Ficus-Wald

Allgemeine Philosophie, Stilarten, Techniken, Vorstellung und Besprechung von Rohmaterial sowie lose Sammlung von Entwicklungs-Dokus
Gisela V.
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Ficus-Wald

Beitrag von Gisela V. » 25.09.2007, 19:57

Hallo zusammen,

auf besonderen Wunsch von Wessel, und weil meine Wald-Posts wohl infolge der Forumsbereinigung ins Nirwana verschwunden sind, fasse ich die Entstehung meines Waldes nochmal zusammen.

In 2000 kaufte ich einen Topf mit jungen Pflanzen, die zu einem Bündel zusammengeschnürt waren.
Nach deren, manchmal rabiaten, Trennung blieben 23 Einzelpflanzen übrig, die ich in eine mit Löchern versehene Schale einer ausgedienten Küchenwaage pflanzte. Als Substrat habe ich Blumenerde, Bims und Akadama zu etwa gleichen Teilen verwandt.

Dort verblieben sie die nächsten 3 Jahre. Gedüngt wurde mit normalem Flüssigdünger.

Am 5.4. 03 fand dann die erste Gestaltung als Wald in einer Schale statt. Die einzelnen Bäumchen wurden ausgelichtet, zurückgeschnitten und die äußere Form bestimmt.

Die Pflanzen wuchsen ohne Probleme in der Schale weiter und gediehen prächtig.

In 2005 veränderte ich die äußere Form ein wenig, um mehr Spannung in das Ganze zu bringen. In die einfache Dreiecksform schnitt ich eine Kerbe, so dass der Eindruck von zwei Baumgruppen entstand.

In 2006 wurde es Zeit für eine Substraterneuerung. Auch wirkte der Wald in seiner Schale etwas "eingesperrt". Es musste also eine neue her.
Diese fand ich glücklicherweise bei Herrn Beck in Karlsruhe.
Es war eine Kunstharzpatte, die einer Schieferplatte täuschend ähnlich sieht, dafür aber viel leichter und bruchsicher ist. Als wir den Wald probeweise darauf stellten, waren wir uns einig: Das ist es!

Nach dem Bohren von einigen Wasserabzugslöchern wurde der gesamte Wald aus der Schale gehoben, die alte Erde entfernt und in das frische Substrat auf die Platte gesetzt.
Die ursprünglich in der Schale vorgelagerten Steine habe ich bei der neuen Gestaltung weggelassen und nur seitlich einen grünlichen Stein platziert.

Jetzt fehlte noch der schöne moosige Waldboden. Da konnte die Nachbarin aushelfen und bekam so gleichzeitig ihre Gartenmauer gesäubert.

Entgegen allen Behauptungen, dass sich Outdoormoos in der Wohnung nicht hält, kam mein Moos, mit jeden Tag übersprühen, prima durch den Winter. Der Wald steht allerdings in einem Wintergarten, der mit ca. 18° beheizt, proppenvoll, und dadurch entsprechend luftfeucht ist.

Durch das langanhaltende kalte Wetter im Frühjahr diesen Jahres, konnte ich den Wald erst spät ins Freie stellen. Die Sonne war somit (trotz günstiger Ostseite) zu stark für die noch nicht sonnengewöhnten Blätter und er bekam einen Sonnenbrand. Somit konnte ich ihn für unsere Vereinsausstellung am 1. Juni vergessen.

Die neuen Blätter kamen schnell und über den Sommer legte er gut zu.

Anfang August habe ich ihn dann im Rahmen einer kleinen Demo im AK wieder gut ausgelichtet und zurückgeschnitten, damit wieder Licht ins Innere kommt.

Nun steht er wieder im Wintergarten und man kann gerade zusehen, wie die Blätter sprießen.
Auf der Erdoberfläche sprießt inzwischen das Bruch- oder Kanonierkraut, dem man aber einfach durch auszupfen oder abschneiden zu Leibe rücken kann.

Ein paar Daten:

Der Wald besteht aus 27 Bäumen.
Die höchste Stelle misst 63 cm.
Breit ist er 75 cm und tief 48 cm.
Die Plattenlänge beträgt 103 cm.

Anbei noch ein paar Bilder den einzelnen Entwicklungsstufen.

Ich hoffe, Wessel ist zufrieden mit meinem Bericht und vielleicht können auch Anfänger unseres schönen Hobbys davon profitieren.

Viele Grüße,
Gila
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Was wären wir ohne den Trost der Bäume.........

Gisela V.
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Beitrag von Gisela V. » 25.09.2007, 20:03

Die neue Generation wartet auf Gestaltung.
Man sieht anhand der Bilder gut das Wachstum der Stecklinge bzw. der Jungpflanzen.

Grüßle,
Gila
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Boon
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Beitrag von Boon » 25.09.2007, 20:06

:D Genial......

Boon

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sulrich
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Beitrag von sulrich » 25.09.2007, 20:16

Ein toller Bericht, vielen Dank dafür!
Viele Grüße,
Stefan

Whenever there is any doubt, there is no doubt. - Sam in 'Ronin'

Hadda San
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Beitrag von Hadda San » 25.09.2007, 20:18

also grad hab ich mich verliebt....

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pam825
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Beitrag von pam825 » 25.09.2007, 21:25

Wunderschön und toller Bericht!

*daumen_new*

lg pam

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Thorschti
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Beitrag von Thorschti » 25.09.2007, 22:58

Hallo Gisela,

ich durfte deine Gestaltung ja schon aus der Nähe betrachten und muss immer wieder sagen: Hut ab!!!!

