Eine rebellische Linde

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klauso
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Eine rebellische Linde

Beitrag von klauso »

Hallo zusammen,

Heute beginnt die Entwicklungsgeschichte einer ungarischen Linde im BFF. So rebellisch ist sie ja eigentlich gar nicht :) Der Weg zum Bonai begann 2009 mit dem Ausgraben. Nach einem Jahr Kiesbeet wurde Sie 2010 von meinem ungarischen Freund in die erste Plastikschale getopft. Hier ist das Bild dazu.

2010.jpg

Im April 2012 wurde die Linde in eine 2.Wahl Übergansschale von Erwin getopft und Im Herbst davor gedrahtet. 2012 durfte Sie erst wachsen, erhielt im Juni eine Blattschnitt und einen Rückschnitt(außer der unteren Äste). Auch hier ein Bild.

2012.jpg

Im Januar 2013 sah die Linde vor der weiteren Bearbeitung dann so aus.

2013-1.jpg

Danach habe ich dann zurückgeschnitten und die Spitze ein wenig korrigiert. Die unteren Äste dürfen zwecks Dickenwachstum dieses Jahr wieder frei wachsen. So sieht sie nun aus.

2013-2.jpg

Diese Linde ist so wie ich Sie bekam schon recht klassisch angelegt begonnen worden. Leider war auch schon die Aushöhlung so gemacht wie es jetzt aussieht. Ich wäre hier vor allem im oberen Übergang etwas anders vorgegangen. Nun werden wir sehen was in den nächsten Jahren noch alles möglich ist. 4 Jahre nach dem Ausgraben ist das meiner Meinung nach schon ein ganz passables Ergebnis. Es soll zeigen wie aus einem Baumstumpen ganz ohne Äste ein Bonsai werden kann. Ich hoffe mir gelingt das :roll:

Die Linde ist derzeit so ungefähr 60-65 cm hoch. Nur dass Ihr eine ungefähre Vorstellung der Proportionen habt.

Meinungen und konstruktive Kritik sind erwünscht!


Kanna
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Re: Eine rebellische Linde

Beitrag von Kanna »

Hi

Toller Baum und das nach der kurzen Entwicklungszeit. Bin echt gespannt wie deine Linde nach einem erneuten drahten, Form- und Rückschnitt ausschaut.
Das einzige was mich stört ist der obere rechte Abschluss. Bei der gezeigten Vorderseite ist leider keine Verjüngung zu sehen. Ich weiß natürlich nicht ob sich durch einen starken Formschnitt der Rinde am oberen neuen Bereich wieder Knospen bilden. Aber bevor man es riskiert würde ich es dann doch lassen, wäre echt schade um das tolle Stück.

Das Nebari ist auch sehr Aussagekräftig. Gerade gestern habe ich im Augenwinkel beim Auto fahren eine wunderschöne Rotbuche mit einem spitzen Nebari gesehen, musste nun wieder sofort daran denken.

Vielleicht könnte man im unteren Totholzbereich die "Schlucht" noch etwas weiten. Das sich ein konischer verlauf nach oben bildet. Bisher sieht es ja eher nach einem Schnitt mit einer Kettensäge aus (nicht böse gemeint).

Ich wünsch dir jedenfalls weiterhin viel Erfolg und Spass mit der Pflanze.

Viele Grüße
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bonsaiheiner
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Re: Eine rebellische Linde

Beitrag von bonsaiheiner »

Hallo Klaus,

Deine rebellische Linde finde ich vom Ausgangsmaterial her gut und interessant. Das Nebari verspricht einiges, die Ansatzhöhe der unteren Äste lässt eine Endgrösse von ca 80 cm vermuten, für die Grösse der Lindenblätter passend.
Auch Deine Aktivitäten zur Stärkung der unteren Äste sind richtig und erforderlich.

