überbordende Wundheilung/Überwallung: wie vorgehen?

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mydear
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überbordende Wundheilung/Überwallung: wie vorgehen?

Beitrag von mydear » 25.02.2017, 15:04

Hallo,

wie kann ich bei großen Wunden eine saubere Vernarbung unterstützen?
An meinen Feldahornen und Zelkoven führte die Vernarbung teilweise zu überbordenden Kalluswülsten. Insbesondere wenn Äste in unmittelbare Nähe viel "Saft" ziehen.

Beispiel Feldahorn: den linken Kallusrand habe ich im Mai 2016 stark nachgeschnitten. Um die Wunde kleiner zu halten habe ich den Kallus links unten erst noch belassen. Der wird im April 2017 nachgeschnitten. Alle Wundränder wurden sorgsam mit dem Messer/Skalpell geglättet, japanische Knetmasse aufgetragen.

Wie macht ihr es? Laßt ihr in unmittelbarer Nähe Äste stehen die viel "Saft" ziehen und dadurch die Heilung schneller vorankommt? Oder entfernt ihr benachbarte Äste um den Kallus nicht so stark anschwellen zu lassen (zB Bild 1+2 Triebe links oben)
2015-05-09.jpg
Mai 2015 Feldahorn
2015-08-25.jpg
August 2015
2016-03-07.jpg
März 2016
2016-05-13.jpg
Mai 2016
2016-08-13 .jpg
August 2016
2016-08-13.jpg
August 2016
2016-11-04.jpg
November 2016
2016-11-12 .jpg
November 2016
Zu den letzen beiden Bildern:
wachsen irgendwann Äste aus Kallusgewebe? An den Rändern ja, nur aus dem Kallus selbst kam noch nichts. Der Schnitt dürfte 8 Jahre alt sein, ganz zugewachsen seit 2013.
2016-11-12.jpg
wachsen aus Kallusgewebe später wieder Äste? Nov 2016
2014-04-17.JPG
April 2014
2014-04-17.JPG (206.08 KiB) 2324 mal betrachtet

Grüße,
Rainer
Zuletzt geändert von mydear am 10.06.2019, 23:00, insgesamt 1-mal geändert.

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mydear
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Re: überbordende Wundheilung: wie vorgehen?

Beitrag von mydear » 21.08.2017, 23:02

Hallo,

schade, dass das Thema Wundheilung offenbar niemanden interessiert.

Ich ritze bei großen Wunden den Kallus mit einem scharfen Messer jährlich an. Ein leichtes Verletzen stimuliert das Überwallen erneut. Hier meine Lieblingswerkzeuge:
Messer-1.jpg
Messer mit Japanstahlklinge
Messer-2.jpg
Hier drei Bilder die Wunden vorher und nachher zeigen:
- bei Bild 1 war links Saftstau und Verdickung des Kallus. Die Kerbe half dass die Verdickung nicht weiter wucherte. Der Saftstrom wurde besser abgeleitet
- Bild 2 zeigt das sanfte Anritzen rundum
- Bild 3 nach Schnitt mit der Konkavzange und Glätten des Wundrandes mit dem Messerskalpell
In allen Fällen sieht man, dass trotz guter Abheilung trotzdem eine seitlich überstehende Verdickung entsteht. Mich würde interessieren ob es in Japan Spezialisten gibt die das verhindern können? Heike hatte ja mal Gegendruck mit Kabelbindern als Alternative genannt. Mich würden Bilder interessieren.

Bild
5D532D32-A077-4314-87AE-02394B14BEC9.jpeg
Update: August 2019: zugewachsen, schön ist aber was anderes.... Zumindest hat der Ahorn gemäß Codit-Prinzip die gefährdete Stelle komplett abgeschottet
5D532D32-A077-4314-87AE-02394B14BEC9.jpeg (287.49 KiB) 173 mal betrachtet
Bild
Bild

Und hier noch die Kopf-Schnittstelle an einem Acer Palmatum Deshojo. Der Wundrand wurde 2016 und 2017 an der grünen Linie angeritzt. Unten werde ich den leicht überstehenden Rand noch leicht kürzen und mit Wundpaste abdecken.
2017-08-20 -AP-1.jpg
August 2017
2017-08-20 -AP-1.jpg (52.27 KiB) 1848 mal betrachtet
2017-08-20 -AP-2.jpg
2017-08-20 -AP-2.jpg (50.95 KiB) 1848 mal betrachtet

Grüße
Rainer
Zuletzt geändert von mydear am 03.08.2019, 23:43, insgesamt 2-mal geändert.

chris-git@rre

Re: überbordende Wundheilung: wie vorgehen?