Ich wünsche dir für dein neues Projekt viel Erfolg und erwarte einfach ihn im Ak zu sehen :wink:

viele liebe Grüße

Thorsten
Exercitatio artem parat (Tacitus)

Lindwurm
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Beitrag von Lindwurm » 25.09.2007, 23:07

hut ab !
gelungene gestaltung mit einer sehr stark unterschätzten spezies :wink:

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flu
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Beitrag von flu » 25.09.2007, 23:29

hahaha - das sagt der Richtige ;)
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Lipi
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Beitrag von Lipi » 25.09.2007, 23:34

Hi,

deinen Wald find ich echt klasse. Sowas hätte ich auch gern *up*
Deinen Bericht finde ich auch sehr hilfreich.

Gruß Michael

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Beitrag von Martin_S » 26.09.2007, 09:58

Mensch Giselea!
Schöner könnte "selbst ich" keine Gruppe pflanzen! :wink:
Seeeehr schön!
M
Beste Grüße
Martin

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Beitrag von nicky263 » 27.09.2007, 12:18

Hallo Gisela,

ein wunderschöner Wald - eine tolle Dokumentation und absolute Inspiration für mich!!

Ich bin fest entschlossen auch darauf hin zu arbeiten - einen Anfang habe ich im Frühjahr mit den ersten kleinen Ficus-Pflanzen gemacht.

Vielen Dank für's zeigen

Liebe Grüße
Monika

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flu
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Beitrag von flu » 27.09.2007, 12:44

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Gisela, die Gegenüberstellung der Aufnahmen von 2005 und 2007 zeigt eines sehr deutlich:

Schon 2005 war die heutige Silhouette der Baumgruppe weitestgehend erreicht. Damals, als die Gruppe sozusagen noch frisch in diese Form hineingewachsen war, war die Krone noch voll und dicht belaubt. Mit zunehmendem Alter muss der Neuzuwachs immer wieder auf diese alten Maße reduziert werden, was eine immer weiter fortschreitende Auslichtung der Krone zur Folge hat. Gleiches Beobachte ich auch an meinen Bäumen.

Nun zu meinem Problem:

Mit dem regelmäßigem Rückschnitt wird der Baum gezwungen immer wieder auf tiefer leigende schlafenden Knospen zurück zu greifen. Nach meiner Beobachtung verbrauchen diese sich somit mit der Zeit. An meinem Ficus habe ich inzwischen ganze Äste, die offensichtlich über keinerlei schlafende Knospen mehr verfügen. Neuaustrieb findet bei ihnen nicht mehr an den Astspitzen statt sondern zunhemend aus der Astbasis heraus.
Das stellt mich gerade vor ein Problem. Wie soll ich damit umgehen?
Soll ich nun diesen basalen Neuaustrieb ausgeizen und hoffen, das sich an den Astspitzen doch noch neue Knospen bilden, oder soll ich den basalen Neuaustrieb fördern um den alten, "aufgebrauchten" Ast dereinst zu ersetzen?
Zuletzt geändert von flu am 27.09.2007, 13:09, insgesamt 1-mal geändert.
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crimson
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Beitrag von crimson » 27.09.2007, 13:04

Eine ähnliche Beobachtung habe ich auch gemacht, wobei ich bis jetzt kein Problem mit der Dichte der Krone habe sondern eher untenherum auf mehr Zuwachs hoffe.
Ich versuche jetzt mal an einigen Stellen, an denen tiefere Äste langsam verkahlen, mit den neuen Ästen zu arbeiten. Allerdings habe ich auch schon erlebt, dass sich diese nicht richtig entwickeln. Das mag am Lichtmangel in Stammnähe liegen. Obwohl ich drumherum schon relativ stark ausgelichtet habe.

Ich glaube aber das Ficus nur ungern tiefere Regionen am Baum fördert. Nach starkem Rückschnitt treiben die Bäume vor allem obenherum stark aus, während die unteren Bereiche relativ wenig Neuaustrieb zeigen. Im zweiten Outdoorsommer meines Waldes wurde es jetzt etwas besser. Mal sehen wie sich das auf lange Sicht entwickelt.

Gisela Dein Wald gefällt mir auch sehr gut. Die Anordnung der Steine in der alten Schale gefiel mir allerdings besser. Besonders gefällt mir, dass das Gesamtbild (Tablett, Wald, Unterbepflanzung) so stimmig ist. Ich hoffe ich finde auch mal so ein schönes Tablett für meine Wälder...

Viele Grüße
der André
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(Calvin & Hobbes)

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weeijk
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Beitrag von weeijk » 27.09.2007, 17:20

Gila, danke sehr sehr schön für deinen Bericht. *respekt*

Auch ich bin noch immer beschäfticht mit meiner Kleinen, die auch mal auf nen Kunststoff Platte stehen werden. Alledings sehen die gerade so aus als deine Stecklinge und Grosseren in 2005. Werden deine Stecklinge nur im unteren Bereich zurückgeschnitten oder auch in der Krone?? Werden die auch gedrahtet um so der rechten Wachstum zu erreichen?

Ich hoffe alledings das meinen ungefähr wie deinen aussehen werden, aber das wirt noch einige Zeit dauern. Ich habe mal die Kunststoffplatten angehängt. Platte B ist 38x18 cm gross. Meinen erste Wahl würde Platte A sein. Vielleicht könnt ihr mich sagen ob die brauchbar sind??

Grüsse Wessel
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Jeder Baum könnte ein Bonsai sein, aber nur einige werden es.

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