Rotbuche - Abmoosung

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Herbert A
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Rotbuche - Abmoosung

Beitrag von Herbert A » 30.08.2018, 22:29

Servus an alle

Beim abmoosen von Rotbuchen (Fagus Sylvatica) liest man ja verschiedene Aussagen. Einigen gelingt es offensichtlich problemlos, während insgesamt die Rotbuche eher schwierig abzumoosen sein soll. Aufgefallen ist mir schon früher dass die Rotbuchen aus dem Astkragen tiefliegender Äste sehr gut Wurzeln machen.

Da war es doch höchste Zeit selber einen aussagekräftigen Feldversuch zu starten.

Timeline:
13.05 2017 - 2 ältere Rotbuchen abgemoost.
15.08.2017 - Kontrolle. Nur Kallus aber keine Wurzeln. Den Kallus werde ich im Frühjahr entfernen.
01.05.2018 - Den letztjährigen Kallus angeschnitten bzw. falls erforderlich abgetragen und auf einen halben Zentimeter Breite reduziert.
01.05.2018 - 4 weitere Rotbuchen abgemoost.
30.08.2018 - den 2017er Baum abgetrennt. Die 2018er Bäume haben noch zu wenig Wurzeln.


Hier ein paar Bilder
001a 13.05.17.jpg
Mai 2017 - Abmoosung
Leider sieht man nicht viel, aber es ist ja noch nichts passiert :-)
002 01.05.18.jpg
Kaum Wurzeln -nur Kallus
002a 01.05.18.jpg
003 01.05.18.jpg
Das sind noch zu wenig Wurzeln um den Baum abzutrennen.

004b 01.05.18.jpg
Die Abmoosstelle wieder säubern und überflüssigen Kallus entfernen.
004c 01.05.18.jpg
neu verpackt 01.05.2018
Sphagnummoos wieder aufgelegt und verschnürt.
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Herbert A
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Re: Rotbuche - Abmoosung

Beitrag von Herbert A » 30.08.2018, 22:47

Heute, am 30.08.2018 habe ich den im Mai 2017 abgemoosten Baum abgetrennt.
Den anderen 2017er habe ich heute nicht gefunden. In dem Gebiet wachsen viele Rotbuchen und die Markierungsbänder sind durch das dichte Laub nicht sichtbar. Zwei Mai-Abmoosungen aus 2018 habe ich kontrolliert. Zu wenig Wurzeln.

So jetzt schauen wir uns an wie viele Wurzeln der 2017er gemacht hat.

Insgesamt ein stattliches Bäumchen.
006 30.08.18.jpg
Abtrennung nach 15 Monaten
007 30.08.18.jpg
Oben die neuen Wurzeln. Der dunkle Bereicht darunter wird abgetrennt. Das ging leider am Berg nicht.
008 30.08.18.jpg
009 30.08.18.jpg
Mit der Bügelsäge bin ich leider nicht durch den Stamm gekommen. Da haben noch 2 helfende Hände gefehlt. Dann muss eben wieder mal etwas schwereres Werkzeug her. Mit einem Stemmeisen den Sägeschnitt erweitert und mit einer Hacke durchtrennt.
011 30.08.18.jpg
Stemmeisen
013 30.08.18.jpg
Hacke
Das entfernen des Sphagnummooses ist echt eine Sauarbeit. Bei Mugos sind die Wurzeln weich und biegsam. Bei der Rotbuche sind die Wurzeln hart. Dementsprechend langsam geht das herausarbeiten des Mooses.
014 30.08.18.jpg
Sphagnummoos entfernen
Das wird morgen in Angriff genommen. Wenn der Baum in einer Trainingsschale steht reiche ich ein Foto nach.

ciao
Herbert
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Re: Rotbuche - Abmoosung

Beitrag von bonsaimacher » 31.08.2018, 07:30

Hallo Herbert,

ein wirklich spannendes Projekt!
Da freue ich mich ersteinmal auf Bilder ohne Laub.

Mfg Daniel
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Re: Rotbuche - Abmoosung

Beitrag von hwolf » 31.08.2018, 08:40

Auch für mich sehr spannend! Nach so richtig vielen Wurzeln sieht es nach den bisherigen Fotos ja nicht aus, aber Du wirst da gute Erfahrungen haben. Schneidest Du den Baum oben noch radikal zurück oder lässt Du ihn wachsen, Stichwort Auxin?

