Pinus Mugo Abmoosung 10.08.13

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Herbert A
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Pinus Mugo Abmoosung 10.08.13

Beitrag von Herbert A »

Servus an alle

Heute war ich im Gebirge um nachzusehen ob eine im August 2013 abgemooste Mugo reif für die Ernte ist.
Der Baum ist mehr als 100 Jahre alt und steht auf einem großen Felsen. Da dort nur sehr wenige Nährstoffe sind, habe ich dem Baum 2 Jahre Zeit gelassen um Wurzeln an der Abmoosstelle zu machen. Heute also wurde es spannend.

Hier ein paar Bilder einer 100-jährigen die noch mal so richtig durchstarten möchte :-)

Abmoosung 10.8. 2013.
10.08.13
10.08.13
Hier sieht man das es eigentlich nur ein Ast ist. Das freut mich immer sehr, weil da die Mutterpflanze ungehindert weiterwachsen kann.
003 10.08.13.jpg
Ein Teil des Stammes ist schon Totholz. Das macht aber überhaupt nichts.
Abmoosung
Abmoosung

Heute, fast zwei Jahre nach dem Abmoosen habe ich kontrolliert ob ausreichend Wurzeln gewachsen sind. Bei Mugos ist das ja kein Problem. Funktioniert mindestens so gut wie beim Dreispitzahorn. Es dauert halt manchmal etwas länger.

Die alte Dame hat sich mächtig ins Zeug gelegt und hat das ganze Sphaghnummoos total durchwurzelt.
Mehr als genug Wurzeln.
Mehr als genug Wurzeln.
Die Wurzeln sind sehr stark um das Moos gewachsen. Das Moos wurde regelrecht zusammengequetscht. Daher kommt der Baum vorerst einmal in einen Kübel mit Wasser damit das Moos etwas aufquillt.
008 01.08.15.jpg
Das hat aber nicht viel genutzt. Vier Stunden habe ich mit der Pinzette und einem Essstäbchen die Wurzeln herausgefieselt.
Ich entferne das Moos immer zur Gänze. Beim einsetzen mit Moos habe ich bisher keine guten Erfahrungen gemacht.
013 01.08.15.jpg
na endlich nach 4 Stunden ist das Moos entfernt.
na endlich nach 4 Stunden ist das Moos entfernt.
Jetzt kann ich auch den Stamm unterhalb der Abmoosstelle noch etwas einkürzen. Das ging vorher nicht, weil da die Wurzeln beschädigt worden wären.
020 01.08.15.jpg
Als ich die alte Dame in der Trainingsschale hatte, war es 22.00 Uhr und ich hatte kein geeignetes Licht mehr um ein Foto zu machen. Das werde ich die nächsten Tage nachholen.

ciao
Herbert Aigner
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Stefan K.
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Re: Pinus Mugo Abmoosung 10.08.13

Beitrag von Stefan K. »

Hallo Herbert,

Sehr schön *daumen_new*

Ich hab auch noch so einen
Kandidaten seid Mai 2013 amBerg rumstehen.
letztes Jahr im Herbst war da noch nix
Mit Wurzeln.
Hatte mir auch vorgenommen in den nächsten
ein bis zwei Wochen nachzuschauen.
Hoffentlich siehts bei mir auch so gut aus.
:-D
Ich hab Spass !
grüsse aus tirol stefan

Daniel-San
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Re: Pinus Mugo Abmoosung 10.08.13

Beitrag von Daniel-San »

Hallo zusammen

Vielen Dank für den lehrreichen Beitrag.
Eine Abmoosung vor Ort hatte ich schon paar mal als beste Lösung für die Bergung bestimmter Pflanzen im Auge, habe das aber nie wirklich versucht weil mir nicht klar war wie die Stelle feucht bleiben soll da ich die Abmoosung sich selberüberlassen müsste und nicht regelmässige Kontrollen machen könnte.
Das Thema beschäftigt mich sehr und ich hätte da noch ein paar Fragen.

- Wie verpackt ihr die Stelle, dass sie immer feucht bleibt? Ich denke wenn das Spagnum
abtrocknet vertrocknen auch schnell die entstandenen Wurzeln
- Habt ihr Erfahrung wann der beste Zeitpunkt für die Ausführung des Schnittes für die Abmoosung ist?

