Entwicklung einer eher ungewöhnlichen Hainbuche

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Walter Pall
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Entwicklung einer eher ungewöhnlichen Hainbuche

Beitrag von Walter Pall » 08.03.2007, 18:47

Diese Hainbuche hat im Jahre 1998 den Weg von Wolfgang Käflein in meinen Garten gefunden. Ich habe sie sofort in die dunkle ovale Schale von Derek Aspinall gepflanzt. Es war immer klar, dass das bloss eine Übergangslösung war.

Die Entwicklung des Baumes wurde im BCD-Forum, hier und in der IBC Gallery gezeigt. Vor vier bis fünf Jahren hat der Baum ziemlich viel Kritk geerntet. Wie sich das aber gehört, hat ihn das überhaupt nicht interessiert und er hat sich tapfer weiter entwickelt. Was kümert's die Eiche, wenn die Sau sich an ihr reibt.

Gestern wurde er dann in eine bessere Schale gesetzt. Dabei wurde der Baum um 1,5 Stunden gegen den Uhrzeigersinn gedreht (merkwürdig: das habe ich schon öfter gehört. Was ist da los? Wieso nicht zwei Stundern und und wieso nicht im Urzeigersinn? Da steckt was dahinter!)

Der Nebenstamm rechts hat natürlich vor allem für viel Unmut gesorgt. Er wurde immer als 'Ast' angesprochen, der total verkehrt steht und entweder waagrecht gebogen werden muss oder ganz ab. Auch die Buschbepflanzung links unten sollte weg. Die gehört aber zum Baum, es ist also technisch eine Flossform. Ausserdem sollte man einen ungewöhnlichen Baum nicht so lange 'verbessern' bis er ganz gewöhnlich aussieht.

Nun, jedenfalls habe einige ganz Schlaue sattsam bewiesen, dass sie nicht in der Lage sind, eine Vison zu entwickeln. Es ist leicht, das was man sieht zu kritisieren, wenn ein Baum in einer vieljährigen Entwicklungsphase ist. Erst ganz am Schluss, als nach zehn Jahren sollte man urteilen, wenn man keine Vision hat. Oder darauf vertrauen, dass einige schon wissen was sie tun.
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Frühjahr 2006
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damalige Vision
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Grössenvergleich
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Frühjahr 2005
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Sommer 2003
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einige Stunden später
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Frühjahr 2002
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Hainbucheelgant3v.jpg
Vier Stunden später
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Hainbucheelgant2v.jpg
eine halbe Stunde später
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Hainbucheelegant1v.jpg
Frühjahr 2001
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Zuletzt geändert von Walter Pall am 08.03.2007, 21:03, insgesamt 1-mal geändert.

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Walter Pall
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Beitrag von Walter Pall » 08.03.2007, 18:52

Dann im Dezember 2006 war er langsam reif.

Hier das Bild von der Vorderseite, dann verdreht um 1,5 Stunden gegen den Uhrzeigersinn, und dann ein Virtual um zu sehen, wie das endgültig aussehen könnte.
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Beitrag von Walter Pall » 08.03.2007, 18:56

Dann gestern 7. März 2007

Wird schon!
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Dsc_0734vr.jpg
rechts muss noch einiges dazu kommen.
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Dsc_0734v.jpg
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so erkennt man die Dreidimensionalität am besten
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nach dem Umtopfen macht David wieder die Feinarbeit.
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Beitrag von Tropenfreak » 08.03.2007, 18:58

Einfach hier abmoosen und dann hast du 2 stattliche Bäume :lol: :lol: :lol: *lach*

super Entwicklung danke Walter


mfg Roland


sorry Bild vergessen
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dsc_3402v_184[1].jpg
dsc_3402v_184[1].jpg (61.36 KiB) 3657 mal betrachtet
Der Spirituelle Intellekt des Agrarökonomen steht in reziproker Relation zur Quantität seiner subterranen Knollengewächse ;-)

Mfg Roland

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aleXander
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Beitrag von aleXander » 08.03.2007, 20:19

Gerade dieser zweite Stamm bringt gleichgewicht in die Gestaltung. Walter, das ist schon länger eine meiner Lieblingsbuchen von Dir. Die neue Vorderseite gefällt mir sehr gut. Das Highlight dieser Buche ist m.M. nach die sogenannte "Buschbepflanzung", ohne die der Baum langweilig wirken würde. Ich finde ihn absolut schön und er wird sicher auch noch länger meine Lieblingsbuche bleiben :wink: .

Nun noch eine Frage: Ist diese Schale nun die Endgültige oder wieder eine Übergangsschale bis du die richtige gefunden hast?
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Beitrag von Toni Bonsai » 08.03.2007, 20:26

Ein super Baum, einer meiner Lieblingsbäume.
Und auch den "zweiten Stamm", den sogenannten Hauptast finde ich nicht schlimm, ohne den wäre er fast langweilig, abgesehen von dem "Gebüsch".
Er trägt eher noch der außerordentlichen Natürlichkeit des Baumes bei.
Nur eine Sache interessiert mich, rein Bonsaitechnisch gesehen.
Ist da eine Schnittstelle an der ersten großen Bisgung am Stamm, wenn ja wie groß und schon verheilt? Ich fände es nämlich erachtlich einen so tollen Yamadori mi so einer beachtlichen Stammverjüngung so zu finden.

