Weniger Pfropf- u. Veredelungs-Techniken bei uns ?

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Thierry
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Weniger Pfropf- u. Veredelungs-Techniken bei uns ?

Beitrag von Thierry » 10.12.2009, 10:35

Seit einiger Zeit stelle ich mir eine "grundsätzliche" Frage, ob wir bei Bonsais, hier bei uns, weniger oft pfropfen und veredeln als in andere Länder.
Und da wir das Glück haben ein paar große Bonsaigestalter (wie Walter, Karl, usw.) hier im Forum zu haben, wollte ich euch mal fragen.
Wenn man sich die zahlreichen Beispiele anschaut für Bonsaigestaltungen diverser Gestalter wie Kimura, Kawabe und andere, merkt man relativ schnell, daß viele unter ihnen oft auf Pfropf- und Veredelungs-Techniken zurückgreifen um z.B. Äste dort hinzubringen wo sie an einem Baum Sinn machen würden. Das geht sogar bis zum dem Punkt hin, daß das ganze Laub manchmal "gewechselt" wird. Aber vor allem merkt man eine sehr regelmässige Anwendung von Jungpflanzen die auf alte Bäume gepfropft oder veredelt werden.
Täuscht der Eindruck, daß wir hier, bei uns, solche Techniken weniger benutzen ?
Wenn ja, gibt es vielleicht dafür ein Grund ?
Würde mich über die Meinungen unserer erfahrenen Bonsaigestalter sehr freuen.

Besten Dank im voraus.

Thierry
Viele Grüße,
Thierry

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Constantin

Re: Weniger Pfropf- u. Veredelungs-Techniken bei uns ?

Beitrag von Constantin » 13.12.2009, 20:58

Hallo Thierry!

Bevor das hier ganz untergeht möchte ich dich zumindest wissen lassen dass ich denselben Eindruck habe wie du. Vielleicht gibt es ja noch ein paar andere denen es auch so geht.

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Robert S.
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Re: Weniger Pfropf- u. Veredelungs-Techniken bei uns ?

Beitrag von Robert S. » 13.12.2009, 22:37

Ja, schade das hier nicht mehr Feedback zu lesen ist.
Ich würde unheimlich gerne das Anpfropfen bei Wacholdern lernen. Ein paar autodidaktische Versuche sind bislang allesamt in die Hose gegangen :oops:

Servus,
Robert

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Re: Weniger Pfropf- u. Veredelungs-Techniken bei uns ?

Beitrag von zwanziger » 13.12.2009, 23:10

Hallo Robert sorry,
das ich dir den Artikel aus meinem Fachbuch noch nich geschickt hab,
mein *oink* hält mich immer davon ab :lol: ehrlich.
Kommt noch.
Meiner Meinung nach sind wir noch nich so weit.
Ich denk mal man braucht schon ne menge Erfahrung,
damit das ganze nachher auch noch gut ausschaut.
Ich könnte mir auch vorstellen,
das es für nen Japaner wichtiger ist als für nen deutschen,
das die Äste genau da sitzen wo sie sollen.
MfG André

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Re: Weniger Pfropf- u. Veredelungs-Techniken bei uns ?

Beitrag von RoyF. » 13.12.2009, 23:21

Würde mich auch freuen, wenn ein paar Leute schreiben würden, die da schon viel Erfahrung sammeln konnten. Ich habe bislang nur an Obstbäumen Veredelungsversuche gemacht und würde mich auch total dafür interessieren, wie das so bei normalen Bäumen geht. In dem Buch was ich zu diesem Thema habe steht darüber nehmlich auch nicht so viel drin. Mfg roy

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Re: Weniger Pfropf- u. Veredelungs-Techniken bei uns ?

Beitrag von zwanziger » 13.12.2009, 23:59

Hallo Roy,
hier ist ein kleines Beispiel von vielen.
http://www.bonsai-fachforum.de/viewtopi ... en#p225098
Auf der Bonsaifocus Seite (unter Video´s) kannst du dir eine andere kraßere Methode ansehen.
MfG André

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Re: Weniger Pfropf- u. Veredelungs-Techniken bei uns ?

Beitrag von Robert S. » 14.12.2009, 07:03

zwanziger hat geschrieben:Hallo Robert sorry,
No problem. :wink:

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Re: Weniger Pfropf- u. Veredelungs-Techniken bei uns ?

