sylvestris - kerzen kürzen, nadeln zupfen

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abardo
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Re: sylvestris - kerzen kürzen, nadeln zupfen

Beitrag von abardo »

Nein, erhellend wäre, den Baum zu verstehen und dann die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Die Ausgangsfrage war:
achim73 hat geschrieben: 27.04.2020, 14:59 hans van meer beschreibt in seinem artikel, das kerzenkürzen sollte im april/mai durchgeführt werden, das entfernen alter nadeln aber im herbst.
kann man das auch gleichzeitig, also jetzt, machen ?
oder schwächt man den baum damit zu stark ?
M.M.n. ein klares Nein zum "gleichzeitig machen" und ein klares Ja zum "schwächt man damit den Baum".

Was passiert denn ansonsten ? Der Baum wird nach dem Kerzenkürzen weniger Nadeln austreiben können und muss sich mit Wundheilung beschäftigen. Sind dann noch die alten Nadeln weg, muss er sich um noch mehr Wundheilung kümmern und hat dann für die Saison weniger Laubmasse, macht weniger Photosynthese, dadurch wächst er weniger, hat weniger Wurzelwachstum und wird übers ganze Jahr langsam schwächer.

Die Ausgangsfrage stellt sich also gar nicht, wenn man überlegt, was der Baum dann macht.

Und wenns ums längere Ziel geht: kompakter, heisst Rückknospung. Die bekommt man nur in ausreichendem Masse, wenn man den Baum irgendwann stresst, z.B. durch ein Mekiri. Dazu muss er erst einmal richtig kräftig sein. Durch alleiniges Kerzenkürzen bekommt man neue Knospen nur in der Nähe oder auf der Kerze.

Also wählen: geht es nur um die jährliche Pflege -> die Kerzen kürzen, wie Björn das im Video zeigt. Dann kann Achim auch nicht benötigte Äste jetzt schon rausnehmen. Es geht ja nicht mehr um die Vorbereitung der Gestaltung.

Oder geht es um die Vorbereitung einer Gestaltung -> noch mind. 2 Jahre durchwachsen lassen.

Was man noch machen kann ... die Äste drahten und so stellen, dass die Äste einen Bogen machen, damit die kahlen Astbereiche am höchsten liegen. Sieht dann für 1-2 Jahre megahässlich aus, Sylvestris legt an den erhöhten Stellen aber zuverlässigt neue Knospen an. Dann müssen oben aber auch ein paar Zweige raus, damit Licht reinkommt. Kerzen würde ich dann auch nicht jetzt kürzen, das Drahten nervt den Baum schon genug.
Zuletzt geändert von abardo am 29.04.2020, 11:40, insgesamt 5-mal geändert.
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Dirk K. aus L.
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Re: sylvestris - kerzen kürzen, nadeln zupfen

Beitrag von Dirk K. aus L. »

abardo hat geschrieben: 29.04.2020, 09:05 Nein, erhellend wäre, den Baum zu verstehen und dann die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Niemand muss verstehen, wie ein Auto technisch funktioniert, um es gut und sicher zu steuern.
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abardo
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Re: sylvestris - kerzen kürzen, nadeln zupfen

Beitrag von abardo »

Dirk K. aus L. hat geschrieben: 29.04.2020, 09:19
abardo hat geschrieben: 29.04.2020, 09:05 Nein, erhellend wäre, den Baum zu verstehen und dann die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Niemand muss verstehen, wie ein Auto technisch funktioniert, um es gut und sicher zu steuern.
Wir sind bei Bonsai nicht nur der Fahrer, sondern auch gleichzeitig der Mechaniker.

Wenn jemand nur der Fahrer sein will, soll er sein Auto 3x pro Jahr in die Werkstatt und zum TÜV bringen.
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Dirk K. aus L.
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Re: sylvestris - kerzen kürzen, nadeln zupfen

Beitrag von Dirk K. aus L. »

abardo hat geschrieben: 29.04.2020, 09:30 Wir sind bei Bonsai nicht nur der Fahrer, sondern auch gleichzeitig der Mechaniker.

Wenn jemand nur der Fahrer sein will, soll er sein Auto 3x pro Jahr in die Werkstatt und zum TÜV bringen.
Du schreibst und schreibst und schreibst.

Aber Ertrag sehe ich nur wenig ...
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abardo
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Re: sylvestris - kerzen kürzen, nadeln zupfen

Beitrag von abardo »

Dirk K. aus L. hat geschrieben: 29.04.2020, 09:33
abardo hat geschrieben: 29.04.2020, 09:30 Wir sind bei Bonsai nicht nur der Fahrer, sondern auch gleichzeitig der Mechaniker.

Wenn jemand nur der Fahrer sein will, soll er sein Auto 3x pro Jahr in die Werkstatt und zum TÜV bringen.
Du schreibst und schreibst und schreibst.

