Großer Acer Palmatum

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ben07
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Großer Acer Palmatum

Beitrag von ben07 »

Liebe Forum-Mitglieder,

dies ist mein erster Beitrag in diesem Forum. Ich würde mich sehr über Eure Rückmeldungen zu meinem Fächerahorn freuen, den ich heute äußerst günstig erstanden habe. *daumen_new* Einer der schönsten, die ich bisher gesehen habe. Ich habe eine erste Reduktion der Baumkrone vorgenommen, ein zweiter Schnitt sowie ein erstes Abstechen der Wurzeln wird nach / während dem ersten Austrieb durchgeführt. Die Stammbasis misst 20cm, das Nebari ca. 30cm, die Höhe ist momentan noch 2,5m. Gutes Material, wie ich finde, zumal der Ahorn sehr kleine Blätter und nach meinem Befinden ansehnlichen Wurzelansatz besitzt. Die Verjüngung könnte jedoch besser sein - besonders im Hinblick auf die mittlere Hauptstammstruktur. In Planung ist eine Gestaltung mit multiplen Substämmen - Endhöhe ca. 1m. Ich denke, es könnte in die Richtung des berühmten Pallschen Fächerahorns gehen. Die weitere Vorgehensweise: 2012: Wurzelvorbereitung und weiterer Rückschnitt. 2013: Umpflanzung in ein großes Pflanzgefäß, Gestaltungschnitt. 2014: Umpflanzung in Trainingsschale, Drahten, gegebenenfalls Abspannen der Äste.

Was denkt Ihr darüber?

Liebe Grüße,

Ben
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Heike_vG
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Re: Großer Acer Palmatum

Beitrag von Heike_vG »

Schönes Material, Ben!
Lies unbedingt mal diesen Artikel von Walter Pall: http://www.bonsai-fachforum.de/viewtopi ... 86#p208272
Das ist genau Dein Thema für diesen Baum. Du musst auf jeden Fall noch viel weiter zurückschneiden.

LG, Heike
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Norbert_S
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Re: Großer Acer Palmatum

Beitrag von Norbert_S »

Hallo Ben

Zurückschneiden ja, aber nicht jetzt.
Das sind strake Äste bzw. Substamme, die du noch einkürzen musst, dafür ist ein Sommerschnitt die bessere Alternative. Jetzt würde der Baum nur unnötig bluten.

Wenn du auf 1,0 m Endhöhe hinarbeitest, muss der Rückschnitt bis 60 cm erfolgen. Lege einmal bei dem Baum den Zollstock an und verinnerliche, wie weit du zurück musst, selbst wenn nur bis 70cm geschnitten wird.
In diesem Jahr bereits eine Wurzelbehandlung ist angemessen.
Das ist wahrlich kein kleines Projekt, aber wenn du es erfolgreich durchziehst kann ein spektakulärer Baum daraus werden.
Ich drücke dir die Daumen und wünsche viel Erfolg und Spaß bei den weiteren Schritten.
Norbert

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ben07
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Re: Großer Acer Palmatum

Beitrag von ben07 »

Liebe Heike, lieber Norbert,

vielen lieben Dank für Eure Rückmeldungen. Ich teile Eure Meinung, dass bei diesem Ahorn ein radikaler Rückschnitt nötig ist, am besten im Sommer - so ist der Plan für 2012/2013. Was mir jedoch Sorge bereitet, ist die Frage, gegebenenfalls ich schneide auf ca. 60 cm zurück, ob sich eine stimmige Verjüngung im Kronenbereich herstellen lässt. Ich denke, dies ist angesichts der dicken Substämme (ca. 7cm), die ihrerseits keine nennenswerte Verjüngung aufweisen, schwierig zu realisieren.Vielleicht wäre es sinnvoll, den Baum eventuell etwas länger im Feld stehen und richtig platzierte Neutriebe nach Rückschritt evtl. 2 Wachstumsperioden durchtreiben zu lassen, um das Dickenwachstum der Neutriebe zu stimulieren und so einen passenden Kronenbereich aufzubauen. Was denkt Ihr darüber? Ich denke, es wird alles in allem sicher über 10 Jahre dauern, bis aus diesem Ahorn ein vorzeigbarer Bonsai wird. Mich würde interessieren, ob Ihr auf einen oder mehrere der Äste ganz verzichten würdet?


@Heike: Ist ja lustig, dass Du diesen Artikel empfiehlst, genau dieser hat mich inspiriert, dieses Projekt anzugehen. :)

Viele Grüße,

Ben

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Heike_vG
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Re: Großer Acer Palmatum

Beitrag von Heike_vG »

:-D Ist ja prima, denn diesen Artikel finde ich auch enorm inspirierend. *daumen_new*

Das mit der stimmigen Verjüngung ist beim grünen Fächerahorn auf jeden Fall machbar, aber die neuen Triebe müssen dann auch wieder recht lang durchwachsen.
Sowohl im Feld als auch in einem geeigneten Gefäß ist das möglich, wenn der Boden / das Substrat passt und die Pflege.

