Alter Lärchenfindling

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MerschelMarco
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Alter Lärchenfindling

Beitrag von MerschelMarco » 22.03.2009, 20:28

Diese Lärche stammt aus dem Herbst 2004 und wurde aus einer Felsspalte geborgen. Nach 4 Vegetationperioden stand heute das erste Umtopfen an.
Wie man auf Foto1 erkennt geht am Stammansatz rechtwinklig eine ziemlich häßliche Wurzel weg.
Ich wollte den Baum etwas aufrichten, sodass diese im Erdreich verschwindet und der horizontale Stammverlauf vermieden wird........Pustekuchen!
Die Wurzeln haben sich optimal entwickelt, aber auf der anderen Seite, die horizontale Wurzel war abgestorben.
Um den Baum jemals in eine Schale zu bringen mußte ich den Baum weiter kippen, eine Kaskadenform ist also zwangsläufig vorgegeben.
Das lehrt wieder eines: Einen Findling gestalten zu wollen, ohne dass man den genauen Wurzelballen kennt ist unsinnig.
Foto2-4 zeigen möglich Vorderseiten, die Lärche ist mittlerweile recht vital, vielleicht können schon im Herbst erste Gestaltungsmassnahmen angegangen werden.
Die abgestorbenen Wurzel jedenfalls hängen nun in der Luft und schauen ziemlich kurios aus.
Was meint ihr.
Sollen die dranbleiben??
Hat wer Ideen zur zukünftigen Form?

Auf den letzten beiden Fotos ist noch das Totholz zu sehen, von dem bin ich wirklich begeistert

Grüße,
Marco
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bonsaimike
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Re: Alter Lärchenfindling

Beitrag von bonsaimike » 23.03.2009, 09:48

...
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MerschelMarco
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Re: Alter Lärchenfindling

Beitrag von MerschelMarco » 24.03.2009, 09:38

Hallo Mike,

der Pflanzwinkel wird notgedrungen so bleiben. Steiler stellen ist wegen dem Wurzelansatz nicht anzuraten, und aufrichten wie es ursprünglich geplant war auch nicht.
So wirds also weder eine richtige Kaskade noch eine gelehnte Form, sondern was dazwischen.
Deine Erfahrung, das Lärchen bisweilen eingeschnappt reagieren bei Gestaltungs-/Umtopfaktionen kann ich bestätigen. Gestaltet wird erst, wenn ich sichergehen kann, dass der Baum gut angewachsen ist, also deutliche und viele Langtriebe gebildet werden.

Grüße,
Marco

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Re: Alter Lärchenfindling

Beitrag von MerschelMarco » 03.04.2010, 11:19

Nun in einer Kaskadenschale.

Der schlechte Ansatz wurde mit Steinen kaschiert und sieht nun ziemlich fett aus. Auch deswegen weil die Kaskadenschale vergleichsweise eng wirkt.

Grüße,
Marco
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MerschelMarco
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Re: Alter Lärchenfindling

Beitrag von MerschelMarco » 05.01.2011, 14:55

Meine erste "Schandtat" des neuen Jahres.
Die Krone ist etwas kleiner als auf dem Foto. Der wenige Platz ließ nur eine Weitwinkelaufnahme zu.

Grüße,
Marco
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Re: Alter Lärchenfindling

Beitrag von Martin_S » 05.01.2011, 15:20

Hi Marco!
Einzig die Wahl der Schale (zu schmal) würde ich kritisieren wollen, ansonsten ist das aus meiner Sicht eine sehr gelungene Gestaltung.

Ich hätte einen Kaskadenpot von Walsal, eventuell gibst du mir die Maße dieser schale und ich halte mal ein Bild für dich bereit?
M
Beste Grüße
Martin

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Re: Alter Lärchenfindling

Beitrag von Denis Nedic » 05.01.2011, 16:25

Hallo Bonsainer,
Ich finde die Schale von der größe gar nicht so verkehrt, klar muss man mehr darauf achten ob der Baum genug Wasser hat, aber es passt einfach!
Was mir aufgefallen ist, ist das du auf Entfernung stehst. Ich meine damit das mir die Gestaltung aus der ferne betrachtet vorkommt. Wenn das dein Geschmack ist passt es gut, ich hätte mich wahrscheinlich für mehr Äste entschieden und den Baum aus der nähe betrachtet mit einer runden kompakten Krone.
bitte nicht falsch verstehen!

