das Substrat sollte pro Baum so zusammengestellt werden, dass alle Bäume mit der gleichen Giesshäufigkeit klarkommen.

Das sieht man mit der Zeit, das kann man testen (Stäbchen) oder Zeigerpflanzen begucken. Ich habe auf allen meinen Bäumen Moos und sehe zumeist schon daran, wann es Zeit ist.

Tipp: besorgt euch eine Mame-Weigelie oder -Pfaffenhut. Die brauchen so oft und viel Wasser, lassen dann ganz fix die Blätter hängen, erholen sich aber auch ohne Schaden immer wieder. Prima Zeigerpflanzen.

Zu den kranken Bäumen sollten wir noch die Schädlinge "durchhecheln".
Zuletzt geändert von abardo am 16.07.2019, 11:22, insgesamt 1-mal geändert.
Grüße, Frank
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Re: Hilfe mein Baum ist krank !

Beitrag von zopf » 16.07.2019, 10:18

Hallo Frank
Bei komplexen Themen ist es durchaus ratsam sich vom Allgemeinen zu Speziellen durchzuarbeiten
Pflanze
Baum
Laubbaum
Ahorn
Fächerahorn

Die Feuchtigkeit im Substrat ist alleine ausschlaggebend,
welches Substrat, welcher Topf, welches Klima usw ist beim Umtopfen wichtig,
damit gewährleistet ist das das Substrat an einem Tag trocknet.
Auch bei Regen muss der Feuchtigkeitsgehalt überprüft werden,
da gerade bei Laubbäumen, durch da Blätterdach bedingt, das Substrat nicht durchfeuchtet wird.
mfG Dieter
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Re: Hilfe mein Baum ist krank !

Beitrag von abardo » 16.07.2019, 11:04

Exakt. Nur kann ich dann die Leute nicht verstehen, die immer das gleiche moderne Substrat empfehlen, in der gleichen Zusammensetzung. Macht für mich bei verschiedenen Arten und Schalen und dem jeweilig verschiedenen Standort und Klima keinerlei Sinn.

"Morgentau" finde ich z.B. lustig. Den gibt es bei uns im Hochsommer bei tropischen Nächten schon lange nicht mehr. Da giesse ich gerne auch mal richtig spät am Abend, damit die über Nacht nicht austrocknen *kopfkratz*

Vor zwei Monaten habe ich einen Pfaffenhut-Mehrfachstrunk aus einem Garten gerettet und dachte mir ... hm ... Pfaffenhut ... da pack ich mal lieber etwas mehr Rindenhumus rein als sonst. Jetzt ist er schon so stark gewachsen, dass er mir die ziemlich grosse Plastikschale trotzdem viel schneller leerlutscht als alle anderen Bäume, selbst bei aktuell gemässigten Temperaturen. Muss ich wohl umtopfen und auf 50% Rindenhumus gehen ... oder Blumenerde ...
Grüße, Frank
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Re: Hilfe mein Baum ist krank !

Beitrag von espanna » 16.07.2019, 12:12

abardo hat geschrieben:
16.07.2019, 11:04
Exakt. Nur kann ich dann die Leute nicht verstehen, die immer das gleiche moderne Substrat empfehlen, in der gleichen Zusammensetzung.
Die Zusammensetzung ist bei mir auch immer gleich, nur die Mengen / Verhältnisse ändern sich je nach Art, Reife, Schale......
Funktioniert einwandfrei.
Gruß
László

"Wer arbeitet, macht Fehler."
Alfred Krupp

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Re: Hilfe mein Baum ist krank !

Beitrag von bock » 16.07.2019, 13:14

zopf hat geschrieben:
16.07.2019, 08:52
...
mfG Dieter

ps vielleicht hat jemand Lust dies alles etwas zusammen zu fassen
und in gut verständlicher Weise, am Besten auch Bildern
Moin,

