Juniperus Squamata

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meierj
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Juniperus Squamata

Beitrag von meierj » 13.08.2011, 22:29

Hallo Zusammen,
ich möchte nun heute zum ersten Mal einen meiner Bonsais im Forum zeigen. Zuvor aber noch kurz etwas zu mir, ich bin 38 Jahre und verfolge das Forum hier schon seit 2007 und habe mir 2008 dann auch meine ersten Bonsais zugelegt. Einer davon ist dieser Juniperus Squamata, ich glaube Meyeri also Blauzedernwacholder. Ich habe ihn aus einer Rohpflanze unter Anleitung bei einem Workshop gestaltet. Ich denke er hat sich in den drei Jahren doch recht gut entwicklet, aber seht selbst.
Zur Zeit ist er noch etwas unordentlich, es wäre mal wieder an der Zeit auszulichten und zu drahten.
Bin über eure Meinungen und Anregungen sowie eure eigene Erfahrungen mit dieser Sorte sehr dankbar.

Gruß
Jürgen
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Ausgangsmaterial - April 2008
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bonsaiheiner
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Re: Juniperus Squamata

Beitrag von bonsaiheiner » 14.08.2011, 13:41

Hallo Jürgen,

zu der Pflanzenart kann ich Dir nichts sagen, weil ich sie selber nicht pflege und besitze, aber da hilft Dir die Suchfunktion oben links sicher weiter.

Beim Vergleich der Bilder "Juli 2009" und "September 2010" sieht man die ausgeprägte Tendenz zum Spitzenwachstum (Apikaldominanz). Diese Vorliebe stellt sich bereits wieder ein beim Vergleich der Bilder "April 2010" und "August 2011". Daher ist es schon wieder an der Zeit, moderat gegenzusteuern.

Der rechte Winkel im Stammverlauf links am 2. Ast ist mir etwas zu ausgeprägt. Den würde ich durch Drahtung etwas stumpfer gestalten.

Ich persönlich hätte mich bei der Auswahl der Äste anders entschieden und wäre damit dem klassischen triadischen Prinzip gefolgt, wie es in Japan jahrzehntelang vorgemacht worden ist und dem man in Europa ebenso lang treu ergeben war. Inzwischen emanzipiert sich die Bonsaiwelt von diesen enggefassten Vorstellungen immer mehr und es werden auch andere Lösungen geschätzt, mit Recht. Das heisst für mich aber nicht, dass die "alten Regeln" gänzlich ihre Berechtigung verloren hätten.

Dein jetzt erster Ast rechts fügt sich, wie ich finde, unharmonisch in das Bild ein. Der wäre bei mir als erster gefallen. Der erste Ast wäre also links am jetzt noch zu scharfen Stammknick, der 2. Ast wäre der entfernte, aus dem Du einen kleinen spitzen Jin nach rechts gemacht hast. Darunter den Rückwärtigen, auf dem Bild "Juli 2009" noch vorhanden, hätte ich belassen.

Hätte, wenn und aber, ist müssig. Abgeschnitten ist abgeschnitten.

Auch jetzt kann das Pflänzchen gestalterisch noch gelingen, aber der erste Ast nach rechts stört gestalterisch, meines Erachtens, mächtig.

Dieses sind meine persönlichen Gedanken, wenn ich die Bilderserie durchblättere. Fotos sind bekanntlich zweidimensional. Am besten wäre es vielleicht, wenn man die Fragen zur getalterischen Weiterentwicklung in einem AK erörtert.

Beste Grüsse,
Heiner
Ein Tag ohne Beschäftigung mit Bonsai ist ein verlorener Tag!

jupp

Re: Juniperus Squamata

Beitrag von jupp » 14.08.2011, 14:29

Hallo Jürgen
Heiner hat schon zu der jetzigen Gestaltung und den darin sichtbaren Mängeln geschrieben. Deshalb wäre mein Vorschlag den Baum kpl. umzugestalten und eine Literatenform anzustreben. Die Proportion Stammdicke--Baumhöhe beissen sich hier irgendwie. Der Baum lässt sich noch sehr gut bewegen und etwas Schwung hineinzubringen stünde ihm gut. Die Stellen der Jin links und rechts könnten durch die Verbindung mit einem Shari den Eindruck eines gedrehten Stammes vermitteln. Einige Äste im unteren Berich würden so und so fallen und man könnte dieses Shari bis weit nach oben und unten ziehen. So würde in relativ kurzer Zeit ein Bunjin entstehen.
Auch hier auf die Schnelle eine Skizze auf meinem Memoblock, die andeutet wie das aussehen könnte.
Der Juniperus squamata( so nennt der sich) ist unempfindlich und muss in der Krone immer ausgelichtet werden, weil Grün, das nicht genügend Licht bekommt schnell dürr wird. So oft wie es geht übersprühen und für eine gut drainiertes Substrat sorgen. Ausreichend düngen, so wie das Substrat immer feucht, nicht zu nass halten und nie trocken.
Für Deinen Blauzedernwachoder und Dich viel Erfolg.
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Juniperus squamata für Jürgen
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meierj
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Re: Juniperus Squamata

