Umtopfen und umpflanzen von Eiben

Nicht nur eine Frage nach dem Warum
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Urikawa
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Umtopfen und umpflanzen von Eiben

Beitrag von Urikawa »

Umtopfen und umpflanzen von Eiben

Eiben sind in ihre Pflege sehr eigenwillige Bäume wenn sie für Bonsaizwecke genützt werden. Nicht nur besitzt sie die eigenschaft ohne weiteres Saftbahnen zu verlegen.
Beachtet man beim umtopfen und umpflanzen einige Spielregeln nicht, so steht ihr wachstum nach dem umtopfen oder umpflanzen, ein ganzes Jahr still. Auch wenn ihr neues zuhause in Kiste, Container oder Schale falsch gewählt wird kann dies viele probleme hervorrufen.

Viele Bonsailiebhaber legen beim umpflanzen der Eibe keinen wert darauf das umpflanzen nicht bei jeder Baumart dasselbe verlauft. Auch wissen viele nicht dass das umpflanzen einer Eibe aus dem Freiland in eine Kiste, Container oder Schale dafür sorgt das die Eibe nicht mehr “Winterhard” ist.
Eiben sind sehr empfindlich für dass vordrängen in das Zentrum ihres Wurzelballens Eingriffe in ihre Wurzeln sollten deshalb durchdacht sein. Krallen oder Wurzelhaken sind wahre Mordwaffen für die Wurzeln der Eibe die man besser nicht benutzen sollte bei Eiben. Dasselbe gilt für Esstäbchen.
Versteht man es um der Kern des Wurzelballens der Eibe zu schonen, wird dies dafür sorgen das sie ihrem Wachstum nicht komplett “still legt”.
Wer aber damit denkt das der Wurzelballen der Eibe nur oberflächlich geschnitten wird muss, muss ich leider enttäuschen.
Je härter zurückgeschnitten werden KANN, je besser wird die Eibe darauf reagieren durch viele Knospen auszubilden.
Auch dies heißt aber wiederum nicht das ich bei jede Eibe so vorgehen kann. Es ist also ratsam zu wissen welch eine Funktion eine Wurzel für die Eibe hat.
Es gibt lange dicke Wurzeln die nur dafür dienen um den Baum halt zu geben. Die selbe Eibe kann von diesen langen dicken Wurzeln auch einige dafür nutzen um Nährstoffe zu transportieren.
Deshalb können nicht ohne weiteres diese Wurzeln geschnitten werden. Auch farbe der Wurzeln sagt vieles aus. Ohne weiteres können schwarze Wurzeln entfernt werden. Nein, besser gesagt, müssen entfernt werden.

Kiefer und Zeder mögen es nicht wenn lange Wurzel einfach geschnitten werden. Je mehr Wurzeln vorhanden bleiben um so besser überstehen diese Bäume das umpflanzen.
Möchte man bei Eiben so vorgehen das eine große menge an Wurzeln in die Kiste, Container oder Schale gelangen, ist es nicht undenkbar das innerhalb kürzeste Zeit Wurzelfaule entsteht.

Wie auch immer der Wurzelballen geschnitten wird, der Kern des Wurzelballens darf nicht durchbrocken werden.
Ich habe so zumbiespiel festgestellt das Eiben wovon der Wurzelballen ausgespüllt worden war, ein ganzes Jahr “stillstanden” ohne auch nur etwas Wachstum zeigen zu wollen.
Der Kern des Würzelballens wurde mit dem Wasserstrahl komplett auseinander gespüllt.
Ich möchte hiermit nicht behaubten dass man den Wurzelballen nicht mit Wasser ausspüllen kann.

