Metasequoia als Gartenbonsai

Allgemeine Philosophie, Stilarten, Techniken, Vorstellung und Besprechung von Rohmaterial sowie lose Sammlung von Entwicklungs-Dokus
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oberbiffe
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Metasequoia als Gartenbonsai

Beitrag von oberbiffe »

Hallo,
erst mal möchte ich mich in diesem Forum hier vorstellen.

Mein Name ist Bernhard, komme aus der Gegend um Regensburg und bin 38 Jahre alt.
Meinen ersten Bonsai legte ich mir mit ca. 20 Jahren auf dem Tollwood Festival in München zu.
Die kleinen Bäume begeistern mich schon sehr lange, da mein Vater mit bescheidenem Erfolg verschiedenste Bäume pflegt.

Meine "Erfolge" sind bislang eher als ausbaufähig zu bezeichnen, da ich bislag ohne Garten auskommen musste und
beinahe alle meine Bäume der trockenen Wohnungsluft im Winter zum Opfer fielen...

Einzig ein hartnäckiger Junischnee, den ich seit 2004 mein eigen nenne und ein Pfeffer von 2008 haben überlebt.
Der Hauptstamm des Junischnee fiel einem Frostschaden zum Opfer, konnte aber einen Nebentrieb retten.
Dieser entwickelt sich toll. Ich werde hierzu noch einen eigenen Thread eröffnen...

Nun zu meinem Vorhaben:

ich habe in einem Gartenbaubetrieb einen Urweltmammutbaum erstanden.
Ca. 4,5m hoch, der Verkäufer meinte er sei wohl 6 Jahre alt.
Er steht relativ frei auf unserem Grundstück.

Nun zu meiner Frage, bzw. meinem Vorhaben:

Ist es möglich den Mammut als eine Art Gartenbonsai zu pflegen?
Meine Vorstellung wäre den Baum in seiner Höhe weitestgehend zu erhalten und wie bei einem Bosai die Wachstumsenergie
durch geeigneten Schnitt in die Stammentwicklung über zu leiten.
In meinem Kopf habe ich einen 4-5m hohen, alten und knorrigen Mammutbaum.

Oder ist es bei einem frei gepflanzen Baum nicht möglich, da das Wurzelwachtum nicht kontrolliert werden kann.

Ich freue mich auf eure Kommentare

Gruß

Bernhard
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Gruß

Bernhard

Kanna
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Re: Metasequoia als Gartenbonsai

Beitrag von Kanna »

Hi

Grundsätzlich ist das möglich.

Wenn Du allerdings einen dickeren Stamm haben willst, dann lass den Baum noch einige Jahre durchtreiben. So bekommst Du am ehesten einen dickeren Stamm. Zusätzlich kann man in den Boden noch Hornspäne im Frühjahr und Sommer mit einarbeiten, als zusätzliche Nährstoffquelle.

Wenn Der Baum dann irgend wann deine gewünscht dicke hat, kannst Du ihn wieder auf das gewünschte Maß zurücknehmen und dann mit dem Astaufbau beginnen. Ich bin kein Fachmann von Urweltmammuts, aber ich glaube das die sehr gut aus alten Holz treiben.

In den darauffolgenden Jahren musst Du dann halt regelmäßig zurückschneiden. Man könnte das Wachstum dann auch etwas bremsen indem man mit dem Spaten um die Pflanze drumherum sticht um die Wurzeln zu kappen. Aber das ist Zukunftsmusik :)


Grüße

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oberbiffe
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Re: Metasequoia als Gartenbonsai

Beitrag von oberbiffe »

Hallo Kanna,

vielen Dank für deine Einschätzung.

Auf der einen Seite stimme ich dir zu den Baum erst mal noch weiter wachsen zu lassen.
Jedoch wäre dann die Stammschnittstelle doch um einiges größer...
Habe hier im Forum bei einigen usern gelesen, dass der Mammutbaum doch sehr zickig ist, was die Überwallung dieser Wunde angeht.
Das wiederum spräche für einen frühen Beschnitt.