Beitrag von Walter Pall » 14.12.2009, 08:11

Der Eindruck täuscht nicht.n Der Grund ist, dass sich viele Bonsaigestlter in Asien in erter Linie als Gärtner sehen und dass sie sehr bescheidenes Material haben. ich kenne einige Leute, die mehrere Jahre als Assistenten in Amerika gearbeiotet haben und meist nicht in der Lage sind, mit einem normalen Findling zu arbeiten. Das steht dorrt nicht auf Dem Lehrplan, mangels Material und weil es als extrem fortgeschritten gilt. Die halten das Material, das für uns normal ist, teilweise für unmöglich, schlecht, weil nicht für Standard-Bonsai geiegnet, oder für extrem gut. Da arbeiten nur ganz wenige mit solchem Material, was bei mir zu hunderten herumsteht. Wir sind darauf eingestellt, aus dem Material, das uns vorliegt so wie es ist, das Beste daruas zu machen. Das gilt wiederum in Asien als sehr bemerkenswert.
Die grossen bekannte Meister machen das Pfropfen fast nie selber, sondern geben den Baum einem, der auf Pfropfen spezialisert ist. Sie können es aber alle, weil es unbedingt zur Grundausbildung gehört.
Ich vermisse das Pfropfen in Europa überhaupt nicht. Wir sind dem druchschnittlichen asiatischen Bonsaigärtner in der Gestaltung von Rohmaterial weit voraus.

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Re: Weniger Pfropf- u. Veredelungs-Techniken bei uns ?

Beitrag von zwanziger » 14.12.2009, 13:32

Aha,
andere Länder andere Sitten :mrgreen:
MfG André

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Re: Weniger Pfropf- u. Veredelungs-Techniken bei uns ?

Beitrag von jonesbonsai » 14.12.2009, 18:49

Hallo,

Walters Zeilen zu diesem Thema leuchten schon ein. Bleibt dennoch die Frage offen, schränkt sich ein Gestalter in seinen Möglichkeiten nicht (unnötig) selbst ein, wenn er Pfropf- und Veredlungstechniken nicht beherrscht? Ob er sie dann bei seinen Gestaltungen einsetzt sehe ich wieder als andere Sache an, aber das Wissen eine solche Technik so auszuführen, das sie das erwünschte Ziel ergibt sollte für die ganz großen "Meister" dazugehören. Oder?

MfG

Karsten

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Re: Weniger Pfropf- u. Veredelungs-Techniken bei uns ?

Beitrag von Robert S. » 14.12.2009, 20:59

Karsten,

ob das Pfropfen bei einem Meister, einem guten Gestalter dazugehören soll, will ich mal aussen vor lassen. Ich kann nur für mich sprechen und fände es sehr schön, wenn ich den einen oder anderen schönen Wacholderstamm mit hässlichem Laub mit schönem Itoigawa-Laub versehen könnte.

Servus,
Robert

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Re: Weniger Pfropf- u. Veredelungs-Techniken bei uns ?

Beitrag von Honey » 14.12.2009, 21:25

Das Aufpfropfen bei Wacholdern würde mich auch sehr interessieren.

Was das Thema allgemein betrifft: Ich kenne viele Bonsaianer die ihr Rohmaterial mit Bohrpfropfen verbessern, aber Ablaktieren ist mir bisher nur an Wurzeln oder Baumarkt-Ficus bekannt :wink:
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Re: Weniger Pfropf- u. Veredelungs-Techniken bei uns ?

Beitrag von neschek » 14.12.2009, 23:47

ich glaub aber auch, dass die ein geeigneteres klima für china wacholder. weswegen bei uns es dann meisst, wie schon erwähnt, schief geht.
gruß
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Re: Weniger Pfropf- u. Veredelungs-Techniken bei uns ?

Beitrag von Thierry » 15.12.2009, 09:48

Schade, daß sich nur Walter geäussert hat.
Vielleicht ist es ein "Tabu-Thema" bei uns. Ich weiß nicht.
jonesbonsai hat geschrieben:das Wissen eine solche Technik so auszuführen, das sie das erwünschte Ziel ergibt sollte für die ganz großen "Meister" dazugehören. Oder?
Robert S. hat geschrieben:ob das Pfropfen bei einem Meister, einem guten Gestalter dazugehören soll, will ich mal aussen vor lassen.
Diesbezüglich könnte uns vielleicht Christian sagen, ob solche Kompetenzen/Fähigkeiten (Pfropfen und Veredeln) zur Ausbildung eines "Bonsaimeisters" gehören (da er die Scuola del Arte gemacht hat, wenn ich mich recht erinnere).

LG,

Thierry
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Re: Weniger Pfropf- u. Veredelungs-Techniken bei uns ?

Beitrag von Yami » 15.12.2009, 10:37

Ich bin kein Bonsaimeister, aber ich verwende die Technik beim Wacholder hin und wieder.
Meiner Meinung nach ist da auch viel Ausrede dabei, weil die Technik angeblich aufwendig ist und man schneller ein Ergebnis will. Manchmal ist allerdings der beschwerlichere Weg der schnellere Weg.

Viele Grüße Martin
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Infos unter: http://www.bonsai-sturm.de

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