Flaschengarten (Hermetosphäre)

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flu
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Flaschengarten (Hermetosphäre)

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Foto 1: Hermetosphäre mit Microsorum pteropus, Drosera sp., Pilea microphylla, Cryptocoryne parva und Riccia fluitans. Ulf Soltau ©.

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Hermetosphäre - der Flaschengarten


Inhalt:

Geschichtliches

Das Prinzip

Flaschengarten versus Hermetosphäre

Die Pflanzenkultur in der Hermetosphäre
1. Das Gefäß
2. Das Substrat
3. Die Pflanze
4. Der Standort
5. Praktische Hilfsmittel
6. Probleme


Anlage einer Hermetosphäre

Wartung


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Geschichtliches

Die Idee des Flaschengartens geht auf Dr. Nathaniel B. Ward zurück, einem englischen Arzt und Naturkundler der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Er entdeckte in einem seiner Sammelgefäße für Motten-Kokons einen zufällig hier ausgekeimten Farn. Anders als die frei lebenden Farne in seinem Londoner Garten, die unter der starken Luftverschmutzung der frühindustriellen Zeit litten, erschien ihm dieser Farn sonderbar langlebig, frisch und gesund. Diese Entdeckung führte aus botanischer und ökonomischer Sicht zu einer der bahnbrechendsten Entdeckungen des Victorianischen Zeitalters - dem Ward'sche Kasten.

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Abb.1: Dr. Nathaniel Bagshaw Ward (1791-1868). Quelle: Wikipedia

Der Ward'sche Kasten sollte ein wichtiges Instrument für Botaniker und Abenteurer dieser Zeit werden. Exotische Pflanzen waren in Europa sehr begehrt. Für die meisten importierten Pflanzen bedeutete jedoch eine wochenlange Reise an Bord eines Schiffes, unter Einfluss starker Sonneneinstrahlung und Salzwasser, den sicheren Tod. Mit dem Ward'schen Kasten änderte sich dies. Noch nicht einmal das auf See so kostbare Süßwasser musste mehr aufgewendet werden um die Pflanzen am Leben zu erhalten. Die Pflanzen standen in ihren hermetisch abgeriegelten Kästen und wurden von dem Wasser versorgt, das sie selbst zuvor verdunstet hatten.

In der Viktorianischen Zeit wurde die Kultur exotischer Pflanzen unter Glas eine Mode des aufstrebenden Bildungsbürgertums. Die Gefäße galten repräsentativer Zwecke und nahmen prunkvolle Ausmaße an.

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Abb.2: Ward'sche Kästen im Victorianischen Zeitalter. Quelle: Wikipedia

Aus ökonomisch-historischer Sicht ist der Ward'sche Kasten Auslöser entscheidende Neuerungen. Er ist unmittelbar für den Zusammenbruch des Kautschuk-Booms in Brasilien verantwortlich. In ihm wurden junge Gummibäume (Hevea brasiliensis) außer Landes geschmuggelt, nach Ceylon (Sri Lanka) verschifft und so das Kautschuk-Monopol Brasiliens gebrochen.
Desweiteren wurden in Ward'schen Kästen ca. 20.000 Teepflanzen aus Shanghai in die Assam Region Indiens verbracht, aus der bis heute die weltbesten Teesorten stammen.

Der Ward'sche Kasten ist der Urvater aller Gewächshäuser, Terrarien, Aquarien, aber auch der Flaschengärten und nicht zuletzt der Hermetosphäre.

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Foto 2: Hermetosphäre mit Saintpaulia ionantha, Peperomia caperata und Pilea microphylla. Ulf Soltau ©.