ich habe mal versucht, die Beiträge, die sich primär mit dem Thema "Wasser" auseinandersetzen, im Zusammenhang aufzureihen. Ein "Fazit" habe ich noch nicht gezogen, da ich der Ansicht bin, es ist noch nicht alles Wesentliche zum Thema geschrieben.
Zwar könnte man die allgemeinen Prinzipien der Pflege, zum Punkt "Gießen" bereits zusammenfassen, im Detail sollte vielleicht noch auf die verschiedenen Ansprüche nach Pflanzenart, Jahreszeit und Kleinklima eingegangen werden.
Ein Südbalkon in Freiburg ist ja doch anders als ein umbauter Hinterhof in Hamburg.
Winter sind nicht alle gleich, und Sommer auch nicht. Nicht überall.
Ein Wacholder ist keine Schwarzerle.
Ist der Baum aktiv oder in Winterruhe, sind die äusseren Bedingungen (im Sommer/im Winter) der Art angemessen?
Das würde vermutlich zu weit führen, dennoch müssen auch diese Variablen bei der Pflege berücksichtigt werden.
Hilfe mein Baum ist krank!
Aus dem BFF von „zopf“ (Dieter)

Hallo
Einfach mal nicht als Ratespiel !

Der erste Punkt ist eine möglichst konkrete Schadensbeschreibung.
Der nächste Punkt ist eine möglichst genaue Beschreibung der bisherigen Pflege- und Gestaltungsmaßnahmen.

Dazu kämen dann die möglichen Ursachen und wie man Sie erkennen kann
Wasser - Zuwenig, Zuviel
Dünger - Zuwenig, Zuviel
Insekten
Pilze

Und dann noch die Hauptursache - Ihr selbst
Mit dem letzten Punkt beginnend,
solange Ihr nicht einseht, das Ihr meist die Ursache seid,
solltet Ihr zurück auf Start gehen.
Bäume gibt es seit hunderten Millionen Jahren
und können auch mit widrigsten Umständen fertig werden.

Wasser - was passiert bei Zuwenig Wasser,
erst mal überhaupt nichts, dann fangen bei Laubbäumen die Blätter an zu hängen,
erst die obersten, sich dann nach unten ausbreiten.
Hängen die obersten Blätter ist überhaupt noch nichts schlimmes passiert,
Ihr gießt und 2-3 Stunden später sind alle Blätter wieder straff.
...
Wenn Ihr nicht gegossen habt wenn die obersten Blätter hängen,
sondern auch die Unteren, ist immer noch nichts schlimmeres passiert.
Den Baum in den Schatten stellen, ganz vorsichtig etwas wässern,
nach ein paar Minuten kräftig wässern und nach 1-2 Tagen ist alles wieder beim alten.
Solltet Ihr aber immer noch nicht gegossen haben, trocknen die Blätter von den Spitzen her ein.
Erst jetzt ergeben sich Schäden, noch nicht kritisch für das Überleben des Baumes,
aber jetzt muss man handeln.

Wodurch bekommt der Baum Zuwenig Wasser ?
In erster Linie durch Zuwenig und falsches Gießen.
Einen leistungsfähigen Wurzelballen zu "erziehen", ist eine langwierige Aufgabe,
gehört aber zu den aller wichtigsten Basics bei der Pflege Unserer Zöglinge.
Dann noch die never ending Story mit dem Substrat.
Von modernen Substraten ist allen Anfängern (die ersten Jahre) abzuraten.
Da immer wieder auf Walter verwiesen wird,
sollte man zu aller erst mal überlegen,
ob man so gut wie Walter ist,
ob man so viel Erfahrung wie Walter besitzt,
ob man so viele und verschiedene Bäume wie Walter pflegt
und zu aller letzt, auch mal gut fürs Training der Augen
bei den tollen Dokus von Walter mal darauf achten,
dass die meisten Kernballen seiner Japaner in einer Akadama-"Pampe" sitzen.

ps das soll kein Monolog sein, sondern der Versuch dass Ihr Euer "Baumverständnis" erweitert

achim73 (Achim):
ich kann verstehen, dass man - aus preisgründen, weil es um die halbe welt geschippert wird etc. - kein akadama verwenden will. ich merke jedoch seit längerer zeit, dass eine gewisse beimischung (so 30 %) die pflege wesentlich vereinfacht. ich mache dafür in erster linie die wasserspeicherungseigenschaft und v.a. die fähigkeit zur pufferung (ph-wert, salzgehalt etc.) verantwortlich. bei kleineren sammlungen ist es auch kein wesentlicher kostenfaktor, oder anders gesagt: für einen 250-euro-rohling, der mir durch anspruchsvolle substrat/wasser/dünger-kombi verreckt, kann ich mir 20 säcke akadama kaufen.
ein weiterer günstiger bestandteil, der ph-puffernd wirkt, ist zeolith.

