Aufhören oder Weitermachen

Spezielle Baumpflege z.B. düngen, umtopfen, Erden, ein- und auswintern, Pflanzenschutz
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Sebastian O
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Aufhören oder Weitermachen

Beitrag von Sebastian O »

Hallo Leute ,

heute habe ich mir diese kleine Mugo vorgenommen, die ich bei meinem letzten Besuch im Gartencenter mitgenommen habe. Nachdem ich die Äste selektiert und die grobe Struktur gedrahtet habe, frage ich mich (wie so oft): Soll ich jetzt gleich alle Zweige drahten und stellen, oder erstmal so lassen, im Frühjahr umtopfen und dann je nach Gesundheit nächsten Herbst oder FJ 2022 an die Feindrahtung gehen? Also zwecks nicht zu viel auf einmal und erst mal sehen, wie sie das so wegsteckt. Oder bin ich da vielleicht ein bisschen zu vorsichtig?

Wie würdet Ihr das machen?
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LG
Sebastian
Sanne
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Re: Aufhören oder Weitermachen

Beitrag von Sanne »

Hallo Christian,

über Deine Frage bin ich etwas verwundert.
Es heißt doch: bei Nadelbäumen nur eine Gemeinheit im Jahr!
Wenn Du also jetzt komplett drahtest und im Frühjahr oder Herbst nächsten Jahres umtopfst, sollte es doch gut passen.
Für eine Pflanze aus dem Gartencenter finde ich die Mugo sehr schön.

Grüße, Sanne
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espanna
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Re: Aufhören oder Weitermachen

Beitrag von espanna »

Hallo Sebastian,

Ich würde sagen dass das innerhalb 1 Jahres ist. Die Wachstumsperiode ist vom Frühling bis Herbst. Im Winter passiert da nicht so viel.Um es extrem darzustellen könnte ich einen Baum am 31.12 gestalten, drahten und am 1.1. umtopfen. Das wäre kalendarisch zwar 1 Jahr, aber sicherlich nicht sinnig.
Dein Baum schaut gesund aus, dennoch hätte ich mit allem 1 Jahr gewartet um die Pflanze kennenzulernen.
Wenn du jetzt angefangen hast zu drahten, mach das zu Ende, so wie du es haben möchtest. 2021 wachsen lassen, dann 2022 wenn der Baum fit ist umtopfen.
So würde ich es angehen.

Übrigens; da hast du ein gutes Auge bewiesen, gefällt mir!
Gruß
László

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Michael 86
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Re: Aufhören oder Weitermachen

Beitrag von Michael 86 »

Hallo

Also wenn ich das richtig interpretiert habe ist "eine Gemeinheit im Jahr" auch nicht so ganz richtig. Besser wäre "eine Wachstumsperiode zwischen den Gemeinheiten". Sprich Umtopfen erst, wenn der Baum im Herbst wieder genug Energie getankt hat über den Sommer oder eben bis zum Frühjahr darauf, wenn man das bevorzugt.
Was ich mich auch frage in diesem Zusammenhang: Ist der Feinverzweigung noch so viel an Gesundheitseinbuße zuzuschreiben, wenn die dicken, massiveren Äste bereits stark geformt wurden? Ich denke in den dickeren Ästen entsteht bei einer gleichwertigen Biegung mehr Schaden, als in dünnen Zweigen, die noch sehr viel flexibler sind.
Grüße Michael :)
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Re: Aufhören oder Weitermachen

Beitrag von Michael 86 »

espanna hat geschrieben: 20.09.2020, 18:13 Übrigens; da hast du ein gutes Auge bewiesen, gefällt mir!
Dem stimme ich zu. Ein Foto vom ursprungszustand wäre interessant gewesen
Grüße Michael :)
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Sebastian O
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Re: Aufhören oder Weitermachen

Beitrag von Sebastian O »

