Eichengruppe von C.D.F.

Allgemeine Philosophie, Stilarten, Techniken, Vorstellung und Besprechung von Rohmaterial sowie lose Sammlung von Entwicklungs-Dokus
gunter

Eichengruppe von C.D.F.

Beitrag von gunter » 02.12.2004, 11:10

Liebe Forumsleser,

vor einiger Zeit hat Walter Pall hier ein Gemälde einer Kiefer von Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld vorgestellt, eine naturalistisch gemalte Landschaft, wenn auch vielleicht etwas idealisiert. Ich fand das Bild etwas akademisch und den Baum nicht besonders anregend für die Nachgestaltung als Bonsai. Aber generell finde ich es gut, sich von den benachbarten Kunstformen anregen zu lassen, insbesondere von der Landschaftsmalerei. Deshalb hier ein anderes Bild, das meines Erachtens eine Vorlage für eine Gruppenpflanzung sein könnte. Es ist ziemlich bekannt, mancher wird es vielleicht schon im Original in Weimar gesehen haben:Caspar David Friedrichs "Hünengrab am Meer" von 1808.

Es ist sicher nicht naturalistisch (in dem Sinn wie das Wort in der Kunstgeschichte verwendet wird). Die dargestellte Landschaft ist erfunden. Friedrich wollte nicht die Natur darstellen, wie sie war, sondern er benutzte sie als Spiegel menschlicher Empfindungen. Er wollte ein bestimmtes Gefühl beim Betrachter hervorrufen. Die Eichen symbolisieren den Gedanken des unerschütterlichen Durchhaltens trotz aller Schicksalsschläge. Mancher zeitgenössische Betrachter wird auch deutsch-nationale Assoziationen gehabt haben. Das Bild ist mit Bedeutung aufgeladen und regt zu einer subjektiven Interpretation an. Friedrichs Freund und Kollege J.Ch.C.Dahl hat dessen Landschaften "Traumbilder einer ungekannten Welt" genannt.

Trotzdem ist Friedrichs Bild in einem etwas andern Sinn nach der Natur gemalt: Sowohl die drei Eichen als auch das Hünengrab hat es gegeben und Friedrichs Skizzen nach der Natur sind erhalten. Nur die Zusammenstellung ist fiktiv und verfolgt eine bestimmte Intention. Allerdings hat er kleinere "Korrekturen" der Natur vorgenommen. Die linke Eiche stand in einem Dorf und obendrauf war ein Storchennest. Das hätte natürlich die gewünschte Stimmung versaut und wurde weggelassen. Der rechten Eiche fehlten in der Natur unten einige Äste, die aus formalen Gründen gebraucht und also dazuerfunden wurden.

Ich finde, Friedrichs Vorgehen ist der Bonsaigestaltung nicht unähnlich. Man verändert die vorgefundenen Bäume (Äste wegschneiden, abschälen, andübeln, irgenwo gefundene Bäume zusammengruppieren) und sucht sie einer bestimmten Idee anzunähern.

Friedrich meint, dabei sei das "geistige Durchdrungensein der Künstlers von der Natur" wichtig. Das ist nicht so weit weg von dem, was Basho als Eintauchen in das Objekt und Einswerden damit beschreibt (siehe meinen Beitrag unter dieser Rubrik vom 19.11.). Hier treffen sich also fernöstlich-taoistisches und europäisch-romantisches Denken.

So, jetzt ist es lang genug. Es grüßt Euch alle
Gunter Lind

Ich schicke erst mal ab, weil ich gerade merke, daß das Bild noch zu groß ist.

gunter

Beitrag von gunter » 02.12.2004, 11:14

Hier das Bild
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File0007.jpg
File0007.jpg (63.05 KiB) 2275 mal betrachtet

Joerg

Beitrag von Joerg » 02.12.2004, 11:29

ja was haben wir denn da.... :wink:

der alte Friedrich hat die Dinger ja wirklich herumgetopft wie er wollte :lol: :lol:

trotzdem beeindruckende malerei
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caspar.jpg
caspar.jpg (69.31 KiB) 2268 mal betrachtet
caspar2.jpg
nur die Jin-Technik war nicht sonderlich gut ausgefeilt
caspar2.jpg (68.34 KiB) 2264 mal betrachtet

Constantin

Beitrag von Constantin » 02.12.2004, 12:34

Die Bilder sind echt toll. Ich kann mich deiner Meinung nur anschließen, Gunter. Danke für den Beitrag.