LG, Heike
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Bernd Schreiner
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Re: Großer Acer Palmatum

Beitrag von Bernd Schreiner »

Hallo Ben,
was du mit dem Ahorn vor hast, ist ein Projekt,
über einen Zeitraum von 20 bis 25 Jahren.
Um einen überzeugenden Bonsai aus diesem Baum zu machen,
kann es aber auch für einige Generationen viel Arbeit bedeuten.
Bist du dir darüber im Klaren ? *dance*

Liebe Grüsse, Bernd
Sage nicht immer, was Du weißt, aber wisse immer, was Du sagst.
Matthias Claudius

ben07
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Re: Großer Acer Palmatum

Beitrag von ben07 »

Hallo Bernd,

ich bin erst 31 und Kinder zeugen kann Spaß machen :-D Wie findest Du den Ahorn? Potenzial für was richtig gutes?

Beste Grüße,

Ben

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Bernd Schreiner
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Re: Großer Acer Palmatum

Beitrag von Bernd Schreiner »

ben07 hat geschrieben:
ich bin erst 31 und Kinder zeugen kann Spaß machen
Jou Ben, dass genau ist die richtige Einstellung, beeindruckt mich richtig *daumen_new* *daumen_new* *daumen_new* .
Jetzt schneidest du den Baum so zurück, wie Heike und Norbert es beschrieben haben.
Geduld ist das oberste Gebot bei unserem Hobby.
Das, was Walter Pall in dem Post schreibt, ist nach dem umpflanzen in einen Kontainer, zu 100% umsetzbar.
Der Ahorn hat alles Potential, ein schöner Bonsai zu werden.
So, jetzt gib dir alle Mühe,und ich hoffe auf Fotos *lieb* *daumen_new*.

Gruss, Bernd
Sage nicht immer, was Du weißt, aber wisse immer, was Du sagst.
Matthias Claudius

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Dirk K. aus L.
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Re: Großer Acer Palmatum

Beitrag von Dirk K. aus L. »

Hallo miteinander!

Wäre es denn nicht überlegenswert, den Ahorn dieses Jahr noch an seinem Standort zu belassen, und den Rückschnitt vor Ort vorzunehmen?

Ich verspreche mir davon einen erheblich beschleunigten Neuaufbau, da so den Wurzeln keine Energie geraubt wird. Allerdings wäre bei diesem Vorgehen Vorsicht geboten: Die neuen Äste verdicken sich sehr rasch, sodass evtl. schon im Sommer gedrahtet werden müsste. Ansonsten lassen sich diese nur noch schwer in die gewünschte Position bringen.

Grüße, Dirk
Der wahre Weg geht über ein Seil, das nicht in der Höhe gespannt ist, sondern knapp über dem Boden. Es scheint mehr bestimmt stolpern zu machen, als begangen zu werden. (Franz Kafka)

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Norbert_S
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Re: Großer Acer Palmatum

Beitrag von Norbert_S »

Moin Ben
Deine beschriebene Alternative geht sowohl im Feld als auch im Container.
Wenn du dieses Jahr den RRückschnitt machst und auch die Wurzeln entsprechend vorbereitest, wird der Baum nach dem Sommerschnitt viele neue Triebe entwickeln.
Auf dem letzten Bild sind ja drei recht gleichstarke Substämme zu erkennen. Da wäre es sicher möglich aber nicht zwingend auf eine zu verzichten.
Entscheide das, wenn du die neuen Triebe richtig für die spätere Verwendung zuordnen kannst.
Um die Verjüngung musst du dir keine Gedanken machen, wenn du soweit wie beschrieben zurück schneidest und dann über die Jahre neu aufbaust.

Dein Generationen-Zeitansatz ist sehr vernünftig und der lange Weg wird viel Freude bereiten, viel Befriedigung und lernen beinhalten.

Die Schnittstellen sind schon ein Problem, aber auch ein temporäres. Lässt Du zwei Jahre durchtreiben ohne Rückschnitt ist das Potential zum Wundverschluss schon erheblich. Die starken Schnittstellen mit der klebenden Alufolie abzudecken ist dabei sicherlich förderlich um ein gerade beim grünen Ahorn häufig zu beobachtenden übermäßig dicken Wundkallus zu vermeiden. Trotzdem wird es mehr als zwei Jahre dauern, das nutzen von Opferästen zur Unterstützung des Verschlusses ist dabei auch sehr wichtig.

