die Bonsaikunst: einen weg voller Staub.

Nicht nur eine Frage nach dem Warum
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Urikawa
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die Bonsaikunst: einen weg voller Staub.

Beitrag von Urikawa »

Wörter die gesagt, geschrieben oder gelesen werden, kann man immer für die wahrheit halten. Der inhalt sollte man überprüffen können um daraus seine eigene meinung zu bilden.

Auf keinen fall bin ich derjenige denen möchte das die Bonsaiwelt sich nach meinem geschmack ändert. Noch zu dieser minute weiss ich wie ich mit der Bonsaikunst angefangen habe. Fragen, fragen und noch mehr fragen. Einige würden beantwortet aber noch immer gibt es fragen aufdenen ich keine Antwort bekommen habe. Aber die neugierde nach antworten ist und wird immer da sein.
Erst waren diese fragen nur Warumfragen. Mit der zeit habe ich gemerkt das ich damit den falschen weg auf den langen weg der Bonsaikunst eingeschlagen war.
Die Warumfrage ist eine einfache frage. Stelle ich diese Frage an einem Bonsaikunstler dann gibt es fast immer eine kürze sachliche Antwort, nicht mehr und nicht weniger, oder meine frage wird einfach nicht beantwortet. Gelingt es mir die Warumfrage anders zu formulieren dann bemerke ich auf einmal das der Bonsaikunstler meine frage mit viel mehr engagement entgegen geht. Aus eine einfache frage wird mit einem schlag einen austausch von erfahrungen, gefühle, vorbildern uzw. uzw.
Also empfinde ich die Bonsaikunst als eine art von Kunst indenen es auf keinen fall ums wissen alleine gehen kann. Die Bonsaikunst sollte viel mehr beinhalten als nur die Warumfrage. Niemals werde ich einen Lehrer sein den ich lerne jeden tag dazu. Niemals darf ich mich verhalten als einen Besserwisser. Jeder sollte die Bonsaikunst entgegen gehen dürfen auf die art denen für Sie oder Er das bringen möchte was Sie oder Er unter die Bonsaikunst versteht.
Wer kennt nicht den Beitrag über die Lärche ohne Seele. Meine aussage hat am anfang viel staub aufgewirbelt aber mit der zeit entstand einen Beitrag denen mit keine Warumfrage je zu formulieren war. Erfahrungen, gefühle, vorbildern uzw. uzw. sind ausgetauscht worden und plötzlich erkannten viele was Bonsaikunst zu stande bringen kann oder beinhaltet.
Ich habe einige jahren mit Eiben arbeiten dürfen und die erfahrungen die ich damit gemacht habe darf ich nicht für mich alleine behalten weil das nicht nach dem wahren inhalt der Bonsaikunst währe. Dieses gilt auch für Wachholdern und Kiefern. Deshalb möchte ich mich mit menschen darüber auseinandersetzen. Das ich dabei wieder Staub aufwirbeln werde davon bin ich mich bewust. Sehr sogar. Aber deswegen sollte es nicht heissen das man dies aus dem wege gehen muss oder soll. Auf keinen fall. Deshalb hoffe ich das Ihr, die mitglieder von diesem Forum sich trauen um mit mir den weg zu gehen der Bonsaikunst heißt. Eine weg voller Staub aber zusammen werden wir bemerken das wenn wir uns einem Blick über die Schulter zurück gönnen dieser Weg etwas begradigt worden ist.

Wörter die gesagt, geschrieben oder gelesen werden, kann man immer für die wahrheit halten. Der inhalt sollte man überprüffen können um daraus seine eigene meinung zu bilden

Urikawa

Wie Sie sehen wird es keinen beitrag geben oder sein denen Ihnen die passende antwort geben wird auf die Fragen die Sie haben. Trotzdem wage ich mich folgender frage zu formulieren.

Es würde mich interessieren was der Begriff Bonsaikunst für euch bedeutet?
Wer bin ich das ich sagen darf wie man die Bonsaikunst erleben sollte.


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Delamitri
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Re: die Bonsaikunst: einen weg voller Staub.

Beitrag von Delamitri »

Hallo Urikawa,

von Deinen Ausführungen bin ich zunächst sehr beeindruckt ... die Frage , die sich mir aufdrängt ist die, ob "Import"-Bonsai hierin eingeschlossen sind :?:

Übrigens, "Bonsaikunst" bedeutet für mich, ich "schaffe" einen Baum, der mir gefällt :!: :)
Bis bald!

