Picea glauca conica

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Julius-01
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Picea glauca conica

Beitrag von Julius-01 » 20.09.2014, 17:26

Hallo Bonsaigemeinde,

vor gut 5 Jahren habe ich begonnen aus einer Weihnachtsdeko einen Bonsai zu formen. Vermutlich eine Zuckerhutfichte. Das Bäumchen war ca. 20 cm hoch und völlig konisch, so wie ein Verkehrskegel. Ich habe damals alle Zweige und Äste herausgeschnitten, die mir zu viel erschienen. Heute meine ich, dass ich besser 2-3 mehr hätte stehen lassen sollen. Die vorhandenen Ästchen gehen nur abwechselnd links und rechts vom Stamm weg, aber nach hinten geht garkeiner. Die Tiefenwirkung ist daher nicht so toll und nur der Stamm, welcher leicht nach hinten flieht erzeugt ein bisschen davon.

Hier nun meine Frage, ist es möglich, dass der Baum am Stamm schlafende Knospen bildet die austreiben? An einer Stelle habe ich letztes Jahr schon einen ca 2 mm kleinen Knubbel entdeckt (siehe Bild) treibt da was aus? Größer wird es leider nicht.

Ist es bei so einer Zuckerhutfichte möglich einen Ast zu transplantieren? Ist das einfach und erfolgversprechend oder eher was für Profis?

Der Baum ist ca. 20 cm groß. In der nächsten Zeit möchte ich die Krone weiter auffächern und die Zweige besser in Position bringen.
Vielen Dank für Tipps und Hinweise zum Thema. Für weitere Gestaltungstipps und Ideen bin ich auch dankbar!

Julius
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Anja M.
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Re: Picea glauca (vermutlich)

Beitrag von Anja M. » 20.09.2014, 19:19

Ich habe an normalen Fichten schon mal am alten Holz Austrieb gesehen, aber ob diese Form sich dazu hinreißen läßt?

Immerhin, so alte Zuckerhutfichten kommen relativ selten hier vor. Die Pflege scheint für dich kein Problem zu sein.

Einen fehlenden Ast aufzupfropfen sollte möglich sein. Vielleicht mit Hilfe von einem Arbeitskreis vor Ort?
73 Anja

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Julius-01
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Re: Picea glauca (vermutlich)

Beitrag von Julius-01 » 21.09.2014, 15:40

Die Pflege dieses Baums scheint auch nicht so schwierig zu sein. Jedenfalls treibt sie jedes Frühjahr und auch weiter im Sommer willig aus. Nur muss ich aufpassen, dass ich die neuen Triebe kurz halte, sonst verdorren die inneren Nadeln recht schnell. Besonders alt ist die Fichte aber eher nicht, ich würde sie auf 10 Jahre schätzen. Ich habe sie wie gesagt seit rund 5 Jahren.

Das war Teil der Weihnachtsdeko eines Blumenladens. Die Verkäuferin war grade dabei ihren Shop von Weihnachtsdeko auf Frühlingsdeko umzugestalten und wollte die Mini-Weihnachtsbäumchen wegwerfen. 2 Stück hat sie mir geschenkt, einer hat meinen Gestaltungsdrang leider nicht überlebt. :-( Ich hatte zu früh und zu viel von der Spiralwurzel frei gelegt. Beim Zweiten war ich vorsichtiger und hab ihn anfangs in Ruhe gelassen.

In einen AK einzutreten hab ich auch überlegt. Aber so richtig reizt mich das nicht. Zurück zum Baum: Gilt die Zuckerhutfichte etwa als schwer zu Pflegen? Gibt es Besonderheiten auf die ich achten muss?

Danke, Julius.
Zuletzt geändert von Julius-01 am 21.09.2014, 18:42, insgesamt 1-mal geändert.

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Anja M.
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Re: Picea glauca (vermutlich)

Beitrag von Anja M. » 21.09.2014, 16:13

Man sagt, sie sei empfindlich bei direkter Sonne auf ehemals schattige Bereiche nach der Gestaltung. Wie gesagt, wenige haben die Erstgestaltung überstanden.
73 Anja

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Julius-01
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Re: Picea glauca (vermutlich)

Beitrag von Julius-01 » 21.09.2014, 18:56

Hallo Anja, Danke für den Tipp mit der Sonne.

Die Zweige lasse ich nie besonders lang werden, dadurch gibt es auch kaum welche, die übermäßig schattiert werden. Der Baum steht bei mir in der prallen Sonne, auch Mittags, aber abends gibt es im Hochsommer ab und zu was mit der Sprühpistole.
Ich hatte auch den Eindruck, dass sie nach einem stärkeren Rückschnitt etwas gerupft ausschaut. So aktuell der erste Ast auf der linken Seite. Den wollte ich etwas kürzer und kleiner haben. Bisher hat sie aber immer wieder gut ausgetrieben. Meist in 2 bis 3 "Interwallen" pro Jahr.