Was ich noch vergaß zu schreiben...
Der Baum wurde dieses Jahr im Juni gepflanzt, ist sehr gut angewachsen und hat wunderschöne neue Triebe bekommen.
Ich denke man sollte demnach erst nächstes Jahr mit dem Beschnitt anfangen, wenn er komplett im Boden eingewachsen ist.

Gruß

Bernhard
Gruß

Bernhard

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Waya
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Re: Metasequoia als Gartenbonsai

Beitrag von Waya »

Vielleicht zuerst zur Klärung: Möchtest du einen Niwaki, den man hier falscher Weise als "Gartenbonsai" bezeichnet, also einen Baum mit stark strukturierten Etagen. Oder willst du einfach nur einen Baum so erziehen, dass er aussieht wie die große, natürlich gewachsene Entsprechung?


Bei deinen Schnittmaßnahmen usw. vergisst du eins: Der Baum steht in der Erde und nicht in einem Gefäß mit begrenzten Wurzelraum. Das heißt, der kann im Verhältnis sehr viel mehr Nährstoffe und Wasser aufnehmen, als es ein Baum in einem Gefäß könnte. Entsprechend verhält sich dann auch der Wundverschluss anders, einfach weil das Wachstum anders ist. ;)


Im Juni einen Baum Pflanzen ist auch eher gewagt... Habt ihr den dann regelmäßig bewässert? Woran machst du fest das der dann wirklich schon richtig angewachsen ist? Ich hoffe die Pflanzmulde war breit genug und der Baum wurde eingeschlemmt...
Gruß, Claudia

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oberbiffe
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Re: Metasequoia als Gartenbonsai

Beitrag von oberbiffe »

Hallo Claudia,

ich möchte definitiv Zweiteres, dass der Baum natürlich gewachsen aussieht.

Der Baum hat 3-4 Wochen nach dem Einpflanzen überall neue, junge hellgrüne Triebe bekommen.
Somit gehe ich davon aus, dass er gut angewachsen ist.
Meist ist es doch so, wenn eine Pflanze gut aussieht, geht es ihr auch gut.

Die Pflanzmulde war doppelt so groß wie der Topf in dem der Baum stand und wurde mit sehr guter Pflanzerde aufgefüllt.
Ich habe einen Gießrand um die Baumscheibe angehäuft und ihn ordentlich eingeschwemmt.
Von da ab fast täglich gegossen, war bei diesem Sommer auch notwendig...

Gruß

Bernhard
Gruß

Bernhard

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oberbiffe
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Re: Metasequoia als Gartenbonsai

Beitrag von oberbiffe »

Hallo,

ich möchte heute mal mein "Mammutprojekt" updaten.

Der Baum hat sich sehr gut entwickelt!
Er ist in den zwei Jahren um ca. 1.5m gewachsen und hat ca 3cm an Stammdurchmesser zugelegt.
Die Rinde ist auch schon schön rissig, was mir bei den Mammuts eben so gut gefällt.
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Gruß

Bernhard

Andreas Ludwig
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Re: Metasequoia als Gartenbonsai

Beitrag von Andreas Ludwig »

Wie wirst du der Apikaldominanz begegnen?
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bonsaiheiner
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Re: Metasequoia als Gartenbonsai

Beitrag von bonsaiheiner »

