Ausbluten Fächerahorn Herbstschnitt

Spezielle Baumpflege z.B. düngen, umtopfen, Erden, ein- und auswintern, Pflanzenschutz
agamemnon33
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Ausbluten Fächerahorn Herbstschnitt

Beitrag von agamemnon33 »

Hallo,

ich hab ja so einige Ahorne und führe seit Jahren nach dem Laubabwurf im Herbst Schnittarbeiten durch. Im Spätsommer habe ich mir einen Weitern zugelegt und gerade dieser blutet nach den Schnittarbeten ganz extrem.

Gut ich hab nach einigen Ästen dann gestoppt....kann ja noch etwas warten, aber verblüfft war ich dennoch. 16 von 17 meiner Fächerahorne reagieren NICHT so d.h. bluten überhaupt nicht...

Habt ihr das Bluten an Fächerahornen auch schon mal im November nach Blattabwurf beobachtet?

Viele Grüße
Stefan
Michael 86
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Re: Ausbluten Fächerahorn Herbstschnitt

Beitrag von Michael 86 »

Hallo Stefan

Evtl. ist er wegen Standortwechsel noch nicht so an dein Klima vor Ort gewöhnt und noch etwas "unsicher" fest in den Winterschlaf zu gehen?
Grüße Michael :)
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bonsaiheiner
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Re: Ausbluten Fächerahorn Herbstschnitt

Beitrag von bonsaiheiner »

Michael 86 hat geschrieben: 23.11.2020, 05:44 ...
Evtl. ist er wegen Standortwechsel noch nicht so an dein Klima vor Ort gewöhnt und noch etwas "unsicher" fest in den Winterschlaf zu gehen?
Kann natürlich sein.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Ahornsorten, die ihre Triebe beim Austrieb im Frühjahr bereits in den Knospen strecken (noch während sie in den Hüllblättern stecken) und damit zu langen Internodien neigen, auch noch nach dem Blattfall beim Triebschnitt im Herbst bluten.
Hauptvertreter dieser Sorte: A.p. atropurpureum.
In einem Bonsai-Art Artikel, indem sich Masahiko Kamura zur Ahorn-Pflege äußert, warnt er vor starkem Bluten und mutmaßt, dass stärkere Schäden bis zum Absterben die Folge sein könnten.
Mir steht nicht zu, den Großmeister zu kritisieren, halte diese Befürchtungen aber für etwas übertrieben.
Ein Tag ohne Beschäftigung mit Bonsai ist ein verlorener Tag!
Hippo
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Re: Ausbluten Fächerahorn Herbstschnitt

Beitrag von Hippo »

Salü Stefan,

Ich habe da einen Aspekt der mir persönlich etwas suspekt ist aber manche Menschen glauben daran, daher könnte es irgendeine Bewandtnis haben.
Es geht um die Mondphasen. Das heisst, um die Diskrepanz zwischen Nidsigend und Obsigend, sagt man bei uns.

Vielerorts wird von Alters her, für das Holzschlägern im Winter der Mondkalender berücksichtigt. Es geht dabei u.A. darum, dass der Stamm möglichst wenig Wasser enthält, damit er beim Fallen nicht birst und/oder beim Lagern weniger fault. Es gibt noch weitere Aspekte die im angefügten Link nachzulesen sind.

Diese Phasen sollen auch für den Rückschnitt von Laubgehölzen gelten.
Der Beste Zeitpunkt soll also am ehesten bei abnehmendem Mond gegeben sein.

Dies ist z.B. 2020 zwischen dem 1. und 14. November und zwischen dem 1. und 13. Dezember der Fall und laut Bauernkalender am optimalsten jeweils am 8. November und zufällig auch am 8. Dezember.

Vielleicht ist dein Ahorn speziell Mondsüchtig und Du hast ihn womöglich ausserhalb dieses Datums geschnitten, dass er so stark weint. :lol:

Eine sehr interessante und auch erheiternde Abhandlung findet man z.B. unter folgendem Link
https://oekotrend.ch/wp-content/uploads ... mtEsAn.pdf

Gruss George
Manchmal ist man der Hund und manchmal der Baum.
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Heike_vG
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Re: Ausbluten Fächerahorn Herbstschnitt

Beitrag von Heike_vG »

Hallo Stefan,
normalerweise kann man Fächerahorne ab dem Zeitpunkt, wo die Blätter zu fallen beginnen, bis zu etwa 2 Wochen nach dem Blattfall sehr gut schneiden, ohne dass sie viel Saft aus den Schnittstellen verlieren. Danach können sie schon wieder einen erstaunlichen Saftdruck haben.