LG, Julius

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Re: Picea glauca conica

Beitrag von Julius-01 » 26.08.2017, 21:52

Nun nach 3 Jahren ein Update von der kleinen Zuckerhutfichte.

Letztes Jahr habe ich sie umgetopft. Die neue Schale ist etwas kleiner und schlichter. Sie passt deutlich besser zu einem Nadelbaum als die Vorherige. An der Position des Hauptastes habe ich gearbeitet. Er ist nun deutlich flacher. das habe ich durch Drahten bei gleichzeitigem Abspannen erreicht. Damit der Draht nicht einschneidet wurde er nach einem Jahr entfernt, die Position wird noch durch die Spanndrähtchen gehalten. Diese entferne ich erst nächstes Jahr.
Der Pflanzwinkel ist nun auch etwas flacher, was die Gesamthöhe des Bäumchens nun unter 20 cm bringt. :shock: :oops: Oh, ist ja jetzt ein Shohin. :lol:

Um die Position der restlichen Ästchen möchte ich mich dieses Jahr noch kümmern, da ist noch einiges zu "ungestaltet". Um bessere Rückknospung in den inneren Bereichen der Nadelpolster zu erreichen und um den Brokkoli-Wuchs einzudämmen, habe ich einige der nach oben wachsenden Triebe herausschneiden müssen. Die Triebe der Zuckerhutfichte wollen eher senkrecht nach oben wachsen als waagerecht.

Auf der linken Seite habe ich einen Ast gekürzt und einen Jin gestaltet. Da das Grün hier nun ausschließlich in Stammnähe wächst, lädt der Baum nicht mehr so sehr in die Richtung der Neigung aus. Dadurch entsteht wieder etwas mehr optisches Gleichgewicht.

Bin mal auf Eure Kritiken gespannt!
Viele Grüße,
Julius.

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Re: Picea glauca conica

Beitrag von mydear » 26.08.2017, 23:07

Hallo Julius,

erstaunlich gute Pflege, die ZHF (Zuckerhutfichte) dankt es dir *daumen_new*

Mich irritiert der lange "Schwebebalken" nach links. Spontan könnte ich mir einen kompakteren Baum vorstellen. Klar voneinander differenzierte Polster die sich die Sonne nicht steitig machen. Dazu eine runde Schale mit eingezogenem Rand. Ja, würde mir gut gefallen.
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Grüße
Rainer

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Julius-01
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Re: Picea glauca conica

Beitrag von Julius-01 » 27.08.2017, 17:27

Hallo Rainer,

die Pflege der Zhf empfinde ich nicht als schwer. Sie ist bei mir sogar ausgesprochen robust. Viel Wasser oder wenig Wasser nimmt sie alles geduldig hin. Nur zu viel Feuchtigkeit wird mit reichlich Flechten und Algen auf den Zweigen bestraft. Da muss dann ab und zu die Zahnbürste ausgepackt werden. :lol: Ansonsten volle Sonne und regelmäßig organischen und mineralischen Flüssigdünger im Wechsel.

Die großen Abstände zwischen den Astetagen finde ich nicht optimal. Ebenso die Tatsache dass die wenigen Äste nur zu den Seiten zeigen.
Als mögliche Lösung denke ich an eine Pfropfung. Ziemlich genau dort wo das X ist.

Deine Idee den Baum stark zu kappen schwebte mir auch schon im Kopf herum. Weiterhin hatte ich auch die Vorstellung nur den ersten Ast zu verwenden und den restlichen Baum als langen Jin zu gestalten.
Das ist für mich beides nur der Plan B. Ich finde Verlauf und Größenverhältnisse vom übrig bleibenden Stamm nach diesem Schritt nicht so harmonisch.
Trotzdem ist es eine Option die ersteinmal offen bleibt.
Danke für die Darstellung.

Viele grüße,
Julius
Zuletzt geändert von Julius-01 am 28.08.2017, 00:42, insgesamt 1-mal geändert.

Michael 86
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Re: Picea glauca conica

Beitrag von Michael 86 » 27.08.2017, 19:29

Hallo Julius

Irgendwie harmoniert der linke obere Ast, der nach außen wächst, für mich nicht so recht. Der Baum entflieht so stark und in einem langen geraden Teil dem Zentrum, dass eine Weiterführung dieser Richtung mich irgendwie stört. Es setzt dem ganzen nochmal eine Schippe drauf.
Wie wäre die Überlegung, diesen wieder ins Innere zu holen oder zu entfernen, vielleicht noch ein Jin draus machen?
Nach einem Entfernen, könnte der kleine oben rechts aufgerichtet werden und da ne Etage bilden.