Da die Wurzeln der Eibe aus viele Röhrchen bestehen können sie viel Wasser enthalten. Diese viele Röhrchen wiederum sorgen auch dafür das feinen Wurzeln der Eibe sehr zerbrechlig sind. Dies ist der grund um es besser sein zu lassen mit Esstäbchen arbeiten zu wollen. Uns Wasserstrahl…naja ihr weisst schon.
Ein weiterer wichtige Besonderheit die Eibenwurzeln besitzen, ist die grosse “Aktivität” wenn es ums heranwachsen geht, aufweisen.
Diese “Aktivität” sorgt dafür das die Eibe unmengen an Feinwurzeln ausbilden können. Innerhalb eines Jahres können die Schalen komplett ausfullen. Ich sage sehr bewußt, können, weil es auch hier wiederum einiges zu beachten gibt.
Steht eine ältere Eibe in eine Schale die so ausgewählt worden ist das ihr Wurzelballen beim umtopfen nur 5cm bis 10cm freiraum auf jede seite (nicht unterseite) kennt, wird dies für hervorragende bedingungen sorgen neue Wurzeln aus zu bilden.
Da diese Eibe unmittelbar nach dem umtopfen mit ihre Wurzeln die Innenseite der Schale berührt “wissen” die Wurzel das sie auf der suche nach Nahrung gehen müssen. Ein Signal das dafür sorgt das sie Eibe al ihre kraft in das regenerieren ihres Wurzelballens steckt.
Misachtet man dieses Merkmal die Eibenwurzeln besitzen, und topft man die Eibe ohne weiteres um in eine große Schale, wird sie mehr als einem Jahr benötigen um einige neue Wurzeln auszubilden.
Ein zu groß gewählte Behälter, Kiste, Container oder Schale sorgt ebenfalls dafür das Wasser zu lange in die Erde bleibt. Was dies für folgen hat können sie sich denken. Oder?
Auch wenn die Mixtur sehr Wasserdurchlässig ist, bleibt trotzdem zu viel Wasser in den Hohlräumen zurück.
Viel wichtiger ist aber der Punkt der Sauerstoff heißt. Wie sie wissen können Wurzeln ohne Sauerstoff nicht wachsen. Der Bonsailiebhabber sollte also dafür sorgen das bedingungen da sind das Wurzeln “Aktiv” atmen können. Bei jedes mal das gegossen wird, sollte ein austausch von Sauerstoff stattfinden. Ist die Eibe in einem großen Behälter, Kiste, Container oder Schale in der lage “Aktiv” zu atmen, neue Wurzeln auszubilden wie die Eibe dass gerne möchte? An Ihnen die möglichkeit um diese Frage zu beantworten.
Auch hiermit ist es also wiederum zu erklären weshalb eine Eibe ein Jahr lang nach dem umtopfen fast kein Wachstum zeigt.
Al diese gründe sind es für mich die der Pflege eine Eibe so interessant und zwierig zugleich macht. Trotzdem hoffe ich dass ich euch damit dienen konnte.
Wer bin ich das ich sagen darf wie man die Bonsaikunst erleben sollte.


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Urikawa
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Re: Umtopfen und umpflanzen von Eiben

Beitrag von Urikawa »

Teil zwei: WurzelAktivität erkennen.

Wie schon im ersten Teil geschrieben sind Eiben empfindlich in ihre Wurzeln. Ihre “Aktivität” kann sehr groß sein.
Um ihrem Wachstum der Wurzeln auch richtig „austoben“ zu können ist es wichtig das Eiben einen Kern im Wurzelballen zeigt wovon die Wurzeln auskiemen.
Betrachtet man eine Gesunde Eiben-Wurzel kann man einiges über sie sagen.
Nicht nur von der Färbung her, sonder auch ihr Volumen. Und nicht zu vergessen den Geruch denen sie aufweisen.

Ist der Wurzelballen einer Eibe völlig lebendig, gibt sie einen Sauerlichen Geruch von sich. Kann man während der arbeit am Wurzelballen der Eibe diesen Geruch nicht erkennen stimmt etwas nicht in ihre „Aktivität“

Soviel zum Thema Geruch. Wie gesagt lässt sich vieles über die Eibenwurzel aussagen anhand ihre Farbe.
Ist die Primaire Wurzel, also die Haubtwurzel, Blutt gefarbt, wie wir das auch in Rinde der Eibe erkennen können, somit ist dieser Wurzel völlig OK.
Betrachtet man dann die an ihr wachsende Secundairen Wurzeln sind dieses von ihre Färbung her, hell Braun. Schließlich sind am ende der Secundairen Wurzeln die Feinwurzeln zu erkennen. Sie sind fast Weiss.
Wenn wir uns die Wurzeln ansehen ist ebenfalls erkennbar das sie vom Volumen her, ausgefüllt und Rund wirken.