abardo (Frank):
Nicht zu vergessen: das Alter der Bäume. Die Grösse der Bäume. Wie lange die schon in der Schale stehen, wie hoch die Schale ist usw. EInen Shohin kann man m.M.n. bei sehr trockenem Klima nicht in ausschliesslich modernem Substrat halten. Es geht beim Substrat m.M.n. darum, das Substrat pro Baum "auf den Giesser" abzustimmen.

Dafür kann es kein einheitliches Rezept geben. Man muss den Wasserbedarf der Art kennen, den Zustand des Ballens, das ungefähre Alter des Baumes und das Verhältnis von Wuchskraft und jeweiliger Schalengrösse (bei letzterem wachsen einem manche Bäume nur zu schnell aus der Schale raus.

Am anderen Ende der "Skala" haben wir dann Yamadori, die schon lange in der Schale stehen, eine grossen, guten Ballen haben und dann "final" in modernem Substrat auf einen Slab kommen und NIE mehr umgetopft werden müssen.

Also: wer selbst im Sommer nur 2x pro Tag giessen kann, braucht ein Substrat dass zu "ihm" oder "ihr" passt und soviel Feuchtigkeit hält, bis man wieder giessen kann.

Und das geht nur mit Erfahrung, mit Lesen, mit Workshops, mit Austausch, mit gärtnern ... mit dem entwickeln eines Gefühls und der Fähigkeit "des Lesens von Pflanzen".
Und jetzt kommt noch "die Unke" (immer ich): wenn es bis 2030 in unseren Grossstädten 5-6 Grad und auf dem Land auch ein paar Grad wärmer wird, wird modernes Substrat immer seltener funktionieren, wenn man seine Giesshäufigkeit nicht erhöhen kann.

Die Unke sagt: bald stehen unsere Bäume in ganz grossen Schalen, am Besten auf Slabs mit riesigen Hügeln ... und ja ... ich sags ... reiner Blumenerde !
Zurück zu kranken Bäumen. Das "Baumverständnis" ist auch meine Grundlage, die ich immer weiter zu entwickeln suche. Zu oft merke ich, dass Leute, die vielleicht nur Zimmerpflanzen besitzen, keinerlei Wissen über Pflanzen haben und somit auch keinerlei Intuition entwickeln.

Oft herrscht dort das "Menschenbild" vor. Ala: eine Pflanze wird krank, wenn sie nicht das Beste zu essen bekommt oder wenn ihr kalt wird. Aber auch Grundlegendes, wie z.B. "das Pflanzen wachsen müssen, um gesund zu sein" oder das die eigentliche Pflanze ja zumeist unter der Erde sitzt, und das Grün nur zur Energieaufnahme und zur Vermehrung dient ... wird gar nicht wahrgenommen. Klimabedingungen werden vermenschlicht. "Ich fühl mich wohl, dann muss es auch der Pflanze gut gehen".

Der zeitliche viel grössere und langsamere Horizont unserer Bäume wird oft genug komplett ignoriert.

Und was in unseren Strassen und Wäldern gerade wie wächst wird weggeblendet. Wer guck sich schon mal ein paar Minuten einen Strassenbaum an ? Und macht das in einer Woche wieder beim gleichen Baum ? Über ein Jahr oder zehn Jahre ? Und analysiert das dann noch so für sich ?

Ist was, muss gehandelt werden und der Baum muss ins Krankenhaus und mit Chemie und Apparatemedizin behandelt werden. Das mag beim Menschen noch passen, kann einen bei Pflanzen aber nicht leiten.

Dabei braucht man oft einfach nur genau beobachten oder eine Entwicklung über Tage und Wochen vergleichen. Sich ans letzte Jahr erinnern. Mit den Augen, der Nase und den Fingern.

