Der naturalistische Stil

Allgemeine Philosophie, Stilarten, Techniken, Vorstellung und Besprechung von Rohmaterial sowie lose Sammlung von Entwicklungs-Dokus

Was ist der naturalistische Stil?

Der naturalistische Stil ist meiner Meinung nach, wenn man Baeume ohne besondere Gestaltungsmassnahmen auf natuerliche Weise in der Schale wachsen laesst.
3
4%
Das man kleine Baeume formal in verschiedene Stile einteilt finde ich grundsaetzlich quatsch.
4
5%
Der naturalistische Stil ist meiner Meinung nach ein gestalterisch aufwaendiger, gleichberechtigter Stil neben verschiedenen anderen Stilen.
69
81%
Der naturalistische Stil ist meiner Meinung nach ein "Verlegenheitsstil" um z.B. aus Baeume mit natuerlichen markanten Maengeln oder gestalterischem Unvermoegen einen erklaerbaren Bonsai zu machen
6
7%
Ich bin mir nicht sicher was der naturalistische Stil ist bzw. habe noch nichts darueber gelesen, bin aber daran interessiert
3
4%
Ich habe keine Meinung bzw. keine Ahnung und es interessiert mich nicht.
0
Keine Stimmen
 
Insgesamt abgegebene Stimmen: 85

Andreas Ludwig
Freundeskreis
Beiträge: 5641
Registriert: 29.03.2005, 16:50
Wohnort: Schweiz

Beitrag von Andreas Ludwig »

Dann bleibt es immer noch ein hübsch verpacktes Vorurteil, Lindwurm. Ich kann mich an Bäume von (einmal mehr halt...) Walter Pall erinnern, die weder markante Mängel hätten noch von irgendeinem Unvermögen zeugten. Also giess kein Altöl ins Feuer...
Benutzeravatar
Gary
Freundeskreis
Beiträge: 4704
Registriert: 05.01.2004, 21:01
Wohnort: Karlsruhe/Baden

Beitrag von Gary »

Lindwurm hat geschrieben:ich würde sagen:

"Der naturalistische Stil ist meiner Meinung nach ein Weg um z.B. aus Baeume mit natuerlichen markanten Maengeln oder gestalterischem Unvermoegen einen erklaerbaren Bonsai zu machen"
Ein Schelm wer Böses hierbei denkt. 8)

Es mag ein formuliertes Vorurteil von Lindwurm wiederspiegeln, doch leider nur allzu oft
ist es die Auffassung jener, die diese Stilrichtung noch nicht verstanden haben.

:roll: Naturalistische Bonsai sind eben gerade nicht natürlich gewachsen. :idea:
Grüße aus dem sonnigen Baden
Gary

Arbeitskreis Karlsruhe

AK-Treffen jeden 1. Samstag im Monat
Lindwurm
Beiträge: 2005
Registriert: 25.04.2004, 01:52

Beitrag von Lindwurm »

???

ich wunder mich grad selbst über das was ich gepostet habe...

die möglichen antoworten sind etwas dicht gedrängt am anfang des topics und ich habe nur auf den "Baeume mit natuerlichen markanten Maengeln"
abschnitt gekuckt den ich teilweise treffend fand, das mit
"oder gestalterischem Unvermoegen " hab ich eben erst entdeckt...lol

wobei ich das wort "Mängel" nicht rein negativ meine.

ich finde die diskussion nicht wirklich ergiebig, da es oftmals ganz erheblich drauf ankommt, welches rohmaterial man verwendet....

unterm strich sollte man immer versuchen das beste aus dem material zu machen, ohne einen bestimmten stil im auge zu haben.
Benutzeravatar
Schanananinchen
Beiträge: 343
Registriert: 04.02.2007, 19:52
Wohnort: Landshut

Beitrag von Schanananinchen »

In meinen Augen ist ein naturistischer Stil eine Gestaltungsform bei der größten Wert darauf gelegt wird, das der Bonsai eine Form annimmt, die man ohne weiteres in der Natur antreffen kann. Die meisten Bonsaibäume in den Lehrbüchern halte ich keineswegs für naturalistisch. (Als Beispiel:) Viele von Walter Palls Bäumen sind naturalistisch nachempfunden und deswegen finde ich sie sehr schön. Sie vermitteln den Eindruck eines natürlich gewachsenen Baumes. Dass man bei einem solchen Unterfangen sehr bedacht und überlegt vorgehen muss ist mir klar. Ich bevorzuge jenen Stil :D

Viele Grüße
-----------------Grüße, Janina--------------------
www.jart-bonsaischalen.de

