Walter hat mir oder besser ihm eine seiner typischen und überaus eindringlichen Baumbesprechungen gegeben und das in seinem sympatischen, bayrischen ( oder Tiroler ?) Dialekt. Ich gebs mal auf Hochdeutsch wieder :D .
Das ist so einer den du vergleichen kannst mit folgender Geschichte ...
Du fährst in die Berge und willst in ein Hotel zur Übernachtung. Da steht plötzlich ein alter Mann mit heruntergekommen Sachen, kaputten Zähnen und ungekämmten Haaren vor dir und fragt, ob er dir deine Koffer tragen kann. Du bejahst und denkst dir dabei, der will nur ein Trinkgeld von dir ... . Auf dem Weg ins Hotel kommst du mit ihm ins Gespräch und merkst, dass er ein ganz lieber, freundlicher, besonderer und aufmerksamer Mensch ist und im Hotel angekommen fragt er dich sogar noch, ob du einen Schnaps mit ihm trinken magst. Du unterhälst dich noch eine Weile mit ihm und dann gehst auf dein Zimmer ...
Am nächsten Tag fragst du in der Rezeption nach diesem alten, heruntergekommenen aber sehr sympatischen alten Mann und es wird dir gesagt, dass dies der Hotelbesitzer gewesen sei dem im Übrigen auch noch das gesamte Tal gehört ...
Um so einen Baum handelt es sich hier ... sagte Walter nach dieser Geschichte ... Im ersten Eindruck denkst du dir , ja nun , eine Fichte mit Seitenästen die zu Stämmchen werden ... nichts erregendes , nichts besonderes ... eben eine Fichte aus der man keine typische Fichtenform gestalten kann. Aber wenn du ihm seine Eigenart seines Wuchses lässt, ihm seinen Charakter nicht nimmst und was anderes aus ihm machen möchtest, wirst du sehen, dass seine Eigenart ihn zu etwas ganz Besondem werden lassen kann und du ihn gerade wegen seiner urigen Art mögen wirst.
Dem bin ich bislang auch nach gekommen, indem ich ihn noch nicht mit Totholz versehen hab und seine Astpartien stark gebogen hab etc., sondern bislang hab ich nur kleine Astpartien gezogen. Wenn er richtig vital ist , und das wird sicher noch einige Jahre dauern, werd ich versuchen seine besondere Art mehr heraus zu arbeiten und auch die Totholzanteile mehr heraus zu steleln und ihn dann auf eine eigens für ihn gebastelte Felsenschale setzten, damit er von ihr aus "in sein Tal" schauen kann
Das ist also erst der Beginn seines Werdens.
saludos
avicenna


