Drahten nach Anleitung

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bonsai_anfänger
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Drahten nach Anleitung

Beitrag von bonsai_anfänger »

Ich habe mir den Kalender für die Rotbuche angeguckt, der hier im Forum von einem Mitglied erstellt wurde. Meine Frage dazu lautet: Wenn in dem Kalender beim Punkt "Drahten" die Felder von einschließlich März bis einschließlich Juli markiert sind und der rest leer ist, heißt das, dass man nach Juli den Draht wieder abnehmen muss, weil er sonst einwächst?
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Beste Grüße
Georg *daumen_new*
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Harrybo
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Re: Drahten nach Anleitung

Beitrag von Harrybo »

Genau, wenn du jetzt schon Draht anlegst. ist der Juli schon zu spät.
In dem Moment wo der Austrieb voll in Gang kommt, weitet sich auch die äußere Rindenschicht
und ab da, ist höchste Aufmerksamkeit gefordert.
Je nach Wuchsfreude der einzelnen Äste, kommt es sehr schnell zu Drahtabdrücken die in der Regel noch
Jahre lang zu sehen sind. Das umwickeln des Drahtes, mit Kreppband kann das Einwachsen zwar nicht verhindern,
schützt aber die Rinde und die Drahtungszeit wird etwas verlängert.
Besser ist es die Drahtung schnell zu entfernen und die Äste durch Abspannen in Form zu halten.
Die Zweige sind auch gut, nur mit einem Gestaltungsschnitt zu Formen, dass dauert aber erheblich länger!
Macht aber langfristig weniger Ärger beim Betrachten. Das ist mir leider auch erst zu spät klar geworden.

LG.
Harrybo
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migo
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Re: Drahten nach Anleitung

Beitrag von migo »

Hallo Georg,

mit Drahten kann man Rotbuchen echt versauen, wie Harrybo es ja auch schreibt.

Meine kennt eigentlich nur Schneiden und Spannen. Gaaaanz selten "drahte" ich aber auch schon mal ein Ästchen. Das habe ich aber extra in Anführungsstrichen geschrieben, weil es kein fachgerechtes Drahten ist.

Also statt zB einen 1,5 mm-Draht normal um den Ast zu wickeln, der schnell einwachsen könnte, nehme ich dann einen 3,5 mm-Draht und wickel ihn recht locker um den betreffenden Ast. Somit gibt es nur wenig Berührungspunkte und trotzdem kann ich dem Ast - aufgrund der Stärke des Drahtes - eine andere Stellung geben. Der Ast hat also Spielraum in einem gräumigen Käfig ...um das mal so auszudrücken. Diese Methode kann ich aber nur für vereinzelte Äste empfehlen - nicht für den ganzen Baum.

Aber vielleicht zeigst du uns ja mal ein/zwei Fotos deiner Buche. Dann kann man besser urteilen.
Tschüüss, Michael

Schützt unsere Wälder, eßt mehr Biber!
bonsai_anfänger
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Re: Drahten nach Anleitung

Beitrag von bonsai_anfänger »

Besser ist es die Drahtung schnell zu entfernen und die Äste durch Abspannen in Form zu halten.
Oje also hab ich gestern den Baum um sonst gedrahtet? :D

Anbei ein paar Bilder. Haltet euch nicht zurück mit Kritik. Es ist mein erster Drahtversuch und ich bin ehrlich gesagt ein wenig stolz. :D
Dateianhänge
Rotbuche gedrahtet1.jpg
Rotbuche gedrahtet1.jpg (115.16 KiB) 1128 mal betrachtet
Rotbuche gedrahtet2.jpg
Rotbuche gedrahtet2.jpg (79.73 KiB) 1128 mal betrachtet
Rotbuche gedrahtet3.jpg
Rotbuche gedrahtet3.jpg (77.65 KiB) 1128 mal betrachtet
Rotbuche gedrahtet4.jpg
Rotbuche gedrahtet4.jpg (57.07 KiB) 1128 mal betrachtet
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Georg *daumen_new*
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Re: Drahten nach Anleitung

Beitrag von Heike_vG »