Ich kann daher empfehlen: wer Bonsai machen möchte, sollte auch andere Pflanzen im Garten und Balkon sähen, vermehren, pflegen, ernten. Ein guter Gärtner wird immer auch ein guter Bonsaipfleger sein. Und wer in einer Wohnung ohne Balkon lebt ? Der soll sich draussen einen Baum suchen und ihm einen Namen geben ... aber bitte keinen menschlichen.

P.S.: https://www.n-tv.de/wissen/Europas-Stae ... 38089.html

zopf (Dieter):
Was passiert bei zu viel Wasser ?

achim73 (Achim):
wenn der baum zuviel wasser bekommt, passiert - je nach jahreszeit - mehreres:
- die temperatur im ballen bleibt niedrig -> schlechtes oder gar kein wurzelwachstum
- es kommt keine luft mehr an die wurzeln -> wurzelfäule, im extremfall tod der pflanze.

wären für mich die beiden hauptpunkte.

zopf (Dieter):
Hallo Achim
Das sind die beiden wesentlichen Punkte,
wobei die Wurzelatmung das größere Problem darstellt.
Wurzeln die nicht atmen können sterben ab
und dadurch kann ein zu nasses Substrat zum Vertrocknen des Baumes führen.
Auch die Nährsalze werden ausgespült, da rein mineralische Substrate mit "Ersatzstoffen"
keine oder nur wenig Nährstoffe speichern.
Blattspitzen bei dauerhaft zu nassem Substrat sind oft dunkelbraun bis schwarz und schlaff,
bei Überdüngung farblich ähnlich aber hart.
mfG Dieter

achim73 (Achim):
das ist ein weiter schwieriger punkt...oft sind nämlich die symptome durch zu nasses substrat ähnlich denen der trockenschäden (ist ja auch logisch, im blatt kommt zu wenig wasser an). dadurch ist es oft schwer, anhand des symptoms "braune blattspitzen" eine diagnose zu stellen.

abardo (Frank):
Finde ich nicht, Achim. Der Unterschied an den Blättern ist zumeist gut zu erkennen. Schwarz und schlapp ist was anderes aus dunkelbraun und hart oder hellbraun und bröselig (Trocken/Hitzeschaden). Geräufelte Blätter sind zumeist Schädlinge, ein sichtbares Skelett mit hellgrünen Zwischenräumen ist Chlorose, komplett gelbe Blätter und gelbe Flecken deuten auf zu viel Wasser (ohne Wurzelschaden, aber alle Nährstoffe ausgespült) usw ...

Bei Nadeln geht das auch gut, man achtet auf die Spitzen und mittleren Bereiche und insbesondere "Ringe" (braune Ringe sind z.B. was anderes als schwarze).

Dann gibt es noch Bisspuren, Löcher, Veränderungen am Stamm, an der Substratoberfläche (Schimmel heisst z.B. zu wenig Belüftung im Substrat) usw. Treten die Symptome einzeln auf, ist die Diagnose oft auch einfach. Schwieriger wirds, wenn sich mehrere Faktoren beeinflussen. Da hilft nur Erfahrung.

Interessant finde ich noch, was genau in den Schalen als Beiwerk wächst. Auch daran kann man viel ablesen, damit beschäftig sich aber wohl kaum einer ...

Arthur Dent (Arthur):
Na, das sind ja mal klare Ansagen!
Ich fasse diese für mich nochmals zusammen. Bitte korrigiert mich wenn ich was falsch verstanden habe.

Zuviel Wasser:
Blattspitzen dunkelbraun bis schwarz und schlaff.
Zuwenig Wasser:
Blattspitzen hellbraun und bröselig.

Zuviel Dünger:
Blattspitzen dunkelbraun bis schwarz und hart.
Zuwenig Dünger:
gelbe Blätter durch ausspülen der Nährsalze.

Chlorose: sichtbares Skelett mit hellgrünen Zwischenräumen.


In einem andere Thread gab es in den letzten Tagen noch eine Diskussion bezüglich pH-Wert.
Passt das hier Inhaltlich auch irgendwie rein?

Gruß Arthur

espanna (László):
(…)
Und es ist zwar richtig dass eine Pflanze in einen großen Topf viel Platz zum Wachsen hat, ABER je größer der Topf, desto länger bleibt es nass und KALT. Die Wurzeln benötigen jedoch Wärme um zu wachsen. Erst wenn die Wurzeln ok sind, gehts oben ab. Also auch, oder vor allem bei Yamadori: den Topf so groß wie nötig und so klein wie möglich.

