Zelkove (Doppelstamm)

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Andreas Ludwig
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Re: Zelkove (Doppelstamm)

Beitrag von Andreas Ludwig » 26.07.2017, 23:59

Tatsache ist aber schon, Cris, dass du kaum Feinverzweigung hingekriegt hast. Das kriegst du mit deinem «Schneiden auf Form» so langfristig auch nicht hin. Eigentlich müsste der Baum heute (26. Juli also) nach der Entwicklungsgeschichte eine dichte grüne Kugel sein. Was übrigens auch beim Verwachsen der grossen Schnittstellen helfen würde. Durch den konstanten Rückschnitt nimmst du dir selber die Chance, zu sehen, wie sich das alles verändern kann, wenn man die Schere eine Weile weglegt.
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abardo
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Re: Zelkove (Doppelstamm)

Beitrag von abardo » 27.07.2017, 07:56

Hi Chris,
vielleicht hast du auch ein Bild, als der Baum im vollen Laub stand ? So sieht mir das auch danach aus, als ob du immer sehr viel wegnimmst, wie jedes mal einen kompletten Blattschnitt.
Ich sehe bei deiner Zelkove schon, dass da was passiert ist, aber eben nicht wirklich viel.

Bei wüchsigen Arten bin ich ja auch ein Freund des dauernden Schneidens, allerdings nehm ich dabei nur die Langtriebe dauernd zurück, da warte ich nicht darauf, dass die megalang und dick werden (ausser der Ast oder Zweig muss zulegen). Bei Linde, Weigelie, eben Zelkove, Esche, manchen Buchen. Meinem Feuerahorn hab ich dieses Jahr wohl schon 7x die Langtriebe auf Verzweigung gestutzt.

Finde ich gut so, so bekomme ich bei manchen Arten bis zu drei Austriebe und zwei komplett neue Verzweigungen pro Jahr hin. Und trotzdem stehen die Bäume im vollen Laub und können tanken.

Im Herbst kann ich mir dann die Ausbeute des Jahres begucken, dann gibt es einen wirklichen Rückschnitt. Insbesondere kann dann weg, was sich beim Drahten nicht richtig stellen lässt.

Ich arbeite dabei auf eine Silhouette hin, wie ich sie mir in ein paar Jahren vorstelle (den Baum immer auf der gleichen Silhouette zu halten, funktioniert nicht wirklich und schwächt den Baum, bringt auch keinen wirklichen Fortschritt im Wurzelbereich). Dann hat man in ein paar Jahren eine gute Verzweigung, das kann man vielleicht auch ein, zwei Jahre halten und muss sich danach wieder entscheiden: entweder plant man den Baum dann doch grösser (Stamm und Äste sind ja auch dicker geworden) oder macht wieder mal einen drastischen Rückschnitt (Rückknospung wird es ja auch gegeben haben). Ein hin und her also, je nach Art vielleicht im Zyklus von 5 Jahren.
Grüße, Frank
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Re: Zelkove (Doppelstamm)

Beitrag von chris-git@rre » 27.07.2017, 09:08

Hallo Zusammen,
ein Foto im Vollen Laub habe ich nicht.
Da müsst Ihr Euch auf mein Wort verlassen.
chris-git@rre hat geschrieben:
25.07.2017, 22:08
Der Baum wurde die Tage von mir nach gutem Wachstum noch mal zurückgeschnitten.
Das war irgend wann anfang Juli, wenn ich mir so die neuen Blätter ansehe.
Mit der Wundheilung bin ich eigentlich zufrieden.
20170727_085206.jpg
20170727_085220.jpg


Etwas Feinverzweigung ist schon da, sieht man nicht so gut auf den Fotos.
Muss ich mal etwas drahten.
Aber zufrieden bin ich noch nicht…..


20170727_085242.jpg
kleiner Stamm
20170727_085257.jpg
kleiner Stamm
20170727_085310.jpg
großer Stamm

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Re: Zelkove (Doppelstamm)

Beitrag von abardo » 27.07.2017, 09:36

Nur ist da kaum irgendwo konsequent auf Verzweigung geschnitten worden.