Das Prinzip

Folgt man den Worten des Astrophysikers Prof. Harald Lesch, so ist die Erde, bzw. das Leben darauf, nichts als ein kosmischer Durchlauferhitzer. Verständlich wird diese Aussage, betrachtet man unseren Heimatstern, die Sonne, und ihren Einfluss auf die Prozesse des Lebens auf unserer Erde. Das Leben betreibt Stoffwechsel. Die Elemente des Lebens wie Wasserstoff, Sauerstoff, Kohlenstoff oder Stickstoff sind im steten Kreislauf. Die Energie dazu kommt (bis auf exotische Ausnahmen) ausschließlich von unserem Heimatstern. Ohne die stete Energiezufuhr der Sonne kommen alle Stoffwechselprozesse auf Erden zum Erliegen - das Leben stirbt.

Die Biologie unterscheidet dabei 3 Grundtypen des Lebens: die Produzenten (Pflanzen), die Konsumenten (Tiere, Mensch) und die Destruenten (Mikroorganismen und Pilze). Sehr pauschal ausgedrückt sind die Produzenten an aufbauenden Prozessen beteiligt (zu denen sie Sonnenenergie benötigen), die Konsumenten und Destruenten an abbauenden.

So also stellt sich die Biosphäre unseres Heimatplaneten dar und nichts anderes passiert auch in einem Flaschengarten. In ihm sind alle Elemente des Lebens in limitierter Menge vorhanden, es gibt Produzenten (unsere kultivierten Pflanzen) und es gibt Destruenten in Form von Mikroorganismen (auf Konsumenten kann und sollte aufgrund des geringen Raumangebotes verzichtet werden). Um die Stoffkreisläufe in Gang zu halten bedarf es nur noch des Lichtes der Sonne.

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Foto 3: Hermetosphäre mit Anubias bateri var. nana, Pilea microphylla und Drosera sp. Ulf Soltau ©.



Flaschengarten versus Hermetosphäre

Der übliche Flaschengarten unterscheidet sich in zwei Punkten stark von dem hier Vorgestellten. Wir benutzen deswegen auch nicht den Begriff Flaschengarten sondern Hermetosphäre (lat.: hermetice - verschlossen; griech.: sphaira - die Hülle).
Der wichtigste Unterschied ist darin zu finden, dass die Hermetosphäre ein dauerhaft geschlossenes Glasgefäß darstellt, während der Flaschengarten auch geöffnet sein kann. Dieser vermeintlich kleine Unterscheid bedingt jedoch den Einsatz gänzlich anderer Pflanzenarten.
Der zweite Unterscheid liegt in der Beständigkeit. Während der normale Flaschengarten für Gewöhnlich nur für einen gewissen Zeitrahmen geschaffen wird und nach Ablauf dieser Frist vollkommen überarbeitet bzw. neu gestaltet werden muss, so ist die Hermetosphäre auf Dauerhaftigkeit angelegt. Auch das schlägt sich nieder in der Auswahl der passenden Pflanzenarten.
In Flaschengärten werden häufig vollkommen ungeeignete Pflanzenarten verwendet, wie z.B. Bromelien oder stark rankende Gewächse wie Efeu und Bubbikopf. Nach kurzer Zeit sterben die meisten dieser Pflanzen ab bzw. vergeilen, werden unansehnlich und müssen ersetzt bzw. ausgetauscht werden.
In Hermetosphären kommen nur ausgewählte Pflanzenarten zum Einsatz, deren Kompatibilität vom Autor über viele Jahre ertestet wurde.

Diese Unterschiede zum herkömmlichen Flaschengarten sind so gravierend, dass eine neue Begrifflichkeit Berechtigung erfährt.
Im Folgenden sprechen wir also von Hermetosphären oder H-Sphären.

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Foto 4: Hermetosphäre mit Polypodium sp., Hydrocotyle sp., Hemianthus callitrichoides, Drosera sp., Riccia fluitans und Marchantia polymorpha, seit ca. 9 Jahren in Betrieb. Ulf Soltau ©.