K.

"Was machen Sie da?" wurde Herr K. gefragt. Herr K. antwortete: "Ich gestalte Bonsai."

tamandua
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Re: die Bonsaikunst: einen weg voller Staub.

Beitrag von tamandua »

Hallo,

schöner Beitrag. Hier wird deutlich, dass sich jemand bereits seit langem mit der Thematik auseinandersetzt und wohl viel vermitteln kann. Ich freu mich drauf :) .

Was ist für mich also Bonsaikunst?
Zunächst einmal sollte ich erwähnen, dass ich Biologe bin. Mich fasziniert seit jeher die Vielfalt des Lebens. Die komplexen Vorgänge, die es ermöglichen und die faszinierende Vielfalt, in der es existiert. Immer schon war es mir ein Bedürfnis, diese Vielfalt zu erkunden und soweit möglich zu verstehen, mich intensiv mit dem Leben zu beschäftigen, es in seiner Gesamtheit zu erfassen. Dies ist mir unter anderem durch die Beschäftigung mit Bonsai möglich.
Für mich ganz persönlich bedeutet Bonsaikunst den ganzheitlichen Umgang mit dem Lebewesen Baum. Die Pflege, die Ausdauer und Kontinuität erfordert, die Gestaltung, die Ruhe und Geduld benötigt, das Betrachten der Bäume und die Wahrnehmung der vielfältigen Formen, die sie haben. Und letztlich auch das ''Schaffen'' eines Baumes, der über einen langen Zeitraum seiner Entwicklung von mir begleitet wird und den ich zu formen versuche. So zu formen, dass er meinem ganz persönlichen ästhetischen Empfinden genügt aber vor allem immer auch so, dass der Baum Baum bleibt und nicht eine bloße Skulptur darstellt, die letztlich wirklich keine Seele mehr hat. Ein Baum sollte eine Geschichte zu erzählen haben.
Bonsaikunst ist also für mich in erster Linie das Begleiten und Schaffen eines Baumes, an dem ich das Leben in seiner Vielfalt und Schönheit studiere, während ich Geduld und in gewissem Maße auch Demut erlerne.

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bock
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Re: die Bonsaikunst: einen weg voller Staub.

Beitrag von bock »

Hallo Urikawa,

ich mag Eiben, sie wecken in mir ein Bild aus meiner Kindheit.

Mein erster beeindruckender Baum war ein Apfelbaum, unter dem mein Kinderwagen einst stand.
Kaum laufen gelernt habe ich meine Omi gefragt wie die Bäume heissen, an denen wir vorbei gegangen sind.
Noch in der Schulzeit habe ich begonnen, Bäume aus der Umgebung als Sämlinge in Blumentöpfen zu pflegen. Durch viele Misserfolge habe ich die Grenzen dieser Haltungsform erfahren. Bisher war mein Hobby geprägt von Pflegefehlern und Nachlässigkeit - mal ein paar Tage nicht gewässert, mal ein paar Jahre nicht gedüngt - ich habe viele Pflanzen verloren. Seit einiger Zeit weiss ich, was die Bäume brauchen um zu gedeihen. Bonsai ist wie Springtraining mit einem Senfkorn. Pflanze ein Senfkorn in die Erde und springe jeden Tag darüber. Das Senfkorn entwickelt sich zu einer großen Pflanze, die Sprünge werden immer höher. Bonsai ist ein ständiger Prozess des Lernens.
Die Kunst des Bonsai ist für mich das Staunen über die Harmonie des Baumes in seiner Schale. Über Jahre und Jahrzehnte hat es der Künstler geschafft, den Baum am Leben zu erhalten und sein Wachstum so zu lenken, dass der Eindruck entsteht, es handele sich um eine alte, den Unbilden des Lebens trotzende Pflanze, die vor Energie strotzt.
Für mich kommt es bei Bonsai in erster Linie darauf an, dass der Baum wohlproportioniert ist, dass Wurzelhals, Stamm, Äste und Laub von der Größe und Form zueinander passen, dass die Schale sich dem Baum unterordnet und dass ein Gesamtbild entsteht, das eine gewisse Harmonie ausstrahlt.
Was für mich persönlich nicht zu Bonsai passt, sind Jin-Skulpturen, die nur noch am Rande etwas mit in der Natur wachsenden Bäumen gemeinsam haben. Umso beeindruckender finde ich Bonsai, die von den klassischen Stilformen abweichen und eine gewisse Spannung in ihrer Wuchsform ausdrücken.
liebe Grüße Andreas
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Urikawa
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Re: die Bonsaikunst: einen weg voller Staub.