Hier mal ein Ausschnitt:

file.jpg
file.jpg (55.52 KiB) 1187 mal betrachtet

Mit den Winkeln siehst du, wo du eine gleichmässige Verzweigung hättest erreichen können. Da hättest du so schneiden müssen, dass die Knospen an den blauen Pfeilen aufgehen hätten sollen und dann wieder neue, äussere Verzweigungen möglich werden.

Am rechten blauen Pfeil hast du geschnitten, aber eben nicht darüber bei rot. Was macht der Baum ? Er lässt es bei rot weiterwachsen und beim rechten blauen Pfeil verkümmert die Knospe. Hättest du an beiden Stellen gleichzeitig geschnitten, wär das V perfekt und beide Enden hätten auch ausgetrieben. Das mit dem Austreiben der Knospen kann aber auch mal nicht klappen, daher würde ich auch zumeist lieber ein Blatt am Ende stehen lassen.

Da Zelkove wechselständig ist, sieht das Schnittbild aber anders aus, du brauchst ja mindestens zwei Knospen pro Verzweigungsschnitt, hättest also bei dem rechten blauen Pfeil gar nicht schneiden dürfen und somit eben auch nicht bei rot, sondern an beiden Stellen eine Knospe weiter aussen. Je nach Zeitpunkt im Jahr heisst das mind. 2 Blätter.

Aktuell entsteht an vielen Stellen an deiner Zelkove nur ein Zickzack im Zweig, aber keine Verzweigung.
Zuletzt geändert von abardo am 27.07.2017, 14:25, insgesamt 4-mal geändert.
Grüße, Frank
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Manfred Jochum
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Re: Zelkove (Doppelstamm)

Beitrag von Manfred Jochum » 27.07.2017, 09:57

hallo Chris,

so ganz unrecht haben die anderen nicht...... die Feinverzweigung könnte besser bzw. dichter sein.
Sei dir immer im Klaren..... die Arbeit (Photosynthese) welche die Pflanze machen muss um wüchsig zu bleiben ( oberirdisch wie unterirdisch ) läuft nur über die Grünfläche sprich die Blätter.
d.h. aber auch , dass ein mehrmaliger Rückschnitt und Auslichten der Krone die Wuchskraft der Pflanze immer wieder bremst.
( den Vergleich mit Vollgas geben und gleichzeitig auf die Bremse oder die Kupplung treten kennst du wahrscheinlich )
Wenn oben kaum Grünmasse ist = wenig Photosynthese , dann kann auch das Wurzelwerk nicht optimal zulegen..... und das führt wiederum zur allgemeinen Wuchskraftreduzierung, welche im Aufbau immer kontraproduktiv ist.
Ich würde auch dazu tendieren, etwas mehr Blattmasse stehen zu lassen..... zumindest bis der Kronenaufbau halbwegs abgeschlossen ist.
Das kann schon noch 1-2 Wachstumsperioden dauern..... solange ist ein leichtes "aus der Form" wachsen eher positiv . Ein stärkerer Rückschnitt auf Kontur erfolgt immer erst im Herbst nach dem Laubfall.
Ist der Aufbau und die Verzweigung wie gewünscht..... erst danach geht es an`s Pinzieren und permanentes Auslichten der großen Blätter und ungünstig wachsende Triebe.

Manchmal hilft auch ein durchziehen lassen eines einzelnen Opfertiebes, um die Wuchskraft wieder etwas nach vorne zu bringen.

Trotzdem..... eine schöne Zelkove mit interessantem Grundaufbau.......