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Foto 4a: Hermetosphäre mit Polypodium sp., Hydrocotyle sp., Hemianthus callitrichoides, Drosera sp., Riccia fluitans und Marchantia polymorpha, seit ca. 9 Jahren in Betrieb. Ulf Soltau ©.

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Foto 4b: Hermetosphäre mit Polypodium sp., Hydrocotyle sp., Hemianthus callitrichoides, Drosera sp., Riccia fluitans und Marchantia polymorpha, seit ca. 9 Jahren in Betrieb. Ulf Soltau ©.

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Die Pflanzenkultur in der Hermetosphäre

Die H-Sphäre stellt für Pflanzen einen extremen Lebensraum dar. Die Bedingungen, die in ihr herrschen, werden bewusst gewählt. Es sind dieses Bedingungen, die in vielerlei Hinsicht einschränkend auf alle Stoffwechselprozesse und somit auch auf das Pflanzenwachstum wirken. Dadurch wird zum einen erreicht, dass die Pflanze den ihr zur Verfügung stehenden Raum nicht sprengt und sie des Weiteren über viele Jahre erhalten bleibt.

Annähernd 100%ige Luftfeuchtigkeit; praktisch kein Gasaustausch mit der Umgebung und nur minimale Luftbewegung innerhalb des Gefäßes; im Sommer leider oft hohe Temperaturen (selbst dann, wenn darauf geachtet wird, dass kein direktes Sonnenlicht ins Glas fällt); ein sehr limitiertes Nährstoffangebot und ein nur begrenztes Raumvolumen, all das zeichnet die Bedingungen in einer H-Sphäre aus. Nur wenige Pflanzenarten verfügen über eine genügend weite ökologische Amplitude um diesen Bedingungen zu trotzen. Es sind dies vor allem Pflanzenarten tropisch-humider (feuchtwarmer) oder sogar submerser, also untergetauchter Lebensräume.

Die Pflanze verändert unter den Lebensbedingungen der H-Sphäre ihren Habitus. Unter gärtnerischen Gesichtspunkten könnte man sie als "Hungerexemplare" bezeichnen. Diese Aussage bezieht sich nicht auf den Gesundheitszustand der Pflanze, der in der H-Sphäre durchaus hervorragend ist, sondern allein auf die habituellen Veränderungen. Das Laub wird weichblättrig, da die Pflanze auf den wachsartigen Verdunstungsschutz ihrer Blätter (Cuticula) verzichten kann. Stängelpflanzen etiolieren (vergeilen) in Ermangelung ultravioletter Strahlung. Sonnenlicht induzierte Pigmentierung der Blätter geht verloren, u.v.m.

All das sind Aspekte, die bei der Auswahl geeigneter Pflanzenarten zu berücksichtigen sind. Langjährige Kultur-Versuche brachten dem Autor diesbezüglich wertvolle Informationen und Erfahrungen. Pflanzenmaterial dazu stammte aus dem Handel, aus botanischen Gärten, aber auch aus den Heimatländern vieler Arten selbst. In mehrjährigen Auslandsaufenthalten konnte der Autor direkt vor Ort Pflanzenproben sammeln und Hermetosphären-Experimente durchführen. Zu den bereisten Explorationsgebieten gehören Berg- und Tieflandregenwälder Mittel- und Südamerikas (Cuba, Brasilien, Columbien, Ecuador, Peru), sowie Sumpfgebiete bis Hochebenen Südostasiens (Sri Lanka).
Inzwischen ist das System Hermetosphäre soweit ausgereift, dass man mit Fug und Recht sagen kann: Die H-Sphäre ist weltweit die einzige Form der Pflanzenkultur, die praktisch keiner Pflege bedarf. Einmal eingerichtet kann eine H-Sphäre über Jahre ohne weitere Eingriffe funktionieren und Freude bereiten. Die bisher älteste H-Sphäre des Autors geht jetzt ins zehnte Jahr (!) und hat auch dessen lange Auslandsaufenthalte unbeschadet überstanden.