Über das Wässern bzw. Wasserhaushalt in der Schale; Es ist fast egal wie oft du wässern kannst, wenn du dich darauf nur einstellst. Wenn ich mit dem Gießen nicht hinterher komme, gebe ich ca. 1-2 Cm feinkörniges Substrat auf die Oberfläche. Das reicht schon meistens, wenn nicht kann ich auch die Bäume so auslichten, zurückschneiden (vor dem Urlaub...) dass der Wasserverbrauch runtergeht. Zur not könnten noch die Bäume in den Halbschatten (Shohin und Mame mal ausgenommen).

Es gibt viele Möglichkeiten, nur sollte jeder begreifen was er selber leisten kann, was die Pfleglinge brauchen und 1+1 zusammenzählen.
Zusäzlich würde ich noch sagen dass durch zu viel Wasser beim Austrieb die Internodien auch länger werden.

bock (Andreas):
... und zu viel Wasser führt zu Chlorose.
Wie auch ein ungeeigneter pH-Wert, zu wenig Dünger (Stickstoff), in selteneren Fällen Mangel an Spurenelementen wie Magnesium, Eisen, Mangan, Schwefel, Bor, ...

zopf (Dieter):
Hallo
Ein dauerhaft zu nasses Substrat bringt also nur Nachteile,
die die Gesundheit des Baumes stark beeinträchtigen.
Eigentlich sollte man daraus schließen das die beste Zeit zum Gießen in den Vormittagsstunden liegt.
In den frühen Morgenstunden sorgt der Tau für eine leichte Befeuchtung.
Da es für die Durchlüftung des Substrats positiv ist wenn einmal am Tag gegossen wird,
sollte also ein gutes Substrat so gewählt werden, das es innerhalb eines Tages soweit abgetrocknet ist,
das über Nacht nur wenig Feuchtigkeit im Substrat ist.
Wasser ist ein guter Wärmeleiter und die Nachts abfallenden Temperaturen
können das Substrat schneller auskühlen.
Grob geschrieben gibt es 2 Arten von Zellwachstum,
Teilungs- und Streckungswachstum, wobei letzteres "weicher" ist und eher von Schädlingen bevorzugt wird.
Der Gießvorgang selbst ist meist viel zu oberflächlich,
der erste Guss sollte dazu dienen das Substrat aufnahmefähiger zu machen
und nach der ersten Runde kommt der 2te Gießvorgang der durchdringend sein sollte,
bis das Wasser aus den Drainagelöchern kommt.
Bei kleinen Bäumen und verdichtetem Substrat ist Tauchen eine gute Vorgehensweise,
da beim "normalen" Gießen der Kernballen meist trocken bleibt.
mfG Dieter

ps vielleicht hat jemand Lust dies alles etwas zusammen zu fassen
und in gut verständlicher Weise, am Besten auch Bildern

abardo (Frank):
Hi,

generell ist es klar. Morgens ist besser und wenns schön warm ist noch am Nachmittag, wenns heiss ist, morgens, mittags und späten Nachmittag. Gucken, fühlen und Erfahrung sind aber besser.

Den Giesszeitpunkt kann man leider auch nicht an der Uhrzeit festmachen (siehe Kalender oben). Wenn es regnet, braucht man gar nicht giessen. Hat es morgens geregnet, brauch ich morgens nicht giessen. Hat es nur getröpfelt, kommt in der Schale nichts an und ich muss trotzdem giessen. Wenn es 40 Grad sind, reicht 1x giessen nicht aus usw.

Im Winter reichen je nach Unterkunft und Art alle paar Tage, alle paar Wochen oder gar nicht.
Gerade das Giessen im Winter finde ich schwieriger als im Rest des Jahres. Immergrüne brauch schon öfter Wasser, Nadelbäume auch mal, manche Laubbäume lieben es im Winter feucht, andere eher nicht.

Und dann hängt das alles noch vom Standort, Kleinklima, Wind und Wetter ab.