MfG
Constantin

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Gary
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Beitrag von Gary » 02.12.2004, 13:12

Hallo Leute,

wie Constantin schon bemerkte: "Caspar David Friedrichs Bilder sind schon toll!" - Wenn auch sicherlich nicht nach Jedermanns Geschmack.

Joerg hat es ganz richtig festgestellt, der alte Friedrich hat wohl ziemlich oft die selben Vorlagen bemüht. :roll:
Als Bonsaikünstler würden wir ihn heute dafür einer gewissen Fantasielosigkeit bezichtigen. :wink:

Doch mal zurück zu Gunters Einstieg. Friedrichs hier gezeigte Bilder können meines erachtens sicherlich als Vorlage für dramatische (auch naturalistische) Baum-, nicht nur Laubbaum-, -Gestaltungen dienen. Nicht als 1:1-Vorlage, so war das bestimmt weder von Gunter, noch damals von Walter, gemeint, doch aber als Anregung/ Inspiration / Einstimmung.
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Thema mit Variation.
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Auch hier bereits Bekanntes.
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Weitere Verwendung bereits bekannter Motive.
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Grüße aus dem sonnigen Baden
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Margot
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Beitrag von Margot » 02.12.2004, 14:11

Hallo,

nach meinem Geschmack sind diese Bilder wirklich nicht!

Sie haben für mich keine Aussagekraft, vor allem Caspar2!
Ich kann noch nicht mal sagen: "Woaw! Ist das häßlich!"
Diese Bilder sind nach meinem Empfinden einfach banal.
Ausserdem hätte die Komposition mir in Kunst eine 5 eingebracht, wenn ich so etwas abgeliefert hätte!

Ciao
Margot

Joerg

Beitrag von Joerg » 02.12.2004, 14:36

Hallo Margot,
Margot hat geschrieben:Diese Bilder sind nach meinem Empfinden einfach banal.
Ciao
Margot
das verstehe ich nun nicht. Für mich ist es genau diese Banalität, die ich mit Bonsai und dem ganzen drumherum des "Bäume beobachten" verbinde. Im Zeitalter wo man überlegt auf den Mond in den Urlaub zu fliegen, sich einfach noch an einem Baum zu erfreuen oder eben auch mit zu leiden, wenn man solche Bilder sieht, wie sie uns Wolfgang gestern von den Buchen schickte. Tausende solcher Bäume werden jährlich runter gemacht....wen kümmerts :?: UNS :!: :!: :!: ist doch eigentlich banal oder?

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Beitrag von holgerb » 03.12.2004, 17:42

Hallo zusammen!

Mal abgesehen davon, daß in 3 Bildern haargenau der selbe Baum zu sehen ist, finde ich die Bilder keinesfalls banal. Vielleicht steckt dahinter ja auch eine tiefere Absicht, die mir bisher verborgen bleibt. Mein Geschmack sind die Bilder zwar auch nicht, aber ich würde so etwas niemals als banal bezeichnen, genausowenig wie einen Bonsai und sei er noch so "banal" gestaltet...


Gruß

Holger

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Beitrag von Margot » 03.12.2004, 19:09

Holger,

ich finde alle Begriffe sind für uns Menschen relativ!
Wenn ich aber Deine Zeilen lesen, kann ich mir nicht des Gefühls erwehren, dass Du Dir schlichtweg nicht traust, zu sagen, was Du meinst!
Und das finde ich schade.

Ich musste innerlich lachen (und mich aber auch wundern), als Herr Claasen in Heidelberg auf einer ganz natürlich naiven Art zugegeben hat, dass er weitere Sinne seiner Bilder dank der Interpretationen der Kunstliebhaber erfährt! Dabei hat er bestimmt die meiste Zeit mit seinen Bildern verbracht!

Also, warum sollten wir nicht sagen können, dass etwas banal ist.
Dem guten Friedrich können wir mit unserer Diskussion nicht weiterhelfen, g´scheite Bamm zu malen!