Der "Ruf" ist, was andere von uns denken.
Charakter ist, was Gott und die Engel über uns wissen. (Thomas Paine)
marius
Beiträge: 1598
Registriert: 09.10.2006, 23:01

Beitrag von marius »

hi


man könnte ja auch spöttisch sagen: kunst ist kunst und baum ist baum.

bonsai ist halt 'ne kunst auf natürlicher basis, dessen ergebnis so 'ne art naturbelassenes kunstobjekt darstellt. das ergebnis wächst ja weiter.

insofern halt 'ne art ökokunst. wichtig in der heutigen zeit. :lol:

das ist aber auch jemand, der aus einem baumstamm einen menschen schnitzt. das ergebnis nennt man dann halt grob plastik.

aber soweit will ja niemand gehen. :D

größt mögliche natürlichkeit in gewissen phasen bei diesen hobby zu erreichen ist eine kunst. aber nicht jeder erreicht dieses ziel. und in sofern ist es gut, daß es daneben auch noch andere stilistische ausdrucksmöglichkeiten gibt.

gruß marius
Benutzeravatar
Thomas P.
Beiträge: 967
Registriert: 16.03.2004, 21:09
Wohnort: Pirna
Kontaktdaten:

Beitrag von Thomas P. »

Der naturalistische Stil ist natürlich ein gleichberechtigter Stil neben verschiedenen anderen Stilen.

Ob gestalterisch aufwendig ist immer relativ.

Der Begriff Naturalistischer Stil muss allerdings auch herhalten, und da sind hier im Forum gar manche Sträuße ausgefochten worden,
um Verlegensheitslösungen aufzuwerten.
Er kann auch breit ausgelegt werden, sodass sich auch leicht gestalterische Defizite hinter dem Begriff verstecken lassen.

Das Wesen und den Kern der naturalistischen Herangehensweise hat W. Pall recht anschaulich und eindrucksvoll in der vorletzten BonsaiArt dargelegt.
Das trifft den Kern.
Viele Grüße
Thomas Pallmer

Bonsai-Wandkalender 2019
Andreas Ludwig
Freundeskreis
Beiträge: 5641
Registriert: 29.03.2005, 16:50
Wohnort: Schweiz

Beitrag von Andreas Ludwig »

Thomas P. hat geschrieben:Der Begriff Naturalistischer Stil muss allerdings auch herhalten, und da sind hier im Forum gar manche Sträuße ausgefochten worden, um Verlegensheitslösungen aufzuwerten.
Er kann auch breit ausgelegt werden, sodass sich auch leicht gestalterische Defizite hinter dem Begriff verstecken lassen.
Was nicht der Fehler des Stils ist. Wenn ich mir manche Erstgestaltungen und Erwerbungen so anschaue hier, dann gilt der gleiche Vorwurf auch für praktisch jeden anderen Stil. Keine Stammbewegung? Egal - dem sagen wir einfach «streng aufrecht». Im Unterholz gewachsener, kahler Stängel? Nennen wir es «Literat». Gar nix? Dann halt «Wurzel über den Stein» oder «windgepeitscht». Noch ein blaues Töpfchen und fertig ist der Solitär. Da wird so breit ausgelegt, dass kein Japaner einen Bonsai sehen könnte...

Wahrscheinlich ist die (bereits erwähnte) Gleichsetzung von «naturalistisch» und «natürlich» der Ursprung des Misstrauens. Die zwei Begriffe muss man aber sauber trennen. Der natürliche Stil (so es ihn denn gibt) ist wohl eher der, der verlockend ist für alle, die eigentlich keine klare Vorstellung haben, was zu tun ist. Die Lösung heisst dann: Wachsen lassen, hie und da etwas schnippeln und sich eines sanften Umgangs mit der Pflanze rühmen. Das ist aber, wie mehrfach dargelegt, weder mit Naturalismus zu verwechseln noch ein an sich glaubwürdiges Gestaltungskonzept. Es ist bloss Grünzeugbetreuung. Wir sollten das einfach ausscheiden aus der seriösen Diskussion.
:wink:
Benutzeravatar
Heinzbeck
Beiträge: 161
Registriert: 05.07.2007, 17:39
Wohnort: 20149 Hamburg

der naturalistische Stil

Beitrag von Heinzbeck »

Ich hab mal eine (vielleicht saublöde) Frage:

Sind Gestaltungsvorstellungen eigentlich bis in alle Ewigkeit in Stein gemeißelt oder kann sich da eine ganz neue(vielleicht radikale?) Richtung entwickeln, deren Problem nur eine überzeugende Ästhetik und ein Bedürfnis nach Veränderungen wären. Ich hätte zwar keine eigene Idee (bis jetzt) aber es gibt auf diesem Globus ja eine Menge fantasiebegabter Mitmenschen.