Andreas Ludwig hat geschrieben:
06.07.2017, 13:39
Wie wirst du der Apikaldominanz begegnen?
...indem Bernhard den Stamm im Radius von 25-30 cm senkrecht mit dem Spaten umsticht, in etwa 55-60 cm Höhe auf breiter Strecke die Rinde entfernt (für einen späteren Spitzen-Jin), den oberen Teil abmoost, sich auf die zahlreichen Neutriebe darunter erfreut, die noch dieses Jahr erscheinen werden und den Baum damit für eine Weiterkultur in der Schale vorbereitet.
Da der " längste Tag " bereits hinter uns liegt, wäre zu überlegen, die Abmoosung auf das nächste Jahr zu verschieben. Wenn ihm die Abmoosung egal ist, kann er jetzt noch an der beschriebenen Stelle kappen, deren Höhe von den unteren Ästen abhängt. Ich wage mal eine Prophezeiung: Wenn Bernhard hier im Forum noch länger aktiv bleibt und das Bonsaivirus so allmählich seine Virulenz zu entfalten beginnt, wird er sich ohnehin von dem Gedanken "Gartenbonsai" verabschieden.
Gruss,
Heiner
Ein Tag ohne Beschäftigung mit Bonsai ist ein verlorener Tag!

Andreas Ludwig
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Re: Metasequoia als Gartenbonsai

Beitrag von Andreas Ludwig »

Oha. Ich fand den Gedanken eines gepflegten Gartenbaums ganz schön. Es gibt bekanntlich ein Leben aussserhalb der Schale. Aber ich hätte den Wipfel schon stark zurückgeschnitten.
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oberbiffe
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Re: Metasequoia als Gartenbonsai

Beitrag von oberbiffe »

Hallo Andreas, Heiner,

vielen Dank für eure Antworten.

@Andreas: ganz ehrlich habe ich mich mit dem Problem noch nicht auseinander gesetzt.
Ich will ihn noch mindestens 3-4 Jahre wachsen lassen, dann den Haupttrieb stark zurück schneiden.
Dies ist auch davon abhängig wann sich ein Trieb als neue Spitze heraus kristallisiert...bislang kann ich da noch nix erkennen.

@Heiner: hab deine Antwort erst ein paar mal lesen müssen um alles zu verstehen
Deiner Meinung nach funktioniert die Haltung/Gestaltung eines Gartenbonsais nicht?
Die Vorstellung eines "Zwerg-Mammuts" gefällt mir nämlich schon sehr!
Der untere Teil des Mammuts wäre schon ein ganz ansehnlicher Bonsai, richtig.
Wenn man den Baum an der Stelle abmoost, wäre es dann eigentlich möglich den Unterteil als Bonsai vorzubereiten und den oberen Teil wieder einzupflanzen und weiter wachsen zu lassen?
Zuletzt geändert von oberbiffe am 09.04.2019, 14:41, insgesamt 1-mal geändert.
Gruß

Bernhard

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lager_indica
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Re: Metasequoia als Gartenbonsai

Beitrag von lager_indica »

oberbiffe hat geschrieben:
12.07.2017, 12:58
Wenn man den Baum an der Stelle abmoost, wäre es dann eigentlich möglich den Unterteil als Bonsai vorzubereiten und den oberen Teil wieder einzupflanzen und weiter wachsen zu lassen?
Genau das kannst du machen. Nach dem Trennen der Abmoosung würde ich oberhalb des 1. Astes schräg abschneiden, den 1. Ast als neue Spitze hochdrahten und alles 2 - 3 Jahre frei wachsen lassen. Dann hättest du die Chance, eine Stammverjüngung hinzu bekommen.
Den abgemoosten Teil einpflanzen und gut festbinden.

Andreas Ludwig
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Re: Metasequoia als Gartenbonsai

Beitrag von Andreas Ludwig »

Aus dem Standardwerk «Bonsai – Grundformen eines Zwangs»

«Furor Bonsai»: Eine psychotische Erkrankung, die sich dadurch bemerkbar macht, dass Betroffene jedwedes verholzende Gesträuch zwanghaft in Bonsaiform bringen wollen. Gewöhnlich tritt die Erkrankung in einem frühen Stadium der Beschäftigung mit Bonsai auf und dauert nicht selten einige Jahre. Aufgrund der Selbst- und Fremdgefährung (Zerstörung von Gartenpflanzen, Waldfrevel, Verarmung, gelegentlich auch Auszehrung) ist die Störung aber durchaus ernst zu nehmen.