Besten Dank für den sehr interessanten Bericht
Grüsse Daniel

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Herbert A
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Re: Pinus Mugo Abmoosung 10.08.13

Beitrag von Herbert A »

Daniel-San hat geschrieben:- Wie verpackt ihr die Stelle, dass sie immer feucht bleibt? Ich denke wenn das Spagnum abtrocknet vertrocknen auch schnell die entstandenen Wurzeln
Servus Daniel,

Daniel, um den Rindenstreifen gibt man Sphagnummoos und umwickelt das Moos mit Plastikfolie. Dann wird das Ganze leicht zugeschnürt. Oben lasse ich etwas Moos herausschauen damit es Wasser ziehen kann wenn es regnet.
Da vertrocknen keine Wurzeln. Das kannst du ohne Probleme 2 Jahre dranlassen. Nachschauen gehe ich nie.

Abmoosen kann man mit Ausnahme vom Winter immer. Der Baum sollte aktiv sein, damit er den Schnitt bald verschließen kann und keine Pilze eindringen können.

ciao
Herbert
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Sanne
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Re: Pinus Mugo Abmoosung 10.08.13

Beitrag von Sanne »

Hallo Herbert,

vielen Dank für den interessanten Bericht und die anschaulichen Fotos. *daumen_new* Freut mich sehr, dass es mit der Abmoosung so gut geklappt hat.

Ich frage mich, wie lange es wohl dauern wird, bis sich ein schönes Nebari entwickelt. Über weitere Updates würde ich mich freuen.

Viele Grüße, Sanne

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Herbert A
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Re: Pinus Mugo Abmoosung 10.08.13

Beitrag von Herbert A »

Sanne, in 6-7 Jahren sind die Oberflächenwurzeln Fingerdick.

Vorgehensweise: Jetzt steht der Baum vorerst einmal 3 Jahre unangetastet in der Trainingsschale. Dann wird umgetopft und dabei schneidet man viele Wurzeln am Stammansatz ab. Die verbleibenden müssen dann umso mehr "arbeiten" und werden dabei schnell dicker.

lg
Herbert
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Sanne
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Re: Pinus Mugo Abmoosung 10.08.13

Beitrag von Sanne »

Danke für Deine Antwort bzw. Info. Das hätte ich in so kurzer Zeit nicht vermutet. Weiterhin viel Erfolg mit der Bergkiefer.

LG, Sanne

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Herbert A
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Re: Pinus Mugo Abmoosung 10.08.13

Beitrag von Herbert A »

Heute war ich im Garten und hab den Baum in der Schale fotografiert. Wegen des noch üppigen Grüns sieht man die Feinheiten des Baumes leider noch nicht. Aber die nächsten 10 Jahre wird wohl das eine oder andere update mehr und mehr Klarheit bringen.

Die Höhe des Baumes ist derzeit ca 90 cm.
021 02.08.15.jpg
ciao
Herbert
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Daniel-San
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Re: Pinus Mugo Abmoosung 10.08.13

Beitrag von Daniel-San »

Hallo Herbert

Vielen Dank für deine Erläuterung. Ich denke das wichtigste ist den Baum gesund vom Berg zu bringen. Ein weiteres Risiko die Pflanze zu verlieren bringen jeweils die ersten Umtopfungen, da möchte man weiter kommen um den Baum mal in eine kleine Schale zu kriegen, muss aber die Balance finden die Gesundheit des Baumes nicht stark zu gefährden.
Wie ich sehe, konntest du den Baum in eine kleine Bonsaischale pflanzen. Ich glaube, dass dies ein weitaus sanftere Methode als das ausgraben ist. Der Baum kann die nächsten Jahre Schrittweise zulegen und wird nicht mehr durch starke Wurzelrückschnitte gebremst. Da holst du die Zeit für die Abmoosung sicher wieder ein.
Ich wünsche gutes Gelingen
Grüsse Daniel

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Herbert A
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Re: Pinus Mugo Abmoosung 10.08.13

Beitrag von Herbert A »

Servus an alle
der Mugo geht es gut. Im ersten Jahr nach der Abtrennung hat sie wie zu erwarten nur sehr kurze Triebe gemacht. Der Knospenansatz für das kommende Frühjahr sieht schon ganz gut aus.
033 26.08.16.jpg
Im Moment schläft sie tief und fest unter der Schneedecke.
036 08.01.17.jpg
lg
Herbert
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Carmen_G.
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Re: Pinus Mugo Abmoosung 10.08.13

Beitrag von Carmen_G. »

Klasse Herbert! *daumen_new*

Vor allem gefällt mir die schonende Art und die guten Erfolgschancen. Gerade wenn man schaut was sonst alles an Bäumen ausgegraben wird und dann leider nicht überlebt.
Auch daß es sich "nur" um einen interessanten Ast handelt und der Ursprungsbaum weiterhin an seinem Standort wachsen darf, macht mir diese Methode sehr sympathisch.