Finde den Baum interessant und hab selbst auch ne Weihnachtsbaum ZHF
Grüße Michael :)

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Re: Picea glauca conica

Beitrag von Julius-01 » 28.08.2017, 00:40

Hallo Michael, das stimmt. Ich will auch alle rechten Äste länger wachsen lassen und bei den linken das Grün nur in Nähe des Stammes beibehalten. In der Spitze des Baumes muss ich das genauso umsetzen wie bei dem Ast unten links schon getan.
Für einen Jin ist das Material ganz oben aber noch nicht reif genug. Die Zweiglein in der Krone sind noch zu dünn um Totholz daraus zu machen. Also erstmal wachsen und reifen lassen, um sie später zu als Jin herzunehmen.

Weiterhin möchte ich die oberen Ästchen weiter auffächern. Die rechte Seite soll die Bewegung der unteren Äste aufnehmen und länger werden. Nach hinten soll in der Krone auch noch was zeigen.

Viele grüße,
Julius

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Re: Picea glauca conica

Beitrag von chris-git@rre » 28.08.2017, 08:31

Hallo Julius,
ich würde da erst mal nichts abschneiden.

Ich habe mal bei zwei ästen eingezeichnet was ich ändern würde.
Die Spitze gefällt mir noch nicht, da ist mir aber nichts eingefallen.


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lg chris-git@rre

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Manfred Jochum
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Re: Picea glauca conica

Beitrag von Manfred Jochum » 28.08.2017, 10:16

hallo zusammen,

da ich ja ein bekennender Verfechter der Gestaltung des "kleinst möglichen Baumes" bin, würde ich auch den Vorschlag von Rainer aufgreifen.
Die Bewegung ist stimmig und das virtuelle Ergebnis ist gar nicht mehr so weit weg von der Realität.

Gruß Majo
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der wirklich wichtigste Teil einer Arbeit, ist damit anzufangen.

Michael 86
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Re: Picea glauca conica

Beitrag von Michael 86 » 28.08.2017, 11:31

Vergiss, was ich geschrieben hab. Rainers und Majos Zukunftsvision ist Hammer
Grüße Michael :)

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Re: Picea glauca conica

Beitrag von Julius-01 » 28.08.2017, 13:00

Wow :o
Die Vision vom kleinst möglichen Bäumchen ist echt hübsch. Ne, sie ist der Hammer. *daumen_new*
Dann wäre die Endhöhe ca 8 cm. Ist schon echt ein Winzling.
Ich werde mir das gut überlegen. Bis dahin gestalte ich den Restlichen Baum aber als geneigten Stamm und probiere eine Pfropfung damit noch ein Rückseitenast dazu kommt. Wenns nicht so recht überzeugt, pack ich die große Schere aus und er wird dann ein echter Mini.

Schon mal danke für alle Tipps und Virtualisierungen die bisher gezeigt wurden.
Der untere linke Ast gefällt mir momentan recht gut. Aber wie Chris schon sagt ist die Spitze noch weniger toll. Vielleicht bastel ich mal ein Virtual um tu zeigen was ich mir da denke,

Viele Grüße,
Julius

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Manfred Jochum
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Re: Picea glauca conica

Beitrag von Manfred Jochum » 28.08.2017, 13:28

Ich werde mir das gut überlegen. Bis dahin gestalte ich den Restlichen Baum aber als geneigten Stamm und probiere eine Pfropfung
ich bin ehrlich gesagt froh, dass du das so angehen willst.
Erst mal anschauen, überlegen und dann mit Bedacht handeln...... ist auch meine Vorgehensweise.

Die kleine Krone kann man schon anfangen zu gestalten, ohne dass der Rest fallen muss.
Den Hauptstamm so radikal zu kappen, kann wurzeltechnisch auch Probleme machen bzw. in die Hose gehen....... und dann war`s das.
Lieber noch damit arbeiten und auch mal was ausprobieren.
Erst wenn du das Gefühl hast, dass der erste Ast ausreichend power hat, kann man an ein endgültiges Reduzieren denken...... solange ist virtuelles Arbeiten am Baum eine gute Alternative .... manchmal kommen noch weitere gute Ansätze und Lösungen zum Vorschein.
Bin auf deine schon gespannt....

Gruß Majo
der wirklich wichtigste Teil einer Arbeit, ist damit anzufangen.

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