Grüße aus Fallersleben

Heinz
Die Zeit läßt sich nicht überholen....
Andreas Ludwig
Freundeskreis
Beiträge: 5641
Registriert: 29.03.2005, 16:50
Wohnort: Schweiz

Beitrag von Andreas Ludwig »

Heinz - Gestaltung hört nie auf. Schau mal, woher Kimura kommt und was er heute macht. Oder Pall. Oder Lenz. Nur - gut muss es halt sein. Und da wird die Pyramide sehr steil.
Benutzeravatar
Heinzbeck
Beiträge: 161
Registriert: 05.07.2007, 17:39
Wohnort: 20149 Hamburg

der naturalistische Stil

Beitrag von Heinzbeck »

hallo Andreas,

genau das war ja der Punkt warum ich gefragt habe: WER bestimmt was GUT ist? Da muss doch immer eine Masse Volks zusammen kommen, die die gleiche Ästhetik bewundern, oder?
Heinz
Die Zeit läßt sich nicht überholen....
KHarry
Beiträge: 708
Registriert: 03.02.2005, 17:42

Beitrag von KHarry »

Hallo Heinz,

lies dazu mal den Beitrag 'Kunstgeschwafel' im Best-of-Forum.
Benutzeravatar
Heinzbeck
Beiträge: 161
Registriert: 05.07.2007, 17:39
Wohnort: 20149 Hamburg

der naturalistische Stil

Beitrag von Heinzbeck »

hallo Harry,
danke für die freundliche Antwort, das war schon extrem förderlich, aber jeder hat eben seinen Stil
Heinz
Die Zeit läßt sich nicht überholen....
Andreas Ludwig
Freundeskreis
Beiträge: 5641
Registriert: 29.03.2005, 16:50
Wohnort: Schweiz

Re: der naturalistische Stil

Beitrag von Andreas Ludwig »

Heinzbeck hat geschrieben:WER bestimmt was GUT ist? Da muss doch immer eine Masse Volks zusammen kommen, die die gleiche Ästhetik bewundern, oder?
Das ist verschieden.

Im schlimmsten Fall ist es ein Leader oder CEO. Siehe Werbung und staatliche Kommunikation.

Im Falle der Massenprodukte ist es die Masse. Bloss ist das ein unzuverlässiger Kandidat: Einige Versuche, aus Marketingdaten das ideale Auto zu gestalten, sind am Markt danach gnadenlos gescheitert. Offenbar will die Masse überrascht werden und weiss eben nicht so genau, wovon...

Manchmal ist es eine «Elite». Das sind meist Leute mit einem Querkopf, die Leute mit Kohle kennen. Das kann Mäzenatentum oder Kunstförderung sein. Wichtig ist immer, dass die Gestalter solange leben und arbeiten können, dass sie genug gemacht haben, um die Masse damit zu erreichen. Paradebeispiel: Das Logo für den Spanischen Tourismus von Joan Mirò. Den hätte man hundert Jahre früher abgestraft für seine Pinselstriche.

Nicht selten sind auch «Wellen». Heute hui, morgen pfui und dann wieder hui. J. S. Bach ist so ein Fall: Beliebt zu seiner Zeit, für Mozart selbstverständlich, noch für Chopin ein «muss», danach fast verschütt gegangen und von Albert Schweitzer wiederentdeckt. Kennst du Anselm Feuerbach? War mal weltberühmt.

Tja. Gut kann also etwas heute schon sein, aber morgen erst als das erkannt werden, vieles, was als gut geschaffen wird, findet keine ausreichende Anhängerschaft, was morgen gut ist, ist übermorgen Schrott und die Mexikaner sehen es sowieso ganz anders. Was macht man bloss, wenn alles so unwägbar ist? Ganz einfach: Das woran man glaubt und was sogar den eigenen Zweifeln standhält (hat man keine solchen, sollte man besser die Finger von lassen). Dann geht man zu Bett und betet vorher artig.
Benutzeravatar
Niko
Beiträge: 519
Registriert: 25.01.2004, 17:49

Re: der naturalistische Stil

Beitrag von Niko »

Heinzbeck hat geschrieben:.................... WER bestimmt was GUT ist? Da muss doch immer eine Masse Volks zusammen kommen, die die gleiche Ästhetik bewundern, oder?
Heinz
Unser Geschacksurteil entscheidet, inwieweit das Gefühl der Lust oder Unlust etwas für schön oder weniger schön hällt.

Das gilt für den Einzelnen und ohne persönliche Interessen (Geld, Macht u.s.w.).

Die Masse selbst kann diese Entscheidung für dich oder mich nicht treffen.
gruß

Niko

Das Auge findet was es sucht.
Antworten