Beitrag von chris-git@rre » 21.08.2017, 23:57

Hallo Rainer,
meine Erfahrung beim Grünen Fächerhorn.

Die Wunden werden recht dick.
Anders als bei anderen Arten.
Also besser so große Wunden vermeiden.
Besonders bei kleinen Bäumen.

Bei einem großen Baum bekommt man das wohl noch hin das es einigermaßen gut aussieht.
Aber bei Shohin muss man echt aufpassen.
Dann lieber mit Jungpflanzen arbeiten und öfters schneiden.
Oder viel Geld ausgeben. :wink:

chris-git@rre

Re: überbordende Wundheilung: wie vorgehen?

Beitrag von chris-git@rre » 22.08.2017, 07:35

mydear hat geschrieben:
25.02.2017, 15:04

wie kann ich bei großen Wunden eine saubere Vernarbung unterstützen?
An meinen Feldahornen und Zelkoven führte die Vernarbung teilweise zu überbordenden Kalluswülsten. Insbesondere wenn Äste in unmittelbare Nähe viel "Saft" ziehen.

Bei meiner Zelkove bin ich was die Wundheilung angeht zufrieden:

viewtopic.php?f=9&t=37758



2014

Juni 2014.jpg
Juni 2014

2015

Juni 2015.jpg
Juni 2015
Juni 2015.jpg (62.47 KiB) 1795 mal betrachtet
November 2015 1.jpg
November 2015
November 2015 2.jpg
November 2015
November 2015 3.jpg
November 2015
November 2015 4.jpg
November 2015

2017

Juli 2017 1.jpg
Juli 2017
Juli 2017 2 .jpg
Juli 2017

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mydear
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Re: überbordende Wundheilung: wie vorgehen?

Beitrag von mydear » 22.08.2017, 12:08

Hallo Chris,

wow, die -im Verhältnis zum Stamm- recht großen Gipfel-Schnittstellen sind ja super zugewachsen. Erstaunlich, dass das so flach überwallt ist.
Was könnten deiner Meinung nach die entscheidenden Faktoren gewesen sein? Langsame Abheilung? Viel oder wenig Laub? Zeitraum? Art des Schnittes? Werkzeuge? Wundverschluss? Zufall?

Grüße
Rainer

chris-git@rre

Re: überbordende Wundheilung: wie vorgehen?

Beitrag von chris-git@rre » 22.08.2017, 12:24

Hallo Rainer,
das kann ich Dir leider nicht sagen.

Ich habe ja auch eine Wunde ohne Wundverschluss.
Die heilt auch gut.
Ich habe mit einer Konkavzange geschnitten.
Bis jetzt auch nicht nachgeschnitten.
Übermässig wachsen lassen habe ich auch nicht.

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Re: überbordende Wundheilung: wie vorgehen?

Beitrag von Seamstress » 22.08.2017, 13:08

Das Thema interessiert mich brennend, da ich einen Ahorn habe den ich stark eingekürzt habe.
Ich hatte ihn 2014 gekauft und er ist 2015 ins Beet gewandert, hat Stammdicke gut zugelegt und ist im Frühjahr in eine Bonsaischale gewandert.
Da ich recht unsicher war habe ich ihn in Enger Topfen lassen und die meinten ich sollte den Stummel erst mal stehen um zu sehen wie weit er zurücktrocknet.
Aber irgendwie sagt mir mein Bauchgefühl das das nicht passt.
Und ich glaub Totholz beim Ahorn geht nicht. Berichtigt mich bitte wenn etwas falsch ist.
Um eine saubere neue Spitze aufzubauen, was soll ich tun?
Bevor ich einen Ast hochdrahte muss der Stumpf weg.

a. Wann
B. Wie
Bilder kommen sofort

Viele Grüße aus dem Tecklenburger Land

Christa :-D

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Re: überbordende Wundheilung: wie vorgehen?

Beitrag von MichaelL » 22.08.2017, 13:12

Hallo Rainer,
Wegen Austrieben aus Kallusgewebe... Neue Äste bilden sich aus Knospen, auch schlafenden Knospen. Die sind eigentlich nur dort, wo mal ursprünglich Blätter gesessen habe. Neben den Blattknospen entstehen auch immer sogenannte Proventivknospen, quasi als Ersatz. Wenn sie sich nicht entwickeln, bleiben sie im sich verdickenden Stamm zwar erhalten, aber man erkennt sie nicht mehr. Die können durch Schnitt angeregt werden. Kallusgewebe enthält keine solchen Knospen - daher bleibt die Stelle nackt.

Gruß Michael

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Re: überbordende Wundheilung: wie vorgehen?

Beitrag von Seamstress » 22.08.2017, 13:14

BildBild


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Re: überbordende Wundheilung: wie vorgehen?