Nochmal, einfach Hammerbaum, an dem ich keine negative Kritik äußern kann
Grüße, Toni
Denk nie daran aufzugeben, denn das ist die
erste Sprosse auf der Leiter die nach unten
führt

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Beitrag von crimson » 08.03.2007, 20:31

Ich halte mich ja gern mit Kommentaren zurück aber in diesem Fall wage auch mal was zu sagen. Ich finde die Drehung hat den Nebenstamm zum rückwärtigen Ast degradiert. Der Blick auf das Nebarie scheint mir besser und auch der "Busch" Links kommt so besser zur Geltung aber insgesamt hat der Baum durch diese Ansicht für mich verloren.

Zum Glück kann man Bäume (Deine im besonderen) ja umwandern und von allen Seiten genießen. Ich bin dann der der 1,5 h im Uhrzeigersinn vom Pulk der Betrachter steht.

Viele Grüße aus Bergisch Gladbach
der André
I say, if your knees aren't green by the end of the day, you ought to seriously re-examine your life.
(Calvin & Hobbes)

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Beitrag von jost » 08.03.2007, 20:39

Sehr schöner Baum, einzigartig, mit Grazie und Charakter. Die Stammbewegung verleiht eine unheimliche Dynamik.

PS. Ich habe mit zittigen Händen weitergescrollt weil ich befürchtet habe, es folgt wieder ein Kettensägen- und Fräsmassaker.

Geht doch auch so!!
Gruß, Joachim

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Beitrag von Walter Pall » 08.03.2007, 21:03

aleXander hat geschrieben:Nun noch eine Frage: Ist diese Schale nun die Endgültige oder wieder eine Übergangsschale bis du die richtige gefunden hast?
Die Schale ist schon gut. Es könnte sein, dass mir noch eine bessere über den Weg läuft.

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Beitrag von Walter Pall » 08.03.2007, 21:06

Toni Bonsai hat geschrieben: Nur eine Sache interessiert mich, rein Bonsaitechnisch gesehen.
Ist da eine Schnittstelle an der ersten großen Bisgung am Stamm, wenn ja wie groß und schon verheilt? Ich fände es nämlich erachtlich einen so tollen Yamadori mi so einer beachtlichen Stammverjüngung so zu finden.

Nochmal, einfach Hammerbaum, an dem ich keine negative Kritik äußern kann
Toni,

da ist wohl eine Schnittstelle. Sie ist schon gut umwachsen. Durchmesser etwa 5 cm.

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Beitrag von aleXander » 08.03.2007, 21:14

Walter Pall hat geschrieben: Die Schale ist schon gut.
Find ich auch. Danke.
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Beitrag von Lindwurm » 08.03.2007, 21:28

ich finde den ersten rechten ast / nebenstamm irgendwie suboptimal.

der baum hat einen breiten geschwungenen wurzelansatz und dann steht der erste rechte ast in einem steifen winkel vom stamm ab...wirkt auf mich nicht sehr harmonisch

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Georg
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Beitrag von Georg » 08.03.2007, 21:34

Stimmt, der Ast wirkt nicht harmonisch; ist aber auch gut so!
Finde ich.
Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben geben, daß Du es sagen darfst(Voltaire)

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der1
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Beitrag von der1 » 08.03.2007, 21:37

Lindwurm hat geschrieben:...der baum hat einen breiten geschwungenen wurzelansatz und dann steht der erste rechte ast in einem steifen winkel vom stamm ab...wirkt auf mich nicht sehr harmonisch
Das war nach mehrmaligem Hinsehen auch ein Gedanke von mir. Frage dazu: Bekommt man den Ast noch ein wenig gebogen? Und wenn ja, könnte ich mir vorstellen den weiter nach unten zu biegen. Dann gibts aber über dem Ast ein Loch, wo meiner laienhaften Meinung nach dann noch ein wenig Grünmasse von oben hinmüsste.

Wäre das realisierbar?

Liebe Grüße

¹
Und wenn wir jetz so zusammen liegen / Ich wollt es sagen, aber hab mich nie getraut
Immer öfter, wenn wir uns berühren / Spür ich den leeren Raum zwischen unsrer Haut.
Lichter - Leerer Raum (Video und mp3)

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Beitrag von Walter Pall » 08.03.2007, 23:01

Tja lindwurm und der1,


da muss ich mich jetzt wiederholen:

"man sollte nicht einen sehr ungewöhnlichen Baum so lange gestalten, bis er völlig gewöhnlich erscheint."

Das ist ja eine der Krankheiten, die in der Bonsaiwelt ihr Unwesen treibt.

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