Nun habe ich so viele Bäume, dass ich sie gar nicht alle zum optimalen Zeitpunkt beschneiden kann, sondern ich bearbeite über den Winter langsam einen nach dem anderen. Es kommt schon mal vor, dass wegen Saftaustritt die Wundknete nicht richtig klebt, aber gewöhnlich ist das schon am nächsten Tag wieder vorbei. Es sind bei meinen Bäumen auch noch nie so große Mengen Saft verloren gegangen, dass die Bäume irgendwie merkbar geschwächt oder geschädigt wurden.
Wobei ich bei wirklich starkem "Bluten" auch erstmal gestoppt hätte und zu einem späteren Zeitpunkt einen neuen Anlauf nehmen würde.
Kimura wird auch wissen, wovon er spricht, wahrscheinlich ist das z.B. bei sehr alten Bäumen mit besonders feiner Verzweigung durchaus ein bedeutender Faktor.

Liebe Grüße,
Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

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agamemnon33
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Re: Ausbluten Fächerahorn Herbstschnitt

Beitrag von agamemnon33 »

Hallo,
vor dem Absterben habe ich auch keine Befürchtungen. Irgendwann wird es schon stoppen, aber dennoch war und bin ich über mein Bäumchen überrascht. Ich denke ich werde in 2 Wochen...dann stimmt auch die Mondphase...noch einen Versuch starten. Gefühlt ist es bei mir hier in Südbayern auch weiterhin zu warm für die Jahreszeit, was auch beitragen mag.
Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es weiter geht
Grüße
Stefan
agamemnon33
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Re: Ausbluten Fächerahorn Herbstschnitt

Beitrag von agamemnon33 »

Hallo Heike,

ich bin auch erst mal auf Stop gegangen und kümmere mich um die Anderen.
Zeitlich schafft man ja nie alles gleichzeitig, zumindest ich nicht.

Beim Ausbluten sollte es meiner Meinung nach zu großen Komplikationen kommen, ist hslt unschön. Auch wenn ich das nun schreibe, übertreiben würde ich es auch nicht vor dem Winter. Nachdem Ausbluten ein natürlicher Vorgang ist kann es nicht schaden, würde ja in der Natur sonst zu vielen Baumleichen nach Windschlag führen. Dennoch interesant, wie unterschiedlich Ahorne reagieren können...

Ich bin gespannt und mach mich in 2 Wochen nochmals an den Baum.
Viele Grüße
Stefan
Berndbonsai
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Re: Ausbluten Fächerahorn Herbstschnitt

Beitrag von Berndbonsai »

Hallo Stefan
Bei meinen Bäume ist es wie Heike schreibt. Fächerahorne und Birken schneide ich noch während oder kurz nach dem Laubfall. Dann bluten sie nicht. Ab ca 14 Tagen nach dem Laubfall, Acer Palamtum Kashima sogar schon während des Laubfalls, bauen sie einen Saftdruck auf, der dazu fühft, dass die Bäume stark bluten können. Ob das schlimme Folgen hat kann ich nicht sagen. Ich schneide dann nicht mehr. Dann ist der Schnitt erst wieder im Austrieb möglich. Auch wenn man während Frostphasen schneidet bluten die Bäume nach dem Auftauen wieder.
Gruß Bernd
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Norbert_S
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Re: Ausbluten Fächerahorn Herbstschnitt

Beitrag von Norbert_S »

Blutet ein Baum nach dem Schnitt einfach mit einem scharfen Messer entlang der Schalenkante einmal rundum schneiden und warten. Nach wenigen Minuten bis einer halben Stunde stoppt der Saftfluss.
Der bis dahin ausgetretene Saft hat die Schnittstelle gereinigt.
Dann kann in Ruhe weiter gearbeitet werden.
Norbert

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Berndbonsai
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Re: Ausbluten Fächerahorn Herbstschnitt

Beitrag von Berndbonsai »

