Jelängerjelieber (Lonicera caprifolium)

Allgemeine Philosophie, Stilarten, Techniken, Vorstellung und Besprechung von Rohmaterial sowie lose Sammlung von Entwicklungs-Dokus
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Tomsai 92
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Jelängerjelieber (Lonicera caprifolium)

Beitrag von Tomsai 92 »

Hallo Leute,

nach einer gefühlten Ewigkeit des fast ausschließlich passiven Forumsgenusses wird es für mich mal wieder Zeit, etwas zu schreiben.
Der hier vorgestellte Mehrfachstamm eines echten Geißblattes (die mit den wunderbar duftenden rot/weißen Blüten) fristete etwa vier Jahrzehnte ein unglückliches Dasein an einem ungünstig schattig gelegenen Platz in meinem Schrebergarten. Da fast alles andere eventuell bonsaitaugliche bereits in Töpfen stand, musste natürlich auch dieser unscheinbare Stumpf in meinem anfänglichen Bonsaiwahn unbedingt ausgegraben werden.

Diese Kletterpflanzen treiben zwar sehr lange Ruten, verdicken sich jedoch nur extrem langsam. Insofern ist dieses Exemplar mit optischen 8cm Stammdurchmesser an der Basis der Stämme ein ungewöhnlich kompakter Vertreter seiner Art.
unangetastet (April 2009)
unangetastet (April 2009)
grob gestutzt
grob gestutzt
Vor einiger Zeit wurde der Strauch bereits auf etwa 20cm Höhe gekappt, was dazu führte, dass Rindenbereiche abstarben und die typischen gewundenen Lebensadern einige Bewegung in die sonst geraden Einzelstämme brachten.
Alle Stämme sind hohl und sollen später auch kein hervortretendes Totholz mehr aufweisen. Was noch übrig ist überlasse ich der Natur. Das Holz gammelt bei Geißblättern eh schneller weg als man gucken kann.
frisch ausgegraben
frisch ausgegraben
Nachdem ich die Pflanze in einen (zu tiefen) Teichpflanzkorb gesetzt hatte, wartete ich zunächst den Austrieb ab um dann noch weiter kürzen zu können. Die Äste wären zu steif und unverjüngt gewesen um sie länger zu lassen. Die Wurzeln sind wie für Lonicera typisch (Kernwurzler) mehr als stammnah, denn an vielen Stellen hatten sich ständig neue Wurzeln direkt an und über der Erdoberfläche gebildet. Wohl ein Resultat der verdichteten Gartenlehmerde. Das Nebari wird später perfekt sein.
der erste Austrieb
der erste Austrieb
Glücklicherweise drahtete ich die frischen und noch weichen Austriebe sofort. Auf diese Weise lassen sich problemlos Bewegungen in die sonst sehr gerade und steif wachsenden Loniceratriebe bringen, die nach dem Aushärten absolut unmöglich wären.
Auch wenn es sich um eine Kletterpflanze handelt, die teilweise schön bewegte Triebe hervorbringt, so ist dies nur an den schwächeren Klettertrieben der Fall, nicht aber an den kräftigen Stockausschlägen. Hätte ich das Drahten zu diesem Zeitpunkt versäumt, hätten die Astlinien nie zu den durch die Verdrehungen bewegten Stämmen gepasst.
nach einer Saison (April 2010)
nach einer Saison (April 2010)
Im nächsten Jahr kam das Geißblatt in eine von der Größe her passendere Plastikschale.
Sommer 2010
Sommer 2010
Ein weiteres Jahr später topfte ich es in die erste Schale. Nichts endgültiges, doch optisch schon deutlich akzeptabler.
Außerdem entfernte ich das bisher nur mit Zangen bearbeitete unnatürliche Totholz. Am vordersten Stamm hatte sich mittig durch Saftrückzug ein weiteres Shari gebildet, das später einen interessanten Durchbruch schaffen wird.
April 2011
April 2011
Durch einen vollen Blattschnitt und einen zweiten starken Teilblattschnitt nahm nicht nur die Blattgröße stark ab (was momentan noch belanglos ist) sondern auch die Internodienlänge sank enorm. Obwohl das "echte Geißblatt" zu den grobwachsenden Loniceraarten gehört, lässt sich die Feinverzweigung enorm verdichten, solange man im Sommer häufig die sich überlappenden und sich behindernden Blätter entfernt.
Sommer 2011
Sommer 2011
Detail der Verzweigung
Detail der Verzweigung
10IMG_0076.JPG
Auf die weitere Entwicklung freue ich mich. Ich bin noch etwas unschlüssig wie groß die Krone letztlich werden soll, in den nächsten Jahren werde ich sie Stück für Stück aufbauen, entscheiden welche Äste bleiben, ob es luftiger werden soll oder auch unregelmäßiger.
Die lebenden Rindenbereiche werden im Laufe der Zeit immer weiter hervortreten, das Totholz wird weggammeln und einen natürlichen dunklen Farbton annehmen, die Äste werden knorriger und die Feinverzweigung wird bei gleichbleibender Wüchsigkeit schnell reifen, wenn kein unerwartetes Pflegeproblem meine Pläne durchkreuzt.
Bisher hehörte der Baum zu den sehr pflegeleichten, trockenheits- und frostbeständigen Arten in meinem Garten. Ich habe gelesen, dass sie auch wild in Skandinavien anzutreffen sei. Da sich die Blüten an den Enden längerer Triebe bilden, wird es sich zeigen, ob die Gestaltung schließlich freier wird um eine regelmäßige Blüte zuzulassen.