Mit diesen Eigenschaften ist die Hermetosphäre die ideale Form der Pflanzenkultur für den gehetzten Menschen unserer Zeit, oder solchem ohne dem sog. "grünen Daumen". In jeder Stadtwohnung findet sich ein Raum, für eine H-Sphäre, für einen kleinen, sich selbst erhaltenden Mikrokosmos, der nur ein wenig Licht braucht und doch so viel zu geben hat.

Die H-Sphäre bietet zudem eine Möglichkeit der dauerhaften Konservierung von z.B. vom Aussterben bedrohten Pflanzen. Viele tropische Gewächse lassen sich nicht mittels ihrer Samen konservieren, da diese nur eine sehr geringe Zeit keimfähig bleiben. In der H-Sphäre kann die Art erhalten und sogar vermehrt werden.

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Foto 5: Hermetosphäre mit Peperomia caperata, Microsorum pteropus, und Utricularia graminifolia. Ulf Soltau ©.

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Foto 5a: Hermetosphäre mit Peperomia caperata, Microsorum pteropus, und Utricularia graminifolia. Ulf Soltau ©.

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Foto 5b: Hermetosphäre mit Peperomia caperata, Microsorum pteropus, und Utricularia graminifolia. Ulf Soltau ©.


Zur erfolgreichen Pflege der Hermetosphäre sind bei deren Einrichtung und Aufstellung wichtige Punkte zu beachten, die im Folgenden dargestellt werden sollen:


1. Das Gefäß

Die rein technischen Ansprüche an das Pflanzgefäß sind nicht hoch. Es muss aus einem transparenten, farblosen Material bestehen (Weißglas, Plexiglas) und hermetisch verriegelbar sein.
Bei der Auswahl des richtigen Gefäßes spielt viel mehr der ästhetische Aspekt eine Rolle. Klare, schnörkellose Formen unterstreichen den Inhalt, verspielte Formen lenken eher von ihm ab.

Die Gefäßwahl des Autor zeichnet sich durch eine klassische Formensprache aus. Überwiegend Glasgefäße aus dem medizinisch-naturwissenschaftlichen Kontext (Apothekergläser, Präparategläser, Glas-Überstürze) finden Verwendung aber auch schlichte Karaffen oder Acrylglaskugeln.

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Foto 6: Karaffenförmige Hermetosphäre mit Drosera sp., Ulf Soltau ©.


2. Das Substrat

Für die dauerhafte Kultivierung von Pflanzen in einer H-Sphäre muss das Substrat bestimmte Kriterien dringend erfüllen:

A) Es sollte formstabil sein.
Die Wurzeln der Pflanze braucht zum Leben Sauerstoff. Einen guten Gasaustausch muss das Substrat also dauerhaft gewährleisten.

B) Es darf keine bzw nur geringe Mengen Nährstoffe enthalten.
Die Nährstoffmenge muss den wachstums-limitierenden Bedingungen der H-Sphäre angepasst sein.

C) Es sollte steril sein.
Um der unkontrollierten Ausbreitung von Destruenten zu begegnen, sollte man das Substrat vor dem Einsatz in der H-Sphäre sterilisieren (erhitzen). Besonders Pilze können ein, wenn auch nur ästhetisches Problem werden.

Als ideal erweist sich Hydrokultur-Substrat, also Blähton (Lecaton ®) kleiner bis mittlerer Körnung. Dieses Material ist sehr luftig, formstabil, nährstofffrei und zudem überall erhältlich und erfüllt damit alle Ansprüche, die an das Substrat gestellt werden.

Sehr gute Eigenschaften weist auch Steckschwamm für Blumengestecke auf. Er lässt sich hervorragend mit dem Messer in Form schneiden und mit Moosarten (s.u.) kaschieren. Pflanzen, deren Wurzeln man zuvor auswäscht und zurückschneidet, können in vorgestochene Löcher gepflanzt und mit Schaumstücken fixiert werden. Danach lässt man sich den Steckschwamm in verdünnter Chinosol-Düngelösung vollsaugen.