Beitrag von Chri » 22.08.2017, 13:46

Irgendwo hab ich hier mal ein Thema durchgelesen wo das aufgeschlüsselt wurde was wirklich Kallusgewebe ist da gings um die Farbe aus einem können neue Äste entspringen und aus dem anderen das eher Stressbedingt ist nicht bzw. stand da auch drin das Kallus nachschneiden sei nicht unbedingt gesund.
Mit freundlichen Grüßen,
Christoph

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Re: überbordende Wundheilung: wie vorgehen?

Beitrag von Barbara » 22.08.2017, 18:31

Hallo Rainer,

ich könnte mir gut vorstellen, dass der extrem dicke Kallus bei einigen Deiner Bäume durch das immer neue Anschneiden entsteht. Die neue Schicht wird dann jedesmal stärker und damit irgendwann überbordend.
Ich würde nur neu anschneiden wenn die Wundheilung aus irgendwelchen Gründen mal miittendrin zum Stillstand kommt.
Wäre einen Versuch wert.....

Liebe Grüße,
Barbara
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Re: überbordende Wundheilung: wie vorgehen?

Beitrag von mydear » 22.08.2017, 18:47

Chri hat geschrieben:
22.08.2017, 13:46
Irgendwo hab ich hier mal ein Thema durchgelesen wo das aufgeschlüsselt wurde was wirklich Kallusgewebe ist da gings um die Farbe aus einem können neue Äste entspringen und aus dem anderen das eher Stressbedingt ist nicht bzw. stand da auch drin das Kallus nachschneiden sei nicht unbedingt gesund.
Hallo Christoph,

der Beitrag wäre interessant. Solltest du ihn finden wäre ich dir für einen link dankbar.

Kallus nachschneiden mache ich
- wenn der Kallus nicht mehr weiter wächst
- wenn mir die Struktur des Kallus zu glatt, farblich oder strukturell störend zur Umgeburg vorkommt
- wenn der Kallus zu stark überwallt und überstehen würde. Dann schneide ich zusätzlich mit der Konkavzange deutlich tiefer

Hier Bilder eines Feldahorns mit großer Schnittwunde. Der Kallus wurde 2x mit der Konkavzange korrigiert sowie jährlich angeritzt. Hier soll der Kallus nicht zu glatt werden und möglichst "altersgemäße Struktur" ausbilden.

Bild
Bild

Ich habe teilweise auch Triebe direkt aus dem Kallusgewebe wachsen sehen. Deshalb auch meine Frage am Anfang ob dies möglich ist. Hier ein Bild von meiner Feldulme - es wurde garantiert nicht ablaktiert!
2017-08-22 -3.jpg
Trieb wächst aus Kallusgewebe
Grüße
Rainer
Zuletzt geändert von mydear am 24.04.2019, 14:25, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: überbordende Wundheilung: wie vorgehen?

Beitrag von Barbara » 22.08.2017, 19:01

mydear hat geschrieben:
21.08.2017, 23:02


Ich ritze mit einem scharfen Messer den Kallus jährlich an. Ein leichtes Verletzen stimuliert das Überwallen erneut. Hier meine Lieblingswerkzeuge:

Messer-1.jpgMesser-2.jp
Grüße
Rainer
Rainer , ich dachte nur, weil Du hier schreibst, dass Du jährlich anritzt......
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Re: überbordende Wundheilung: wie vorgehen?

Beitrag von mydear » 22.08.2017, 21:03

Barbara hat geschrieben:
22.08.2017, 19:01
mydear hat geschrieben:
21.08.2017, 23:02


Ich ritze mit einem scharfen Messer den Kallus jährlich an. Ein leichtes Verletzen stimuliert das Überwallen erneut. Hier meine Lieblingswerkzeuge:

Messer-1.jpgMesser-2.jp
Grüße
Rainer
Rainer , ich dachte nur, weil Du hier schreibst, dass Du jährlich anritzt......
Hallo Barbara,

du hast recht. Ich sollte präzisieren:
- kleine Wunden die schnell und problemlos abheilen brauchen nicht nachgeschnitten zu werden
- ich meinte die Behandlung von großen Wunden, wo sich die Abheilung über viele Jahre hinzieht. Wenn ich merke, dass die Kallusbildung stagniert wird nachgeholfen.

Danke für deinen Hinweis.

Grüße
Rainer

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Re: überbordende Wundheilung: wie vorgehen?

Beitrag von Chri » 22.08.2017, 21:40

Ich überlege schon die ganze Zeit was ich da in der Suche eingegeben habe um auf das zu stoßen, aber mir fällts nimmer ein und solang is das gar nicht her, aber wenn ichs finde stelle ich den Link rein.
Mit freundlichen Grüßen,
Christoph

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