Baum aus Samen

Allgemeine Philosophie, Stilarten, Techniken, Vorstellung und Besprechung von Rohmaterial sowie lose Sammlung von Entwicklungs-Dokus
Joerg

Baum aus Samen

Beitrag von Joerg » 05.10.2004, 14:05

Hallo,

immer wieder taucht ja hier auch im Forum das Thema Bonsai aus Samen auf. Oft wird nicht geglaubt wie langwierig das ist oder sein kann.
Ich habe heute mal ein schönes, wenn auch extremes Beispiel.
1981 weilte ich als Kind mit meinen Eltern im Urlaub in Sibirien. Dort aßen die Russen immer so eigenartige Nüsse. Furchtbar klein waren die. Irgendwann fragten wir sie was das ist und sie zeigten uns mächtig grosse Kienäppel (später bekam ich raus, dass es Zirbenzapfen waren). Für uns als Flachlandtiroler war diese Kiefernart völlig unbekannt. Meine Mutter nahm damals so einen Zapfen mit und brachte sofort ein paar Samen bei uns im Garten aus. 1982 keimten 2 Stück. Meine Eltern zogen irgendwann weg, mein Bruder übernahm das Grundstück und niemand kümmerte sich richtig um die beiden Pflanzen.
Als ich Jahre später zum Hobby Bonsai kam erinnerte ich mich wieder an die Experimente und machte mich daran, die zwei Sämlinge zu suchen. Sie waren beide noch da und 1992 habe ich beide aus dem Freiland in Töpfe verpflanzt. Sie waren damals schätzungsweise 12-15 cm hoch.
In den Töpfen ging mir dann eine gleich ein und die andere entwickete sich prächtig. Vor allem die Verzweigung setzte nun spürbar ein.
Heute nun nach über 22 Jahren habe ich mich daran gemacht dem Baum mal eine Grundgestaltung zu geben.
Sicher ist nicht jedes unterfangen mit Sämlingen so mühsam aber man sollte mit allem rechnen. Eine Generation reicht da manchmal nicht aus.
Der korrekte Name lautet: Pinus cembra sibirica
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cembra4.jpg
Grundgestaltung; Höhe 15cm. Breite 20cm
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cembra3.jpg
Rückseite, vorher
cembra3.jpg (69.27 KiB) 2436 mal betrachtet
cembra2.jpg
leicht nach links gedreht, zukünftige Vorderseite
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cembra1.jpg
heute früh Vorderseite 30cm breit, 20cm hoch
cembra1.jpg (69.7 KiB) 2436 mal betrachtet

sascha boy
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nice nice

Beitrag von sascha boy » 05.10.2004, 15:05

hallo



klasse bericht danke von mir. der baum gefällt mir sehr gut und die geschichte zu ihm eh. beweist das man auch so zu nem bonsia kommen kann. alerdings wäre es für mich zu langwirig. ich greife lieber auf baumschul bäume zurück. bei denen kann mann gleich loslegen .


aber dein baum beeindruckt mich denn doch schon wenn mann mal den weg anschaut den er schon gegangen ist.

Joerg

Re: nice nice

Beitrag von Joerg » 05.10.2004, 15:27

sascha boy hat geschrieben:aber dein baum beeindruckt mich denn doch schon wenn mann mal den weg anschaut den er schon gegangen ist.
du sagst es Sascha, ich habe selten beim Bearbeiten eines Baumes soviel Respekt verspürt, wie bei diesem.

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Wolfgang
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Beitrag von Wolfgang » 05.10.2004, 15:53

Ein nettes Zirben-Bäumle hat sich da in 22 Jahren entwickelt.

1982 bis 1992 hast du also sozusagen "übersprungen". - Stell dir mal vor Jörg, du kultivierst wirklich ganz geduldig eine Kiefer aus Samen 22 (in Worten: zweiundzwanzig :shock: ) Jahre am Bonsairegal. - Da hätte vermutlich auch deine Geduld ein Ende ............ :roll: :wink: :lol:

Joerg

Beitrag von Joerg » 05.10.2004, 16:59

Hallo,
Wolfgang hat geschrieben:1982 bis 1992 hast du also sozusagen "übersprungen".
naja Wolfgang, nicht so ganz. Ich war damals schon der einzige in der Familie, der nebst Muttern so nen kleinen Hang zu exotischer Flora und Fauna hatte (zog z.B. mit 10 Jahren massenhaft Kakteeen aus Samen heran) Da ich selbst bis `86 dort auf dem Grundstück lebte, beobachtete ich die zwei dementsprechend. Allerdings gab es da nicht viel zu sehen. In den ersten 6-8 Jahren wuchsen die maximal 5-10 mm im Jahr und das kerzengrade nach oben. Das war eher ein registrieren. Ab `89 war ich dann von Bonsai infiziert. Ließ sie aber noch 3 Jahre am ursprünglichen Ort. Danach mussten sie weg, weil der Garten umgestaltet wurde.

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Beitrag von Wolfgang » 05.10.2004, 18:37

O.K. :wink: :lol:

Lindwurm
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Beitrag von Lindwurm » 05.10.2004, 19:13

naja aber das ist jetzt ja schon ein schönes kleines bäumchen mit etwas ausdruckskraft.
es gibt ja genug importierte jap. ahorne die 15-18 jahre alt sind und null ausdruckskraft haben...
bei deinem baum hat sich das warten ja gelohnt

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Beitrag von Martin_S » 05.10.2004, 21:41

lindwurm hat geschrieben:....es gibt ja genug importierte jap. ahorne die 15-18 jahre alt sind und null ausdruckskraft haben...
...und welche die genauso alt (oder ein bisschen älter) sind und reichlich Aussagekraft haben :lol:
M
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Beitrag von Wolfgang » 05.10.2004, 21:47

:o Aber hallo, du Dreispitz-Fanatiker ............................ :wink:
W.

