Ulmus parvifolia

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André
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Ulmus parvifolia

Beitrag von André »

Guten Tag

ich möchte Euch hiermit meine Chinesische Ulme vorstellen.

1991 machte ich einige Stecklinge von einer Mutterpflanze in einem Gartenbeet.

1998 als eine ca. 1.8 Meter hoch war, habe ich sie ausgegraben und auf 50 cm eingekürzt und in eine Holzkiste versetzt.

Im Jahr 2002 zum ersten Mal in eine (zu) flache Schale getan

lme 2002.jpg
lme 2002.jpg (36.94 KiB) 2011 mal betrachtet
2007 habe ich die Wurzeln sortiert und in eine grössere Schale eingetopft. Die Wurzeln sehen schon mal nicht schlecht aus.


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Ume-2004 (1).jpg (65.99 KiB) 2011 mal betrachtet
So sah die Ulme im Jahr 2011 aus.
Ulme 2011.jpg
Ulme 2011.jpg (38.84 KiB) 2011 mal betrachtet
2015 durfte die Ulme zum ersten Mal an eine Ausstellung (Langnau i. E.)
Ulme 2015 v.jpg
Ulme 2015 v.jpg (99.03 KiB) 2011 mal betrachtet
Heute (15.Dez. 2018) habe ich den Winterschnitt gemacht und mit Spanndraht noch einige Korrekturen angebracht. Damit der lange Stamm etwas optisch kürzer scheint und der Baum noch mehr Negativräume aufweist

Die Baumhöhe ist nun 67 cm und das Nebari hat sich auch schon auf 75 mm verbreitet.



Ulme-15.12.2018.jpg
Ulme-15.12.2018.jpg (36.2 KiB) 2011 mal betrachtet

So weit die die Geschichte meiner Chinesischer Ulme. Im Frühling 2019 steht dann wieder eine Wurzelkontrolle an.

Ich hoffe, ich konnte Euch den Werdegang von einem Steckling bis zu einem (für meine Verhältnisse) nicht zu schlechtem Bonsai aufzeigen.

Gerne nehme ich Verbesserungsvorschläge an!

Viele Grüsse, André
Zuletzt geändert von André am 16.12.2018, 08:09, insgesamt 1-mal geändert.
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Thorschti
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Re: Ulmus parvifolia

Beitrag von Thorschti »

gefälllt mir richtig gut der Alte!
Exercitatio artem parat (Tacitus)
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Bonsai-Fips
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Re: Ulmus parvifolia

Beitrag von Bonsai-Fips »

Hallo André
Wunderbar, was Du über all die Jahre aus einem Steckling erschaffen hast - dickes Kompliment *daumen_new* !
Das Abspannen einiger Äste hat den Baum nochmals vorangebracht; das i-Tüpfelchen :) .
Viele Grüsse aus dem Emmental, Fips
P.S. Ich denke, ich würde den Baum leicht rechts der Mitte anstatt links davon, positionieren.
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migo
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Re: Ulmus parvifolia

Beitrag von migo »

André hat geschrieben: 15.12.2018, 17:05 1991 machte ich einige Stecklinge von einer Mutterpflanze in einem Gartenbeet.
...
1998 als eine ca. 1.8 Meter hoch war, habe ich sie ausgegraben und auf 50 cm eingekürzt und in eine Holzkiste versetzt.
Hallo André,
Klasse geworden der Baum. Sieht sehr natürlich aus, gefällt mir gut! *daumen_new*

Die Mutterpflanze, stand sie auch schon im Garten?
Die Stecklinge im Gartenbeet, hast Du die vor Frost geschützt?
Ja, ...und wie hältst Du es jetzt mit der Ulme im Winter?
Tschüüss, Michael

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bonsaiheiner
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Re: Ulmus parvifolia

Beitrag von bonsaiheiner »

Hallo André,
auch mir gefällt der Baum sehr gut, schöne Aufbauarbeit *daumen_new*
Nur, dass es eine Ulmus parvifolia (Chinaulme) sein soll, möchte ich bezweifeln.
Die Chinaulme behält als einzige ihr Laub bis nach Neujahr, auch wenn sie wie die meinige erst jetzt ins Kalthaus kommt.
Die Chinaulme ist von allen ostasiatischen Ulmen die einzige, die je nach Herkunftsland am wenigsten frosthart ist.
Bis - 3-4° sollte sie aber locker tolerieren.
Die anderen mit mehr oder weniger borkiger Rinde (Ulmus japonica, Ulmus pumila, Zelkova serrata nire) sollen frosthärter sein.
Die Pflegebedingungen sind bei allen Sorten mehr oder weniger gleich.
Gruß,
Heiner
Ein Tag ohne Beschäftigung mit Bonsai ist ein verlorener Tag!
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André
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Re: Ulmus parvifolia

Beitrag von André »

Guten Tag Bonsaifreunde

besten Dank für eure Kommentare.
Die Mutterpflanze war ein Bonsai- Rohling. Beim ersten Formschnitt mussten halt viele Zweiglein fallen. Die Stecklinge machte ich aus ca. 4 cm langen Abfallstücklein.