Gruß Majo
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Re: Zelkove (Doppelstamm)

Beitrag von chris-git@rre » 27.07.2017, 12:37

Hallo Zusammen,
erst mal danke für Euer Interesse an meiner Zelkove.
Manfred Jochum hat geschrieben:
27.07.2017, 09:57
Trotzdem..... eine schöne Zelkove mit interessantem Grundaufbau.......
Danke. :)

Ich versuche nochmal zu erklären was ich dieses Jahr gemacht habe.
Ich habe sie bis anfang Juli gut wachsen lassen.
Ab und zu ein paar lange triebe entfernt um zu steuern.
Aber bis anfang Juli war sie gut belaubt.
Anfang Juli habe ich etwas stärker zurückgeschnitten.

Hier kann man sehen das die Ästze etwas an dicke zugelegt haben.
Was auch nötig war.
Also habe ich da noch nicht wirklich an der Verzweigung gearbeitet.
Das passiert dann nächstes Jahr.

Zelkove 8.jpg

So sah der Baum noch am 15. Juli aus.
Fotos von vorher habe ich nicht.

Zelkove 9.jpg
15. Juli
@Frank, ich weis schon wie man ein Feinverzweigung aufbaut.
Aber alles zu seiner Zeit.

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Re: Zelkove (Doppelstamm)

Beitrag von Andreas Ludwig » 27.07.2017, 12:40

Chris - jetzt gehe ich mal zurück zum Anfang. Da schreibst du:
Vielleicht habt Ihr Lust mit mir über das weitere vorgehen zu diskutieren.

Manchmal wird heute vergessen, dass lateinisch «discutere, discussum» ursprünglich «zerschlagen, zerlegen» hiess. Dem wurde die Spitze genommen, es wurde eher zu so etwas wie «untersuchen». Aber wenn fast alle Gäste in Fernseh-Diskussionsrunden eher sich gegenseitig zerlegen, als irgend etwas zu untersuchen, ist das wohl allgemein eher vergessen gegangen...

So. Du wolltest, dass wir mit dir das weitere Vorgehen untersuchen. Das wurde vielen Teilschritten gemacht. In unterschiedlichen Härtegraden wurde deine Arbeit kritisiert, aber mir scheint, du hast es manchmal empfindlicher aufgenommen, als es gemeint war. Das als Beobachtung zur Diskussion an sich. Mir stellte sich manchmal die Frage, wieso du dein Vorgehen untersucht haben möchtest, Befunde der Untersuchung aber fast kategorisch ablehnst. «Rate mir gut, aber rate mir nicht ab.» Diese Scherz über Verliebte kam mir da in den Sinn.

Wie andere auch, habe ich erwähnt, dass eine Runde Durchwachsen gar nicht falsch wäre. Das führte zu einer ganzen Reihe Darstellungen deinerseits, in denen du den kritisierten Stand des Baums relativierst, erklärst, dass es eigentlich eben gut sei. Jetzt bin etwas ratlos. Ich könnte an die hübschen Darstellungen bei Stahl und anderen erinnern, die schematisch zeigen, wie man beim Kronenaufbau die Zweige in «Handform» bringt; ich müsste dann darauf verweisen, dass die Zelkowe einfache, wechselständige Blätter haben, dass man darum geplant vorgehe muss, eben nicht «auf Form» schneidet, sondern «auf Zukunft», weil sich sonst die Triebe ständig überkreuzen und in den Weg kommen. Anhängen würde ich, dass ich nicht nur die grossen Schnittstellen meine (die zwar zugewachsen, aber sehr präsent sind), sondern die vielen «Augen» an den Ästen. Diese zeigen, dass du keinen eigentlichen Plan hattest, sondern etwas, was erst mal blieb, dann doch weggehauen hast, weil es dir später am falschen Platz zu sein schien. Ein geplanter Aufbau einer Laubbaumkrone zielt aber darauf ab, dass genau das gar nicht passiert, dass sich die «Dimension» der Eingriffe immer weiter verkleinert, man am Ende nur noch die kleinsten Triebe raushaut, weil der Rest – wie geplant – an seinem Ort ist.