Kannas Hinweis auf Erweiterung des Shari/Uro unten hat was. Allerdings teile ich seine Ansicht auf Wegnahme der Astpartie oben rechts zur Verbesserung der Verjüngung nicht. Diese Verzweigungpartie ist eigentlich unverzichtbar. Hierfür bietet sich mMn eine Verschlankung des obersten Sharianteils rechts an. Aber dann: Warum diese Ansatzbögen mit der gekünstelt unnatürlichen Abwärtsbiegung der Hauptäste, die später Substämme werden? Lindenhauptäste/Substämme wachsen primär aufwärts, Sekundär-, besser Tertiäräste findet man dann wieder waagrecht, auch senkrecht wachsend in der Natur vor. Linden sind keine Koniferen.

Das müsste bei der momentanen Stärke der jetzigen Hauptäste mittels Drahtung noch zu korrigieren sein und würde das spätere Erscheinungsbild deutlich verbessern, so jedenfalls meine subjektive, persönliche Meinung.

Will hoffen, dass jetzt nicht der Eindruck der übermässigen Kritik entsteht, dafür ist das Ausgangs"material" zu gut.

Beste Grüsse,
Heiner
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Kyrilla
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Re: Eine rebellische Linde

Beitrag von Kyrilla »

Frage.In die Höhlung,kommt da etwas von Holzschutz rein?
Oder darf sich das Innere der Linde frei entwickeln?
LG,Undine
Bonsai ist die Kunst,die Perle einer Muschel sichtbar zu machen ohne die Muschel zu zerstören.

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Reiner K
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Re: Eine rebellische Linde

Beitrag von Reiner K »

Hallo Klaus,
vielleicht so??
natürlich filigraner aber als Gedanke??
LG Reiner
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Re: Eine rebellische Linde

Beitrag von Heike_vG »

Ich dachte in die gleiche Richtung wie Reiner, aber ich würde den Einschnitt nicht ganz so tief ziehen, sondern nur ein Drittel oder die Hälfte hiervon.

LG, Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

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Kanna
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Re: Eine rebellische Linde

Beitrag von Kanna »

Hallo Heiner.

Natürlich ist das ein trastischer Eingriff und man kann nur erahnen wie es danach ausschauen wird. Vielleicht wird es dann total schlimm. Ist lediglich mein supjektives Befinden. Für die obere Verzweigung der rechten Seite ist der untere Stammverlauf einfach zu gerade bzw. zu gleichmäßig.

Aber ich weiß was du meinst, mit der Verjüngung (Verschlankung) des oberen Sharibereichs. Dadurch würde evtl. der zu dicke Eindruck verschwinden. Also anstatt den Sharibereich nach unten zu erweitern, könnte man ihn auch nach oben erweitern - Stichwort: Blitzeinschlag. Aber ich glaube das der untere Bereich nicht Spitz genug ausläuft um dies glaubwürdig darzustellen.

Viele Grüße
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klauso
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Re: Eine rebellische Linde

Beitrag von klauso »

Hallo zusammen,

find ich klasse, wie diese Linde zur diskussion anregt. *daumen_new* Dank Euch allen für die Verbesserungsvorschläge und Lieber Heiner, ich hab ein dickes Fell :-D Nein im ernst, ich bin über jede Anregung froh. Und ich höre nie auf zu zu lernen :) Gerade die Meinung der "alten und jungen Hasen" ist immer besonders interessant. Deshalb stelle ich immer gerne hier im Forum einen Baum zur Diskussion! Dann können alle mitmachen!

Die Vorschläge zur Verbesserung des Sharis finde ich gut. Mir war bewusst, dass am Shari noch was verändert werden muss. Und im oberen und unteren Bereich ist das sicher angebracht. In wie weit der Einschnitt oben gemacht werden kann ist davon abhängig, wie die genaue Lage eines rückwärtigen Astes ist, den man auf den Bildern nicht erkennen kann. Soweit wie Kanna würde ich jetzt aber nicht gehen.