Höhe ca. 25cm
Breite der Schale 25cm

Ich freue mich über eure Kritik! ;)


Schöne Grüße
Tom
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avicenna
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Re: Jelängerjelieber (Lonicera caprifolium)

Beitrag von avicenna »

Erste Sahne *daumen_new* , tolle Entwicklung aber wie schauts denn mit dem Nebari aus ? kannst du das nicht freilegen ?

saludos
avicenna
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Martin_S
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Re: Jelängerjelieber (Lonicera caprifolium)

Beitrag von Martin_S »

Cool!
In welcher Größenordnung muß ich da denken?
M
Beste Grüße
Martin

Lieber Querlüften als Querdenken!
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joseph
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Re: Jelängerjelieber (Lonicera caprifolium)

Beitrag von joseph »

feines Teil, würde mich über ein Blütenbild freuen.

MfG Joseph
MfG Joseph / Tilo
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Arkadius
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Re: Jelängerjelieber (Lonicera caprifolium)

Beitrag von Arkadius »

Gefällt mir auch sehr gut die Kleine...

Gruß

Arkadius
グルッス

アルカディウス
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Tomsai 92
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Re: Jelängerjelieber (Lonicera caprifolium)

Beitrag von Tomsai 92 »

Nichts zu meckern? Naja, auch gut, danke ;)

Dietmar, das Nebari kommt natürlich noch ein Stück höher. Wurzelansätze sind mehr als genug vorhanden. Da kann kann ich einfach wählen, welche mir am besten gefallen.


Martin, momentan misst das Teil etwa 25cm, wird später wohl im 30er-Bereich landen. (stand übrigens auch drunter...)

Gruß, Tom
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Josef Knieke
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Re: Jelängerjelieber (Lonicera caprifolium)

Beitrag von Josef Knieke »

Schöne Dokumentation Tom!! *daumen_new*

Danke fürs Zeigen.



Würde mich interessieren, wie sich die Blattgröße entwickelt. Im Vergleich zur "L.nitida" und "L.pileata" hat die doch relativ große Blätter. - Und mit der Feinverzweigung hat sie es auch nicht so wie ihre Artgenossen. Diese sieht auf deinen Bildern allerdings schon recht vielversprechend aus.




Gruß

Josef
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Tomsai 92
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Re: Jelängerjelieber (Lonicera caprifolium)

Beitrag von Tomsai 92 »

Josef Knieke hat geschrieben: Würde mich interessieren, wie sich die Blattgröße entwickelt. Im Vergleich zur "L.nitida" und "L.pileata" hat die doch relativ große Blätter. - Und mit der Feinverzweigung hat sie es auch nicht so wie ihre Artgenossen. Diese sieht auf deinen Bildern allerdings schon recht vielversprechend aus.
Durch Teilblattschnitte und gezieltes Auslichten, lassen sich die Blätter stark verkleinern. Man betrachte nur die beiden letzten Bilder. In der Krone sind die Internodien nur wenige Millimeter lang. Ob sich eine Feinverzweigung auf Dauer halten lässt, kann ich noch nicht beurteilen, ziemlich sicher aber nur dann, wenn man auf die Blüte verzichtet. Es bedeutete schon ziemlich viel Arbeit, es überhaupt soweit zu bringen. Die jungen Triebe mussten früh gedrahtet werden um sie nicht so steif wirken zu lassen. Durch Beschattung wären auch viele Seitentriebe verkümmert und abgestorben. Ich habe nahezu permanent die überzähligen und sich beschattenden Blätter entfernen müssen. Andere Loniceraarten hätten sich deutlich williger verdichten lassen.