Ich bin mir jetzt aber etwas unsicher, wie du darauf reagieren würdest, untersuchte ich das alles so.
Ich fürchte, du hättest den Eindruck, da will dich einer zerlegen.
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Re: Zelkove (Doppelstamm)

Beitrag von abardo » 27.07.2017, 13:18

Hi Chris,
chris-git@rre hat geschrieben:
27.07.2017, 12:37
@Frank, ich weis schon wie man ein Feinverzweigung aufbaut.
Aber alles zu seiner Zeit.
Äh, leider nicht. An den Detailfotos sehe ich an ganz vielen Stellen, dass du geschnitten hast, ohne auf Verzweigung Rücksicht zu nehmen. Aussen, innen, überall. Du hast da diverse Zweige auf nur eine oder sogar gar keine Knospe zurückgeschnitten und somit trocknet der Stumpf zurück. Das mag mal ok sein, wenn man einem Zweig eine ganz andere Richtung geben muss (die sich nicht durch Draht beheben lässt), es irgendwo zu dicht wird, auch in der Krone. Oder Zweige, die zu steil nach oben oder unten wachsen, aber nicht überall.

Und mit Zeit hat das nicht zu tun. Jede Verzweigung führt zu mehr Blattwerk, mehr Wachstum, mehr Stabilität. Ein Kappen von Zweigen führt im Vergleich nur zu mässigem Wachstum.

Aber es ist ja nicht nur das auf-Verzweigung-schneiden, was nicht gut läuft. Ich sehe halt auch keinen Wuchsausgleich. Bei manchen Ästen hättest du dir lieber ein paar Langtriebe aussuchen sollen, die du gar nicht brauchst (ich nehm da am liebsten die, die nach unten weggehen) und bis zum Blattfall durchtreiben lassen. Ich sehe auch keine langen Triebe, die dem Baum beim Verschliessen der Wunden helfen. Bei beiden muss ich mich auch immer bremsen ("Kann der nicht doch schon ab ? Sieht doch schlimm aus. Nein, der Ast kann noch zulegen. Kommt, lass es noch bis zum Herbst dran. Guck einfach weg. Ja, ist ok").

Mach die Sachen doch nächstes Jahr besser und genauer. Würde mich sehr freuen, wenn ich da einen Fortschritt (nicht nur beim Baum, sondern auch deinen Massnahmen), sehen würde.
Zuletzt geändert von abardo am 27.07.2017, 13:34, insgesamt 2-mal geändert.
Grüße, Frank
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Re: Zelkove (Doppelstamm)

Beitrag von Manfred Jochum » 27.07.2017, 13:30

hallo Chris,
Ab und zu ein paar lange triebe entfernt um zu steuern.
Aber bis anfang Juli war sie gut belaubt.
Anfang Juli habe ich etwas stärker zurückgeschnitten.
Die Frage ist , warum du im Juli stärker zurückgeschnitten hast.
Welches Problem hattest du, dass du den Wuchs der Pflanze plötzlich einbremsen wolltest.

dass sie jetzt so ausgedünnt da steht, ist dieser Maßnahme geschuldet.
Dieses Jahr wird dann auch relativ wenig Verzweigung hinzukommen...... wieder eine halbe Wachstumsperiode verschenkt.....

Mein Prinzip im Aufbau ist Wachsenlassen, und im Herbst stärker zurücknehmen ( nicht in der Wachstumsphase, da höchstens die Triebspitzen ) , und das konsequent ein paar Jahre lang. Man verliert zwar anfänglich etwas die Konturen und Dimensionen, aber letztendlich kommst du schneller voran.
Die Triebe werden zwar etwas dicker, aber durch den starken Rückschnitt und Selektion im Herbst bekommst du in der nächsten Wachstumsperiode eine schöne gleichmäßige Verjüngung und zwar an den Ästen die du auch brauchst.
Düngung ist in der Aufbauphase auch ein Thema, da denke ich mal sollte nicht gespart werden. Ein Nährstoffüberschuß ist in der Phase immer besser als ein Nährstoffmangel ( ist aber nur grundsätzlich gemeint, ich kenne nämlich nicht dein Düngeverhalten )

Gruß Majo
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Re: Zelkove (Doppelstamm)

Beitrag von chris-git@rre » 27.07.2017, 14:08

Hallo Andreas Frank und Majo,

@Andreas, alles OK was Du schreibst.
Und andere Meinungen sind auch OK.
Es kann auch sein das man manches schneller erreichen kann oder besser machen.
Aber ich bin mir sicher das ich auf dem richtigen weg bin.
Natürlich kann man sagen das eine Zelkove anders wächst und gestaltet werden soll....