Giessen kann man in der Wachstumsphase, wenn der Ballen trocken ist und das hängt wieder von der Schale (Ton, Holz, Plastik, TPK ?), deren Grösse, Höhe, dem Alter des Zöglings und dem Zustand des Ballens ab. Und natürlich wieder vom Substrat. Und da empfehle ich immer wieder: passt das Substrat an euer Giessverhalten an. Wer will schon jeden Baum jede Stunde einzeln begucken und giessen ? Nein, das Substrat sollte pro Baum so zusammengestellt werden, dass alle Bäume mit der gleichen Giesshäufigkeit klarkommen.

Das sieht man mit der Zeit, das kann man testen (Stäbchen) oder Zeigerpflanzen begucken. Ich habe auf allen meinen Bäumen Moos und sehe zumeist schon daran, wann es Zeit ist.

Tipp: besorgt euch eine Mame-Weigelie oder -Pfaffenhut. Die brauchen so oft und viel Wasser, lassen dann ganz fix die Blätter hängen, erholen sich aber auch ohne Schaden immer wieder. Prima Zeigerpflanzen.

Zu den kranken Bäumen sollten wir noch die Schädlinge "durchhecheln".

zopf (Dieter):

Die Feuchtigkeit im Substrat ist alleine ausschlaggebend,
welches Substrat, welcher Topf, welches Klima usw ist beim Umtopfen wichtig,
damit gewährleistet ist das das Substrat an einem Tag trocknet.
Auch bei Regen muss der Feuchtigkeitsgehalt überprüft werden,
da gerade bei Laubbäumen, durch da Blätterdach bedingt, das Substrat nicht durchfeuchtet wird.
mfG Dieter

abardo (Frank):

(…)
"Morgentau" finde ich z.B. lustig. Den gibt es bei uns im Hochsommer bei tropischen Nächten schon lange nicht mehr. Da giesse ich gerne auch mal richtig spät am Abend, damit die über Nacht nicht austrocknen

Vor zwei Monaten habe ich einen Pfaffenhut-Mehrfachstrunk aus einem Garten gerettet und dachte mir ... hm ... Pfaffenhut ... da pack ich mal lieber etwas mehr Rindenhumus rein als sonst. Jetzt ist er schon so stark gewachsen, dass er mir die ziemlich grosse Plastikschale trotzdem viel schneller leerlutscht als alle anderen Bäume, selbst bei aktuell gemässigten Temperaturen. Muss ich wohl umtopfen und auf 50% Rindenhumus gehen ... oder Blumenerde ...

liebe Grüße Andreas
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Re: Hilfe mein Baum ist krank !

Beitrag von abardo » 16.07.2019, 14:06

espanna hat geschrieben:
16.07.2019, 12:12
abardo hat geschrieben:
16.07.2019, 11:04
Exakt. Nur kann ich dann die Leute nicht verstehen, die immer das gleiche moderne Substrat empfehlen, in der gleichen Zusammensetzung.
Die Zusammensetzung ist bei mir auch immer gleich, nur die Mengen / Verhältnisse ändern sich je nach Art, Reife, Schale......
Funktioniert einwandfrei.
Echt ? Torfanteil für Nadelbäume bzw. gar keinen organischen Anteil im Laubbaumsubstrat ? Wenns bei dir klappt, prima. Nur kann man daraus nicht ableiten, dass es überall und bei jedem klappt, ne *z*
Grüße, Frank
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Re: Hilfe mein Baum ist krank !

Beitrag von zopf » 16.07.2019, 14:43

Hallo
Es kommt immer wieder in den Bereich Substrat
und Shohin und Mame mal etwas aussen vor gelassen,
kann man alle Bäume mit Aka/Kiryu Mischung und 2 maligem gießen am Tag bei uns kultivieren.
Bei mir stehen über 100 Bäume, 40-50 verschiedene Arten, von Shohin - 2 Mann Baum
und alle stehen in obiger Mischung, die am längsten kultivierten seit 30 Jahren.
Das Substrat muss im Zusammenhang mit einem leistungsfähigen Wurzelballen gesehen werden
und bei letzterem ist meistens der Knackpunkt.
mfG Dieter
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Re: Hilfe mein Baum ist krank !

