Projekt Lärche #renfra

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renfra
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Projekt Lärche #renfra

Beitrag von renfra »

Hallo liebe Bonsaifreunde,

ich möchte euch mal meine Lärche vorstellen.

Die Lärche ist ca. 20 Jahre alt, 70cm groß ab Schalenrand und hat einen Stammsurchmesser von ca.5 cm.

Die Planze wurde von mir in einem Workshop zusammen mit dem Team der Bonsaischule Enger zusammen gestaltet.

Die Lärche war wie Ihr auf den Fotos sehen könnt mehr ein "Strauch" als ein Baum.

Die Lärche hat ein echt schlimmes Nebari! Dies gefällt mir überhaupt nicht! Ich bin mir aber leider nicht mehr sicher wie es unter den beiden langen hässlichen Wurzeln aussieht!
Ich weiß nur das dort noch einige dicke wurzeln gab!
Ich würde ca. im März gerne mal den Baum aus der Schale nehmen und mir das ganze Wurzelwerk anschauen!

Was meint ihr? Was könnte man Richtung Nebari machen?

Als nächstes werde ich die ganzen nach oben stehende Äste ausschneiden und alle Hauptäste abspannen sowie einzelne Äste auffächern.
Des Weiteren werde ich die momentane Spitze neu hochdrahten!

Ich würde mich sehr um positive und negative Kritik sowie Gestaltungsvorschläge und Anregungen sehr freuen!

Gruß René
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renfra
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Re: Projekt Lärche

Beitrag von renfra »

....
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Hergenröder J.
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Re: Projekt Lärche

Beitrag von Hergenröder J. »

Hallo,

schöne Bewegung im Baum allerdings ist das Nebari wirklich zu nichts zu gebrauchen. Ich würde im Frühjahr abmoosen, dann bist du in 5 Jahren weiter als in 20 Jahren mit viel Wurzelarbeit. Meine Meinung.

Viel Erfolg mit diesem Baum!
"Die Kleinigkeiten erzeugen Perfektion, aber Perfektion ist keine Kleinigkeit."

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Heike_vG
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Re: Projekt Lärche

Beitrag von Heike_vG »

Hallo René,
renfra hat geschrieben:Die Lärche hat ein echt schlimmes Nebari! Dies gefällt mir überhaupt nicht!
Absolut mit Recht. Einen Baum mit so einem Nebari solltest Du zukünftig nicht wieder kaufen.
renfra hat geschrieben:Was meint ihr? Was könnte man Richtung Nebari machen?
Vielleicht, wie Hergen schreibt, volles Risiko gehen und abmoosen. Sonst wird da nicht viel zu machen sein. Die superdicken, hässlichen zwei Oberflächenwurzeln sind da ein großes ästetisches Problem. Unterhalb dieser Wurzeln wird der Stamm schon dünner und das bedeutet, dass die weiter unten sitzenden Wurzeln eher nicht als Nebari vorteilhaft sein können, denn Du hast dann eine negative Verjüngung.
renfra hat geschrieben:Als nächstes werde ich die ganzen nach oben stehende Äste ausschneiden und alle Hauptäste abspannen sowie einzelne Äste auffächern.
Des Weiteren werde ich die momentane Spitze neu hochdrahten!
M.E. solltest Du alle Äste im Frühjahr noch einmal drahten, die Astpositionen sehen noch nicht "fertig" aus. Sie stehen alle noch zu sehr nach oben. Es würde besser aussehen, wenn Du sie ab dem Ansatz stärker abwärts hängend gestalten würdest. So wie eben bei einer alten Lärche.
Wenn Du alle "nach oben stehenden Äste" abschneiden willst, hast Du nur noch einen nackten Stamm. 8) Meinst Du vielleicht Zweige? (Äste setzen am Stamm an und Zweige gehen von den Ästen ab)
Alle nach oben stehenden Zweige solltest Du aber auch nicht abschneiden. Dein Baum ist noch nicht so dicht verzweigt, dass das angeraten ist. Du solltest die kleineren Zweige lieber wo irgend möglich fein drahten und in die Verzweigungsstruktur eingliedern, so dass Du schöne Laubprofile bekommst.

