Mugo Findlinge

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Igor
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Mugo Findlinge

Beitrag von Igor » 28.01.2010, 21:01

Grüßeee,

möchte euch eine weitere Mugo vorstellen, die ich ebenfalls Anfang September 2009 ausgegraben habe.

Beim Fundort war der Boden glücklicherweise so humusartig, dass ich den Baum in einem großen Radius ausstechen konnte. Ich bin mir jetzt trotzdem nicht ganz sicher, welche Vorgehensweise bezüglich dem Eintopfen die beste ist ...

A)
Manche Bonsaianer sagen, dass sie bei ihren Yamadoris so viel Muttererde wie nur möglich vom Ballen schütteln. Der Vorteil dabei ist, dass die Wurzeln mehr Kontakt mit dem neuen Luft- und wasserdurchlässigen Substrat haben und somit Vorsorge gegen Wurzelfäule getroffen wird.

B)
Andere sind wiederum der Meinung, dass man das Wurzelwerk bleiben lassen sollte. Es soll so viel Mykhoriza wie nur möglich erhalten bleiben. Jegliches Einkürzen des Ballens, wird als "Verlust" gesehen.

C)
Auch das habe ich mal von jemandem im Gespräch erfahren:
Der Wurzelballen soll fast vollständig ausgewaschen werden (Laubbäume). Die Originalerde bringt dem im Behälter stehenden Baum nur Nachteile hinsichtlich seiner Gesundheit.

Welche Erfahrungen habt ihr denn so gemacht? Mit was seid ihr am besten gefahren? Gibt es überhaupt eine "Rätsels Lösung"?

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Schöne Grüße und vielen Dank,
Igor
Zuletzt geändert von Igor am 30.01.2010, 19:17, insgesamt 1-mal geändert.

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migo
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Re: Mugo Findling

Beitrag von migo » 28.01.2010, 22:06

Hallo Igor,

na wenn der nicht ausbaufähig ist... ein schönesTeil, sehr interessant!

Was in deinem speziellen Fall wirklich richtig ist, kann ich nicht beurteilen. Aber meine Erfahrungen helfen dir vielleicht trotzdem.

Meine erste Kiefer war mit ihrer Ursprungserde eingetopft worden. Leider nicht gut, Wurzelfäule - Baum tot.

Die zweite wurde von der alten Erde befreit, bekam aber ein zu dichtes Substrat. Auch nicht gut - Wurzelfäule - aber rechtzeitig gemerkt.
Nach sehr starkem Wuzelschnitt (eben bis ins Gesunde) mit Mykhorizza-Ansatz (vom Sponsor) geimpft und in eine sehr durchlässige Mischung aus Trockenschüttung, Akadama, Lava und etwas Torf gapflanzt. Der Baum erfreut sich heute bester Gesundheit.
Tschüüss, Michael

Schützt unsere Wälder, eßt mehr Biber!

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Re: Mugo Findling

Beitrag von avicenna » 29.01.2010, 10:16

Hallo Igor,
ersteinmal Glückwunsch zu dieser super Mugo. Fingers crossed *g*. ...
Deine Frage sollte wirkliche Experten ansprechen die sich mit Mugoyamadoris auskennen und lange Erfahrung auf diesem Gebiet haben. Leider gehöre ich nicht dazu :( , weil ich bislang noch keinen Mugoyamadori ( also mit bergung und dem ganzen Procedere ) in meiner Sammlung habe ... aber der Tag wird kommen :D und es interessieren mich ungemein kompetente Erfahrungen zu deinem Post.
saludos
avicenna

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Re: Mugo Findling

Beitrag von KHarry » 29.01.2010, 11:33

Hallo Igor,

unabhängig vom 'Fall Mugo' - mit Bergkiefern habe ich keine Erfahrung - würde ich grundsätzlich sagen:

Standorterde ist schlecht in Pflanzgefäßen, vor allem wenn mit sehr durchlässigem Substrat aufgefüllt wird, da dieses die Feuchtigkeit der Erde schlecht aufnimmt. Der Wurzelballen bleibt dann lange nass, während das umgebende Substrat schnell austrocknet.

