Kleine Goldlärche braucht eine Idee

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Tinetierchen
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Kleine Goldlärche braucht eine Idee

Beitrag von Tinetierchen » 21.09.2018, 22:43

Hallihallo,

im Frühjahr diesen Jahres habe ich mir diese nette kleine Goldlärche in einem Bonsai Garten ganz in der Nähe zugelegt. Sie ist eine meiner ersten Bäumchen.
Sie steht bei mir auf dem Südbalkon in der vollen Sonne und sie fühlt sich pudelwohl. =)

Höhe ab Schalenrand: etwa 35cm

Nächstes Jahr ist sie mit Umtopfen dran.
Mir fehlt noch komplett der Plan, wohin es mit der weiteren Gestaltung gehen soll. Da wollte ich mir bei euch ein bisschen Inspiration holen.
Einen ersten vorsichtigen Schnitt habe ich eingezeichnet um den Baum harmonischer zu verjüngen.

Auf jeden Fall muss am Nebari was passieren, das ist sehr chaotisch.
Ich muss dazu sagen, dass ich Einsteiger bin. Über Ideen, Vorschläge, Tipps, Skizzen würde ich mich riesig freuen.

Liebe Grüße, Tine
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ziemliches Durcheinander

Patrick m
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Re: Kleine Goldlärche braucht eine Idee

Beitrag von Patrick m » 23.09.2018, 13:39

Hallo Tine!

Umtopfen und gestalten würde ich dir innerhalb eines Jahres nicht empfehlen. Auf jeden Fall beim Umtopfen einen kleinen Teil des alten Substrates mit einmischen da Goldlärchen so genanntes Mykorrhiza besitzen. Das ist ein Symbiose Pilz der das Wachstum unterstützt. Ist auf deinem Wurzelbild schon gut zu erkennen, das weiße Zeug in der Erde.Umgetopft wird, wenn die Knospen anfangen anzuschwellen oder schon ganz leicht offen sind.
Das ganze Unkraut gehört auf jeden Fall mal weg und danach solltest du versuchen die Wurzeln auf eine Ebene zu konzentrieren. Das heißt es sollen nicht welche 1-2cm über oder unter dem Hauptwurzelansatz (Nebari) aus dem Stamm wachsen. Auch überkreuzende, oder wenn sich welche um den Stamm wickeln, was bei gekauften Goldlärchen öfter vorkommt, nach Möglichkeit entwirren oder entfernen. Aber da es sich hier um einen Nadelbaum handelt, gilt hier auch so wenige Wurzeln wie möglich zu entfernen.

Schneiden kannst du alles jetzt schon wie ich es auf dem Bild eingezeichnet habe. Die unteren Äste sollten grundsätzlich dicker und länger bleiben/sein/werden als die oberen.
Beim Gestalten von Goldlärchen drahtet man die Äste relativ waagrecht eigentlich, aber dafür solltest du dich zuerst entscheiden ob du entweder umtopfen willst, oder gestalten. Hier wären außerdem Bilder besser, auf denen der Baum keine Nadeln mehr hat.

Darf ich fragen wie du mit deinem Baum im Winter umgehen willst?

mfg Patrick
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Pseudolarix 1.jpg

Tinetierchen
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Re: Kleine Goldlärche braucht eine Idee

Beitrag von Tinetierchen » 23.09.2018, 21:10

Hallo Patrick!

Vielen Dank für deine Nachricht. Das hast du alles wunderbar verständlich umschrieben. :)
Vor allem bei der Arbeit am Nebari habe ich bislang noch gar keine Erfahrung. Mit deiner Anleitung sollte es (irgendwann) klappen. Das Unkraut zupfe ich bei Zeiten ab.
Das Substrat ist noch das vom Händler. Die sind noch nicht beim modernen angekommen. Es ist schon recht fest. Beim gießen nimmt es kaum wasser auf, tauchen geht noch so. Daher würde ich das Umtopfen priorisieren.
Du schriebst "Schneiden kannst du alles jetzt schon". Gilt das auch, wenn ich im Frühjahr umtopfe? Vermutlich nicht. Wenn sie ihr Sommerkleidchen abgelegt hat, stelle ich noch mal Bilder ein.

Da Goldlärchen bedingt winterhart sind muss sie natürlich geschützt werden. Ich würde sie auf meinem Südbalkon im Schatten der Ballustrade unterbringen, wenn die Temperaturen dauerhaft unter 0 fallen. Dazu habe ich eine Styropor Box mit Sand/Torf gefüllt, in der ich den Ballen samt Schale versenken könnte.
Optional hätte ich noch eine kalten Wäscheboden. Dort könnte ich sie unter ein Dachfenster stellen. Da dies aber meine Erste Überwinterung wird, weiß ich noch nicht ob die Temp. da oben über 5 Crad steigen. Außerdem ist das ein Gemeinschaftboden...