Was für eine Spitze hochdrahten? Du willst aber keinen Weihnachtsbaum mit Spitze gestalten, sondern eine abgerundete Krone eines alten Baums.

Übrigens verstehe ich es nicht, warum Du auf der ganzen Stammvorderseite keinen einzigen Ast belassen hast. Man braucht doch auch ein paar kleine Vorderseitenäste. Wenn der ganze Stamm vorne ohne Äste ist, sieht der Baum irgendwie nicht vollständig aus, fast wie längs halbiert.

Liebe Grüße,

Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

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Herbert A
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Re: Projekt Lärche

Beitrag von Herbert A »

Spannende Antworten.

Wer hat denn schon einmal eine Lärche erfolgreich am Stamm abgemoost?
Meine bisherigen Versuche an mehreren Lärchen waren diesbezüglich nicht von Erfolg gekrönt.

lg
Herbert
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renfra
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Re: Projekt Lärche

Beitrag von renfra »

Hallo Heike,

erst einmal will ich meine Wortwahl und Beschreibung entschuldigen! Natürlich meinte ich nicht Äste sondern Zweige!! Nein und es sollen auch nichrt alle nach Oben wachsenen Zweige abgeschnitten werden, sondern nur die die nicht ins Bild reinpassen würden.

Das mit der Spitze war nur eine Idee aber wenn ich es mir genau nochmal überlege, hast du vollkommen recht das die Krone rund sein sollte.

Wie du auf dem 3. Bild sehen kannst waren an der "Vorderseite" nur zwei nebeneinanderliegende Äste wovon immer der vorder wichen musste, da diese aus meiner Sicht her nicht gut genug waren! Ich habe vor ein paar Seitenäste nach vorne zu holen, sodass der Stamm etwas Verdeckt ist.

Ja alle Äste werden runtergedrahtet!! Dies war auch schon, aber der Draht musste im Juni entfernt werden! Ich werden diesen aber im März wieder anbringen bzw die Hauptäste abspannen!

Was würdest du im Kronenbereich noch machen bzw. sollte dort überhaupt noch viel gedrahtet werden?

Danke für eure Anregungen!

Gruß René

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Heike_vG
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Re: Projekt Lärche

Beitrag von Heike_vG »

Herbert A hat geschrieben:Wer hat denn schon einmal eine Lärche erfolgreich am Stamm abgemoost?
Das ist natürlich eine berechtigte Frage. Ich habe dies nicht gemacht, aber ich habe zumindest schon eine kleine Lärche gesehen, von der berichtet wurde, dass sie durch Abmoosung entstanden wäre. Daher war ich davon ausgegangen, dass das möglich ist.

Herbert, wüsstest Du andere vielversprechende Möglichkeiten, solch ein Nebari wirklich entscheidend zu verbessern? Empfiehlt sich eine Bohrablaktion eigener Wurzeln oder so?
renfra hat geschrieben:Ja alle Äste werden runtergedrahtet!! Dies war auch schon, aber der Draht musste im Juni entfernt werden! Ich werden diesen aber im März wieder anbringen bzw die Hauptäste abspannen!
Wieso wurde denn der Draht so früh entfernt, wenn die Form noch gar nicht stabil war?
renfra hat geschrieben:Was würdest du im Kronenbereich noch machen bzw. sollte dort überhaupt noch viel gedrahtet werden?
Habe ich doch geschrieben, Äste runterdrahten, z.T. kürzen, einige dürften auch noch zu viel sein, Zweige auffächern. Im Moment sieht die Lärche noch ziemlich ungeformt aus.

LG, Heike
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renfra
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Re: Projekt Lärche

Beitrag von renfra »

Hallo Heike,

der Draht hat sich zum Teil schon stärker eingedrückt, desswegen ist dieser abgekommen! Ich glaube mit der Frage bezüglich des Kronenbereiches habe ich mich vllt. falsch ausgedrückt! Ich meinte den oberen Bereich des Baumes (siehe Bild).