Aber Ertrag sehe ich nur wenig ...
?? Ich habe oben 3 Möglichkeiten genau erklärt und begründet.
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Re: sylvestris - kerzen kürzen, nadeln zupfen

Beitrag von zopf »

Hallo
Nun haben wir Menschlein alle etwas geschrieben,
was bei unseren Bäumchen wohl recht gut funktioniert.
Achim ist jetzt keinen Schritt weiter gekommen
und kann sich aus der Vielzahl von Möglichkeiten eine aussuchen.
Man könnte jetzt aber auch mal die Kiefer fragen,
wie es Ihr in den letzten Jahren ergangen ist und was für Sie das sinnvollste wäre.
Da es nicht viel Angaben gibt, dienen nur die 2 Bilder als Anhaltspunkt.
Der Gesundheitszustand scheint gut zu sein, da der Baum viele, lange Kerzen schiebt.
Die Nadeln der letzten 3 (vermutlich) Jahre sind noch am Baum
und er wurde am Anfang mit kräftigster Düngung gepusht (ganz lange Nadeln)
Danach wurde die Düngung runter gefahren (kürzere Nadeln),
aber diese Jahr erfolgten wieder großzügige Dünger- und Wassergaben (lange Kerzen)
Der vorherige Standort wird gut gewesen sein, da auch die unteren Äste längere Kerzen schieben.
Die jetzige Situation ist dann ganz anders, Balkon in einer "Häuserschlucht",
damit verbunden also wesentlich weniger Sonneneinstrahlung.
mfG Dieter

ps später geht es weiter, oder so
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Re: sylvestris - kerzen kürzen, nadeln zupfen

Beitrag von achim73 »

ja, genau, dieter, du hast es gut analysiert. wobei diese häuserschlucht glücklicherweise so ist, dass der baum von märz bis september von morgens bis ca 17.00 uhr sonne kriegt.

meiner, was kiefern angeht, noch begrenzten erfahrung nach würde ich auch sagen, der gesamtzustand ist recht gut und kräftig.

also gäbe es eigentlich keinen grund, die versäumten maßnahmen der letzten 3 jahre durch einen starken rückschnitt im august wieder "einzufangen", oder ?

dann muss man ja eh erstmal beobachten, was der baum macht...
Gruss, Achim
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Re: sylvestris - kerzen kürzen, nadeln zupfen

Beitrag von abardo »

"Starken Rückschnitt" ? Du meinst einen Rückschnitt bis ins alte Holz ? Inklusive der diesjährigen Kerzen ?
Also ein Mekiri im August ?

Dann hat er im Rest des Jahres nicht genug Zeit, um noch einmal Knospen austreiben zu lassen. Das wird dir der Baum nicht verzeihen. Ein Mekiri kann man machen, wenn die frischen Nadeln voll ausgetrieben sind. Aber dazu muss der Baum schon sehr stark sein.

Ein paar Zweige in der Krone kannst du im Spätsommer schon auslichten. Bringt den Baum dann aber nicht wirklich in deine gewünschte Richtung.
Grüße, Frank
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Re: sylvestris - kerzen kürzen, nadeln zupfen

Beitrag von achim73 »

ich beziehe mich damit auf christians aussage
es kommt doch immer darauf an, was Du im Moment für den Baum anstrebst.
Wenn Du Rückknospung haben möchtest, dann muss der Baum Mitte August geschnitten werden. Das komplette neue Wachstum wird bis ins vorjährige Holz zurück geschnitten.
und ich denke mal, er hat mit sylvestris genug erfahrungen, um das sagen zu können.

verständnisfrage wäre für mich aber tatsächlich, warum dafür mitte august der beste zeitpunkt ist und nicht z.b. schon anfang juli, wenn die neuen nadeln ausgereift sind ?

weil der baum vor mitte august sowieso nicht mit der knospenbildung fürs nächste jahr beginnt, auch nicht nach starkem rückschnitt ?

dann würde man ihn ja tatsächlich nur einige wochen lang unnötig schwächen...
Gruss, Achim
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Re: sylvestris - kerzen kürzen, nadeln zupfen

Beitrag von zopf »

Hallo Achim
Um es abzukürzen würde ich Christians Empfehlung folgen,
bis auf den Schnitt der 3 jährigen Nadeln jetzt
um der geänderten Lichtsituation Rechnung zu tragen.
mfG Dieter
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Re: sylvestris - kerzen kürzen, nadeln zupfen

Beitrag von achim73 »

ok, danke - also jetzt die 3-jährigen entfernen und dann anfang/mitte august zurückschneiden ?
sorry der nochmaligen nachfrage, ist in dem fall deinem (allgemein wohltuenden) knappen stil geschuldet... *z*
Gruss, Achim
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Re: sylvestris - kerzen kürzen, nadeln zupfen

Beitrag von zopf »

Jepp, kräftiges Düngen nicht vergessen
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Re: sylvestris - kerzen kürzen, nadeln zupfen

Beitrag von achim73 »

das sowieso... :)
Gruss, Achim
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Re: sylvestris - kerzen kürzen, nadeln zupfen

Beitrag von AndreasK »

Das passt für mich ganz gut mit der ganze Information.
Habe einiges dazu gelernt, sonst hätte ich paar Fehler gemacht.