Bin gern für Tipps offen. :)
Danke für die tolle Hilfestellung.

Liebe Grüße, Tine

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Bonsai-Fips
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Re: Kleine Goldlärche braucht eine Idee

Beitrag von Bonsai-Fips » 23.09.2018, 23:45

Tinetierchen hat geschrieben:
21.09.2018, 22:43
Mir fehlt noch komplett der Plan, wohin es mit der weiteren Gestaltung gehen soll.
Hallo Tine
Es gibt natürlich viele Wege, die Deine Goldlärche gehen kann... hier nur zwei schnelle Fingermalskizzen, einmal "geneigt" und einmal "frei aufrecht". Beobachte den Baum unter verschiedenen Gesichtspunkten, aus verschiedenen Winkeln etc.. vielleicht macht es einmal "Klick" und Du hast eine "Vision" für Deinen Baum :-D .
Wichtig scheint mir noch: Äste für die Tiefenwirkung nicht vergessen; sonst wirkt die Gestaltung platt. Nicht mehre Äste auf der selben Höhe, sondern nur einer, sonst verdickt der Stamm unschön. Wuchskraftausgleich: Oben immer stärker zurückschneiden, die unteren Äste länger durchtreiben lassen, damit die Unteren stärker/dicker werden wie die Oberen - umgekehrt sieht nicht sehr vorteilhaft aus :lol: . Einfach gesagt: Je mehr Grün ein Ast trägt, desto dicker wird er.
Patrick hat ja schon viele, gute Tipps gegeben.

Jetzt geniesse aber erst mal die goldene Herbstfärbung, Grüsse, Fips
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Patrick m
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Re: Kleine Goldlärche braucht eine Idee

Beitrag von Patrick m » 24.09.2018, 09:23

Tinetierchen hat geschrieben:
23.09.2018, 21:10

Da Goldlärchen bedingt winterhart sind muss sie natürlich geschützt werden. Ich würde sie auf meinem Südbalkon im Schatten der Ballustrade unterbringen, wenn die Temperaturen dauerhaft unter 0 fallen. Dazu habe ich eine Styropor Box mit Sand/Torf gefüllt, in der ich den Ballen samt Schale versenken könnte.
Genau das wollte ich hören *daumen_new*
Wichtig ist bei Goldlärchen nämlich dass sie wirklich auch eine Winterruhe benötigen, aber trotzdem dennoch zudem einen guten Schutz. Auf jeden Fall darauf achten dass sie nicht austrocknet.


Schneiden könntest du egal ob du umtopfst oder nicht. Aber ich gebe Fips hier recht, wart die Herbstfärbung ab. Goldlärchen besitzen nämlich, wie der Name schon sagt, eine wunderschöne goldene Herbstfärbung.

Was mir übrigens noch einfällt: Pseudolarix (Goldlärchen) mögen Kalk überhaut nicht. Sie können da echt schnell gelb werden... Das heißt nach Möglichkeit mit Regen-oder kalkarmen Wasser gießen und beim Substrat würde ich auf Bims verzichten.

Tinetierchen
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Re: Kleine Goldlärche braucht eine Idee

Beitrag von Tinetierchen » 24.09.2018, 11:04

Bonsai-Fips hat geschrieben:
23.09.2018, 23:45
hier nur zwei schnelle Fingermalskizzen, einmal "geneigt" und einmal "frei aufrecht".
Hallo Fips,

vielen Dank für die Ideen und die tollen Skizzen.
Die geneigte Form hat mich sofort angesprochen. Ich mag die natürliche, etwas wilde Ausstrahlung sehr.
Wobei die frei Aufrechte typisch Nadelbaum ist.

Danke auch für Deine Gedanken zum Astaufbau. Erst mal belasse ich alles so und freue mich auf das Herbstgold.
Wenn die Äste frei einsehbar sind, werde ich ich mal sehen wo die Reise langfristig hin geht.
Deine erste Skizze werde ich in jeden Fall im Hinterkopf behalten. Vor allem, weil ich da die recht starke Neigung sinnvoll aufgreifen kann.

Ich denke ich muss das Auge für die Gestaltung noch entwickeln, um das Potential eines Baumes einschätzen zu können.
Könnt Ihr dazu Lektüre empfehlen, oder gibt es eine Art Leitfaden? Ich werde mich natürlich im Forum dazu auch noch mal auf die Suche begeben.