Vielen Dank für Eure Antworten. Gut, dass ich gefragt habe. Es stimmt schon, im Herbst gestalten und im Frühjahr darauf umtopfen macht eigentlich nicht so viel Sinn. Ich habe den Baum jetzt zu Ende gedrahtet und drück' ihm jetzt einfach mal die Daumen... Wenn alles glatt geht, denke ich frühestens im August 2021 ans umtopfen, je nach Reaktion. Hier noch je ein Bild vom Ursprungszustand (leider nicht sehr aussagekräftig) und vom Ergebnis. Freut mich übrigens, dass er Euch gefällt! Ab und zu findet man was zwischen den "Kleinkoniferen"...
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LG
Sebastian
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ania
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Re: Aufhören oder Weitermachen

Beitrag von ania »

Es waren ja jetzt schon 2 Gemeinheiten. Rupfen und Drahten. Ich kenn mich nicht mit Kiefern aus, aber sind da nicht gar wenig Nadeln übrig?

(Andererseits sterben bei mir Kiefern sogar, wenn ich gar nichts mache...)
Michael 86 hat geschrieben: 20.09.2020, 18:20 Was ich mich auch frage in diesem Zusammenhang: Ist der Feinverzweigung noch so viel an Gesundheitseinbuße zuzuschreiben, wenn die dicken, massiveren Äste bereits stark geformt wurden? Ich denke in den dickeren Ästen entsteht bei einer gleichwertigen Biegung mehr Schaden, als in dünnen Zweigen, die noch sehr viel flexibler sind
Aus Sicht der Mechanik: klares Ja!
Je dicker der Ast, desto mehr wird er an der Innenseite gestaucht und an der Außenseite gedehnt. Stärkere Verformung bedeutet größere Schäden / Mikrorisse. Bei gleicher Biegung zumindest.
Ich denke die kleinen dünnen sind nicht so kritisch.
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abardo
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Re: Aufhören oder Weitermachen

Beitrag von abardo »

ania hat geschrieben: 20.09.2020, 20:15 ... aber sind da nicht gar wenig Nadeln übrig?
Das sah ich auch als Erstes.

M.M.n. braucht der Baum eine komplette Wachtumsperiode ohne irgendwelche Eingriffe, bevor ich ans Umtopfen denken würde. Also würde ich frühestens 2022 dran weiterarbeiten.
Zuletzt geändert von abardo am 21.09.2020, 10:04, insgesamt 1-mal geändert.
Grüße, Frank
___________
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Sebastian O
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Re: Aufhören oder Weitermachen

Beitrag von Sebastian O »

Hätt' ich also doch lieber aufhören sollen?

Hier ist übrigens noch ein anderes Foto (in sehr schlechter Qualität :oops: ). Das erste wirkt etwas nackter als es tatsächlich der Fall ist...



mugo_nacht.jpg
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LG
Sebastian
zwanziger
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Re: Aufhören oder Weitermachen

Beitrag von zwanziger »

Hi Sebastian,

umtopfen nach der groben Aktion kann ich dir auch nicht raten, da du ja auch richtig Wurzeln schneiden müsstest.
Das ist normal bei Baumschulware.
Was du allerdings gut machen kannst, ist umsetzen in eine Schale.
Das kann sogar gut sein, wenn du den Ballen so belässt.
Such dir eine Schale, in die du den Baum in der gewünschten Positionierung gerade ebenso rein bekommst.
Hoch genug müsste sie allerdings schon sein.
Wenn vor und hinter dem Ballen noch rund 5mm Luft bleibt, gehts, der Rest wird mit Substrat aufgefüllt.
Das was oben rausschaut, kann so bleiben.

Damit hättest du eine nette Übergangslösung und den Wurzelballen belüftet.
MfG André

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Sebastian O
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Re: Aufhören oder Weitermachen

Beitrag von Sebastian O »

Hi André,

ja gute Idee, danke. Vielleicht mach ich das noch. Nur noch mal so zur Erinnerung: Das Umtopfen im Frühjahr war eventuell für die Variante "Aufhören" angedacht. Nach allem hin und her denke ich jetzt eigentlich schon, dass es gar nicht so doof gewesen wäre, jetzt im Herbst erst mal alles überflüssige zu entfernen und nur die wichtigsten Äste grob zu stellen. Dann hätte ich nächstes Jahr problemlos umtopfen können und den Baum dann in der Trainingsschale, nachdem er sich erholt hat, gestalten können. Dann nach wiederholter Erholungsphase quasi schon gestaltet in eine Schale umtopfen.