Mit der Artbestimmung habe ich auch so meine Probleme. Bei mir hat sie schon etliche male den Namen gewechselt. Weil die Wurzeln extrem fleischig sind bin ich bei Ulmus parvifolia geblieben.

Wenn die Nacht Temperatur unter 0°C. fällt, stelle ich den Baum jeweils in die Garage. Selbst die sichtbaren Wurzeln sind sehr weich. Da hätte ich Angst dass sie durch den Frost sprengen und absterben.

N.B. Von diesen ehemaligen Stecklinge sind noch 2 weitere als Bonsai Anwärter da, die ich meinen Söhnen verschenkt habe. Einer steht momentan zur Ueberwinterung auch bei mir.( bei Interesse könnte ich ihn auch ablichten)

Grusss
André
Sanne
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Re: Ulmus parvifolia

Beitrag von Sanne »

André hat geschrieben: 16.12.2018, 09:58 ...Mit der Artbestimmung habe ich auch so meine Probleme. Bei mir hat sie schon etliche male den Namen gewechselt. Weil die Wurzeln extrem fleischig sind bin ich bei Ulmus parvifolia geblieben.
Hallo André,

ich habe anfangs auch gedacht, es handele sich eher um eine japanische Ulme, insb. wegen der schönen Borke. Bei diesem Link von Bonsai Empire und auch das Video bestätigen diese von Dir genannte Ulmenart.
https://www.bonsaiempire.de/baumartenfu ... ische-ulme

Gefällt mir sehr gut. *daumen_new*

Grüße, Sanne
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mydear
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Re: Ulmus parvifolia

Beitrag von mydear »

André hat geschrieben: 16.12.2018, 09:58 Wenn die Nacht Temperatur unter 0°C. fällt, stelle ich den Baum jeweils in die Garage. Selbst die sichtbaren Wurzeln sind sehr weich. Da hätte ich Angst dass sie durch den Frost sprengen und absterben.

N.B. Von diesen ehemaligen Stecklinge sind noch 2 weitere als Bonsai Anwärter da, die ich meinen Söhnen verschenkt habe. Einer steht momentan zur Ueberwinterung auch bei mir.( bei Interesse könnte ich ihn auch ablichten)
Hallo André,

Ich sehe es wie Heiner, es dürfte die früher Ulmus japonica bezeichnete Sorte sein. Dadurch erkennbar, dass sie im Winter generell die Blätter abwirft und starke Korkrinde ausbildet. Ich habe auch einen Steckling seit den 90er Jahren gezogen und ihn 20 Jahre im Freien problemlos überwintert. Die Wurzeln sind sehr „fleischig“, doch problemlos beim Überwintern. Nur Staunässe mögen sie nicht. Im Forum gab es ja schon diverse Beiträge zur Sortenbezeichnung , siehe Link zum Nachlesen für Interessierte - das kann ja jeder für sich halten wie er es mag *z*

viewtopic.php?f=9&t=45212&p=494353&hili ... ia#p494353


Und.... natürlich möchten wir mehr von deinen schönen Bonsais sehen, noch dazu wenn sie aus Stecklingen gezogen wurden.

Grüße
Rainer
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Georg
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Re: Ulmus parvifolia

Beitrag von Georg »

Bonsai-Fips hat geschrieben: 15.12.2018, 20:43 P.S. Ich denke, ich würde den Baum leicht rechts der Mitte anstatt links davon, positionieren.
Sehe ich genauso. Die Bewegung des Stammes geht nach links und würde bei weitererer Linkspositionierung optisch aus der Schale gehen.
Eine tolle Aufbauarbeit, Deine japanische Ulme.
Gruß
Rüdiger
Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben geben, daß Du es sagen darfst(Voltaire)
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André
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Re: Ulmus parvifolia

Beitrag von André »

Hallo Rainer und alle andern

bei solchem Wetter hat man ja genug Zeit zum Fotografieren.
So zeig ich halt die andere Ulme auch noch.
Obwohl sie gleich alt ist, wirkt sie noch viel weniger reif. Sie ist ja auch noch in der Aufbauphase.
An diesem Baum gefällt mir das besonders Nebari gut. In der Krone sind die Aeste etwas zu dominant. Vermutlich werde ich den linken (mit Knetpaste) einkürzen oder sogar ganz entfernen.


Wünsche Euch noch einen schönen Sonntag.

André
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Jap.Ulme-16.12.2018 v. R.E..jpg
Jap.Ulme-16.12.2018 v. R.E..jpg (116.41 KiB) 1687 mal betrachtet
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mydear
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Re: Ulmus parvifolia

Beitrag von mydear »

Hallo André,

auch hier Kompliment was du geduldig aus einem Steckling gezogen hast.
Die beiden oberen dominanten Äste in V-Stellung hast du ja schon selbst benannt.
Wie planst du mit dem ersten rechten Ast für die Zukunft? Soll er nur den Stammansatz verdicken um später geopfert zu werden? Er wirkt auf mich ein wenig fremd zu den sonst eher waagrecht ausgerichteten Astpartien.