Geeignet ist auch Weißtorf, Cocohum und Baumerde. Letztere ist im Handel leider nicht erhältlich. Baumerde setzt sich in hohlen Bäumen an und findet sich oft in Einschlagsgebieten extensiv bewirtschafteter Wälder. Es handelt sich dabei um ein Zersetzungsprodukt von Holz in einem frühen Verrottungsstadium.

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Abb.3: Blähton

Von Seramis ® als Substrat ist abzuraten. Es ist nicht formstabil, was sich vor allem am Abrieb zeigt, der durch Kapillarkräfte an den feuchten Innenseiten des Glases empor steigt und hässliche Schlieren verursacht.

Pilzsporen sind omnipräsent. Sie finden sich auf jeder Oberfläche millionenfach. Es ist nicht zu vermeiden, dass spätestens mit dem Eintrag der Pflanzen auch Pilzsporen in unsere H-Sphäre gelangen. Pilze sind in unserer biosphäre äußerst wichtige Destruenten und nehmen diese Rolle auch in der H-Sphäre ein. Aus ökologischer Sicht stellen sie also absolut kein Problem dar, aus ästhetischer Sicht hingegen manchmal schon. Gegen die unschönen Mycele auf der Substratoberfläche hilft das Einbringen einiger Stücke Holzkohle oder die hoch verdünnte Zugabe von Chinosol ® gleich bei der Einrichten der H-Sphäre.


3. Die Pflanze

Bei herkömmlichen Flaschengärten muss sehr auf die richtige Zusammenstellung der verschiedenen Pflanzenarten geachtet werden. Alle Arten, die sich den Raum eines Flaschengartens teilen, sollten ähnliche Wuchseigenschaften mitbringen. Keine Art darf die andere im Wachstum dominieren.
Anders in der Hermetosphäre. Die Bedingungen in der H-Sphäre sind dergestalt, dass Wachstum allgemein nur sehr langsam vonstatten geht. Sehr wüchsige Arten verlieren schnell an Wuchskraft, so dass sich die Wuchsleistung der verwendeten Arten früher oder später angleicht. So ist auch die Zusammenstellung von Spezies möglich, die unter Normalbedingungen so nicht denkbar wäre.

Zum Einsatz kommen überwiegend kleine bis sehr kleine Rosetten-, Rhizom- und Lagerpflanzen (Lebermoose) feucht-warmer, tropischer Herkunft. Sie bleiben trotz der oben beschriebenen Bedingungen bodennah und kompakt im Wuchs. Stängelpflanzen (auch Laubmoose) wachsen zu schnell in die Höhe, werden instabil und fallen um.

Im Folgenden eine Auflistung gut bis sehr gut geeigneter Gattungen und Arten in alphabetischer Reihenfolge:

Blütenpflanzen:
Anubias bateri var. nana – Kleines Speerblatt (aber auch alle anderen Anubias-Arten möglich)
Begonia sp. – Begonie (div. Kleinarten, Liebhaberpflanze über einschlägige Internetforen zu beziehen)
Callisia repens (Stengelpflanze!)
Chlorophytum comosum – Graslilie
Cryptanthus sp. (z.B.: C. acaulis, C. bifittatus, C. bromelioides, C. zonatus)
Cryptocoryne parva - Wasserkelch
Drosera sp. – Sonnentau (tropische Arten)
Echinodorus tenellus - kleine Amazonasschwertpflanze
Eleocharis acicularis - Nadelsimse

Episcia sp.
Glossostigma elatinoides - Australisches Zungenblatt
Hemianthus callitrichoides cuba (extrem zierliche Pflanze)
Hydrocotyle sp. – Wassernabel