Hallo Georg,
welchen Zweck hast Du denn mit dieser Drahtung verfolgt? Die vielen losen Windungen um den Stamm können eigentlich nicht viel bewirken. Es sieht eigentlich nicht so aus, als wäre die Form der Buche durch diese Drähte irgendwie verändert worden. So kann man weder den Stamm in Form biegen noch einen Ast. Um den Stamm zu biegen, bräuchte man einen deutlich dickeren Draht und müsste ihn auch enger wickeln, so dass keine Luft zwischen ihm und dem Stamm ist. Der für den kleinen Ast verwendete Draht sollte ihn halten können, ist aber zu locker gewickelt. Mir ist aber auch noch nicht ganz klar, welche Formveränderungen hier überhaupt gewollt sind, an dem jungen Bäumchen.
Im Fachwissen - Bonsaipraxis sind übrigens gute Anleitungen zur Gestaltung. Hier zum Drahten: viewtopic.php?f=51&t=43548

Liebe Grüße,
Heike
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Re: Drahten nach Anleitung

Beitrag von bonsai_anfänger »

Hallo Heike,
auf den Bildern sieht man es nicht gut, aber es ging mir nicht um den Stamm, sondern um einzelne Äste. Diese sollte in Form gebracht werden, was durch das Drahten auch geklappt hat. Auf dem unteren Foto siehst du, wie der Baum ungedrahtet aussah. Eure Empfehlung ist also den Draht wieder abzumachen, weil er nicht "sauber" gearbeitet ist?
Dateianhänge
Rotbuche vor dem Drahten1.jpg
Rotbuche vor dem Drahten1.jpg (74.87 KiB) 1106 mal betrachtet
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Beste Grüße
Georg *daumen_new*
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Re: Drahten nach Anleitung

Beitrag von Heike_vG »

OK, so wird es klarer. Aber um die Äste zu positionieren musst Du nicht so viel Draht um den Stamm wickeln. Da drahtest Du am besten nur jeweils zwei Äste gemeinsam, die relativ nahe beieinander ansetzen, so dass Du dazwischen zwei Windungen Draht um den Stamm legst, um den Draht zu verankern. In dem Link, den ich in der vorigen Antwort eingestellt hatte, siehst Du das. Der viele Draht am Stamm hat jetzt keine Funktion, aber kann Dir sehr leicht die ganze Rinde verderben, wenn er doch schneller irgendwo anfängt einzudrücken als Du es mitkriegst.

LG, Heike
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Re: Drahten nach Anleitung

Beitrag von abardo »

Meine Cent ?

Laubbäume, die im Austrieb richtig in die Dicke gehen können, drahte und stelle ich eher nicht übers Jahr, sondern ab dem Laubfall. Der Frühjahrsputz wird genutzt, um sämtlichen Draht zu entfernen.

Die Drahtstärke sollte der Dicke von Stamm und Ästen entsprechen. Grob gerechnet, hat ein Aludraht die Hälfte des Durchmessers oder es sollten vom Durchschnitt her drei Drähte "in den Ast passen".

Den Stamm drahtet man dann z.B. vom Ansatz her bis über die ersten beiden Astansätze hinaus in der richtigen Dicke, dann geht man vom untersten Ast zu einem gleichdicken Ast bis über den zweiten Zweig hinaus und kann dann widerum innerhalb des Ast zwei Zweige mit einem dünneren Draht verbinden usw.

Somit gibt es keine Kreuzungen mehr und nur ganz selten Stellen mit drei Drähten (wenn die Verjüngung gleichmässig ist).

Weiterhin sollte man jeden neuen Draht auch "ankern", d.h. er wird vor einer Gabel angesetzt, geht kurz zurück zum nächst dickeren Ast oder zum Stamm und dann den nächsten Ast wieder nach draussen.

Du hast auch nicht alle Äste und Zweige gedrahtet und eine Bewegung sehe ich bis jetzt auch nicht.

Es gibt gute Videos online, die gutes Drahten zeigen, z.B. von Mauro Stemberger. Aber wie schon gesagt: Laubbäume mit sehr weicher Rinde und starkem Wachstum vielleicht übers Jahr lieber gepolstert abspannen ...
Zuletzt geändert von abardo am 18.03.2020, 09:37, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Drahten nach Anleitung

Beitrag von abardo »

Wenn die Blätter im Herbst wieder braun werden, würde ich nach folgendem Schema drahten.