MfG AndreasK
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ChristianB
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Re: sylvestris - kerzen kürzen, nadeln zupfen

Beitrag von ChristianB »

Moin Zusammen,

Achim der Baum sieht gesund aus und du brauchst Dir keine Sorgen zu machen ob er Maßnahmen verkraftet. Er könnte wohl noch mehr Dünger vertragen, beim Wachstum geht da noch mehr. Nahe am Optimum würde der Baum überall im oberen Bereich mehr als 3 Knospen gebildet haben und entsprechend mehr Kerzen schieben ( Wenn Du im Winter oder jetzt Knospen selektiert und ausgebrochen hast, vergiß den vorherigen Satz)

Ich würde mal schätzen dass die letztjährigen Triebe so 3-4 cm lang sind, beim untersten Ast evtl. etwas weniger. Die Nadeln vom letzten Jahr bleiben am Baum (und natürlich der neue Austrieb). Alle anderen werden jetzt abgeschnitten. Falls der Baum schwächere Bereiche aufweist, wo er im letzten Jahr nur wenige Nadeln gebildet hat (das sind oft kleinere Zweige im Innenbereich oder Bereiche an unteren Ästen), machst Du dort nichts. Hier ist nicht viel an Rückknospung zu erwarten, hier gilt es tatsächlich den Bereich nicht weiter zu schwächen.
Sinn des Entfernens der Nadeln ist, Licht in den Baum zu bekommen. Die gewünschten Knospen bilden sich da, wo Licht und Platz vorhanden ist.
Gleichzeitig werden die schwachen Bereiche (innen und unten) mit ausreichend Licht versorgt.

Bis August lässt Du den Baum frei wachsen, nichts schneiden, nicht Drahten. Der Baum soll maximal Kraft tanken.

Der nächste Schritt ist, den kompletten neuen Austrieb wegzuschneiden. Bis in den Austrieb vom letzten Jahr (3-5 mm reichen, Hauptsache es bleibt nichts vom diesjährigen Austrieb stehen). Am ganzen Baum, bis auf die schon beschriebenen schwachen Zweige.
Du schreibst, dass es ab September an Deinem Standort mit dem Licht weniger wird. Normalerweise würde man den Rückschnitt Mitte August machen. Ich würde Dir empfehlen den Rückschnitt schon Anfang August zu machen. Dann haben die neuen Knospen etwas mehr Zeit zum Wachsen und Ausreifen. Das tun sie bei entsprechender Witterung bis Ende November, daher wird auch so lange gedüngt.
Der Baum wird dann über den Herbst sehr viele neue Knospen bilden und zwar nicht nur an den Schnittstellen sondern auch an den Zweigen wo früher die alten Nadeln waren, teilweise auch dahinter, Das liegt dann daran, wieviel Kraft der Baum getankt hat, wie gut er gedüngt wurde.

Im Winter kannst Du dann Knospen selektieren. Immer nur zwei an einer Stelle. Wir wollen keine Dreierverzweigungen. Bei mehreren Knospen lässt man zwei gleichstarke stehen. Zukünftige Wuchsrichtung beachten.
Äste die man nicht braucht kommen spätestens jetzt raus.
Im nächsten Jahr lässt Du die neuen Knospen austreiben, wenn die Nadeln ausgehärtet sind, kannst Du den Baum durchschneiden und auf den neuen Austrieb zurück setzten.

Hatte ich schon beschrieben, dass Rückknospung nur gut klappt, wenn der Baum gut gedüngt wird? :-D
Unabhängig davon wie Du selbst düngst: Wenn mann eine Kiefer kräftig mit organischen Düngerkuchen ( z. B. Hangorokoro oder Abrakatsu) düngt und den Dünger in diesen braunen Düngerkörbchen auf dem Substrat befestig, dann würde das komplette Substrat mit Düngerkörbchen voll sein!
Nur mal so damit man ein Gefühl bekommt wieviel das ist.

Ich fänd's schick, wenn Du zwischendurch ein paar Fotos machst und sie uns im Herbst mit den neuen Knospen zeigst.
Von Bochum nach Herne ist es ja nicht weit und ohne Corona hätte ich gesagt, komm vorbei und wir schauen uns den Baum gemeinsam an. Vielleicht später mal ;-)

Der Japaner würde jetzt sagen: "gambatte"!
Viele Grüße

Christian
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