Entwicklung einer Besen-Ulme

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tokonoma
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Re: Entwicklung einer Besen-Ulme

Beitrag von tokonoma » 24.08.2017, 20:59

Hallo Rainer,

die hat es aber eilig. 12 Tage ist sehr schnell. Ist die auch im Hochbeet?

Ciao

Rainer
Zuletzt geändert von tokonoma am 24.08.2017, 21:53, insgesamt 1-mal geändert.
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mydear
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Re: Entwicklung einer Besen-Ulme

Beitrag von mydear » 24.08.2017, 21:25

tokonoma hat geschrieben:
24.08.2017, 20:59
die hat wes aber eilig. 12 Tage ist sehr schnell. Ist die auch im Hochbeet?
Hallo Rainer,

diese Ulme habe ich aus Platzmangel in einen Grünstreifen neben der Straße ausgepflanzt. Die hat den ganzen Tag unbarmherzige Sonne.

So schnell und einfach kann Bonsai sein: 5-jährige Jungpflanze - köpfen - sortieren - selektieren... seit meinem Plan einen Ulmenbesen aufzubauen sind erst 5 Monate vergangen.

Ich möchte mit dieser 08-15-Jungpflanze andere zum Nacheifern anregen und würde gerne in Zukunft die Resultate vergleichen. Wer macht mit?

Grüße
Rainer

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nemsi
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Re: Entwicklung einer Besen-Ulme

Beitrag von nemsi » 25.08.2017, 07:56

Hallo Rainer,

wenn man mit einer abgemoosten Ulme mitmachen kann, bin ich dabei.

LG
Robert
Liebe Grüße
Robert

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mydear
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Re: Entwicklung einer Besen-Ulme

Beitrag von mydear » 25.08.2017, 09:47

Hallo Robert,

nachdem ich deinen Kandidaten ja schon gesehen habe freue ich mich besonders auf weitere Bilder. Ich bin ja so neugierig wie sich die Schnittstelle mit der angelegten Rohrschelle entwickelt.

Grüße
Rainer

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bonsaiheiner
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Re: Entwicklung einer Besen-Ulme

Beitrag von bonsaiheiner » 25.08.2017, 12:16

Hallo Rainer,
zu der Entwicklung der Stammaufzweigung bei einer Besenulme kann ich ein Detailbild beitragen.
Die Ulme wurde hier schon mal vorgestellt.

viewtopic.php?f=35&t=31258&hilit=kleine+Chinaulme

Es zeigt sich, dass ein nach oben strebender Stammfortsatz/Ast/Substamm vorteilhaft ist, auch und gerade bei einem Besen mit Verzweigung mehr oder weniger aus einer Stelle. Er wirkt der befürchteten Verdickung im oberen Stammbereich entgegen und hilft, die Stammendkappung -ein winziges Stück ist davon auch nach mehr als 20 Jahren noch unter dem waagrecht verlaufenden Draht zu sehen-
schneller zu überwallen.
Das Manschettenkorsett, welches ich mehrfach bei einer gekappten Zelkove verwendet habe, ist unvorteilhaft.
Alles braucht seine Zeit, viel Zeit. Der Versuch der Aufzucht im Freiland rächt sich nach Jahren durch Verlust an Feinverzweigung.
25.8.17
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Beste Grüße,
Heiner
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Re: Entwicklung einer Besen-Ulme

Beitrag von mydear » 25.08.2017, 13:13

Hallo Heiner,

danke für deinen Beitrag. Auf deine Praxis-Tipps freue ich mich immer.
bonsaiheiner hat geschrieben:
25.08.2017, 12:16
Es zeigt sich, dass ein nach oben strebender Stammfortsatz/Ast/Substamm vorteilhaft ist, auch und gerade bei einem Besen mit Verzweigung mehr oder weniger aus einer Stelle. Er wirkt der befürchteten Verdickung im oberen Stammbereich entgegen und hilft, die Stammendkappung -ein winziges Stück ist davon auch nach mehr als 20 Jahren noch unter dem waagrecht verlaufenden Draht zu sehen- schneller zu überwallen.
Empfiehlst du einen Ast nur zum Wundverschluss durchtreiben zu lassen? Oder soll der Substamm für immer bleiben und die Besenform dominieren?
einen der Äste als Stammfortführung durchtreiben lassen?
einen der Äste als Stammfortführung durchtreiben lassen?
2017-08-24 -3 Kopie.jpg (79.26 KiB) 1287 mal betrachtet
bonsaiheiner hat geschrieben:
25.08.2017, 12:16
Das Manschettenkorsett, welches ich mehrfach bei einer gekappten Zelkove verwendet habe, ist unvorteilhaft.
Alles braucht seine Zeit, viel Zeit.
Ja, deinen Bericht hatte ich im Hinterkopf und habe lieber auf "Würgehilfen" verzichtet (habe ihn nochmals als Link angehängt).