Standorterde ist aber o.k., wenn der Baum ins Freiland gepflanzt wird und der Gartenboden von ähnlicher Beschaffenheit ist. Wenn man befürchtet, dass im Beet die Belüftung der Wurzeln unzureichend ist, kann es sinnvoll sein, erhöht zu pflanzen, und Erde ringsherum anzuhäufeln. Wenn ich befürchte, dass beim Entfernen der Standorterde zuwenig Wurzeln übrigbleiben, wäre das meine Methode der Wahl.

Gruß Harald

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zopf
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Re: Mugo Findling

Beitrag von zopf » 29.01.2010, 11:45

Hallo Igor
Nach Deinem Bild zu urteilen,
würde ich den Baum so einpflanzen, unten und an den Seiten Drainage
und ein paar Regenwürmer in den Topf setzen.
Im Sommer wenn die obere Humusschicht etwas austrocknet
immer etwas feinen Humus absaugen um die obere Wurzelschicht
freizulegen und die Durchnässung des Ballens zu verbessern.
mfG Dieter
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Re: Mugo Findling

Beitrag von KHarry » 29.01.2010, 12:41

zopf hat geschrieben: Nach Deinem Bild zu urteilen,
würde ich den Baum so einpflanzen, unten und an den Seiten Drainage
Hallo Dieter,

das ist ja gerade das beschriebene Problem:
Was nützt die Dränage außenherum, wenn der Ballen nass bleibt?
Das Wasser aus dem Ballen geht nur schlecht in das Dränagematerial über.
Bei Lavagestein vielleicht noch einigermaßen, bei Blähton so gut wie gar nicht.

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Herbert A
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Re: Mugo Findling

Beitrag von Herbert A » 29.01.2010, 13:57

Servus Igor,

ein interessantes und spannendes Thema.
Meine Erfahrungen zeigen, dass es beim Ausgraben von Kiefern ganz entschieden darauf ankommt dass dem Baum ausreichend AKTIVE Feinwurzeln erhalten bleiben. Die Kiefern (Mugo und Sylvestris) haben wesentlich empflindlichere Feinwurzelgeflechte als Laubbäume.
An den Enden dieser Geflechte sind die aktiven (weißen) Wurzelspitzen. Wenn man die nicht mit rausbringt, hat der Baum kaum Überlebenschancen.

so nun zu Deiner Frage:
A/ Erde ausschütteln
Hab ich früher auch gemacht. Das Resultat ist, dass man unweigerlich viele und oftmals zu viele Feinwurzeln damit verletzt. Hohe Ausfallsrate. Mach ich heute nicht mehr.
Wenn ein Wurzelballen zu groß für das Pfanzgefäß ist, dann schneide ich mit einem scharfen Messer o.ä. den Rand des Wurzelballens weg. Das ist schonender als ausschütteln.

B/ Ballen belassen
Das mache ich heute so. ABER NIEMALS den alten Wurzelballen mit neuem Pflanzsubstrat zuschütten. Der muss noch atmen können. Sonst fördert man unweigerlich Wurzelfäule. Beim gießen ein bissl aufpassen und die Bäume haben eine gute Anwachsrate.
Auf die Mykorrhiza brauchst du nicht sonderlich zu achten. Die Mykorrhizza optimiert nur die Nährstoffversorgung. Wenn der Baum kein funktionierendes Wurzelsystem hat, nutzt auch Mykorrhizza nichts. (Hab ich mal auf einer wissenschaftlichen Seite im Netz gelesen)

C/ Wurzelballen auswaschen
Hab ich auch schon gemacht. Ausfallquote sehr hoch.
Heute wasche ich Kiefern frühestens dann aus, wenn ich sie 2 oder 3 Jahre nach der Anwachsphase in eine kleinere Schale setze. In der Zwischenzeit sind nämlich die Feinwurzeln im neuen Pflanzsubstrat und man kann im Ballen besser arbeiten.


Bin schon gespannt auf andere Erfahrungen.

ciao
Herb
Schön dass es dieses Forum gibt.