Gruß Denis Nedic
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Re: Alter Lärchenfindling

Beitrag von Thierry » 05.01.2011, 16:45

Hallo Marco,

mir wäre die Schale auch zu schmal, ansonsten sehe ich nicht viel zu kritisieren. Obwohl, wenn ich drüber nachdenken... normalerweise gestaltest du immer wunderbar das Totholz deiner Bäume, in dem Fall hab' ich den Eindruck, du hattest nicht so viel Freude am Totholzgestalten...
Was hast du denn vor mit dem langen geschälten Ast der derzeit das Draht hält?
Ich hoffe, der bleibt nicht so. *z*

LG,

Thierry
Viele Grüße,
Thierry

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Re: Alter Lärchenfindling

Beitrag von Carmen_G. » 05.01.2011, 18:49

Hallo Marco,

Dein Findling hat sich aber in recht kurzer Zeit sehr gut gemacht und Du hast eine schöne Lösung für die Gestaltung gefunden! Gefällt mir!

Was den langen Jin angeht...ich könnte mir vorstellen daß der momentan nur noch zum Draht halten da ist und zugunsten einer schönen Stammlinie welche durch ihre zackigen Richtungsänderungen den alten urigen Charakter dieses Yamadoris noch unterstreicht und den Blick in Richtung Krone lenkt, entweder fallen, oder sehr stark eingekürzt wird.

viele Grüße
Carmen
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Re: Alter Lärchenfindling

Beitrag von MerschelMarco » 05.01.2011, 20:23

Der linke Jin ist tatsächlich als Ankerpunkt für den dicken Draht gedacht.Ansonsten hätte ich nämlich über das alte Totholz des Stammes drahten müsse. Der Jin wird ziemlich sicher fallen; dann aber ganz. Mit den Stummel in Stammmitte habe ich mir mehr Mühe gegeben, der ist aber noch nicht ganz fertig.

Mit der Schale bin ich mir auch noch nicht ganz sicher ob sie passt.
@Martin: Die ist 37 cm hoch und 23 cm breit
Denis Nedic hat geschrieben: Was mir aufgefallen ist, ist das du auf Entfernung stehst. Ich meine damit das mir die Gestaltung aus der ferne betrachtet vorkommt.
Denis, das verstehe ich jetzt nicht. Es ist eigentlich mein prinzipielles Anliegen Bäume sehr dreidimensional zu gestalten, auch dieser Baum hat eine starke Bewegung in alle drei Raumrichtungen, die das Foto naturgemäß nur bedingt wiedergeben kann. Allein, dass die Krone vor die Schale läuft spricht aber doch dem dir genannten Teleeffekt zuwider. Vielleicht kannst du deinen Eindruck konkretisieren, würde mich interessieren.

Grüße,
Marco

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Re: Alter Lärchenfindling

Beitrag von Manfred Jochum » 05.01.2011, 23:53

hi Marco,

die Schale ist zwar gewagt, schlank....aber je länger ich mir die Gesamtkomposition anschaue umsomehr gefällt sie mir.
Wenn der Jin weg ist, find ich die Gestaltung top.
Hat viel Bewegung und nach ein paar Jahren Reife, ist die Lärche ein Unikat mit hohem Wiedererkennungswert.

Gruß Majo
der wirklich wichtigste Teil einer Arbeit, ist damit anzufangen.

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Re: Alter Lärchenfindling

Beitrag von Denis Nedic » 06.01.2011, 00:49

Hallo Marco,
Ich versuche es so zu beschreiben. Wenn ich vor einem Berg stehe und hoch schaue sehe ich im ersten moment wie der Baum gewachsen ist in deinem Fall eine Kaskade.Von weitem zb, 200 m sehe ich aber nur den umriss vom Baum, weil alles zu nah aneinander aussieht. Wenn ich mehr Negativräume zwischen der Krone und den einzelnen Partien habe was auch dreidimensional wirkt sehe ich den Baum aus der nähe. Deine Gestaltung ist nicht schlecht sie gefällt mir, ich besitze auch Bäume die ich so gestaltet habe als würde ich sie aus der ferne betrachten. Ich finde nur diese Borke hat es verdient aus der nähe betrachtet zu werden.
Du weist ja nicht falsch verstehen *blubber*
Ich hoffe ich konnte es einiger maßen erklären

Gruß Denis Nedic
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Re: Alter Lärchenfindling

Beitrag von SteSt » 06.01.2011, 00:55

Ich habe mal eine Skizze gemacht........


lg Stefan
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Re: Alter Lärchenfindling

Beitrag von Denis Nedic » 06.01.2011, 01:04

Schönes Bild *banana*
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Re: Alter Lärchenfindling

Beitrag von SteSt » 06.01.2011, 01:04

Hallo Leute,

in diesem Fall hab ich mal die paralellen Linien hervorgehoben, wurden ja schon in einem anderen Artikel besprochen! Übrigens erläutert auch Francois Jeker in einem seiner Bücher den Sinn der Paralellen. Mir gefällt der Baum ausgesprochen gut, vielleicht wird er einmal ein aussagekräftiger Bonsai, der uns von seinem Leben im Hochgebirge erzählt, als eine Lawine ihn geknickt hat, oder ein Felssturtz ihm die Krone abschlug?


lg Stefan
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