viewtopic.php?f=9&t=26074
bonsaiheiner hat geschrieben:
25.08.2017, 12:16
Der Versuch der Aufzucht im Freiland rächt sich nach Jahren durch Verlust an Feinverzweigung.
Das habe ich leider schon nach 2 Monaten feststellen müssen. Die Äste sind viel zu schnell dick geworden. Mein Ziel war ja ursprünglich ein klassischer Rasierpinsel wie bei dieser etwas teureren Jungpflanze. Doch meine Ulme wird nicht so elegant werden sondern ich nenne es mal die "Kraken-Form" oder "Spinnenfuß-Form".
ideale Rasierpinsel-Zelkove
ideale Rasierpinsel-Zelkove
Ein weiteres Problem wird beim Nebari kommen wenn im Frühjahr 2018 in eine Trainingsschale gesetzt wird. Die Wurzeln durften 3 Jahre im Feld wachsen, entsprechend lang und klobig werden sie sein.

Gerade weil es herausfordernd ist freue ich mich auf die weitere Pflege und auch auf das Interesse an diesem Beitrag.

Grüße
Rainer

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Re: Entwicklung einer Besen-Ulme

Beitrag von bonsaiheiner » 25.08.2017, 14:02

mydear hat geschrieben:
25.08.2017, 13:13

Empfiehlst du einen Ast nur zum Wundverschluss durchtreiben zu lassen? Oder soll der Substamm für immer bleiben und die Besenform dominieren?
Hallo Rainer,
nicht "nur" und auch nicht um später zu dominieren.
Er soll sich harmonisch einfügen. Evtl. ist dazu noch ein zweiter entsprechend geformter aufrechter Ast geeignet.
Gruß,
Heiner
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Re: Entwicklung einer Besen-Ulme

Beitrag von mydear » 25.08.2017, 14:24

Danke Heiner, es würde sich ja anbieten die beiden gegenüberliegenden Äste dafür vorzusehen.

Grüße
Rainer

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Re: Entwicklung einer Besen-Ulme

Beitrag von mydear » 25.08.2017, 18:19

Hallo Heiner,

in dem obigen Link sind auf Seite 7 und 11 Bilder deiner Stecklings-Zelkova. Ist das der gleiche Rohling links und rechts im Bild?

Am linken Bild beeindruckt, dass dort praktisch keine Verdickung an der Kappstelle erfolgt ist. Auch wenn du ihn als Michelinmännchen liebkost hast - es sieht vielversprechend aus. Sollte es rechts die gleiche Pflanze sein relativiert sich alles.

Ich überlege im Frühjahr auch einen Versuch mit einer Manschette zu probieren. Statt Draht vielleicht flächendeckend über die ganze Manschette Kabelbinder verwenden. Die Frage wird sein ob es dem Gegendruck einer Zelkove standhält. Was meinst du? Welche Methode würdest du mit deinem heutigen Wissen empfehlen?

Die beiden Bilder habe ich aus deine Doku herauskopiert. Ich hoffe es ist ok für dich?

Bild

Grüße
Rainer

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Re: Entwicklung einer Besen-Ulme

Beitrag von bonsaiheiner » 31.08.2017, 17:39

Hallo Rainer,

ich war 2 Tage off-line.

Beide Bilder zeigen denselben Rohling.

Von einer Manschette würde ich heute abraten, auch und besonders von der Verwendung von Kabelbindern.
Der Verzweigungsursprung muss durch zunächst aufwärts strebende Äste/Substämme gekennzeichnet sein. Dann lässt sich nach meiner Einschätzung die störende Verdickung am Stammende weitestgehend vermeiden.