Lieben Gruß
Heinrich
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Herbert A
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Re: Rotbuche - Abmoosung

Beitrag von Herbert A » 31.08.2018, 09:15

Ich werde den Baum nur ein wenig in der Breite einkürzen. Die eigentliche Reduzierung mache ich dann im Frühjahr. Ich denke dass die Wurzelmasse ausreicht um den Baum zu versorgen. Das schaut auf den Fotos etwas anders aus.
Herbert
Zuletzt geändert von Herbert A am 31.08.2018, 22:04, insgesamt 1-mal geändert.
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Michael 86
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Re: Rotbuche - Abmoosung

Beitrag von Michael 86 » 31.08.2018, 09:32

Hallo Herbert

Bei meiner ersten (und hoffentlich erfolgreichen) Abmoosung habe ich das Moos, aus welchem Grund weiß ich nicht mehr, sehr klein geschnitten. Das hat sich beim topfen sehr als Vorteil herausgestellt, da sich das Moos ganz einfach mit einem Wasserstrahl ausspülen ließ. Herauspopeln wäre sehr zeitintensiv und mit viel Verlust von Feinwurzeln einher gegangen. Den Wasserstrahl kann man einstellen und den Hahn aufdrehen, so viel man es für nötig hält, da du das Thema Flexibilität und Abbrechen angesprochen hast.
Hast du das schon mal versucht?

Ich lese deine Themen bzgl. Abmoosung immer gerne, denn das erschafft einem einen Einblick in die Welt größere Bäume, die man so wahrscheinlich selten ohne große Vorbereitung in eine Schale bekommen würde. Fehlt mir nur das nötige Material, was bei mir scheinbar nur schwer zu finden ist. Zu viel Eingriff in die Natur, aufgeräumte Wälder und zu wenig natürlicher Gestaltungseinfluss.

Ich wünsche dir viel Erfolg beim Anwachsen deiner Bäumchen und beim Abmoosen der anderen Kandidaten.
Grüße Michael :)

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Herbert A
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Re: Rotbuche - Abmoosung

Beitrag von Herbert A » 31.08.2018, 21:57

Hi Michael,
das habe ich noch nicht probiert, werde ich aber sicher da es einige Stunden in Anspruch nahm das Sphagnummoos auch nur halbwegs herauszuarbeiten.
Hast du die Abmoosung der Rotbuche in der Schale oder auch am Berg gemacht?

Bei den nächsten Versuchen werde ich auch etwas Bims oder ähnliches dazugeben. Das hat auch einmal jemand empfohlen damit das Moos leichter herauszuarbeiten ist.

Nicht dass ich mich beschweren möchte, aber die Welt der größeren Bäume hat auch seine Nachteile :-)

Oftmals 1-2 Stunden Marsch mit 10 bis 30 Kilo auf den Schultern. Besonders aufbauend wenn es überraschend zu regnen anfängt.
004d 30.08.18.jpg
004e 30.08.18.jpg
Letztens habe ich gleich 4 Kreuzottern beim Sonnenbaden gestört. Die waren not amused. Gott seid dank rechtzeitig gesehen.
Auf Schlangen trifft man eigentlich kaum, weil die verkriechen sich normalerweise. Allerdings waren da auf 2.000 Meter Höhe die Temperaturen kühl. Da werden sie langsam und etwas agressiv.
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Herbert A
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Re: Rotbuche - Abmoosung

Beitrag von Herbert A » 31.08.2018, 22:23

Heute habe ich die Wurzeln noch vom Moos befreit soweit es eben ging. Ich habe dann aufgehört weil dabei zu viele aktive Wurzeln beschädigt wurden. Muss ich eben die nächste Zeit sparsam gießen und sobald es der Baum zulässt den Wurzelballen noch einmal bearbeiten.
018 31.08.18.jpg
Befestigt habe ich den Baum indem ich durch den Schalenboden einen Spax in den Stamm geschraubt habe. Oben wurde er mit Draht fixiert damit die Wurzeln in Ruhe wachsen können.

Bis zum Frühjahr wird es spannend. Ich hoffe der Bursche packt es.
023 31.08.18.jpg
027 31.08.18.jpg
ein schönes Wochenende.
Herbert
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hwolf
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Re: Rotbuche - Abmoosung

Beitrag von hwolf » 01.09.2018, 07:59

Mein Kommentar bezüglich der Wurzelmasse hat sich anhand der neueren Fotos erübrigt. Das müsste ja allemal reichen.
Viele Spaß mit dem tollen Baum!
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Re: Rotbuche - Abmoosung

Beitrag von Michael 86 » 01.09.2018, 08:20

Herbert A hat geschrieben:
31.08.2018, 21:57
Hi Michael,
das habe ich noch nicht probiert, werde ich aber sicher da es einige Stunden in Anspruch nahm das Sphagnummoos auch nur halbwegs herauszuarbeiten.
Hast du die Abmoosung der Rotbuche in der Schale oder auch am Berg gemacht?

Bei den nächsten Versuchen werde ich auch etwas Bims oder ähnliches dazugeben. Das hat auch einmal jemand empfohlen damit das Moos leichter herauszuarbeiten ist.
Hallo Herbert

Die eine ernsthafte Abmoosung habe ich bei einer Sibirischen Ulme gemacht. Jungpflanze, deutlich kleiner als deine Projekte. Trotzdem war das nur noch ein fester klumpen.
Bei meinem erster Sandkastenversuch (Ficus), Hauptsache "was gemacht zur Übung", ohne ernsthafte Absichten einen Bonsai zu erhalten, stellte schnell heraus, dass diese langen faserigen Moosfäden nicht mein Ding sind. Da ziehen sich die Feinwurzeln kreuz und quer, das Moos ebenso, und dann geduldig zuppeln... ohje. Nix für mich. Die Wurzeln sind teilweise noch sehr zart. Freut man sich, dass sie gewachsen sind, brechen sie zum Teil deswegen noch ab.