Bernhard – vielleicht ist dieser Mammutbaum einfach ein Gartenbaum. Wenn du ihn als solchen behandelst, wird es durchaus ein schöner Gartenbaum, denke ich.
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Peter L
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Re: Metasequoia als Gartenbonsai

Beitrag von Peter L »

Hallo Bernhard,

für mich hört sich die Idee gar nicht so schlecht an, zu versuchen einen General Grant oder General Sherman in klein zu gestalten.

Wie Andreas bin ich auch der Meinung es muss nicht alles in Schalen was nach Baum ausschaut. Bei mir steht eine Quercus Rubra, Roteiche, seit ca. 20 Jahren im Garten, die ich aus einer Eichel gezogen habe und eigentlich auch in eine Schale sollte. Diese Eiche ist ca. 3m hoch und durch ständigen Rückschnitt versuche ich ihr das Aussehen eines Baumes zu geben.

Beim Betrachten Deiner Bilder vom Metasequoia blicke ich immer wieder auf das mit "Mammut seitlich.jpg" bezeichnete. Meine erste Überlegung ist jetzt über dem rechten Ast, der schon eine sehr starke Aufwärtsbewegung zeigt, den Baum zu kappen und diesen rechten Zweig ebenfalls weg zu nehmen. Der linke unterste Ast sollte dann ein paar Jahre mehr oder weniger frei wachsen können. Hierbei wird Dein angestrebtes Bild eines geraden Stammes nicht mehr umgesetzt werden können, aber warum nicht mal über andere Formen nachdenken.

Der zweite Gedanke ist nun mit dem Bild vom General Grant vor Augen den Baum so ca. auf der Hälfte zu kappen und mit den oberen Ästen anfangen die Krone aufzubauen. Die Spitzenäste immer wieder zurück nehmen so das Deine angestrebte Höhe beibehalten wird. Bei dieser Variante wirst Du immer mit einer Leiter arbeiten müssen aber auch das sollte kein Problem sein.

LG Peter

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oberbiffe
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Re: Metasequoia als Gartenbonsai

Beitrag von oberbiffe »

Hallo Andreas,

danke für deinen Kommentar.
Dieser Mammut wurde von mir im Gartencenter gekauft und eingepflanzt, mit der Absicht daraus einen Gartenbonsai zu gestalten.
Es ist nicht so, dass der Baum bei mir im Garten stand und ich mir gedacht habe "hey, den will ich mal verbonsaien".
Auch wenn ich erst um die 20 Posts hier habe, pflege ich nicht erst seit gestern das Hobby Bonsai.
Steht auch in meiner Einleitung...
Manche Techniken sind für mich eben Neuland, da ich dazu bisher in Mietwohnungen keine Möglichkeit hatte.

Nichtdestotrotz hat dein Einwand natürlich auch seine Berechtigung.
Ich bin schon oft davor gesessen und hab mir gedacht "lass ihn einfach stehen und wachsen", weil er mir einfach sehr gut gefällt.
Es ist ja noch nichts entschieden und Möglichkeiten gibt es viele.

Peter,

wenn ich ihn wirklich abmoose, werden sich eh wieder neue Triebe bilden.
Hier muss man dann sowieso komplett neu beurteilen...
Die benannte Stelle ist aber sicher die richtige.

Mit der Leiter muss ich jetzt für die begleitenden Pflegeschnitte auch schon arbeiten, das ist kein Problem.
Gruß

Bernhard

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oberbiffe
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Re: Metasequoia als Gartenbonsai

Beitrag von oberbiffe »

Hallo,

heute habe ich die Abmoosung an meinem Mammut vorgenommen.
Auf ca 2,5m Höhe werde ich den Baum kappen.
Der untere Teil wird dann als Gartenbonsai gestaltet und der obere wird in einer Schale hoffentlich einen schönen Bosai abgeben.
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Gruß

Bernhard

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