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Re: Mugo Findling

Beitrag von zopf » 29.01.2010, 17:48

Hallo Harald
Mein Vorschlag bezieht sich nur auf diese Kiefer,
da Igor ein Bild des Wurzelballens gezeigt hat.
Ansonsten bin ich gegen öffentliche "Yamadorihilfe"
da in meinen Augen zu wahllos aus der Erde gerupft wird.
mfG Dieter

ps Ich schätze Yamadori sehr,
aber nicht in der Art und Weise wie es praktiziert wird.
cogito ergo pups

MerschelMarco
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Re: Mugo Findling

Beitrag von MerschelMarco » 29.01.2010, 18:27

Bei Bergkiefern schneide ich den Ballen nicht zurück und schüttle auch nicht aus. Man weiss hier nie (bei alten Exemplaren) welche Wurzel überhaupt aktiv ist und welche kaum mehr.
Die Pflanzen kommen in eine auf Ballengröße zurechtgezimmerte Holzkiste. Als Substrat verwende ich keinen Blähton, Akadama oder ähnliches sondern Kies in der Korngröße 8- 16 mm etwa dem nur wenig (wirklich wenig Torf) beigemengt ist. Damit funktioniert die Drainage ziemlich gut. Gegossen wird relativ sparsam. Umtopfen tue ich sobald als möglich, meist im zweiten Jahr. Dann sind auch die funktionierenden Wurzeln sichtbar und das tote Zeug kann rausgeschnitten werden. Meisten gelingt es aber noch nicht die gesamte Muttererde zu entfernen, das passiert dann beim 2. Umtopfen 1 bis 2 Jahre später. Bis dahin hängt die Gefahr der Wurzelfäule dennoch wie ein Damokles-Schwert über dem Baum. Eine bessere Methode habe ich bis jetzt aber nicht gefunden, immerhin ist die Erfolgsquote ziemlich hoch.

Grüße,
Marco

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Igor
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Re: Mugo Findling

Beitrag von Igor » 29.01.2010, 21:55

Hallo miteinander,

vorerst möchte ich mich ganz herzlich für die interessanten Stellungnahmen bedanken! Der Vorschlag mit den Regenwürmern und dem schrittweisen Absaugen der Humusschicht, werde ich bei dieser Mugo auf jeden Fall ausprobieren. Nochmals vielen Dank für die hilfreiche Info, Zopf!

Die Originalerde ist leider so sehr vernetzt bzw. dicht, dass sich die Außenränder des Ballens nicht einmal mit einer "einzinkigen" Wurzelkralle lockern lassen. Sobald man mit der Kralle einhängt, reißt man ein komplettes Eckchen raus ... :? Genau diese Situation beunruhigt mich nämlich .... Wenn man sich von einem solchen Substrat nicht nach und nach entledigt, dann kann dies früher (eher) oder später schwerwiegende Folgen haben.

Bei einer anderen Mugo (Anfang Sept. 2009) habe ich den Versuch gestartet, NUR den äußeren Rand mit Wasser auszuwaschen. Doch bei diesem Substrat war auch diese Maßnahme fast nutzlos. Ich konnte nur ein kleines bisschen vom Originalsubstrat auswaschen und topfte den Baum anschließend in folgendes Gemisch (50 % Fibotherm, 20 % Kiryu, 20 % Akadama, 10 % Torf).

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Würde mich sehr freuen, wenn noch weitere Tips und Erfahrungsberichte folgen.

Schöne Grüße,
Igor

MerschelMarco
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Re: Mugo Findling

Beitrag von MerschelMarco » 30.01.2010, 09:43

Igor hat geschrieben: Die Originalerde ist leider so sehr vernetzt bzw. dicht, dass sich die Außenränder des Ballens nicht einmal mit einer "einzinkigen" Wurzelkralle lockern lassen. Sobald man mit der Kralle einhängt, reißt man ein komplettes Eckchen raus ... :? Genau diese Situation beunruhigt mich nämlich .... Wenn man sich von einem solchen Substrat nicht nach und nach entledigt, dann kann dies früher (eher) oder später schwerwiegende Folgen haben.