Hypoestes phyllostachya (Stengelpflanze!)
Ophiopogon sp. – Schlangenbart
Pellionia pulchra
Peperomia sp. (z.B.: P. caperata in div. Farben; aber auch viele hervorragend geeignete tropische Kleinarten, erhältlich in Liebhaberkreisen)
Phalaenopsis-Hybride (neuerdings Zwergformen im Handel!)
Pilea - Kanonierkraut (z.B.: P. microphylla, P. cadierei, P. spruceana)
Pinguicula sp. – Fettkraut
Plectranthus oertendahlii (Stengelpflanze!)
Saintpaulia ionantha - Usambaraveilchen (vor allem die kleinen Zuchtlinien)
Sarracenia sp. - Schlauchpflanze (nur bedingt geeignet)
Saxifraga stolonifera - Judenbart
Soleirolia soleirolii – Bubikopf (Stengelpflanze!)
Utricularia graminifolia - Wasserschlauch

Farne:
Bolbitis beudelottii - Kongofarn
Ceratopteris thalictroides - Sumatrafarn
Hymenophyllum sp. – Hautfarn (erhältlich in Bot. Gärten)
Microsorum pteropus - Javafarn
Pilularia globulifera - Pillenfruchtfarn
Polypodium sp. - Tüpfelfarn (tropische Arten)
Pteris sp. - Saumfarn
Selaginella sp. - Moosfarn

Moose:
Marchantia polymorpha - Brunnenlebermoos
Monosolenium tenerum - Pelliamoos (braucht es sehr feucht)
Riccardia chamedryfolia - Gefiedertes Ohnnervmoos (Handelsnamen: Korallenmoos, Mini Pellia)
Rizzia fluitans - Flutendes Teichlebermoos (braucht es sehr feucht)
Vesicularia dubyana – Javamoos (Stengelpflanze!)

Als Besonders dankbare Pfleglinge erweisen sich die vielen tropischen Sonnentau-Arten, die regelmäßig im Handel erhältlich sind.
Eine andere carnivore Pflanze, Sarracenia, erscheint eher ungeeignet, da ihre Blätter stark etiolieren. In schlanken und hohen Gefäßen können die dann schmalen, wellenförmig ondulierenden Schlauchblätter aber sehr dekorativ wirken, auch wenn die Pflanze habituell kaum mehr der Normalform gleicht.
Das im Aquarienhandel erhältliche Speerblatt (Anubias sp.) ist langsamwüchsig und sehr dauerhaft. Neben dieser Art hält der Aquarienhandel noch viele Pflanzenarten bereit, die gut geeignet sind (in blau markiert). Ganz besonders von Interesse sind dabei die als Vordergrundpflanzen angebotenen kleinwüchsigen Arten. Die meisten im Handel erhältlichen Aquarienpflanzen leben in ihrer Heimat eher amphibisch denn rein submers. Die hohe Luftfeuchtigkeit innerhalb einer H-Sphäre erlaubt es, diese Arten auch emers zu kultivieren.
Der fleischfressende, terrestrisch wachsende, hellgrüne Wasserschlauch, Utricularia livida, ist ein vorzüglicher Bodendecker und kontrastiert in Farbe und Form hervorragend zu der dunkelblättrigen Anubias.
Interessant sind die sehr kleinen, neuen Hybriden von Phalaenopsis. Ein bisheriger halbjährlicher Kulturversuch lässt diese Orchidee viel versprechend erscheinen.
Viele tropische Farne werden im Pflanzen- und Aquarienhandel angeboten. Besonders kleine Arten sind sehr empfehlenswert. Die Sporen heimischer Farne können auf das feuchte Substrat unserer Hermetosphäre aufgestreut werden. Die entstehenden Prothallien verleihen dem Substrat in Kürze einen grünen Schimmer. Was die dauerhafte Kultur angeht, so fehlen hier noch Daten.
Moose sind ein wichtiges Gestaltungselement. Sie lassen das Gesamtbild ineinander wachsen und verleihen der Komposition einen natürlichen Rahmen. Leider sind nur wenige Arten wirklich gut geeignet. Der Fachmann unterscheidet Laubmoose von Lebermoosen. Während Laubmoose sich ähnlich wie die Sprosspflanzen in Wurzelchen (Rhizoid), Stämmchen (Cauloid) und Blättchen (Phylloid) differenzieren lassen, sind Lebermoose weit einfacher strukturiert und bilden nur lappige, dem Boden aufliegende Thalli. Laubmoose verhalten sich in der H-Sphäre wie Stengelpflanzen, vergeilen schnell, kippen früher oder später um und werden unansehnlich. Anders die Lebermoose. Sie eignen sich hervorragend für die Bedingfungen in der H-Sphäre. Ganz besonders Rizzia, aber auch Marchantia sind eine ideale Wahl für unsere Zwecke. Lebermoose sind also in jedem Fall den Laubmoosen vorzuziehen.