Beitrag von meierj » 14.08.2011, 23:29

Hallo Heiner, Hallo Jupp,
vielen Dank für eure ausführliche Meinung. Auch ich selbst bin mit der Gestaltung nicht so ganz zufrieden, weslhalb ich den Baum auch hier ins Forum eingestellt habe.
Heiner, ich stimme dir zu, dass vor allem die Anordnung des 1. und 2. Astes etwas unglücklich ist, da sie optisch fast auf gleicher Höhe entspringen. Was verstehst du unter triadischem Prinzip? Die Reihenfolge der Äste?
Evtl. werde ich nächstes Frühjahr eurem Rat folgen und den jetzt 1. Ast entfernen und dann den jetzt rückwertigen Ast als 2. Ast drahten. Übrigens der im mittleren Stammbereich neue Jin entspringt nicht, wie es aussieht, dem Stamm sondern dem 1. rückwertigen Ast, der sich nach ca. 3-4cm gabelt. Dies Gabelung wurde im Frühjahr zu einem Jin.
Ich habe schon mal virtuell gestaltet und könnte mich damit anfreunden. Mal sehen? Evtl. wird dann als Konsequenz der jetzt 2. Ast auch noch Fallen und ein Literat wie von Jupp beschrieben entstehen. Auch diese Umgestaltung könnte ich mir vorstellen, da die Astanordnung im oberen Bereich sehr gut ist.
Nochmals vielen Dank für eure Meinungen!

Gruß
Jürgen
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Aktuelle Astanordnung
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Rückwertiger Ast wird zum 2. Ast
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Re: Juniperus Squamata

Beitrag von bonsaiheiner » 15.08.2011, 01:56

Hallo Jürgen,

habe wegen "triadisch" jetzt selber mal die Suchfunfktion bemüht und finde nur einen Hinweis, der aber auch die Bedeutung nicht klärt.
In einem der frühen Bonsai-Art Hefte wird in der Rubrik "Bonsai-Schule" ganz gut beschrieben was damit gemeint ist:
Der Astaufbau sollte einem ideal empfundenen Schema folgen. Der erste Ast sollte aussen an der Konvexität eines Stammverlaufes entspringen, der zweite am nächsten konvexen Aussenbogen des Stammes. Dazwischen sollte der erste rückwärtige Ast auf der Seite des ersten Astes für Tiefe sorgen. Die folgenden Äste sollten dieses Wechselspiel harmonisch bis zur Spitze fortführen, wobei die Frontseite von entspringenden Ästen frei bleiben sollte, mit Ausnahme des Spitzenbereiches. Erst in der Spitze darf auch ein Ast von und zur Front wachsen.

Von diesem gestalterischen Korsett hat sich der naturalistische Stil befreit .

Für Deine Pflanze wäre also zu überlegen, ob dem ersten Ast links nicht wie bisher der Rückseitenast folgen sollte und man den zweiten Ast, den Du auch so bezeichnet hast, etwas nach unten drahtest. Im Moment mag das alles für Dich noch nicht so richtig zusammen passen, aber Du musst den Zuwachs der nächsten Jahre (und Jahrzehnte) jetzt schon berücksichtigen und in Dein Kalkül mit einbeziehen.
Ich hänge mal ein Schnellschussfoto von einem ca. 4-jährigen Thuja-Sämling an. 1. u. 2. Ast seitlich an den konvexen Stammbiegungen. Rückseitenäste (hier Nr.3 und 4), etwas abweichend von der klassischen Regel. Frontseite frei, man kann in den Baum "hineinschauen".

Der Vorschlag von Jupp führt in eine ganz andere Richtung, hat aber auch was für sich.