Bei einer anderen Mugo (Anfang Sept. 2009) habe ich den Versuch gestartet, NUR den äußeren Rand mit Wasser auszuwaschen. Doch bei diesem Substrat war auch diese Maßnahme fast nutzlos. Ich konnte nur ein kleines bisschen vom Originalsubstrat auswaschen und topfte den Baum anschließend in folgendes Gemisch (50 % Fibotherm, 20 % Kiryu, 20 % Akadama, 10 % Torf).


Würde mich sehr freuen, wenn noch weitere Tips und Erfahrungsberichte folgen.

Schöne Grüße,
Igor
Hallo Igor,
beim ersten Umtopfen lassen sich meistens im Ballen größere Teile entfernen, die mittlerweile abgestorben sind. Man hat dann einen löchrigen Ballen mit noch dichten , verfilzten Bereichen. Die Löcher mit Substrat auffüllen (deine Mischung erscheint mir nach meiner Erfahrung noch zuviel Wasser zu speichern). Im Zweiten Umtopfprozedere kann dann in der Regel zumindest der Großteil des verfilzten Bereiches entwirrt (die Schäden sind da unvermeidlich, aber das verkraftet der Baum dann) oder weggeschnitten werden weil in den mit Substrat gefüllten Löchern und am Boden, bzw. den Seitenwänden der Kiste dann gute neue Wurzeln gewachsen sind.
Meine Erdmischung wurde im Laufe der Zeit immer spartanischer bei zunehmendem Erfolg (aktuell ca.90% Kies, 10% Torf)
Mein Erfahrungsschatz bezieht sich da auf ca. 8 Jahre bei der Bergkiefer und ca. 50 Exemplare.

Grüße,
Marco

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Martin_S
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Re: Mugo Findling

Beitrag von Martin_S » 30.01.2010, 10:15

WOW! :shock:
Also den ersten....ja....der tät in meine bescheidene Sammlung passen.
Sehr gutes Material!
mach was daraus
M
Beste Grüße
Martin

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MerschelMarco
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Re: Mugo Findling

Beitrag von MerschelMarco » 30.01.2010, 10:27

Martin_S hat geschrieben:WOW! :shock:
Also den ersten....ja....der tät in meine bescheidene Sammlung passen.
Sehr gutes Material!
mach was daraus
M
Martin, hast du nicht irgendwo mal geschrieben, dass du nicht so der Literatenfan bist???

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Igor
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Re: Mugo Findling

Beitrag von Igor » 30.01.2010, 19:16

Servus Marco,

die toten bzw. verfaulten Wurzelteile schneide ich natürlich heraus ... insofern sie sofort zu sehen sind. Dabei gehe ich mit dem Wurzelballen ganz behutsam um und arbeite das neue Substrat mit einem Essstäbchen in die Lücken. Es sollen unter keinen Umständen Luftlöcher im Substrat übrig bleiben. Danach wird volle Kanne gewässert und der Baum an einem geschützten Platz aufgestellt.

Ich habe bislang gedacht, dass reines Kies-Substrat ungünstig ist *confused* Darin kann doch kein Dünger aufgenommen und kein Wasser gespeicher werden? Wie lange lässt du deine Mugos denn im Kies, bevor du sie in ein "saugfähiges" Substrat eintopfst? Oh Mann, ich wette - du musst sicher schon Probleme mit deiner Bandscheibe haben :P Reines Fibotherm hätte doch sicher den selben Effekt, wie Kies - oder *kopfkratz* :?:

Noch eine weitere Mugo (ist aber leider nicht meine :cry: ) :

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Ciao *wink*

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Re: Mugo Findling

Beitrag von Igor » 30.01.2010, 19:55

Martin_S hat geschrieben:WOW! :shock:
Also den ersten....ja....der tät in meine bescheidene Sammlung passen.
Sehr gutes Material!
mach was daraus
M
Hi,

sobald der Baum Fuß gefasst hat, werde ich ihn zu einer Baumbesprechung mit WP mitnehmen. Mal schau´n was dem Experten dazu so einfällt ... wird sicher interessant werden :D

Grüße,
Igor
Zuletzt geändert von Igor am 31.01.2010, 00:25, insgesamt 1-mal geändert.

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