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Beitrag von Lindwurm » 05.10.2004, 22:46

ähm ää... hat hier jemand dicker dreispitz gesagt?
ich hab da auch sonen etwas dickeren..
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Beitrag von Wolfgang » 06.10.2004, 04:52

Sind das inch oder cm :?: :P :wink: :lol:

Gesamtbild sehen wollen ............. :!: :wink:

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Beitrag von Reiner Goebel » 06.10.2004, 08:02

Ein wohl eher abschreckendes Beispiel. Wenn man, wie viele, erst im Mittelalter seines Lebens zu Bonsai findet, dann ist man seit 1981 schon pensionsreif geworden. Wenn man dann bedenkt, dass dieser Baum noch mindestens 10 Jahre Entwicklung vor sich hat, bevor er Bonsai ist, dann kann man nur hoffen, dass der Tattergreis einen an Bonsai interessierten Nachkommen hat.

:wink:
Reiner G.

Constantin

Beitrag von Constantin » 06.10.2004, 11:22

Ein schönes Bäumchen! Da sieht man mal wieder wie Geduld sich auszahlt! Ich finde die Beschäftigung mit der Bonsaianzucht aus Samen durchaus sinnvoll. Man lernt sehr viel darüber, wie Pflanzen "funktionieren" und wachsen. Das fördert das Verständnis der
natürlichen Abläufe. Akio Kato hat auf dem Ginko Bonsai Award 1999 gesagt, dass jeder einmal Bonsai von Anfang an erleben sollte. Der Meinung bin ich auch. Allerdings gibt es an Sämlingen über Jahre hinweg wenig oder gar nichts zu gestalten. In dieser Hinsicht lernt man
also nicht besonders viel. Deswegen sollte man immer ein paar "reifere" Rohlinge in der Warteschleife haben. Anbei noch ein Bild einer kleinen Gruppenpflanzung von mir aus gesammelten Spitzahorsämlingen. Ja, das IST nichts weiter als Spielerei, aber ich habe den "Wald" mehrmals umgruppiert und dabei viel über Perspektive und Raumaufteilung gelernt.

MfG
Constantin
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ahornwald.jpg
Länge der Schale 18cm, Höhe des Hauptbaumes 10cm. Leider ist mir ein Bäumchen abgestorben, darunter leidet der ohnehin nicht optimale Gesamteindruck. Außerdem verdeckt ein Baum rechts den dahinter. Also nochmal neu zusammenstellen...
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Amadeus
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Beitrag von Amadeus » 06.10.2004, 13:41

Reiner, abschreckend oder bedenklich ist eigentlich nur deine Meinung.

Was hat Sinn ?
* allles fertige Giganten zu kaufen und sich dann vorzugaukeln man sei einer der Größten, da man ja auch die größten Bonsai hat.
* oder einen Baum (auch einen kleinen) über Jahre hinweg zu pflegen oder ich sag mal zu erziehen und sich jeden Tag über seine Fortschritte zu freuen.

Das ist eben abhängig vom Anspruchsdenken des Einzelnen ob er Bonsai als ein Hobby ansieht um sich selbst hier zu verwirklichen und auch zu lernen oder ob er Bonsai ansieht um sich gegenüber anderen hervorzuheben, die nur so verkümmerte kleine Dinger haben und die sie auch noch Bonsai nenen.

Sorry, aber das lag mir auf der Seele.

Viele Grüße
Holger

Lindwurm
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Beitrag von Lindwurm » 06.10.2004, 15:03

Amadeus hat geschrieben: * allles fertige Giganten zu kaufen und sich dann vorzugaukeln man sei einer der Größten, da man ja auch die größten Bonsai hat.
* oder einen Baum (auch einen kleinen) über Jahre hinweg zu pflegen oder ich sag mal zu erziehen und sich jeden Tag über seine Fortschritte zu freuen.

Das ist eben abhängig vom Anspruchsdenken des Einzelnen ob er Bonsai als ein Hobby ansieht um sich selbst hier zu verwirklichen und auch zu lernen oder ob er Bonsai ansieht um sich gegenüber anderen hervorzuheben, die nur so verkümmerte kleine Dinger haben und die sie auch noch Bonsai nenen.

Sorry, aber das lag mir auf der Seele.

Viele Grüße
Holger
es geht hier in erster linie um respekt vor dem baum!
und zu glauben das jemand sich intensiver beschäftigt mit bonsai weil er sich welche aus samen zieht das halte ich für quatsch.
man kann aus samen gute bonsai machen ,keine frage.
ich bin mir ziehmlich sicher das gerade die leute die immer wieder behaupten es sei ja soo wichtig aus samen zu ziehen am wenigsten ahnung haben wie man aus den sämlingen ein meisterwerk macht.
da müsste nämlich erstmal noch ein "kleiner umweg" gegangen werden der sich "feld-kultur" nennt..
(natürlich kannst du auch nur in der schale ein meisterwerk schaffen,das blöde ist dann nur das du dieses meisterwerk nicht mehr selbst miterleben wirst..)
es geht nur darum einen baum weiterzuentwickeln und seine "grösse" zu respektieren...glaubst du jemand gibt tausende euro für etwas aus das er nicht "respektiert" oder besser gesagt anbetet!
genau diese leute sind es nämlich die sich wirklich intensiv mit bonsai beschäftigen und deshalb bereit sind einen grossen teil ihres geldes für bäume auszugeben....

Sorry, aber das lag mir auf der Seele.

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