Was die Schnittwunden angeht.
Ich bin zufrieden, anders kann ich es nicht sagen.
Keine Verdickung und sie sind fast zu.
Aber da hast Du recht, sie sind noch präsent.

20170727_131753.jpg
Rückseite
20170727_131812.jpg
Einerseits wird hier gesagt das der Baum zu stark zurückgeschnitten ist.
Und dann wird noch gesagt das ich nicht stark genug auf Verzweigung zurückgeschnitten habe.
Das ist für mich ein Wiederspruch.
Wenn ein Ast noch nicht die richtige Stärke erreicht hat brauch ich auch noch nicht an der Verzweigung arbeiten.

Ich wollte hier nur sagen das ich dieses Jahr noch nicht wirklich auf Verzweigung geschnitten habe.
Manche Äste haben schon eine gute Verzweigung, zb der Hauptbaum erster Ast.

Und in 2-3 Wochen sieht der Baum wieder schön belaubt aus.
Manfred Jochum hat geschrieben:
27.07.2017, 13:30
Die Frage ist , warum du im Juli stärker zurückgeschnitten hast.
Welches Problem hattest du, dass du den Wuchs der Pflanze plötzlich einbremsen wolltest.
Ein Problem hatte ich eigentlich nicht.
Ein Grund war das durch das durchtreiben lassen die unteren Äste beim kleinen Stamm sich innen nicht verzweigt haben.
Die Spitze beim Hauptbaum wurde auch zu dick.

Ich sehe da jetzt aber auch kein wirkliches Problem drin Anfang Juli zurückzuschneiden.
Juli+August+ September=2 1/2 Monate Wachstum.

Ich kenne ja Deine Bäume und ich finde sie gut.
Und ich weiß auch das Du erfahrung hast.
Also bitte nicht übel nehmen.

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Re: Zelkove (Doppelstamm)

Beitrag von abardo » 27.07.2017, 14:17

Nein, hier wurde nie gesagt, dass du nicht genug auf Verzweigung geschnitten hast, sondern, dass du mögliche Verzweigung weggeschnitten hast (hatte ich das nicht an den farblich markierten Bereichen genau gezeigt ?).

Und wenn ein Ast nicht die richtige Stärke hat, sucht man sich einen Langtrieb aus und lässt den bis zum Blattfall durchtreiben. Andere Zweige an dem Ast kann man dann ja trotzdem korrekt auf Verzweigung schneiden.
Grüße, Frank
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Re: Zelkove (Doppelstamm)

Beitrag von Manfred Jochum » 27.07.2017, 14:38

hallo Chris,

ich gehe mal davon aus, dass du dich nicht persönlich angegriffen fühlst..
Du sagst:
Ich sehe da jetzt aber auch kein wirkliches Problem drin Anfang Juli zurückzuschneiden.
ich auch nicht, wenn es darum geht einen guten Aufbau zu erhalten bzw. zu verfeinern
Juli+August+ September=2 1/2 Monate Wachstum
Wachstum mit gebremstem Schwung ...... du verlierst viel Arbeitskraft = Wuchskraft
glaub mir ... da kommt diese Jahr nicht mehr wirklich viel

Hartmut Münchenbach hat mal gesagt:
Ein Baum ist mit einer Baustelle zu vergleichen.
Die Blätter sind die Arbeiter, welche die Arbeit erledigen ( und nicht nur oberirdisch )
Nimmt man Arbeiter weg....... wie wirkt sich das auf die Baustelle aus ? --> bis zur Fertigstellung dauert es deutlich länger.
Man schneidet oft viel zu früh und viel zu sehr aus optischen Gesichtspunkten, und das in einer Phase wo eigentlich Aufbau passieren soll.
Wie es der Pflanze dabei geht..... ist vielen egal..... die Hauptsache ist es schaut halbwegs gut aus....