Norbert_S hat geschrieben: 23.11.2020, 15:20 Blutet ein Baum nach dem Schnitt einfach mit einem scharfen Messer entlang der Schalenkante einmal rundum schneiden und warten. Nach wenigen Minuten bis einer halben Stunde stoppt der Saftfluss.
Der bis dahin ausgetretene Saft hat die Schnittstelle gereinigt.
Dann kann in Ruhe weiter gearbeitet werden.
Aahh ja den Trick hat mir mein Lehrer auch mal verraten. Ich habe ihn bisher nie gebraucht, da ich immer so terminieren konnte, dass die ahörner und Birke nicht geblutet haben.
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agamemnon33
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Re: Ausbluten Fächerahorn Herbstschnitt

Beitrag von agamemnon33 »

Norbert_S hat geschrieben: 23.11.2020, 15:20 Blutet ein Baum nach dem Schnitt einfach mit einem scharfen Messer entlang der Schalenkante einmal rundum schneiden und warten. Nach wenigen Minuten bis einer halben Stunde stoppt der Saftfluss.
Der bis dahin ausgetretene Saft hat die Schnittstelle gereinigt.
Dann kann in Ruhe weiter gearbeitet werden.
Interessanter Tip, Danke, muss ich testen, wenn er beim nächsten Versuch weiterhin blutet. Was passiert durch den Schnitt entlang der Schalenkante bzw was steckt dahinter? Minimaler Wurzelsanschnitt und der Baum zieht die Energie dort hin zurück, oder blutet er dann nur unterirdisch...indem der Saftdruck durch die Wurzel entweicht?

Viele Grüße
Stefan
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Re: Ausbluten Fächerahorn Herbstschnitt

Beitrag von Gary »

agamemnon33 hat geschrieben: 23.11.2020, 19:27 Interessanter Tip, Danke, muss ich testen, wenn er beim nächsten Versuch weiterhin blutet. Was passiert durch den Schnitt entlang der Schalenkante bzw was steckt dahinter? Minimaler Wurzelsanschnitt und der Baum zieht die Energie dort hin zurück, oder blutet er dann nur unterirdisch...indem der Saftdruck durch die Wurzel entweicht?
Hallo Stefan,
gedanklich bist Du auf dem richtigen Weg was durch den Schnitt passiert. Bei eingewachsenen Bäumen werden etliche Wurzelspitzen angeschnitten und so die Wasseraufnahme aus dem Substrat behindert. Weniger Nachschub = weniger Bluten.
Den Baum schadet es nicht und oft reicht diese kleine Maßnahme auch aus. Verstärken kann man das Ganze noch indem man nach dem Messerschnitt an der Schalenkante den Baum für eine Nacht "temperiert" stellt, also von Draußen in einen geheizten Raum holt und ihn erst am nächsten Tag beschneidet.
Grüße aus dem sonnigen Baden
Gary

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Re: Ausbluten Fächerahorn Herbstschnitt

Beitrag von mydear »

agamemnon33 hat geschrieben: 22.11.2020, 18:45 ich hab ja so einige Ahorne und führe seit Jahren nach dem Laubabwurf im Herbst Schnittarbeiten durch. Im Spätsommer habe ich mir einen Weitern zugelegt und gerade dieser blutet nach den Schnittarbeten ganz extrem.
Hallo Stefan,

Bluten im Herbst war mir gänzlich unbekannt. Heuer habe ich erstmals einen grünen Palmatum der nach Herbstschnitt der Opferäste stark blutet. Ich kann es mir aktuell nicht erklären.

Wenn das Bluten verspätet im Frühjahr eingesetzt hätte wäre es normal gewesen. Insofern werde ich diesen Palmatum genauer beobachten.

Grüße
Rainer
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Re: Ausbluten Fächerahorn Herbstschnitt

Beitrag von Hippo »

mydear hat geschrieben: 25.11.2020, 22:29 Heuer habe ich erstmals einen grünen Palmatum der nach Herbstschnitt der Opferäste stark blutet. Ich kann es mir aktuell nicht erklären.
Siehste, siehste Rainer, hättste auf die Mondphase geguckt!!! *nenene*
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mydear
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Re: Ausbluten Fächerahorn Herbstschnitt

Beitrag von mydear »

Hippo hat geschrieben: 25.11.2020, 22:52
mydear hat geschrieben: 25.11.2020, 22:29 Heuer habe ich erstmals einen grünen Palmatum der nach Herbstschnitt der Opferäste stark blutet. Ich kann es mir aktuell nicht erklären.
Siehste, siehste Rainer, hättste auf die Mondphase geguckt!!! *nenene*
Ja george, das kann schon sein. Diesen Ahorn habe ich später und kräftiger als die anderen eingekürzt und zwar am 17.11.

Grüße
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