Grüße
Rainer
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André
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Re: Ulmus parvifolia

Beitrag von André »

Hallo Rainer
dieser Ast soll helfen den Stamm und auch die sichtbaren Wurzeln auf der rechten Seite zu stärken.
Bevor ich ihn dann ganz abschneide, möchte ich versuchen ihn mit einkerben und eindrahten waagrecht zu gestalten. Vielleicht schneide ich ihn erst mal oberhalb den beiden Seitenäste ein.
Sollte das auch nicht recht zum Baum passen, ja dann wird er wohl endgültig abgeschnitten.

Ich lass mir noch alle Optionen offen. Die Stammverdickung hat auf jeden erste Priorität!

André
Sanne
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Re: Ulmus parvifolia

Beitrag von Sanne »

Ich denke, über die Bezeichnung „Ulmus parvifolia“ gibt es Unklarheiten.

Im Buch von Horst Stahl (Bonsai – vom Grundkurs zum Meister) wird die chinesische Ulme als Ulmus parvifolia und die chinesische Korkulme als Ulmus parvifolia var. suberosa bezeichnet.

Währenddessen wird im Buch von Werner M. Busch/Achim R. Strecker (1. Auflage, Bonsai - Gestalten mit heimischen Gehölzen) die japanische Ulme als Ulmus parvifolia bezeichnet.

Auch wird die japanische Ulme Ulmus japonica genannt.
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bonsaiheiner
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Re: Ulmus parvifolia

Beitrag von bonsaiheiner »

Sanne hat geschrieben: 16.12.2018, 20:39 Ich denke, über die Bezeichnung „Ulmus parvifolia“ gibt es Unklarheiten.
...
Hallo,
das ist wahr!
Ich schlage vor, diesen Kuddelmuddel bei Ulmen/Ulmenartigen etwas zu klären anhand von diversen Alleinstellungsmerkmalen.
Aus Ostasien:
1. Zelkowe,
zelkova serrata:
laubabwerfend, Herbstlaub: goldgelb bis burgunderrostrot,
Borke: glatt, grau (daher auch "Graurindenulme"), erst in deutlich höherem Alter bisweilen rissig werdend,
von allen hier aufgeführten Sorten besonders zu Adventivknospen neigend,
von allen ostasiatischen Ulmenartigen hat Z.s. die größten Blätter
2. chinesische Ulme
ulmus parvifolia
die chinesische Ulme, teilimmergrün, bei Kalthausbedingungen schütter werdendes Laub erst im Jan./Feb.
Herbstlaub, gelblich, aber auch nur grün/wenig spektakulär,
Spättriebe oft weniger chlorophyllhaltig, manchmal auffallend burgunderrot
Borke: erst glatt, später flächenhaft abschilfernd, von daher die "Platane" unter den ostasiatischen Ulmen
eingeschränkte Frosthärte bis -5°, evtl. je nach Herkunft auch empfindlicher,
3. Zelkova serrata "nire"
laubabwerfend
trägt die Bezeichnung "Zelkowe" im Namen zu unrecht, ist und verhält sich wie eine ostasiatische Ulme,
laubabwerfend, Herbstlaub gelb-honigfarben,
Borke: auffallend korkig-borkig, bereits in jungen Jahren,
neigt zur spontanen Rücktrocknung auch größerer Zweig/Astpartien
4.japanische Ulme,
ulmus japonica
laubabwerfend,
wie die Z.s. nire, nur nicht so stark zur Borkenbildung neigend, nach bisherigen Erfahrungen auch weniger durch Rücktrocknung auffallend
5.sibirische Ulme
ulmus pumila
i.w. wie ulmus japonica, wohl besonders frosthart,
vielleicht wegen der kürzeren Vegetatiuonsperiode am heimischen Standort hier als erste von vergleichbaren Ulmensorten austreibend
6.Zürgelbaum
celtis sinensis,
laubabwerfend
eingeschränkte Winterhärte,
Borke: glatt grau
behält spät getriebenes Laub oft auffallend lange bei Kalthausbedingungen über den Winter,
auffallend filigrane Verzweigung erzielbar

Aus Europa:
1.Feldulme
ulmus campestre, Ulmus minor:
herrausragend wegen zu erzielender Feinverzweigung und Blattverkleinerung, laubabwerfend,
Herbstlaub, gelb,
Borke: schachbrettartig, erst im Alter, nach Abwurf der ehemals feineren Rinde darunter runzelige Borke
2.Bergulme
ulmus glabra,
gröbere Struktur, grössere Blätter als bei der Feldulme , filigrane Feinverzweigung kaum erzielbar,
auffallend lange bleibt Bieg- unf Formbarkeit auch dickerer Zweige erhalten,
sonst wie Feldulme
3. Flatterulme
ulmus laevis,
im wesentlichen wie Bergulme
habe mit diesem Baum keine Gestaltungserfahrung

kein Anspruch auf Vollständigkeit,

beste Grüße,
Heiner
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PeterBonsai
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Re: Ulmus parvifolia

Beitrag von PeterBonsai »

Wenn auch ohne Anspruch auf Vollständigkeit, so doch mit Anspruch auf höchstes Lob! :-D :-D :-D
vielen Dank Peter
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