Dein Baum sieht auch so richtig fit aus und bin schon gespannt wie sich die Mugo in Zukunft weiter entwickelt.

Danke für den interessanten Bericht.
Liebe Grüße
Carmen

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Chri
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Re: Pinus Mugo Abmoosung 10.08.13

Beitrag von Chri »

Hat gut Schnee in Salzburg was.^^

Warum hast du beim Rindenstreifen ein Eck gelassen und den nicht durchgezogen?
Ist das schon alles toter Bereich?
Mit freundlichen Grüßen,
Christoph

Michael 86
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Re: Pinus Mugo Abmoosung 10.08.13

Beitrag von Michael 86 »

Hallo Herbert

Das finde ich mehr als interessant. Ich bin bei den letzten Spaziergängen schon an Bäumen vorbei gekommen und gedacht ''zu blöd dass man ein Baum im Wald nicht abmoosen kann ''
einige sind schon deutlich dicker, als dass ich mich ans ausgraben trauen würde. Man weiß ja auch nicht so recht, wie es unter der Erde aussieht und wie viele Wurzeln letztlich übrig bleiben. Möglicherweise ist es auch leichter eine Genehmigung zu erhalten.
Ich hätte dazu noch einige Fragen, wenn es dir recht ist. Gerne auch per pn. Will dein Thema nicht zu sehr zumüllen. Gegebenenfalls löschen lassen.
- Bei welchem Baum funktioniert es mit diesem System? Kiefern gelten wohl als weniger empfindlich.
- Wie lange ist die überbrückbare Trockenzeit im Hochsommer bei anderen Pflanzen?
- Wie viel Moos hast du verwendet?
- Wurzelhormon benutzt?
- Muss die Stelle vor Sonne geschützt werden?
- Für Anfänger empfehlenswerter als ausgraben?
- Wie sieht es bei weniger frostfesten Pflanzen im Winter aus?
Grüße Michael :)

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Herbert A
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Re: Pinus Mugo Abmoosung 10.08.13

Beitrag von Herbert A »

@ Christoph, ja, das war bereits Totholz.

@ Michael, wir machen das hier. Vielleicht interessiert es ja auch andere.

- Bei welchem Baum funktioniert es mit diesem System? Kiefern gelten wohl als weniger empfindlich.
Die Abmoosung am Stamm oder am Ast geht am besten bei Mugos. Keine oder nur sehr schlechte Wurzelbildung bei Pinus Sylvestris, Fichten, Lärchen. (Hier kann man auf Abmoosung der Wurzeln ausweichen)

- Wie lange ist die überbrückbare Trockenzeit im Hochsommer bei anderen Pflanzen?
Trockenheit ist kein Problem. Das Sphagnummoos bleibt feucht (oben am Plastik Moos herausstehen lassen)

- Wie viel Moos hast du verwendet?
eine etwa 5 cm dicke Schicht um den Ring. siehe Foto

- Wurzelhormon benutzt?
nein, noch nie benutzt.

- Muss die Stelle vor Sonne geschützt werden?
Das wäre der größte Fehler. Die Abmoosstelle sollte in der vollen Sonne sein. Wärme ist unbedingt notwendig.

- Für Anfänger empfehlenswerter als ausgraben?
unbedingt. Bei Kiefern 99,9% Erfolgsquote.

- Wie sieht es bei weniger frostfesten Pflanzen im Winter aus?
bisher kein Problem festgestellt. Ich nehme an dass der Baum den Wurzeln im Plastiksack stark Wasser entzieht und so das Überleben der Wurzeln sichert.

lg
Herbert
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Michael 86
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Re: Pinus Mugo Abmoosung 10.08.13

Beitrag von Michael 86 »

Danke vielmals für die Antwort Herbert
Wie sieht es bei Laubbäumen aus?
Oder ist dort Ausgraben besser?
Speziell Rotbuchen. ...
Grüße Michael :)

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