Algen durchs Giessen mit Trinkwasser ?

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Algen durchs Giessen mit Trinkwasser ?

Beitrag von abardo » 04.09.2019, 17:24

Hi,

vorletztes Wochenende war unsere Brunnenpumpe für 4 Tage ausgefallen, was bei den Temperaturen relativ dramatisch war. Also habe ich zum Giessen auf Trinkwasser geschwenkt, vorsicht und natürlich viel zu wenig, was einige Bereiche im Garten etwas übel nahmen.

Schon am zweiten Tag bemerkte ich Verfärbungen im Moos der Bonsaischalen, am 4ten Tag war es klar: Algen. Dunkle, fast schwarze Bereiche. Da ich nach dem Tausch des Kondensators wieder die Brunnenpumpe seit nunmehr 10 Tagen nutzen kann, verschwinden die Algen auf den Moosteppichen langsam wieder, sind aber noch nicht ganz weg.

Nur: wie erklär ich mir das ?

Waren die Kannen "verseucht" (weil die sonst eher nur rumstehen) und die Algen hatten bei den hohen Temperaturen beste Vorrausetzung ? Insbesondere weil ich manche der Kannen auch zum Düngen nutze (da die aber dann 50x aufgefüllt und wieder gelehrt wurden, sollte doch jeglicher Düngerrest weg sein) ?

Hat das Trinkwasser einen höheren Sauerstoffgehalt als mein Brunnenwasser und lies deshalb Algen wachsen ?
Oder haben wir jetzt mehr Dünger im Trinkwasser als im Grundwasser (was ich ernsthaft bezweifel) ?
Habe ich das Substrat mit dem per-Kanne-Giessen einfach nur zu wenig durchgespült ?

Andere Erklärungen ?

(sonst gibt es eher sehr selten Algenprobleme in meinen Schalen)
Grüße, Frank
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Re: Algen durchs Giessen mit Trinkwasser ?

Beitrag von bock » 04.09.2019, 18:01

Moin Frank,

ich glaube, ihr habt recht hartes (kalkhaltiges) Leitungswasser.
Algenwachstum hat man zwar auch bei hoher Nitratbelastung, aber dann hätte der Versorger bestimmt Alarm gegeben.
Ich vermute, dass das Wasser den pH-Wert ins Alkalische verschoben hat, dadurch wurde das Moos geschwächt und Blaualgen (sind eigentlich Bakterien die Fotosynthese betreiben) konnten das Moos überwuchern.
Ist aber kein wissenschaftliches Gutachten, nur meine laienhafte Ansicht der Zusammenhänge.
Der Sauerstoffgehalt sollte keine Rolle spielen, weil a) sehr von der Temperatur abhängig und b) Sättigung beim Gießen erfolgt.
liebe Grüße Andreas
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Re: Algen durchs Giessen mit Trinkwasser ?

Beitrag von abardo » 04.09.2019, 18:44

Hi,

der ph-Wert liegt bei uns sowohl beim Trinkwasser, Regenwasser und Brunnenwasser bei 7.2, alles gleich. Das isses leider nicht ...
Grüße, Frank
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Re: Algen durchs Giessen mit Trinkwasser ?

Beitrag von bock » 04.09.2019, 21:43

Aber das CaCO3 fängt Protonen ein und steigert den pH im Substrat - denn das Salz einer schwachen Säure ist eine starke Base (oder so ähnlich hieß es im Chemieunterricht...).
liebe Grüße Andreas
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Re: Algen durchs Giessen mit Trinkwasser ?

Beitrag von abardo » 05.09.2019, 08:48

Ah, verstehe. Den PH-Wert im Substrat habe ich mangels Messgerät noch nie gemessen.

Konnte deine Begründung im Netz bereits verifizieren, es ist also wahrscheinlich, dass kalkhaltiges Trinkwasser das Algenwachstum begünstigt.

Danke, Andreas !
Grüße, Frank
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Re: Algen durchs Giessen mit Trinkwasser ?

Beitrag von bock » 05.09.2019, 09:27

Aber gerne, Frank!

:-D

Sollten die Biofilme noch nicht ganz verschwunden sein, kannst du dem Substrat durch ein paar Tropfen (!!!) Essig im Gießwasser oder eine vorübergehende Auflage von Torf die fehlende Säure zurückgeben. Selters bzw. Sprudelwasser sollte auch funzen.
Obacht: wenn es zu sauer wird, droht Chlorose...
liebe Grüße Andreas
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Re: Algen durchs Giessen mit Trinkwasser ?