Die Liste geeigneter Arten ist hiermit noch lange nicht abgeschlossen. Der Autor ist ständig bemüht, neue Spezies zu beproben und in seinem Spektrum zu integrieren. Zukünftige Sammel-Exkursionen aber auch der mit ständig neuen Arten aufwartende Pflanzenhandel bleiben dabei von großem Interesse.


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Foto 7: Hermetosphäre mit Phalaenopsis sp., Drosera sp., Pilea microphylla, Anubias bateri var. nana, Selaginella sp., Riccia fluitans und Marchantia polymorpha. Ulf Soltau ©.

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Foto 7a: Hermetosphäre mit Phalaenopsis sp., Drosera sp., Pilea microphylla, Anubias bateri var. nana, Selaginella sp., Riccia fluitans und Marchantia polymorpha. Ulf Soltau ©.


4. Der Standort

Bei der Wahl des Standortes für die Hermetosphäre ist auf das richtige Licht zu achten. Licht ist der Motor aller Lebensprozesse in unserem Glas und sollte in ausreichender Menge angeboten werden. Im Klartext heißt das: so hell wie möglich. Unbedingt auszuschließen ist dabei aber direkte Sonneneinstrahlung. Sie würde zu einer Überhitzung des Flascheninhaltes führen mit der Konsequenz des Absterbens unserer Pflanzen. Der richtige Standort ist demnach z.B. ein Nordwest-, Nord-, oder Nordostfenster.
Trotz des zu gewährleistenden Schutzes vor direkter Sonneneinstrahlung, kann die Temperatur in der H-Sphäre an warmen Sommertagen unangenehm ansteigen. Unter solchen Bedingungen kann es durchaus von Vorteil sein, den Standort nicht mehr nur nach Kriterien des optimalen Lichtangebotes auszuwählen, sondern auch nach denen der Temperatur. Ein kühler Ort ist an solchen Tagen dem wärmeren vorzuziehen, selbst wenn er dunkler ist.

Kunstlicht ist im Allgemeinen weniger zu empfehlen. Das Farbspektrum entspricht meist nicht den Bedürfnissen der Pflanzen und die Wärmentwicklung unter einer Lampe ist oft sehr hoch.

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Foto 8: Hermetosphären am Badezimmerfenster, vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt. Ulf Soltau ©.

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Foto 9: Hermetosphären an einem Nordfenster. Ulf Soltau ©.