Nichts desto trotz gefällt mir deine Zelkove vom Grundaufbau gut.....

Gruß Majo
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Re: Zelkove (Doppelstamm)

Beitrag von Andreas Ludwig » 27.07.2017, 14:43

chris-git@rre hat geschrieben: Einerseits wird hier gesagt das der Baum zu stark zurückgeschnitten ist.
Und dann wird noch gesagt das ich nicht stark genug auf Verzweigung zurückgeschnitten habe.
Das ist für mich ein Wiederspruch.
Wenn ein Ast noch nicht die richtige Stärke erreicht hat brauch ich auch noch nicht an der Verzweigung arbeiten.
Das ist kein Widerspruch. Die erste Aussage bezieht sich darauf, wieviel du schneidest oder geschnitten hast, die zweite darauf, wo du das gemacht hast. Ich wiederhole mich: Bei Zelkowa (unter anderem) ist es ganz wichtig, genau hinzuschauen, wo der Ast sich dann durch entwickeln wird. Die gute Nachricht ist, dass man das ganz genau sehen kann: Der Winkel der Knospe entspricht der Entwicklung des Austriebs.

Zur Aststärke: Deine Denkweise führt andererseits zu diesen abrupten, drastischen Schnitten – die man dann lange sieh. Wenn du an einem an sich kurzen Ast viele Triebe hast (durchaus auch solche, die später wegkommen, ganz «hässliche» in Achseln, nach oben treibend etc.), liefern die einiges mehr an Zuwachs, als man denkt. Jede Knospe, die Grün bildet, liefert das ihre zum Wachstum. Das ist die Idee des «Durchtreiben lassen».

Es geht nicht um Tempo oder Richtigkeit – was dir hier ziemlich übereinstimmend dargelegt wird, ist ein eher sanfter, gar nicht mal so schneller Weg – der aber über die Jahre zu einem Baum führen kann, der wie ganz natürlich gewachsen wirkt. Das ist kein übles Ziel. Ein kleines Beispiel, aus deinem letzten Bild genommen: Linker Stamm, oberste beiden Seitenäste, auf gleicher Höhe. Das wird dir irgendwann störend auffallen, du wirst den einen oder anderen kappen – und hast die nächste Wunde. Das unabhängig davon, ob du mir jetzt als Nächstes erklärst, das sei genau nach Plan und werde schon klappen...

Versteh mich bitte richtig: Deine Zelkowa hat eine gute Anlage und ich schätze es durchaus, wenn mal jemand dieses althergebrachte Schema «Vater-Sohn» durchbricht. Bloss tut mir dein Baum ein kleines bisschen leid – was aber mein Fehler ist, denn er ist ja nicht meiner. Ich «untersuche» bloss, wie aufgefordert. Und ich anerkenne auch, was du hier alles wegsteckst und dabei munter bleibst.
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Re: Zelkove (Doppelstamm)

Beitrag von Andreas Ludwig » 27.07.2017, 15:27

Chris – ich trete jetzt mal mit dir zur Seite, weg von diesem einen Baum.

Man kann sich ja nicht «Gitarre» nennen, wenn man völlig unmusikalisch ist. Bonsai hat mit Musik irgendwie zu tun, denke ich, bloss denke ich – was man ja mittlerweile kennt – manchmal etwas anders, gar schräg über solche Sachen. Dafür kann ich nicht viel, ich komme von woher, wie du, wie alle und trage mein Gepäck. Na und?