In einem alten Entwicklungsartikel zu diesem Thema in der BA wird empfohlen, eine v-förmige Aufteilung (zunächst also nur 2) am Ästeursprung zu bevorzugen. Ein guter Rat. Der Autor hat nur die Sämlinge mit der V-Verzweigung genommen, die anderen nicht mehr beachtet.
Wenn dann im Laufe der Zeit der eine Teil etwas dicker als der andere wird, ist das gut, wirkt harmonisch. Ist glaube ich bei dem berühmten Muratabesen auch der Fall.
Viele Äste/Substämme zu Beginn sehen am Anfang sehr gut aus - "ideale Rasierpinsel-Zelkove"- aber was ist in 6-10 Jahren, wenn die auf dem Bild jetzt noch einzeln stehenden Substämme sich verdicken und zusammenwachsen? Dann wird das Stammende 3-4 cm höher einen kompakten Block ergeben und dann geht viel Natürlichkeit verloren.
Beste Grüße,
Heiner
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Re: Entwicklung einer Besen-Ulme

Beitrag von mydear » 31.08.2017, 18:20

bonsaiheiner hat geschrieben:
31.08.2017, 17:39

Der Verzweigungsursprung muss durch zunächst aufwärts strebende Äste/Substämme gekennzeichnet sein. Dann lässt sich nach meiner Einschätzung die störende Verdickung am Stammende weitestgehend vermeiden.

Viele Äste/Substämme zu Beginn sehen am Anfang sehr gut aus - "ideale Rasierpinsel-Zelkove"- aber was ist in 6-10 Jahren, wenn die auf dem Bild jetzt noch einzeln stehenden Substämme sich verdicken und zusammenwachsen? Dann wird das Stammende 3-4 cm höher einen kompakten Block ergeben und dann geht viel Natürlichkeit verloren.
Hallo Heiner,

danke für diese Erklärungen, hätte ich das mal vor einem halben Jahr bedacht. Ich habe keinen V-Schnitt gesetzt, stattdessen horizontal geköpft.
Ich fürchte dass bei meiner Besen-Ulme die von dir angesprochene Verdickung kommen wird. Spätestens in ein paar Jahren wird es der "Sanduhr-Typ" sein: unten dickes Nebari und oben dicke Ast-Auffächerung.

Am Ende läuft es auf 90-60-90 hinaus :lol: :lol: :lol:

Ich sollte nochmal ein aktuelles Foto einstellen, Ulmi geht ganz schön ab im Wachstum.

Grüße
Rainer

Michael 86
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Re: Entwicklung einer Besen-Ulme

Beitrag von Michael 86 » 31.08.2017, 19:42

Hallo Rainer

Da du den V-Schnitt erwähnst... Hab durch stöbern in den Büchern auch diesen V-Schnitt gefunden. Die haben geraten die Schenkel unterschiedlich hoch zu schneiden. Hab sofort an diesen Thread gedacht und wollte es dir noch schreiben, leider aber vergessen. Aber offensichtlich kennst du die Methode ja.
Wäre es aus deiner Sicht nun der bessere Weg gewesen?
Grüße Michael :)

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Hanno
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Re: Entwicklung einer Besen-Ulme

Beitrag von Hanno » 31.08.2017, 19:58

Zur Besenform hab ich mal eine grundsätzliche Frage:
müssen die Äste eigentlich alle aus einem Punkt aus dem Stamm kommen?
Ich habe eine kleine noch sehr junge Ulme, die zum Besen werden soll. Die Äste werden zwar im Laufe der Zeit den gewünschten Besenumriss zeigen, entspriessen allerdings in unterschiedlichen Ebenen.
Mini-Ulme, ca. 18 cm
Mini-Ulme, ca. 18 cm

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Re: Entwicklung einer Besen-Ulme

Beitrag von mydear » 31.08.2017, 19:59

Hallo Michael,

ja definitiv wäre der V-Schnitt besser gewesen.
Die Äste wachsen dann anfangs nur aus der tiefsten Stelle heraus und nicht rundum auf gleicher Höhe wie bei meiner Ulmi.

Grüße
Rainer

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Re: Entwicklung einer Besen-Ulme

Beitrag von mydear » 31.08.2017, 20:07

Hanno hat geschrieben:
31.08.2017, 19:58
Zur Besenform hab ich mal eine grundsätzliche Frage:
müssen die Äste eigentlich alle aus einem Punkt aus dem Stamm kommen?
Ich habe eine kleine noch sehr junge Ulme, die zum Besen werden soll. Die Äste werden zwar im Laufe der Zeit den gewünschten Besenumriss zeigen, entspriessen allerdings in unterschiedlichen Ebenen.!!
Hallo Hanno,

je größer der Besen, desto weniger fällt es auf.
Bei deinem Shohin-Besen wird es vermutlich immer auffallen. Kein Problem, dann wird es die freie Besenform mit 2-3 dominanten Ästen aus denen das Besendach geformt wird.

Grüße
Rainer

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