Beitrag von hwolf » 05.09.2019, 09:57

Moin,
lieber Frank, wärst Du mal so nett, ein Foto von derartigen Bereichen in deinen Moosflächen zu zeigen? Ich habe auch schon lange Proble mit immer wieder schwarz werdenden Bereichen auf Moospolstern. Wenn das das gleiche ist, könnte ich mal versuchen, mit sehr leichten Essiglösungen zu sprühen, um dem Moos beim Bedecken von Flächen und Dichtwachsen zu helfen...

Lieben Gruß
Heinrich
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Re: Algen durchs Giessen mit Trinkwasser ?

Beitrag von abardo » 05.09.2019, 10:22

Gerne.

Hier mal zwei der noch vorhandenen Beispiele:

IMG_4530.JPG
IMG_4530.JPG (116.35 KiB) 304 mal betrachtet
IMG_4531.JPG
IMG_4531.JPG (123 KiB) 304 mal betrachtet

Je mehr ich mit Brunnenwasser spüle, umso schneller geht es wieder weg.
Grüße, Frank
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Re: Algen durchs Giessen mit Trinkwasser ?

Beitrag von Andreas Ludwig » 05.09.2019, 11:43

abardo – ein, zwei Dinge zu Wasser: Trinkwasser wird gewöhnlich schärfer kontrolliert als etwa «Mineralwasser». Abgesehen davon ist die Rückstandsanalytik öffentlich und kann abgerufen werden. Es ist möglich, dass etwas ins Trinkwasser gerät, da wird aber schnell reagiert und informiert. Eine zufällige Befrachtung mit irgendwas kannst du also eher ausschliessen.

Der pH-Wert von Trinkwasser, Brunnen- und Regenwasser ist nie derselbe. Während bei Trink- und Brunnenwasser ein Kalkanteil die Norm ist, fehlt der bei Regen. Mit dem CO2 aus der Luft sinkt der pH von Regenwasser darum auf etwa 5,8 im Schnitt. Jetzt gibts aber beim Giessen mit Brunnen- und Trinkwasser Depotbildungen – Kalk reichert sich an, häufig oben auf Pflanzen. Erkennbar auf Blättern als Flecken. Das kann auf Moos durchaus reichen für die Bildung einer alkalischen Zone.

Bloss kann es auch etwas ganz anderes sein. Moose reagieren eben auch auf andere alkalischen Substanzen. Die hats etwa in toten Insekten, in Vogelkacke oder in zerbröselten Blättern, die aufs Moos fallen. Erwähne ich darum, weil ich bei meinen Moosversuchen eigentlich nie Arger mit Kalk hatte, sehr oft aber mit solchen Befrachtungen. Sogar die Flügel von Ahornsamen wirken sich schädlich aus, wenn sie aufliegen und zerfallen. Allerdings giesse ich nicht täglich, sondern verwende Moose, die es auch Tage oder Wochen ohne aushalten. Möglich, dass damit anderer Bewuchs, etwa Algen, abstirbt.
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Re: Algen durchs Giessen mit Trinkwasser ?

Beitrag von abardo » 05.09.2019, 12:55

Hallo Andreas,

dass Trinkwasser wohl kaum Dünger enthalten wird, hatte ich ja oben schon bemerkt.

Den Regen habe ich mehrfach gemessen, lag immer bei 7. Laut DWD müsste der in Brandenburg so bei 5.3 liegen. Vielleicht ist das mit diesen ph-Tabletten Murks und ich muss mir mal ein Messgerät holen, um dann auch mal im Substrat messen zu können.

Da es hier während der Wachstumperiode fast nicht mehr regnet, verwende ich gesammeltes Regenwasser nur zum Düngen. Ist also bei dem Algenproblem irrelevant.

Das Moos halte ich gut sauber, die Substratoberflächen säubere ich jeden Tag, inkl. Unkraut. Bewuchs und Reste kann ich ausschliessen. Vogelkacke gibt es auch nur sehr wenig, dass passt auch alles nicht, weil der Befall wirklich mit dem Trinkwasser kam und ich jahrelang nur manchmal im Winter welche auf den Moosen hatte, weil ich da auch manchmal mit Trinkwasser giessen muss, aber eben deutlich wenige, weshalb ich den Zusammenhang nicht herstellen konnte.

Jetzt ist es eindeutig.
Grüße, Frank
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