Zuerst den Stamm mit einem dicken Draht bis ganz nach oben (ist türkis markiert). Das geht mit einem Draht, weil er noch kaum Verjüngung hat. Dann die beiden dickeren Äste mit einem dünneren Draht, dann die restlichen entsprechend der Farbkodierung mit noch dünneren Drähten. Die Punkte kennzeichnen dann immer die Endpunkte der Drähte.

file-1.jpg
file-1.jpg (110.26 KiB) 1096 mal betrachtet

Danach kannst du alle Astansätze korrigieren und in jeden Punkt eines jedes Astes oder Zweiges richtig Bewegung bringen. Nach oben, unten, rechts und links, mit Knicken ...
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Re: Drahten nach Anleitung

Beitrag von achim73 »

ganz ehrlich ? das mit den drahtungstechniken ist alles gut und schön, aber DIESER baum muss doch erstmal ordentlich zulegen. also sollstes du darauf dein augenmerk richten. es ist gut, dass der baum im unteren bereich äste hat, und die kann man, wie du das gemacht hast, am ansatz schon mal etwas runterdrahten. ich würde mal vorsichtig schätzen, wenn der baum anwächst und sich gut entwickelt, dass die oberen 2/3 bei der späteren gestaltung sowieso keine rolle spielen. denn der stamm wird zwar dicker werden, sich aber von selbst nicht verjüngen, und je mehr du dich mit der materie beschäftigst, desto eher wirst du auf die notwendigkeit aufmerksam werden, den baum irgendwann auf einen der unteren äste abzusetzen. also brauchst du darüber auch nicht drahten. und zum üben sind auch nur fest eingewurzelte exemplare gut geeignet, weil man, gerade ungeübt, immer an dem baum rumzerrt- und wackelt.
Gruss, Achim
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Re: Drahten nach Anleitung

Beitrag von abardo »

Zum Üben finde ich den Baum prima, ist noch einfach und die Ansätze kann man auch jetzt schon korrigieren. Dann haben die Äste auch schonmal die richtige Bewegung und dann braucht man später nicht dicke, unflexible Partien drahten.
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Re: Drahten nach Anleitung

Beitrag von achim73 »

die Ansätze kann man auch jetzt schon korrigieren.
frank, liest du eigentlich auch mal die beiträge, denen du ständig widersprichst ?
achim73 hat geschrieben: 18.03.2020, 08:31 es ist gut, dass der baum im unteren bereich äste hat, und die kann man, wie du das gemacht hast, am ansatz schon mal etwas runterdrahten.
Gruss, Achim
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Re: Drahten nach Anleitung

Beitrag von abardo »

War kein Widerspurch, eher eine Bestätigung auch von meiner Seite bezüglich der Ansätze... mit der Erweiterung, dass man es gut im Herbst machen und dann auch gleich komplett drahten kann.
Grüße, Frank
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Re: Drahten nach Anleitung

Beitrag von bonsai_anfänger »

Danke für die ganzen Antworten. Kann mir jemand in diesem Zusammenhang erklären, wo man Spann-/ bzw. Zugdrähte herbekommt, wie sie bei Bäumen von WP zu sehen sind oder wie man die selber bastelt?
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Re: Drahten nach Anleitung

Beitrag von Heike_vG »

Da ist nichts Spezielles oder Geheimnisvolles dabei. Man nimmt einfach normalen dünnen Draht und polstert den ggf. an kritischen Befestigungsstellen mit Gummi bzw. Gummischlauch ab.
Bei einer Jungpflanze wie dieser Buche braucht man kaum Kraft aufzuwenden, auch keine besonderen Vorrichtungen oder Techniken, um die Spanndrähte zu spannen. Man kann übrigens auch künstlichen Bast stattdessen nehmen, Jürg Stäheli z.B., hier im Forum verwendet den mit sehr guten Ergebnissen zum Spannen in seinen Laubbäumen. Such mal seine Threads, da kannst Du das sehen.

LG, Heike
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