Sehen wir uns die Wurzeln an indenen kein Leben mehr vorhanden ist, sind al diese hier genannten Merkmale plötzlich anders.
Die Blutrote Farbe der Primairen Wurzeln ist völlig verschwunden und ist durch eine Schwartze Farbe ausgetauscht worden.
Secundaire Wurzeln zeigen keinem Volume mehr. Sie sehen aus wie zerdrückt. Außerdem wirken sie sehr sher zerbrechlich.
Schließlich wenn wir die Feinwurzeln betrachten, ist keiner von ihnen noch erkennbar mir einer Weisser färbung. Sie ziegen eine Orange Braune farbe.

Sind am Wurzelballen der Eibe viele bis sehr viele Feinwurzeln zu erkennen kann bis 40% und an sehr gesunden Wurzelballen, bis 65-70% der Wurzeln abgeschnitten werden.
Der Baum zeigt immer der Weg der zu gehen ist. Hat man beim Wurzelschnitt nur Auge für jede menge abgeschnittene Wurzeln und versucht man nicht zu verstehen was im Wurzelballen zu hervor geht, wird man im negativen sinne des Wortes dafür belohnt werden.
Wurzel die an der Oberfläche Wachsen werden beim Wurzelschnitt so viel wie nur möglich belassen. Sind dort etwas längere Wurzeln vorhanden, kein problem, sie werden mit vorsicht in die Erde eingearbeitet.
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Lioth
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Re: Umtopfen und umpflanzen von Eiben

Beitrag von Lioth »

Danke Patrick!! *daumen_new*
Wieder was dazu gelernt!!
Gott schuf die Zeit, von Eile hat er nichts gesagt...!

Allegra
Gerd
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Thierry
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Re: Umtopfen und umpflanzen von Eiben

Beitrag von Thierry »

Fantastisch was man dank dir noch alles dazu lernen kann. :D
Vielen Dank Patrick für diese exzellente u. bebilderte Erklärung!
Viele Grüße,
Thierry

"A juniper without jin is like a dog without fleas : not natural..." - John Naka

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bonsaiheiner
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Re: Umtopfen und umpflanzen von Eiben

Beitrag von bonsaiheiner »

Hallo,
vielen Dank Urikawa für diese ganz hervorragende Herausarbeitung des Themas Umpflanzen und Wurzelzustand bei Eiben.
Ich muss erkennen, dass meine Eiben eigentlich nur durch Zufall bisher überlebt haben,
Ich kommme mir vor, wie jemand, der mit verbundenen Augen versucht hat, mit dem Thema umzugehen...
bonsaiheiner
Ein Tag ohne Beschäftigung mit Bonsai ist ein verlorener Tag!

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wusel-12
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Re: Umtopfen und umpflanzen von Eiben

Beitrag von wusel-12 »

wollte auch mal sagen, daß es sehr interessant war.
hab 3 zweijährige sämlinge im garten u werde beim umpflanzen an diese zeilen denken.
vermutlich sind bei solch jungen pflanzen die wurzeln aber noch nicht so gefärbt.
naja, werde es ja sehen.
gruß aus genthin, Andreas

Micha369
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Re: Umtopfen und umpflanzen von Eiben

Beitrag von Micha369 »

Hallo Urikawa,
zunächst mal vielen Dank für dein Engagement und deine sehr sachdienliche Hilfe hier.
Kannst Du bitte noch was zum richtigen Zeitpunkt des Umtopfens und zum Substrat sagen ?
Gruß Micha

Kiyohime1
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Re: Umtopfen und umpflanzen von Eiben

Beitrag von Kiyohime1 »

Toll, besten Dank für diese ausführliche Anleitung. See hat mir sehr weiter geholfen. Ich habe Sie gleich ausgedruckt und einem Freund mitgegeben, der auch total begeistert war.

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Hergenröder J.
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Re: Umtopfen und umpflanzen von Eiben

Beitrag von Hergenröder J. »

Hallo Urikawa,

vielen Dank für Deine sehr interessanten und hilfreichen Beiträge.

Du schreibst
Auch wissen viele nicht dass das umpflanzen einer Eibe aus dem Freiland in eine Kiste, Container oder Schale dafür sorgt das die Eibe nicht mehr “Winterhard” ist.
Bis zu welcher Minustemperatur kann die Eibe im Winter im Jahr des Umtopfens stehen, bzw. welche Plustemperaturen dürfte sie maximal im Winter abbekommen?