Fragen würde ich ihn aber schon gerne, ob er den Watzmann wirklich gesehen hat! :wink:

Und vergessen wir nicht: Er ist ein Romantiker! Und die haben die Natur ziemlich geheimnisumwittert und schicksalsträchtig dargestellt!

Aussadem! Banal: Des is fei koa´Schimpfwort! :idea:

Ciao
Margot

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Beitrag von holgerb » 03.12.2004, 19:28

Margot,

ich trau mich schon zu sagen, was ich denke...

Bei Bild eins habe ich an Krieg gedacht, bei Bild zwei an Herr der Ringe, bei Bild drei (das gelblich gehaltene) an die Stube meiner Großeltern und beim Bild mit den Ruinen auch an Krieg. Oh, das Bild mit den Aststubben, da hab' ich an Baumvergewaltigung gedacht. Wir können ja banal mal definieren:
mein Lexikon sagt dazu : nichts sagend, alltäglich.
Und nachdem, was ich da an Assoziationen hatte, finde ich das weder nichts sagend noch alltäglich (auch wenn Krieg es wohl geworden ist).
Ich bin sicher, daß Caspar David Friedrich nicht mehrmals den selben Baum genommen hat nur weil er ihn so gut malen kann....

Schönen Gruß

Holger

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Beitrag von Delamitri » 03.12.2004, 19:34

Margot hat geschrieben: ... Aussadem! Banal: Des is fei koa´Schimpfwort! :idea:
Ist es nicht?

Banal = (abwertend) abgedroschen, flach, fade, schal, geistlos
Banal = (noch eher freundlich!) einfach, simpel, alltäglich

Ich glaube nicht, dass diese Begriffe das Werk von C. D. F. angemessen würdigen. Ich halte übrigens Herrn Claasen nicht für naiv sondern nur für ehrlich. Da muss man nicht lachen, auch nicht innerlich!

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Beitrag von Margot » 03.12.2004, 20:08

Hi Freaks,

wir entfernen uns von dem Thema!

Na dann! Versuchen wir mal solche Seelenbäume als Bonsai nachzugestalten und schaun wir mal, die Reaktionen, die damit hervorgerufen werden. :wink:
Dem Friedrich ging es doch nicht um den Baum, sondern die Symbolik als Träger eines Gefühls, einer Botschaft.
Ich muss jetzt aufhören, sonst werden ich dem armen Friedrich gegenüber zu gehässig!

Seid ihr übrigens Romantiker?

Ciao
Margot

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Beitrag von Delamitri » 03.12.2004, 20:24

Margot hat geschrieben:Hi Freaks,

wir entfernen uns von dem Thema!
Nein, nicht wir entfernen uns vom Thema, sondern Du! Und was ist bitteschön in diesem Zusammenhang ein "Freak"? Sollte es sich um eine Beleidigung handeln?

Wie ich herauslese (mein Eindruck) bist Du Kunstliebhaberin. Dann solltest Du akzeptieren, dass andere Menschen einen anderen "Geschmack" (wie bei Bonsai) haben und sie nicht als "banal" dahinstellen.

Vielleicht sollte man hin und wieder seinen ganz persönlichen Umgang mit "Fremdworten" einer Prüfung unterziehen.

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Beitrag von Sebastian » 03.12.2004, 20:37

Delamitri hat geschrieben:Und was ist bitteschön in diesem Zusammenhang ein "Freak"?
:lol:

Du kannst doch so schön definieren! Versuchs doch mal...

:P
:wink:
Grüße,
Sebastian
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Beitrag von Delamitri » 03.12.2004, 21:00

Sebastian hat geschrieben:
Delamitri hat geschrieben:Und was ist bitteschön in diesem Zusammenhang ein "Freak"?
:lol:

Du kannst doch so schön definieren! Versuchs doch mal...

:P
:wink:
Ich muss es nicht versuchen ... mich würde nur brennend interessieren, was Margot mit der Anrede beabsichtigt (oder war es einfach nur so dahin geschrieben). Das kann wenig schmeichelhaft für diejenigen ausfallen, die an den Werken von C. D. F. Gefallen finden.

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