Ich weiß nicht mehr, warum ich auf die Idee gekommen bin. Ich glaube ich habe das irgendwo hier gelesen. Rainer (mydear) hat das auch mal versucht mir reinem Akadama. War ihm wohl zu sehr mineralisch bzgl. Wasserspeicherung. Das werde ich, sollte ich wieder so etwas machen, ebenfalls mit einarbeiten. Aber eins steht für mich fest, Moos klein schneiden, denn seine Eigenschaften ändern sich dadurch nicht, die Handhabung beim Umtopfen aber schon. Mit der Pinzette wird es dann halt nichts mehr, oder nur sehr schwierig. Aber das brauch ich auch wirklich nicht

Viel Erfolg weiterhin.
Grüße Michael :)

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mydear
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Re: Rotbuche - Abmoosung

Beitrag von mydear » 01.09.2018, 13:47

Hallo Herbert,

schön mal wieder von dir eine spannende Dokumentation zu lesen. Ich habe deine praktischen Berichte zuletzt sehr vermißt.


Hallo Michael,

es macht schon einen Unterschied ob im Garten oder weit weg in der Natur abgemoost wird. Im Garten kann ich das Abmoossubstrat regelmäßig kontrollieren. Deshalb nehme ich bei schnell bewurzelnden Sorten wie Ahorn oder Ulme normales Bonsai-Substrat oder auch reines Akadama. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass jedes Substrat funktioniert. Wenn schon (viele) Wurzeln da sind, trocknen die modernen Substrate und besonders Akadama schnell ab. Manchmal mußte ich täglich nachgießen, dass die Wurzeln nicht vertrocknen. Zuletzt habe ich oben auf das normale Substrat noch eine Schicht Shphagnummoos aufgelegt. Das saugt sich beim Gießen schnell mit Wasser voll. In der Natur würde ich auch bevorzugt mit Shphagnummoos arbeiten. Das mit dem klein geschnittenen Moos ist ein guter Tipp *daumen_new*

Grüße
Rainer

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Herbert A
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Re: Rotbuche - Abmoosung

Beitrag von Herbert A » 01.09.2018, 18:07

Servus Rainer,
danke für die Info. Ich werde da nächstes Jahr wieder Experimente starten. Ich weiß nur noch nicht wohin mit den Bäumen. Mein Garten ist eigentlich schon seit Jahren voll.
Daher habe ich mir auch eine Auszeit vom Forum genommen, weil bei den bestehenden Bäumen nicht mehr so große Fortschritte zu dokumentieren sind.


lg
Herbert
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Re: Rotbuche - Abmoosung

Beitrag von Thomas D. » 01.09.2018, 21:51

Servus Herbert,

Wenn Du nicht weißt wohin mit Deinen Bäumen......In meinem Garten wäre noch Platz :-)

LG
Thomas

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Re: Rotbuche - Abmoosung

Beitrag von Herbert A » 13.12.2018, 20:56

Servus an alle
Thomas darüber können wir nächstes Jahr reden :-)

Zur Rotbuche
Übrigens damit nicht zu viel Nässe im Wurzelballen ist, fülle ich die Leerräume mit XPS-Stücken auf. XPS leitet die Kälte nicht und das mögen die Wurzeln neu abgemooster oder Yamadoribäume.
019 31.08.18.jpg
XPS ins Substrat
019 31.08.18.jpg (221.11 KiB) 1154 mal betrachtet
Einige Äste sind vertrocknet. Ich denke dass die Wurzeln das Grün aufgrund der Hitze im August und September nicht zur Gänze versorgen konnten. Aber es sind noch ausrechend Äste vorhanden die noch im Saft sind. Genaueres werde ich im Frühjahr beim Austrieb sehen.
Vorerst wurden nur gänzlich überflüssige Äste entfernt und allzulange Äste auf eine günstige Verzweigung zurückgeschnitten.
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041 09.12.18.jpg (216.15 KiB) 1154 mal betrachtet
Der Baum steht jetzt frostfrei im Winterquartier.

lg
Herbert
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Re: Rotbuche - Abmoosung

Beitrag von Ferry » 15.12.2018, 13:24

Ich finde Deinen Bericht über das Abmoosen von Rotbuchen sehr interessant. Das ist auch für das Abmoosen in der Schale spannend. Mal seh'n wie es im Frühjahr und Sommer weitergeht; denn der Baum ist momentan noch recht hoch. Das frostfreie Winterquartier wird ihm guttun.
LG,
F.

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