Sagen wir also mal: Na und? Dann schauen wir uns zwei, abseits, am Wegrand, fern von deinem Baum etwas an. Ich hoffe, du kriegst nicht gleich das kalte Kotzen, denn es ist klassische Musik, diesmal. Genauer eine Romanze für Violin-Solo und Orchester von Beethoven. Ganz genau die Nummer zwei von zwei. Wieso die überhaupt entstand, ist sehr unklar. Ich denke, Beethoven wollte sie einfach schreiben, manchmal war er so, launisch, überkandidelt – kommt mir bekannt vor. Egal. Hören wir doch mal rein, und zwar in zwei Interpretationen:

Die eine ist mit Yehudi Menuhin. Du findest sie auf youtube mit den Stichworten: Beethoven: Romance No. 2, Menuhin & Furtwängler (1953). Einfach mal anhören. Ich persönlich finde die als ziemlich zäh. Menuhin mochte den «getragenen Stil», für mein Empfinden ging er da bis über die Schmerzgrenze, etwa bei Bach-Violinkonzerten. Da knetet er – meiner Meinung nach – Melasse.

Dann die andere: David Oistrakh, Beethoven Romance No.2 in F major for Andrea. Genau das gleiche – aber ganz anders. Hör dir die zwei einfach an. Du musst das nicht mögen, es geht nur um formale Details, Winzigkeiten. Wie man da, dort, das eine, andere ganz anders interpretiert. Wie sich genau das gleiche Werk plötzlich anders darstellt – wehmütig im besten Fall bei Menuhin, mit einem «intensiven Drang» bei Oistrakh.

Darum geht es bei deinem Baum – um Nuancen, Details, Winzigkeiten, Wendungen.


So. Jetzt gehen wir zurück zu deinem Baum. Danke fürs zuhören, das war sehr tapfer!
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Re: Zelkove (Doppelstamm)

Beitrag von chris-git@rre » 27.07.2017, 19:40

Hallo Zusammen,
ich habe nicht so viel Zeit auf alles einzeln einzugehen.
Ich habe ja noch Kinder und Arbeit....
Ich versuche später näher auf alles einzugehen.
Aber ich denke schon über alles nach was hier gesagt wird.
So ist es ja nicht...

Aber das wurmt mich jetzt schon Frank.
Guck Dir Doch mal die Maßstäbe an!
Das ist für mich schon so ein bisschen besserwisserei!
Zelkove 10.jpg
Ist alles noch nicht entgültig, aber auf kurze Internodien und Verzweigung achte ich schon.
Wie gesagt, an die Feinverzweigung geht es eigentlich erst noch.
abardo hat geschrieben:
27.07.2017, 09:36
Nur ist da kaum irgendwo konsequent auf Verzweigung geschnitten worden.

Hier mal ein Ausschnitt:

file-7.jpg
file-7.jpg (57.66 KiB) 905 mal betrachtet

Mit den Winkeln siehst du, wo du eine gleichmässige Verzweigung hättest erreichen können. Da hättest du so schneiden müssen, dass die Knospen an den blauen Pfeilen aufgehen hätten sollen und dann wieder neue, äussere Verzweigungen möglich werden.

Am rechten blauen Pfeil hast du geschnitten, aber eben nicht darüber bei rot. Was macht der Baum ? Er lässt es bei rot weiterwachsen und beim rechten blauen Pfeil verkümmert die Knospe. Hättest du an beiden Stellen gleichzeitig geschnitten, wär das V perfekt und beide Enden hätten auch ausgetrieben. Das mit dem Austreiben der Knospen kann aber auch mal nicht klappen, daher würde ich auch zumeist lieber ein Blatt am Ende stehen lassen.

Da Zelkove wechselständig ist, sieht das Schnittbild aber anders aus, du brauchst ja mindestens zwei Knospen pro Verzweigungsschnitt, hättest also bei dem rechten blauen Pfeil gar nicht schneiden dürfen und somit eben auch nicht bei rot, sondern an beiden Stellen eine Knospe weiter aussen. Je nach Zeitpunkt im Jahr heisst das mind. 2 Blätter.

Aktuell entsteht an vielen Stellen an deiner Zelkove nur ein Zickzack im Zweig, aber keine Verzweigung.

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