Beitrag von Urikawa »

von Deinen Ausführungen bin ich zunächst sehr beeindruckt ... die Frage , die sich mir aufdrängt ist die, ob "Import"-Bonsai hierin eingeschlossen sind.
Wurde es die Bonsaikunst gegenüber Fair sein wenn wir diese "Import"-Bonsai ausschliessen wurden?
Aus meiner sicht handelt es sich bei der Bonsaikunst wie gesagt nicht nur um die Frage des wissens alleine. Die gewisse Warumfrage.
Wie ich bemerke treten bestimmte gefühle hervor die jeder auf seiner art beschreibt. Kann es dann so sein das es nur einen Weg gibt denen man gehen sollte? Darf ich hier diesen weg verkünden?
Ich lese zum beispiel die wörter „dass der Baum Baum bleibt und nicht eine bloße Skulptur darstellt“. Etwas spätter lese ich die wörter „nicht zu Bonsai passt, sind Jin-Skulpturen, die nur noch am Rande etwas mit in der Natur wachsenden Bäumen gemeinsam haben“
Haben diese menschen die dies geschrieben haben etwa bei einander über die schülter mitgelesen, oder miteinander geplaudert? Nein keineswegs aber es sind wörter die innerhalb eines satzes aussagen was diese person über die Bonsaikunst empfindet. Aussagen denen ich zu respektieren habe.
Aber auch aussagen die mich zum nachdenken veranlassen. Das ist für mich das wahre Bonsaikunst gefühl. Kann es dann wörter wie Gut und falsch innerhalb der Bonsaikunst geben? Vielleicht ist es schwere kost denen ich hier schreibe aber ich bin mir sicher das ich eine gewisse anzahl von Bonsailiebhaber auf diesem weg erreiche. Der Staub begint sich aufzuwirbeln. Wer folgt?
Wer bin ich das ich sagen darf wie man die Bonsaikunst erleben sollte.

tamandua
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Re: die Bonsaikunst: einen weg voller Staub.

Beitrag von tamandua »

Hallo,

da meine Aussage angesprochen wurde, möchte ich sie ergänzen. Meine Aussage, ein Baum solle Baum bleiben und keine reine Skulptur, bezog sich lediglich auf meinen ganz persönlichen Geschmack, die von mir bevorzugte und ausgeübte Form der Bonsaikunst. Dies hat mit den Beweggründen zu tun, aus denen heraus ich mich mit Bonsai beschäftige. Diese Beweggründe habe ich oben geschildert.
Mir ist jedoch bewusst, dass meine Sicht der Dinge eben lediglich die meinige ist. Niemand muss sich ihr anschließen und ich möchte niemanden missionieren. Klar ist, dass auch die von mir persönlich nicht besonders geliebten Skulpturen, die nichts mehr mit natürlichen Wuchsformen zu tun haben, Bonsai sind. Und auch, dass sie Teil der Bonsaikunst sind. Sie haben ihre Berechtigung, da es Menschen gibt, die sich an ihnen erfreuen können und diese Art Bonsai ästhetisch finden. Es ist eben eine andere Spielart der Bonsaikunst, ebenso wie es beispielsweise Expressionismus und Impressionismus gibt.
Unabhängig davon, ob man das Ergebnis des schaffenden Künstlers ansprechend findet oder nicht, kann man aber immer die investierte Arbeit honorieren und die Gedanken, die sich der Künstler über lange Zeit gemacht hat, um seinen Baum zu formen und zu perfektionieren. Auch diese innere EInstellung zählt meiner Meinung nach zur Bonsaikunst.

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bock
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Re: die Bonsaikunst: einen weg voller Staub.