Beste Grüsse,
Heiner
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Re: Juniperus Squamata

Beitrag von meierj » 15.08.2011, 21:19

Hallo Heiner,
Danke für die ausführliche Erklärung. Ich hatte schon vermutet, dass damit die Astpositionierung gemeint ist, wie sie in den gängigen Lehrbüchern beschrieben ist. Ursprünglich war die Astanordnung auch so angelegt, nur ist der rückwertige Ast nahe am 2. Ast entsprungen und der 2. Ast wurde auch Dicker als der Erste. Das Ganze wirkte für mich ebenfalls unharmonisch, weshalb in diesem Früjahr der 2. Ast zum Jin wurde und der Rückwärtige zum 2.
Sollte im Früjahr nun auch der 1. Ast fallen, wäre die klassische Astanordnung wieder gegeben wenn ich den jetzt rückwertigen Ast belasse.

Gruß Jürgen

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Re: Juniperus Squamata

Beitrag von meierj » 17.04.2014, 23:21

Hallo,
möchte hier mal wieder eine kleines Update meines Squamata einstellen. Habe den Baum wie bisher belassen und lediglich den Pflanzwinkel etwas geändert. Konnte mich nicht dazu durchringen den rechten Ast zu entfernen oder sogar einen Literat daraus zu machen.
2012 hatte ich Probleme mit der Wacholderschildlaus im Kronenbereich, die nur sehr schwer zu bekämpfen war. Habe es zuerst auf natürliche Weise mit Neemöl versucht. Letztentlich half aber nur Spruzit.
Der Baum hat sich aber aus meiner Sicht wieder positiv weiterentwickelt. Vor kurzem wurde er wieder ausgelichtet und gedrahtet.

Gruß
Jürgen
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Re: Juniperus Squamata

Beitrag von meierj » 09.10.2016, 11:34

Mal ein kleines Update.
Letztes Jahr hatte ich mal wieder Probleme mit der Wacholder-Schildlaus. Der Baum hat sich diese Jahr aber wieder gut davon erholt.

Gruß
Jürgen
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Re: Juniperus Squamata

Beitrag von achim73 » 09.10.2016, 13:37

gute entwicklung. mittelfristig würde ich die krone noch etwas breiter und runder gestalten.
Gruss, Achim
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Re: Juniperus Squamata

Beitrag von meierj » 03.11.2019, 11:16

Schon wieder 3 Jahre her seit dem letzten Update. :roll:
Den Sommer über habe ich nicht viel gemacht an dem Baum, so dass er ziemlich stark zugelegt hatte. Jetzt nach kräftigem Auslichten hat der Baum wieder Struktur bekommen. Einige Stellen müssen noch gedrahtet werden.
An einer etwas breiteren und runderen Krone muss ich noch arbeiten.
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Re: Juniperus Squamata

Beitrag von Silke » 03.11.2019, 15:52

Hallo Jürgen,
deinen Juniperus kannte ich bislang noch nicht, bzw. habe ich diesen Thread erst durch deine Aktualisierung entdeckt.

Gefällt mir gut, wie sich der Squamata weiterentwickelt hat.
Ich finde es nicht störend, dass 1. und 2. Ast die jeweiligen Nadelpolster auf gleicher Höhe haben.

Bei mir stehen momentan drei Squamata, mit denen ich erst zu arbeiten begonnen habe und die nun etwa auf deinem Stand von Jahr 2011 sind.
Könntest du bitte erklären, wann im Jahr du das Laub zurückschneidest bzw. ob du zupfst?

Lieben Gruß
Silke

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Re: Juniperus Squamata

Beitrag von Lutz Marx » 03.11.2019, 16:42

...auch dieser Baum würde natürlicher wirken, wenn Du die Äste etwas nach unten drahtest, finde ich. Sonst schöne Entwicklung. Den erstenAst rechts würde ich persönlich auf jeden Fall entfernen.

LG, Lutz

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Re: Juniperus Squamata

Beitrag von meierj » 03.11.2019, 22:33

Hallo Silke, Hallo Lutz,
vielen Dank für eure Kommentare.
Zu Beginn habe ich die neuen Triebe den ganzen Sommer über gezupft, zwischenzeitlich schneide ich die neuen Triebe nur noch, weil das schneller geht. Und dass mache ich mittlerweile auch nur noch im Herbst. Außer sehr lange Triebe schneide ich das ganze Jahr über.
Silke, ich wünsche dir noch viel Freude mit deinen Squamatas.
Von dem ersten rechten Ast konnte ich mich bis jetzt immer noch nicht trennen. Es wirkt zwar etwas unharmonisch wenn erster und zweiter Ast fast auf gleicher Höhe liegen, jedoch finde ich, dass im unteren Bereich sehr wenig grün wäre, wenn dieser Ast nicht vorhanden ist.
Ich werde versuchen die Äste noch etwas mehr nach unten zu Drahten, vielleicht kann man dann leichter auf den rechten Ast verzichten.

Gruß
Jürgen

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