Das die anderen Äste alle abgespannt und aufgefächert werden müssten weis ich und wird auch gemacht!

Danke für deine Hilfestellungen!

Gruß René
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Heike_vG
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Re: Projekt Lärche

Beitrag von Heike_vG »

Wahrscheinlich musst Du den Draht noch etwas stärker eindrücken lassen, ehe Du den Draht abnimmst, sonst kannst Du das Spielchen beliebig oft machen und die Form wird nicht stabil. Drahtnarben verwachsen bei Lärchen gut und schnell wieder, wenn sie nicht zu heftig sind.

Im Spitzenbereich ähnlich arbeiten wie weiter unten, zu lange und schlecht platzierte Zweige schneiden, auffächern, rundliche Silhouette behalten.

LG, Heike
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renfra
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Re: Projekt Lärche

Beitrag von renfra »

Hallo Heike,

dann werde ich im nächsten Jahr mal den Draht länger dran lassen!

Dankeschön für deine Beiträge!

Gruß René

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Herbert A
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Re: Projekt Lärche

Beitrag von Herbert A »

Hallo Rene´, hallo Heike,
Heike_vG hat geschrieben:Herbert, wüsstest Du andere vielversprechende Möglichkeiten, solch ein Nebari wirklich entscheidend zu verbessern? Empfiehlt sich eine Bohrablaktion eigener Wurzeln oder so?
Schwierige Frage ohne den in dem Substrat verborgenen Wurzelansatz zu sehen. Beim nächsten umtopfen ergibt sich da aber ohnehin Klarheit.

Ich würde wie folgt vorgehen. Frühestens 2014, eher 2015 (weil der Baum ja heuer erst umgetopft wurde) würde ich nach der Tortenstückmethode die Hälfte max 2/3 des Wurzelballens zur Gänze auswaschen. Den Rest unangetastet lassen falls das Substrat fest ist.
Dann kann man beurteilen ob ein 2. besseres Nebari im Substrat verborgen ist. In diesem Fall kann dann die obere Wurzel stark eingekürzt werden oder vielleicht auch ganz abgeschnitten werden. Das würde ich mit jemand machen der Erfahrung hat.Die Schnittstelle kann man mit Rinde überkleben. Merkt kein Mensch wenn es gut gemacht ist :-)

Falls im Substrat keine brauchbaren Wurzeln sind, kann man die beiden dicken Wurzeln abmoosen. Wurzeln abzumoosen geht auch bei der Lärche. Nur am Stamm geht es offensichtlich bei unserer heimischen Lärche nicht. Zumindest ist es mir bisher nicht gelungen.

Es genügt ein Schnitt von 1,5 cm Breite rund um die zwei Wurzeln. So ca 1-2 cm vom Stamm entfernt kann man den Schnitt setzen. An den Wurzeln hat die Lärche keine starke Kallusbildung. Der Schnitt wird daher nicht überwallt werden.
Der Baum muss dann in eine tiefere Schale gesetzt werden. Die Abmoosstelle sollte gut 5 cm unter der Erde sein damit das Substrat nicht ständig austrocknet. Auf die Substratoberfläche eine dünne Schicht Sphagnummoos und darüber eine Folie oder ein Stück Gummi. Nicht zu viel Sphagnummoos, da ein feuchtwarmes Klima an der Abmoosstelle sein soll.
Larix bff.jpg
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Diese Lärche hatte Stelzwurzeln von ca 20cm und ich habe sie erfolgreich innerhalb eines Jahres abgemoost.
Wurzelabmoosung an Lärche
Wurzelabmoosung an Lärche
Gutes Gelingen Rene´

lg
Herbert Aigner
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Carmen_G.
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Re: Projekt Lärche

Beitrag von Carmen_G. »

Hallo Herbert,

deine wurzelabgemooste Lärche ist Spitze! *daumen_new*

@ Rene: Wie ich dir an anderer Stelle auch schon geschrieben hatte und es hier Herbert auch aufgefallen ist...laß den Baum unten herum unbedingt jetzt 1-2 Jahre in Ruhe wenn Du auf Dauer einen lebenden Baum möchtest!
Frisch aus dem Feld graben, dann mit totalem Wurzelauswaschen in eine Schale topfen, dabei ein paar Wurzeln schneiden, oben ausschneiden, drahten, biegen, alles auf einmal!
Das ist sowieso schon viel zu riskant und sei froh daß der Baum noch lebt!