5. Praktische Hilfsmittel

Unverzichtbares Hilfsmittel ist eine ausreichend lange Pinzette. Mit ihr lassen sich Pflanzen durch die oft nur kleine Gefäßöffnung positionieren oder abgestorbene Pflanzenteile beseitigen.
Zum Angießen der H-Sphäre nach Neueinrichtung leistet eine Ballbrause (Bonsaibedarf) gute Dienste. Mit ihr lassen sich die Gefäßwände von innen abschließend gut reinigen (dazu später mehr).
Als besonders praktisch für die Reinigung der Gefäßinnenwände zu späteren Zeitpunkten erweisen sich Magnetreiniger. Sie bestehen aus zwei mit Filzauflage versehene Magnete (einer außen, einer innen). Mit ihnen lassen sich die Innenwände der H-Sphäre reinigen ohne im Gefäß selbst hantieren zu müssen. Es gibt diese im Aquarienhandel, jedoch meist viel zu groß. Abhilfe schaffen da selbst gebastelte Magnetreiniger. Magnete passender Größe finden sich als Bürobedarf unter Flipchart-Zubehör. Sie werden mit Filz (z.B. von einem gewöhnlichen Küchenschwamm) beklebt und am bzw. im Gefäß angebracht. Sie verbleiben hier dauerhaft, so dass die Gefäßinnenwände jederzeit von außen gereinigt werden können.

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Foto 10: Hermetosphäre mit Microsorum pteropus, Pilea microphylla, Anubias bateri var. nana und Riccia fluitans. Ulf Soltau ©.

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Anlage einer Hermetosphäre

Zur Anlage einer Hermetosphäre wird das unter fließend Wasser gereinigte und anschließend sterilisierte Substrat bis ca. 1 cm Höhe in das Gefäß eingefüllt.
Mit der Pinzette können nun die ausgewählten Pflanzen in dem Gefäß platziert werden. Anschließend wird eine weitere und abschließende Lage des Substrates eingefüllt um die Wurzeln zu bedecken. Diese Vorgehensweise ist für die Pflanzen und insbesondere für die Wurzeln schonender als ein Hineindrücken ins Substrat.
Bodendeckende Pflanzen oder Moose werden dem Substrat anschließend einfach nur aufgelegt.
Mit der Ballbrause werden nun durch einen gezielten Wasserschwall die Gefäßinnenwände abgespült. Die verwendete Wassermenge sollte dabei so gering wie möglich sein, da die Feuchtigkeit des gewaschenen Substrats für die H-Sphäre an sich schon ausreichend ist. Sollte bei diesem abschließenden Abspülen zu viel Wasser ins Gefäß gelangt sein, so lässt man das Gefäß einfach ein paar Tage offen stehen, so dass überschüssiges Wasser wieder verdunsten kann.
Die richtige Wassermenge ist erreicht, wenn das Substrat zwar feucht, aber kein sichtbarer Meniskus mehr erkennbar ist.

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Foto 11: Hermetosphäre mit Peperomia caperata und Utricularia graminifolia. Ulf Soltau ©.

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Wartung

Wartungsarbeiten beschränken sich bei der H-Sphäre auf ein Minimum.
An den Gefäßinnenwänden steigen nach einiger Zeit unvermeidlich Mikropartikel durch Kapillarkräfte empor. Mit dem beschriebenen Magnetreiniger lassen sich diese gut beseitigen, so das man wieder einen ungetrübten Blick in die H-Sphäre bekommt.
Besonders kurz nach der Einrichtung kann es vorkommen, dass einzelne Blätter, die an die veränderten Lebensbedingungen in der H-Sphäre noch nicht adaptiert sind, absterben. Aus ästhetischen Gründen kann man diese mit der Pinzette entfernen.
Bei Gefäßen, die nicht wirklich 100% dicht sind, können über die Zeit geringe Mengen Wasser entweichen, so dass hier darauf geachtet werden muss, Wasser von Zeit zu Zeit zu ergänzen.

Mehr Wartung bedarf die H-Sphäre nicht.


Und nun viel Spaß mit euren eigenen Hermetosphären! :D


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Foto 1: Hermetosphären-Mobile aus Acrylglaskugeln. Ulf Soltau ©.

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Abbildungsverzeichnis:
Abb.1: www.http://www.geocities.com/berthog/histoire.htm
Abb.2: http://www.wikipedia.de
Abb.3: http://www.fachverband-hydrokultur.de/h ... litat.html

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