Beitrag von bock »

ich möchte mich meinem Vorredner uneingeschränkt anschließen. Mit Respekt vor dem Kusthandwerk, denn ich wäre nicht fähig, auch nur den kleinsten Jin einigermassen glaubwürdig zu gestalten.
Und auch ich bin gespannt, was für unterschiedliche Kunstauffassungen und Geschmäcker hier noch aufeinander treffen werden. Es kann noch richtig interessant werden!
liebe Grüße Andreas
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Urikawa
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Re: die Bonsaikunst: einen weg voller Staub.

Beitrag von Urikawa »

Ob man in der lage ist etwas naturgetrau zu gestallten ist einen satz der in die Bonsaikunst auftaucht wenn man sich traut sich mit dieser Kunstform auseinander zusetzen. Wielange man sich schon mit dieser Kunstform beschäftigt, oder welche bokale man damit erreichen kann sagt nur ganz ganz wenig über das persönliche empfinden aus. Wörter als Wow, Super, Falsch, Gut uzw. uzw. ebenfalls. Es geht dadrum was dahinter steckt.
Kann es dann so sein das ich hier der Lehrer bin der sagt so muss man die Bonsaikunst erleben?
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bock
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Re: die Bonsaikunst: einen weg voller Staub.

Beitrag von bock »

Urikawa hat geschrieben: Es geht dadrum was dahinter steckt.
Kann es dann so sein das ich hier der Lehrer bin der sagt so muss man die Bonsaikunst erleben?
Das wohl eher nicht, Urikawa. Das ist bestimmt auch nicht der Anlass für dieses Thema. Aber ich denke, du kannst uns Türen öffnen, unseren Horizont erweitern helfen. Vielleicht ein wenig Verständnis vermitteln, was Aspekte der Kunst angeht, die hierzulande ignoriert oder nicht gemocht werden - das hoffe ich zumindest. Wenn ich nach einiger Zeit der Auseinandersetzung mit anderer Leute Ansichten zu einem besseren Verständnis der oben erwähnten "Totholz-Skulpturen" komme, ist doch schon viel gewonnen. Ich bitte daher um Aufklärung der Hintergründe - auch wenn das einen "Crashkurs" in Zen oder Shinto bedeuten sollte, werde ich mich bemühen, zu lernen.
liebe Grüße Andreas
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Re: die Bonsaikunst: einen weg voller Staub.

Beitrag von mohan »

Urikawa hat geschrieben: Wer folgt?
Ich bin dabei.
Viele Grüße
monika

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Bonsai-Bene
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Re: die Bonsaikunst: einen weg voller Staub.

Beitrag von Bonsai-Bene »

Hallo, leider lese ich erst jetzt diese Thema,

Bonsai(kunst) ist für mich zuerst eine Lebenseinstellung, denn man übernimmt die verantwortung für Lebewesen und deren Leben

außerdem üben diese Bäume ganz besonders "Reife" exemplare eine gewisse "Faszination" auf mich aus die ich nicht beschreiben kann und mich nicht mehr loslässt.

Und Bonsai war der grund warum ich mich entschlossen habe Gärtner zu werden da ich einfach schon seit meinem 6oder 7ten Lebensjahr meinen Spaß daran hatte zuzusehen wie sich eine Pflanze im Laufe der Zeit entwickelt, natürlich hatte ich auch viele rückschläge mit den opligatorischen anfänger Bäumen, aber das Faszinierte mich noch mehr, ich hinterfragte das ganze und dachte mir WAS mache ich falsch Wie muss ich mit den Bäumen umgehen damit sie zunächst überleben und später zu einem ansehnlichen Bonsai werden? Und ich finde das sollte jeder der mit diesem "Hobby" anfängt sich auch fragen.

grüße Benedict
MfG Benedict

Versuche nicht wie der Meister zu sein, sondern suche nachdem was der Meister sucht!

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Norbert_S
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Re: die Bonsaikunst: einen weg voller Staub.

Beitrag von Norbert_S »

Ich würde gerne mit Staub wischen - nach dem Aufwirbeln.

Kunst?
Mit dem Begriff tue ich mich schwer, vielleicht eine Reflexion aus der Schulzeit in Erinnerung an resignierte Kunstlehrer. :)

Bonsai?
Übe ich seit vielen Jahren, erst allein, seit zwei Jahren mit großer Freude im AK Hamburg. Anfänger halt.