Was einwachsenden Draht angeht, gerade bei Lärchen welche im Spitzenbereich extrem wachsen und dabei eine weiche und dicke Rinde entwickeln, wächst der Draht schnell ein bzw. bekommt Druckstellen.
Den Draht deswegen absichtlich länger dran lassen und ein einwachsen lassen und damit noch mehr verdicken der Äste zu provozieren, das noch dazu mit Spiralform, das wäre für mich nie ein Option! :?

Das Geheimnis heißt rechtzeitig entdrahten und dann aber nicht wieder ewig ohne Draht stehenlassen, sondern mit neuem Draht wieder nachdrahten! Gehen die Äste wieder ganz oder teilweise in die alte Stellung zurück und bleiben wieder eine Weile lang so, dann wird der Zuwachs der inzwischen stattfindet ja wieder die alte Stellung stärken.
Man darf eben die Arbeit damit nicht scheuen und muß notfalls mehrmals im Jahr Draht anlegen.
Bei Lärchen ist das zwar mit den Nadeln dann ein Gefummel und sollte nicht gerade kurz nach dem Nadeltrieb gemacht werden, da die sonst braun werden, aber es bleibt genug Zeit im Jahr wo das gut geht.

liebe Grüße
Carmen
Liebe Grüße
Carmen

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Re: Projekt Lärche

Beitrag von Dirk K. aus L. »

Hallo, Herbert!
Herbert A hat geschrieben: [Wurzelabmoosung]
Es genügt ein Schnitt von 1,5 cm Breite rund um die zwei Wurzeln. So ca 1-2 cm vom Stamm entfernt kann man den Schnitt setzen. An den Wurzeln hat die Lärche keine starke Kallusbildung. Der Schnitt wird daher nicht überwallt werden.
Welches Werkzeug verwendest du für solch einen Schnitt?


Schönen Gruß

Dirk
Der wahre Weg geht über ein Seil, das nicht in der Höhe gespannt ist, sondern knapp über dem Boden. Es scheint mehr bestimmt stolpern zu machen, als begangen zu werden. (Franz Kafka)

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ChristianB
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Re: Projekt Lärche

Beitrag von ChristianB »

Hallo Zusammen,
bin grad' erst aus dem Urlaub zurück, daher gebe ich erst jetzt meinen Senf dazu.

Herbert hat ja nach Erfahrungen mit Abmoosen von Lärchen gefragt. Ich habe das schon mal gemacht! Und zwar auch mit einem Baum aus Enger. Abmoosen ist mit Hybridlärchen absolut kein Problem. Ich habe die Abmoosung im Frühjahr gemacht, den Baum frostfrei überwintert und im nächsten Jahr im halbausgetriebenen Zustand getrennt. Das war genau so einfach wie bei einem Fächerahorn!

Das das mit echten Larix decidua aus dem Gebirge nicht klappt, kann ich mir vorstellen, Hybridlärchen, die ja auch eine gute Rückknospung machen, sind m. E. da aber problemlos und ich würde das bei dieser Lärche sofort machen, vorausgesetzt sie ist gesund und fit.
Viele Grüße

Christian

renfra
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Re: Projekt Lärche

Beitrag von renfra »

Hallo alle Zusammen,

dankeschön für eure Hilfestellungen!!

Ich werde dieses beherzigen und die Lärche im kommenden Frühjahr höchstens drahten und mit dem Wurzelbereich erst im Frühjahr 2015 beginnen!

Noch einmal zur Info, die Lärche ist eine japanische Lärche aus Enger!

Gruß René

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