Das ist ein Projekt, da hast du viele Ecken und Themen zum lernen und Erfahrung sammeln.
Norbert

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ben07
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Re: Großer Acer Palmatum

Beitrag von ben07 »

Hallo Lempira,

ich bin völlig Deiner Meinung *daumen_new* . Dieses Jahr bleibt der Gute noch im Feld und wird reichlich gedüngt / gewässert. Die diesjährige Wurzelvorbereitung werde ich eher schonend gestalten, zumal der Rückschnitt den Baum erheblich stressen wird. Ein erstes Drahten halte ich zur Positionierung der zukünftigen Aststellung für unbedingt erforderlich. Ich kann mir jedoch noch nicht so recht vorstellen, wie ich es hinbekomme, dass der obere Kronenbereich zum restlichen Baum passt, da die Hauptstämme sehr eng beieinander liegen. Eins nach dem anderen. Wird schon.

Grüße an Euch alle das draußen,

Ben

Zinita
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Re: Großer Acer Palmatum

Beitrag von Zinita »

ben07 hat geschrieben:Hallo Bernd,

ich bin erst 31 und Kinder zeugen kann Spaß machen :-D Wie findest Du den Ahorn? Potenzial für was richtig gutes?

Beste Grüße,

Ben
in workshops und arbeitskreisen lässt sich da schon was draus machen :-)

ben07
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Re: Großer Acer Palmatum

Beitrag von ben07 »

Lieber Norbert,

[quote="Norbert_S"] Da wäre es sicher möglich aber nicht zwingend auf eine zu verzichten.Entscheide das, wenn du die neuen Triebe richtig für die spätere Verwendung zuordnen kannst.

Ja, wahrscheinlich könnte man am ehesten auf den zweiten Substamm von links verzichten, da krumm gewachsen und irgendwie nicht besonders interessant. Dann würde jedoch ein Loch mit einem Durchmesser von ca. 7-8 cm zurückbleiben. Irgendwie gefällt mir aber gerade das Wilde, Nichtlineare und Wuchtige bei dem Baum. Erst mal abwarten!

Wann könnte ich den Rückschnitt nach Deiner Meinung frühestens durchführen?

LG, Ben

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Norbert_S
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Re: Großer Acer Palmatum

Beitrag von Norbert_S »

Ben,

den Rückschnitt würde ich ab Juni beginnen bis Ende Juli in mehreren Schritten.
Das ist ein seit Jahren an seinem Standort etablierter Baum, deshalb würde ich in einem ersten Schritt auf einen unteren noch gut verzeigten Ast absetzen damit der Saftstrom sicher erhalten bleibt.
Es muss sicher gestellt sein, dass nach dem ersten Rückschnitt Licht in alle verbleibenden Teile der Stämme kommt.
Da zu diesem Zeitpunkt noch keine Eingriffe im Wurzelwerk geschehen, hat der Baum sehr viel Kraft und wird in den unteren Bereichen mit vielen neuen Trieben aus den Substämmen und dicken Ästen reagieren. Wenn diese etabliert sind kannst du entsprechende den weiteren Rückschnitt gefahrlos angehen.

Danach kannst du an den Wurzeln anfangen.
Der Ahorn wird die meisten dickeren Wurzeln oberflächennah ausgebreitet haben. Aber auch einige die weiter ins Erdreich eindringen. Da der Baum zu diesem Zeitpunkt ja eine sehr redutierte Blattmasse zu versorgen hat, musst du gar nicht so zimperlich vorgehen und kannst relativ stammnah Wurzeln trennen. Mit einen elektrischen Fuchsschwanz geht das sehr gut und du hast saubere Schnitte an den Wurzeln. Dann schneidest du 10 cm weiter die Wurzeln wieder ab, entfernst sie und füllst den entstandenen Zwischenraum mit Moss, Torf oder lockerer Erde und deckst alles mit Erde ab. Die durchtrennten Wurzeln werden neue Feinwurzen an der Schnittstelle bilden, die dir bein ausgraben des Baumes in ein oder Zwei Jahren das Überleben des Baumes sichern. Machst du diese Schnitte in diesem Jahr bei jeder zweiten dicken Wurzeln und im nächsten beim Rest erleichterst du dir nicht nur das letztendliche Ausgraben, du sicherst die Gesundheit des Baumes und legst erste Schritte für das zukünftiger Nebari.
Alternativ zu kompletten Wurzelschnitt kannst du die Wurzeln auch wie beim abmoosen behandeln, also einen Ring Rinde entfernen und mit Moos umwickeln. Auch so entwickeln sich neue Feinwurzeln.
Norbert

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jonny kontroletty
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Re: Großer Acer Palmatum

Beitrag von jonny kontroletty »

Hallo zusammen,

sehr interessant!

Mich würde das Thema mit den Substämmen schon sehr interessieren...
Vllt. ist ja eine kleine Besprechung, der erfahreneren Bonsaianern hier im Thread möglich.

Kannst du in diesem Sinne, auf Oberflächenniveau, Rund-um-Bilder der Substämme zeigen?


Gruß Stephan

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