Die Diskussion über Laubbäume, die wie Kiefern gestaltet werden gab es im Forum ja schon öfters. Und ich gebe Heiner da vollkommen recht, dass die Linde für den Moment schick wie ne Kiefer daher kommt. Aber Heiner ich hatte ja auch geschrieben, dass ich die Linde schon mit diesen Anlagen bekommen habe. Du schreibst über Leit, Sekundär und Tertiärtriebe. Denkst Du es spielt eine Rolle ob, ich nenne es mal, das"Auffächern" in einem weiteren noch folgenden Schritt passiert? Ich glaube, dass man am Grundgerüst der Äste nach einer gewissen Gestaltungszeit kaum noch erkennen kann welcher trieb zuerst da waren. Oder habe ich da einen Denkfehler? Sicher wäre ich, wenn ich die Linde von Anfang an in meinen Händen gehabt hätte, anders (nämlich so wie Du) vorgegangen. Das Problem, dass ich sehe, ist wenn ich jetzt die Äste wieder nach oben Biege der Astansatz trotzdem weiter den Bogen behält. Aber das werde ich mal probieren. Deine Anregungen haben mich zum grübeln gebracht. Schön und danke dafür :)

Noch so ein Gedanke am Rande. Es gibt massig Dreispitzahorne die streng klassisch gestaltet werden. Auch Walter hatte über seinen berühmten Dreispitz so einiges zu diesem Thema geschrieben. Unsere Augen akzeptieren das bei dieser Baumart? Oder liege ich da falsch?

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Norbert_S
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Re: Eine rebellische Linde

Beitrag von Norbert_S »

Hallo

Für mich sieht der Baum auf den letzten beiden Bildern schon nicht mehr wie eine Kiefer aus, Wohin die Reise gehen kann ist doch sehr schön zu sehen.
Mir scheint es so, als wäre hier der zeitliche Aspekt etwas aus den Augen verloren worden.

Die Linde ist doch ein Baum, der wunderbar und viel Kallus bildet. Damit wird auch über die Zeit eine schöne Bewegung in das Shari kommen, im unteren Drittel wird es vielleicht in zwei drei Jahren sogar zusammenwachsen. Da ist für die Zukunft viel vorhanden das Bewegung und anwechselnde Tiefe in die Stammöffnung bringt.
Dann wird es spannend sein vor dem Baum zu stehen und in die Höhlung hiineinzusehen.

Der einzige Kanckpunkt für mich der ganz obere Totholzanteil, wo man so direkt auf das unruhige Totholz blickt. Aber auch hier wird sich ein interessant gewellter Mantel aus Kallus über die Schnittlinien legen und wenn dieser Teil des Totholzes nicht konserviert wird, dann kann man auch diesen Teil sehr leicht optisch verbessern.

In den für meinen Geschmack zu gewaltigen Schnittführungen zum öffnen des gesamten Stammes kann ich keine harmonischere oder stimmigere Lösung als die behutsame Weiterentwicklung erkennen.

2020, 10 Jahre nach dem ersten Eintopfen wird dieser Baum prachtvoll aussehen.
Norbert

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Hans W.
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Re: Eine rebellische Linde

Beitrag von Hans W. »

Hallo klauso ,

ich beobachte die Arbeiten in eurer Gruppe ,
es erinnert mich fest an frühere Zeiten !!
,, Graben " , egal wie groß , egal wie hoch , tief oder wie schwer das Ganze ist .

Man sieht , die Arbeiten und Mühen tragen Früche , es ist eine gute Richtung in die
ihr euch bewegt !!

Zur Linde kann ich sagen , daß ich vor vielen Jahren mal einen Feldahorn
genauso gekappt und auch damals einen ähnlichen Aufbau gewählt habe .
Ich habe die Fräsearbeit so gestaltet das der Stamm so geöffnet wurde ,
um ein wenig hindurchsehen zu können .

Nur etwas Tranzparenz gibt dem Ganzen eine schöne glaubhafte Note !
Top wäre wenn vom Baum die sogenannte Seele im Kern stehen bleiben würde .

Ich habe mal versucht die Fräsearbeit in das Visu umzusetzen .

Vielleicht gefällts dir ja ,
auf deinem Bild ist es nicht erkennbar ob es noch so umzusetzen ist .