Natur?
Atme ich seit 55 Jahren ein und bin immer noch voll kindlicher Freude über ihre Vielseitigkeit und immer neuen Überraschungen.

Diese drei zusammen zu führen ohne Widerspruch wäre für mich mit einfachen Worten ein Ziel.
Mich selbst zurücknehmen, sehen, entdecken, entwickeln, zweifeln, manchmal sprach- und entscheidungslos und voller Freude, wenn der nächste Schritt gelungen scheint?!?!

gespannte Grüße

Norbert
Norbert

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Re: die Bonsaikunst: einen weg voller Staub.

Beitrag von motorrad-frank »

Hallo Urikawa,
nun, ich denke , es gibt viele Möglichkeiten, Kunst zu definieren : ein Zeitgeist, eine Epoche der Entwicklung oder der persönliche Geschmack innerhalb einer sich weiterentwickelnden Generation - ( In unserer Zeit durch eine Jury beurteilt und dann anerkannt ) .....Bonsaikunst ist für mich jedoch auch die Pflege und Achtung vor der Natur, und im weiteren Sinne das Weiterleben einer Persönlichkeit ( eines Menschen ) in einer durch Ihn geformten Pflanze -

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Dick
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Re: die Bonsaikunst: einen weg voller Staub.

Beitrag von Dick »

[quote="Urikawa
Es würde mich interessieren was der Begriff Bonsaikunst für euch bedeutet?[/quote]

Hallo Urikawa,

Unter den Künsten verstehe ich die Perfektion eines Weges.
Bonsai, verzeiht mir meine Offenheit, ist ein Weg: Vielleicht der des Ursprungs, die Kunst des Über-Lebens: Die Bäume waren immer schon da. Sie nicht nur zu gestalten, sondern zu fühlen halte ich für die Kunst.
Dick

Andreas Ludwig
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Re: die Bonsaikunst: einen weg voller Staub.

Beitrag von Andreas Ludwig »

Urikawasan

deine Frage scheint so einfach, aber die Antwort führt zu so vielen Antworten.

Als ich mit «Bonsai» begann, wusste ich gar nicht, dass es das gibt. Da war nur ein kleiner Baum, nicht einmal ein Baum, nur ein Sämling - und ich zertrat ihn. Ich war jung und es tat mir sehr leid. Mit etwas Schnur band ich den gespaltenen Sämling zusammen und pflegte ihn, was einfach war.

15 Jahre später war aus dem Sämling ein Busch geworden, eine Linde. Gelegentlich topfte ich sie um, aber die Töpfe wurden immer grösser und ich nicht stärker. Irgendwann stiess ich auf ein Buch von Paul Lesniewicz, in dem er beschrieb, wie man Bäume in Töpfen pflegen kann. So kam ich zu «Bonsai».

Seither ist viel geschehen. Ich habe viel ausgegraben, vieles erfolgreich gepflegt und manches erfolglos. Schritt um Schritt kam ich in hinaus in diese Bonsai-Welt. Ich sage «hinaus» und nicht «hinein», denn ich habe nie eine Grenze entdeckt, die die Welt der Bonsai abschliesst. Ich sehe viel, aber kein Ende, der Garten wird nicht kleiner, sondern jedes Jahr grösser. Wenn ich denke, ich habe etwas verstanden, entdecke ich am andern Tag etwas Neues und wenn ich meine, SO solle es sein, sehe ich bald darauf zwei oder drei weitere Möglichkeiten.

Ich? nein - immer mit mir sind sie, die Bäume. Sie sagen nichts, sie sind nur - und sie sind stärker als ich. Sie vollziehen, was ich mir ausdenke - und oft gehen sie einen anderen Weg. Ich musste lernen, mich dem zu beugen und durfte erkennen, dass das eine Freude ist.

Kunst? Bonsai? Ach - vielleicht. In erster Linie ist es eine Welt, in der ich mich gerne aufhalte. Eine Welt, in der all das, worauf wir Menschen so stolz sind, wenig zählt - Sprache, Intellekt, Planung, Ab- und Versicherung. Eine sprachlose, wunderbare Welt der Bilder.

Die Linde lebt immer noch.
Mein grösster Stolz - nie gezeigt.
It is not enough to be busy. So are the ants. The question is: What are we busy about?
(Thoreau)

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