Vielleicht auch das noch mal zum besseren Verständnis: Ich gehe bei Baumschulware ähnlich vor wie bei Yamadori. Damit meine ich, dass ich den Wurzelballen schrittweise reduziere und dabei immer darauf achte, einen Teil des Ballens unberührt zu lassen. Der Baum wandert also nicht direkt vom Plastikcontainer in die Künstlerschale.

Trotzdem war "Weitermachen" jetzt nicht unbedingt falsch. Es führt halt zu einem anderen Ablauf danach. Vom Bauchgefühl her tendiere ich aber nach wie vor zu "Aufhören". Bin gespannt, wie es mir dem Baum weitergeht, ich werde berichten.

Danke für Eure Beiträge!
LG
Sebastian
Hippo
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Re: Aufhören oder Weitermachen

Beitrag von Hippo »

Salü Sebastian,

Eigentlich hast Du bisher alles richtig gemacht und sooo existenzbedrohlich war das bisschen Drahten nun auch nicht.
Ich würde den vorhandenen Wurzelballen bestimmt nicht in ein grösseres Gefäss mit Mineralsubstrat einbetten. Durch das Substrat läuft das Giesswasser leicht ab und der Ballen mit der torfhaltigen Erde bleibt u.U. furztrocken.
Ich hätte nächsten März (2021) überhaupt keine Skrupel ein erstes Umtopfen zu wagen. So wie Du es beschrieben hast, in zwei Eingriffen aufgeteilt, ist eh keine Gefahr für Mann und Maschine.
Weiterhin viel Spass

Gruss George
Gute Erfahrungen sind für den Moment, Schlechte fürs Leben
zwanziger
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Re: Aufhören oder Weitermachen

Beitrag von zwanziger »

Hi Sebastian,

es wird glaub ich immer so sein, das du nachher was hättest besser machen können.
Jetzt ist das so.
Um das nach Georges Hinweis noch mal zu erklären,
in meinem Microklima ist alles tendenziell zu feucht.
Das verstärkt sich dann über den Winter, gerade bei Kiefern achte ich mittlerweile mehr auf übermäßige Feutigkeit,
wenn der Ballen in der Ruhephase nicht abtrocknen kann, startet er schwächer ins nächste Jahr.
Deshalb mache ich das so.

Und das der Ballen dadurch komplett austrocknet, ist bei Kiefern in meinem Klima nicht zutreffend.
Die Gärtnereien in unserer Nähe verwenden für Kiefern eh durchlässigere Erden,
wenn das Wasser dann doch über den Ballen läuft ohne einzuziehen kann man den auch penetrieren.
MfG André

Hummel Hummel, Mors Mors
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Sebastian O
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Re: Aufhören oder Weitermachen

Beitrag von Sebastian O »

Ja, wegen Austrocknen mach ich mir auch eher keine Sorgen. Ich habe festgestellt, dass sich der aktuelle Plastiktopf in der gewünschten Position bombenfest in einem leeren, etwas größeren Plastiktopf verkanten lässt. In letzteren lege ich unten ein paar Steine rein, damit das Gespann nicht umfällt und dann passt eigentlich alles. Wasser fließt oben rein und unten wieder raus. Manchmal kommt man durch Zufall auf die besten Lösungen... :-D
LG
Sebastian
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Re: Aufhören oder Weitermachen

Beitrag von zwanziger »

Das klingt doch gut,
die Not zur Tugend gemacht.
Eine Sache blieb noch offen in den Überlegungen.
Gestalten und umtopfen in einem relativ kurzen Turnus, soll welchen Erfolg bringen?
Da sind relativ viele Nadeln geflogen, mit dem Rest soll der Baum dann Photosynthese betreiben.
Wenn es im Frühjahr los geht, zieht er die eingelagerte "Energie" aus Wurzeln und Stamm.
Jetzt werden viele Wurzeln weggeschnitten, denn müsste der verbleibende Rest für Reparatur und Wachstum ausreichen.

Das sind meine Gründe, besser noch Ideale, in der Praxis variiert das natürlich.
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MfG André

Hummel Hummel, Mors Mors
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