Aktuelle Winterbilder folgen, wenn ich das Geißblatt aus dem Winterquartier räume.

Gruß, Tom
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Norbert_S
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Re: Jelängerjelieber (Lonicera caprifolium)

Beitrag von Norbert_S »

Moin Tom,

danke für deine ausführliche und sehr gute Dokumentation.
Der Baum? gefällt mir, den würde ich sehr gerne in Lippstadt auf den Ausstellungstischen stehen sehen.
Zuletzt geändert von Norbert_S am 04.01.2012, 14:39, insgesamt 1-mal geändert.
Norbert

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Re: Jelängerjelieber (Lonicera caprifolium)

Beitrag von achim73 »

jau, baum wie doku - gut gemacht! *up*
Gruss, Achim
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Tomsai 92
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Re: Jelängerjelieber (Lonicera caprifolium)

Beitrag von Tomsai 92 »

Mit einer so positiven Resonanz hätte ich gar nicht gerechnet. Freut mich! :-D
Norbert_S hat geschrieben:Der Baum? gefällt mir, den würde ich sehr gerne in Lippstadt auf den Ausstellungstischen stehen sehen.
...und schon bin ich am Schalensuchen... *schwitz*
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Re: Jelängerjelieber (Lonicera caprifolium)

Beitrag von Heike_vG »

Auch von mir ein dickes Lob für diesen Baum und Deine gute Arbeit daran! *daumen_new*

LG, Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

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Josef Knieke
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Re: Jelängerjelieber (Lonicera caprifolium)

Beitrag von Josef Knieke »

Tomsai 92 hat geschrieben:
Josef Knieke hat geschrieben: Würde mich interessieren, wie sich die Blattgröße entwickelt. Im Vergleich zur "L.nitida" und "L.pileata" hat die doch relativ große Blätter. - Und mit der Feinverzweigung hat sie es auch nicht so wie ihre Artgenossen. Diese sieht auf deinen Bildern allerdings schon recht vielversprechend aus.
Es bedeutete schon ziemlich viel Arbeit, es überhaupt soweit zu bringen. Die jungen Triebe mussten früh gedrahtet werden um sie nicht so steif wirken zu lassen. Durch Beschattung wären auch viele Seitentriebe verkümmert und abgestorben. Ich habe nahezu permanent die überzähligen und sich beschattenden Blätter entfernen müssen. Andere Loniceraarten hätten sich deutlich williger verdichten lassen.



Gruß, Tom

...da bin ich ganz deiner Meinung, irgendwo hab ich schon mal geschrieben, dass die Lonicerasorten wie "blöd" wachsen und man permanent an der Form arbeiten muss, um ein anständiges Ergebnis herauszubekommen.

Gruß

Josef
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zopf
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Re: Jelängerjelieber (Lonicera caprifolium)

Beitrag von zopf »

Hallo Tom
Wenn Du dabei bleibst,
wirst Du später mal eine eindrucksvolle Sammlung haben.
mfG Dieter
cogito ergo pups
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Tomsai 92
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Re: Jelängerjelieber (Lonicera caprifolium)

Beitrag von Tomsai 92 »

zopf hat geschrieben:Hallo Tom
Wenn Du dabei bleibst,
wirst Du später mal eine eindrucksvolle Sammlung haben.
mfG Dieter
Danke Dieter, das ehrt mich sehr! Ist auch so in Planung.
Die fetteren Brummer dauern nur entsprechend länger bis es sich lohnt sie zu zeigen. Bei dem gleichzeitigen Versuch Äste in unterschiedlichen Entwicklungsstadien aufzubauen, macht es wenig Sinn, die Unüberschaubarkeit bereits vor dem erkennbaren Endzweck abzubilden. Außer dem Effekt der Opfertriebe in unterschiedlichen Stadien habe ich aktuell wenig zu dokumentieren. Das kommt später. So ist das eben, wenn einen das Qualitätsverlangen zwingt, allein 3-5 Jahre mit den Astansätzen und den Wund- und Totholzbearbeitungen von kleinen schnellwüchsigen Laubbäumen zu verbringen. Aber Zeit habe ich glücklicherweise genug. Und mit der Ungeduld hält es sich in Grenzen.

Gruß, Tom
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