Beitrag von bock » 16.07.2019, 15:26

zopf hat geschrieben:
16.07.2019, 14:43
...
kann man alle Bäume mit Aka/Kiryu Mischung und 2 maligem gießen am Tag bei uns kultivieren.
...
Hallo Dieter,

das will ich nicht bezweifeln, doch zur Klärung lieber nochmal nachgefragt: auch Azaleen, Birken, Fächerahorn - ohne organischen Anteil?
Egal ob Verfeinerungsphase oder Rohmaterialentwicklung? Unabhängig von Keramikschale oder TPK?
Ich gehöre beim Substrat nicht zu den "Mutigen", habe aber auch noch nicht "die passende Mischung" gefunden.
Ich vermute, bei dieser Substratmischung ist dann auch die Düngestrategie nicht beliebig austauschbar?
liebe Grüße Andreas
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Re: Hilfe mein Baum ist krank !

Beitrag von abardo » 16.07.2019, 15:47

zopf hat geschrieben:
16.07.2019, 14:43
Hallo
Es kommt immer wieder in den Bereich Substrat
und Shohin und Mame mal etwas aussen vor gelassen,
kann man alle Bäume mit Aka/Kiryu Mischung und 2 maligem gießen am Tag bei uns kultivieren.
Bei mir stehen über 100 Bäume, 40-50 verschiedene Arten, von Shohin - 2 Mann Baum
und alle stehen in obiger Mischung, die am längsten kultivierten seit 30 Jahren.
Das Substrat muss im Zusammenhang mit einem leistungsfähigen Wurzelballen gesehen werden
und bei letzterem ist meistens der Knackpunkt.
mfG Dieter
Ne Dieter, das lasse ich so generell nicht gelten. Du klammerst die Kleinen schonmal aus. Du wohnst im bergischen Land. Wieviele Tage habt ihr im Jahr mit an die 40 Grad ? Wie oft regnet es bei euch ? Das klappt an deinem Standort und mit deinen Bäumen. Woanders klappt es nicht. Längst ausprobiert. Substrat lässt sich nicht generalisieren.

Und warum solltest du in einem kalten Herbst 2x giessen ? Oder im Winter ?

Was machst du, bis du einen leistungsfähigen Wurzelballen hast ? Nicht jeder Rohling und nicht jeder Yamadori hat gleich den perfekten Ballen. Da wirst auch du anderes verfahren als mit alteingesessenen Bäumen (und wenn es das Düngen oder Schattierung, die Nebelanlage oder sonst etwas ist).
Grüße, Frank
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zopf
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Re: Hilfe mein Baum ist krank !

Beitrag von zopf » 16.07.2019, 16:24

Hallo
Das 2malige Gießen sollte das Maximum darstellen,
ich habe mir mal die Temperaturen von Berlin und Umland des letzten Jahres angeschaut,
da musste ich schon ganz genau hingucken um 40 Grad im Schatten zu sehen.
Auch bei uns im Bergischen Land hat es letzten Sommer 6 Wochen keinen Tropfen Regen gegeben
und auch die Temperaturen waren oft über 35 Grad.
Shohins habe nur so 15-20 Stück, Fächerahorne, Fichten, Lärchen, usw,
Sie stehen aber zumeist in jap. Anzuchtschalen und finden eigentlich keine Beachtung.
Azaleen mag ich nicht, und Birken habe ich noch keinen guten Rohling gefunden.

Aber mal im Ernst
Ich versuche hier etwas Klarheit zu vermitteln und hänge hier im klein-klein rum
mfG Dieter

@Frank - Versuche den Unterschied zwischen uns zu sehen,
Dich interessiert ein ansehnliches Objekt im Bereich "Design", also eher dem Kunstbereich zuzuordnen,
ich bin Pfleger, Handwerker, komme von der Basis und der "schöne" Baum entwickelt sich langsam von selbst,
einfach durch die fortwährende Korrektur von "Fehlern".
Als Vielbäumer habe ich genauso mein Konzept wie Walter und alle Bäume werden gleich behandelt,
keine Beschattung, keine Nebelanlage, kein Hin-und Hergeschleppe, einfach ruhiges, friedliches Bonsai
cogito ergo pups

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