Weiterhin viel Spaß mit dem Teil !!

Hans W.
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ich hoffe die Tranzparenz kommt so rüber wie ich es mir vorgestellt habe !?
ich hoffe die Tranzparenz kommt so rüber wie ich es mir vorgestellt habe !?
2013-1.JPG (53.57 KiB) 1586 mal betrachtet
,,die Schönheit "eines Baumes einzufangen ,
fordert das Auge und die Geduld ,
alles liegt in der Wiege dieser Zeit ,
,,dem Weg das Ganze , der Einheit die Zeit"

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Tofufee
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Re: Eine rebellische Linde

Beitrag von Tofufee »

Hallo Klauso,

ich würde den Stamm keinesfalls unten weiter öffnen. Die Öffnung passt doch jetzt optimal zwischen die Wurzeln, das ganze sieht für mich total natürlich aus. Ich würde im unteren Bereich auch keine "Fensterchen" hineinfräsen.

Der Baum erinnert mich an einige Linden, die auf dem Stadtwall meiner Heimatstadt Duderstadt stehen und aus der ersten Pflanzung vor über 400 Jahren stammen. Dort gab (und gibt es noch) ein paar Exemplare, in die wir als Kinder hinein geschlüpft sind, um dann (nach unserer naiven Vorstellung ) die Erwachsenen zu erschrecken. Meine Eltern haben das Spielchen immen brav mitgespielt. Dazu muss es dunkel in der Höhlung bleiben!

Pippi Langstrumpf hatte auch so einen Baum. Aus einem Loch unten hat sie den Arm einer Schaufensterpuppe heraus hängen lassen und so die Passanten erschreckt...

Dies sind meine Fantasien, die der Baum in mir auslöst.

Linden sind in so einem Zustand ja auch immer noch sehr vital, wirken trotzdem noch kraftvoll und halten noch lange aus. Warum also ein unnötig dramatisches, löchriges "Wrack" draus machen?

Oben die "Schale" etwas schmaler zu machen fände ich allerdings gut, das wurde ja schon vorgeschlagen (u.a. von Heike).

So weit meine persönliche Sicht. Ich hoffe, zwische den Zeilen wurde deutlich, dass ich den Baum toll finde!
Grüße
Monika

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avicenna
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Re: Eine rebellische Linde

Beitrag von avicenna »

Hallo Klauso, tolle Linde, toller Brummer, tolle Entwicklung, prima vitaler Zustand :) ... *daumen_new* Die Perspektive von Hans W. finde ich irgendwie ansprechend ... ein leichtes Öffnen, Ausfransen der Bruchstellen um eine gewisse Transparenz zu schaffen und dann noch den eigenen Reperatureffekt der Borke ( wie Norbert es beschrieben hat) dazu ...wäre für mich eine super Vision. saludos avicenna

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Reiner K
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Re: Eine rebellische Linde

Beitrag von Reiner K »

Hallo Hans, genau so meinte ich es.....
Ließ sich nur mit Paint auf die Schnelle nicht realisieren...
LG Reiner
Das Ziel ist das Ziel
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Bodo.P.
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Re: Eine rebellische Linde

Beitrag von Bodo.P. »

Hallo Klaus

Eine gute Verzweigung hast du hinbekommen. Den anerkennenden Worten kann ich mich größtenteils anschliessen.

Ich würde den Baum auf keinen Fall bis in den Stammbereich öffnen. Allenfalls im Stammbereich oberhalb der rechten
Äste etwas aushöhlen.

Zu den Aststellungen sehe ich das genau so Heiner. Die Äste 2+3 rechts haben einen guten Ansatzwinkel.

mfg
Bodo.P.

Kanna
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Re: Eine rebellische Linde

Beitrag von Kanna »

Die Idee von Hans W. finde ich echt stark. Wenn man es so hinbekommt das es auch gut wirkt, könnte mit dem richtigen Lichteinfall ein schönes Bild entstehen.

Vl zeigst Du uns mal deinen Feldahorn :)?

Grüße

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