Ich habe im Frühjahr eine Eibe vom Friedhof bekommen, den Wurzelballen reduziert und in eine Holzkiste verpflanzt. Sie treibt erste Knospen.
"Die Kleinigkeiten erzeugen Perfektion, aber Perfektion ist keine Kleinigkeit."

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Urikawa
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Re: Umtopfen und umpflanzen von Eiben

Beitrag von Urikawa »

Bis zu welcher Minustemperatur kann die Eibe im Winter im Jahr des Umtopfens stehen, bzw. welche Plustemperaturen dürfte sie maximal im Winter abbekommen?
Diese fragen sind nicht mit eine Antwort zu beantworten. Vieles hängt dabei vom älter des Bäumes ab, wie ihr Wachstum gewesen ist, ist viel Wasser gegeben worden, sind grosse Düngergaben vorgenommen worden, wurde sie in eine kleine Schale gepflanzt unsw

Wichtig ist nicht die Temperatur sondern das Wasser.
Umgepflanzte Eibe ertragen ohne weiteres minus Temperaturen. Viel wichtiger ist das während die Überwinterung der Wurzelballen nicht zuviel Wasser in sich trägt.
Im Freiland wachsende Eiben kennen fast nicht das Problem von Staunässe. Wenn doch gehen sie vor dem Winter schon ein.
Wenn die Temperatur im Winter über den Gefrierpunkt kommt zeigt die Eibe wachstum in ihre Wurzeln. Geht dabei die Temperatur in richtung der 10 Grad Plus und ist viel Wasser im Wurzelballen vorhanden, wachsen fast alle Wurzeln. Kommt danach erneuht Frost dann gefrieren diese neue Wurzeln. Durch das viele Wasser das die neuen Wurzeln erhalten "Explodieren" regelrecht diese Neue Wurzeln. Auch bei minus 2 Grad. Diese Wurzel die also abgestorben sind sorgen innerhalb eine Woche für Wurzelfaule wenn der Wurzelballen auftaut. Dies alles nur weil zu viel Wasser im Wurzelballen vorhanden ist. Also nicht die minus temperatur deswegen.

Viele Bonsailiebhaber quetschen beim umpflanzen die Eibe in eine viel zu kleine Schale, Kiste oder Container hinein, wenn sie aus dem Freiland entnommen wird. Es spart platz und es sieht besser aus, sind oft die Gründe dafür.
Aber es bedeutet jede menge Stress für die Eibe.
Gerade diesen Platzmangel und einen zu Nassen Wurzelballen sorgen im Winter für probleme. Nicht die Minus 15 Grad Frost.

Werden Eiben nach dem Langsten Tag des Jahres umgepflanzt durfen sie keine Temperaturen von minus 5 und mehr ausgesetzt werden.
Wer bin ich das ich sagen darf wie man die Bonsaikunst erleben sollte.

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Stephan mit ph
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Re: Umtopfen und umpflanzen von Eiben

Beitrag von Stephan mit ph »

Vielen Dank, Patrik.
Deine Antwort erklärt mir Einiges und ich kann gut umsetzbare Schlüsse und Vorgehensweisen daraus ziehen.
Viele Grüße
Stephan

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Hergenröder J.
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Re: Umtopfen und umpflanzen von Eiben

Beitrag von Hergenröder J. »

Auch ich danke für die Antwort.

Die Eibe hatte einen flachen Ballen und wurde bereits im April umgepflanzt in eine quatratische Kunststoffkiste mit Löchern.

Der Wurzelballen wurde nur mäßig reduziert, allerdings zu ca. 2/3 ausgekämmt und in durchlässiges Substrat gesetzt. Die Eibe treibt aktuell sehr schön durchgängig und gleichmäßig aus.

Um das Wasserproblem im Winter zu vermeiden werde ich die Eibe unter einem Vordach Wind- Regen und Sonnengeschützt überwintern. Sie wäre also wenn es richtig Frost gibt draussen. Falls es wenig Frost gibt ist es bestimmt sinnvoll ganz wenig zu gießen, damit der Ballen nicht ganz austrocknet?

Danke und schöne Grüße,

Jürgen
"Die Kleinigkeiten erzeugen Perfektion, aber Perfektion ist keine Kleinigkeit."

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