Danke & Liebe Grüße, Tine

Tinetierchen
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Re: Kleine Goldlärche braucht eine Idee

Beitrag von Tinetierchen » 24.09.2018, 11:14

Hi Patrick,
Patrick m hat geschrieben:
24.09.2018, 09:23

Genau das wollte ich hören *daumen_new*
Wichtig ist bei Goldlärchen nämlich dass sie wirklich auch eine Winterruhe benötigen, aber trotzdem dennoch zudem einen guten Schutz. Auf jeden Fall darauf achten dass sie nicht austrocknet.
Dank des Forums konnte ich mich schon ein wenig in die Materie einlesen ;)
Aber es ist gut, sich noch einmal darüber zu unterhalten. Manchmal überliest man ja doch etwas. Daher vielen Dank für Deine Beiträge.
Patrick m hat geschrieben:
24.09.2018, 09:23
Was mir übrigens noch einfällt: Pseudolarix (Goldlärchen) mögen Kalk überhaut nicht. Sie können da echt schnell gelb werden... Das heißt nach Möglichkeit mit Regen-oder kalkarmen Wasser gießen und beim Substrat würde ich auf Bims verzichten.
Regen oder Kalkarmes Wasser habe ich hier nicht zur Verfügung. Bislang habe ich mein Leitungswasser vor dem Gießen durch einen Wasserfilter laufen lassen, in der Hoffnung, dass das hilft.

Eine Frage hätte ich da noch generell zum Umtopfen. Bislang nutze ich als Substrat Rigidur (gebrochene Dämmschüttung) und Cocoshumus. Das Mischverhältnis passe ich je nach Baumart ein wenig an. Wenn ich das frisch mische, ist es ja mehr oder weniger steril. Sollte man das direkt ein bisschen andüngen oder lässt man das fürs Umtopfen so mager? Wie könnte ich das Substrat noch optimieren? Es gibt ja so viel, was man beimischen könnte.

Danke & Liebe Grüße, Tine

Patrick m
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Re: Kleine Goldlärche braucht eine Idee

Beitrag von Patrick m » 25.09.2018, 10:09

Ich würde es erstmal so lassen ohne das Substrat aufzudüngen. 4 Wochen anwachsen lassen und danach langsam anfangen zu düngen.

Mfg Patrick

Tinetierchen
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Re: Kleine Goldlärche braucht eine Idee

Beitrag von Tinetierchen » 29.03.2019, 22:41

*updated*

Liebe Forum,

hier die Frühlings-Fortsetzung zur kleinen Lärche. Mehr für mich zur Dokumentation, aber vielleicht möchte ja jemand mitlesen und seine Erfahrungen teilen. =)
Den Winter hat sie in Ihrer Sandbox gut überstanden.

Vor 2 Wochen habe ich die Goldlärche umgetopft in ein Substratgemisch aus Kokoshum & Blähton.
Sie scheint ihren neuen Untersatz gut anzunehmen und die damals noch geschlossenen Knospen öffnen sich langsam.

Den ziemlich knotigen Wurzelansatz wollte ich sortieren. Da hätte ich jedoch zu viel wegschneiden müssen. Das verfolge ich dann bei künftigen Umtopfaktionen weiter. Von der Wurzelmasse habe ich nicht sehr viel entfernt. Jedoch hat sich eine Art Fuß/Bein entwickelt, wo im Zwischenbereich auf einer Länge von 2-3 cm gar keine Wurzeln wachsen. Hier habe ich einen Kabelbinder angelegt, in der Hoffnung, dass damit der untere Bereich abgedrückt und der obere gezwungen wird, mehr Wurzeln auszubilden.

Mir hat die Skizze von Fips von der geneigten Form sehr zugesagt. Das möchte ich als Plan weiter verfolgen. =)
Auf meiner aktuellen Skizze seht ihr den künftig geplanten Schnitt. Ich würde den Baum nun erst mal 4 bis 6 Wochen anwachsen lassen und dann den Schnitt vornehmen.
Die oberen Äste würde ich stark einkürzen und an vorhanden Knospen weiter führen (kleiner Pfeil). Die unteren Äste würde ich für das Dickenwachstum durchtreiben lassen (große Pfeile)
Zwecks mangelnder Erfahrung habe ich noch etwas Schwierigkeiten mit dem Timing. Ist der Schnitt in diesem Frühjahr angebracht oder sollte ich die Lärche komplett durchtreiben lassen?

Ps. Bitte ignoriert die Supermarkt-Schale. Ich werde mir noch einige Trainingstöpfe zulegen müssen :oops:

Viele Grüße, Tine
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vor dem Wurzelschnitt
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nach dem Wurzelschnitt
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Bereich ohne Wurzeln mit Kabelbinder
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geplanter Schnitt
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