GESTALTUNG

Andreas Ludwig
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GESTALTUNG

Beitrag von Andreas Ludwig »

Ich habs in Grossbuchstaben geschrieben. Das macht man so mit Donnerworten.

Ge-stalt-ung!
(Ge-stal-tung?)

Egal. jedenfalls sieht man in der entsprechenden «öffentlichen Abteilung» hier, was dieses Wort anrichten kann. Da sitzen erwachsene Männer im Sandkasten und neiden sich die Kuchenformen. Ich falle auch immer wieder drauf rein...

Also zur Gestaltung.

Wir haben kaum mehr als nichts: einen feuchten Kern im Dreck. Erzählt das mal, wenn ihr gefragt werdet, was ihr so macht: «Ich warte darauf, dass mein Granatapfelbaumkern keimt.» Ihr werdet schon sehen.

Also müssen wir nicht sehr eitel sein. Das ist angenehm, es erspart einem Schlaumeierei, Auftrumpfen, Gehässigkeit und noch zehn oder zwanzig Strategien, die man dann anwendet, wenn es nicht um die Sache selbst geht.

Dann haben wir Zeit. Dieses Jahr dürfen wir mit einem belaubten Zahnstocher mit feschen roten Kanten rechnen (auch hier - erzählt das mal!)

Aber wir haben nicht ewig Zeit und einen Anspruch gibt es auch - den der Pflanze. Die wird Entscheide fordern und Grenzen setzen. Bis wir uns irgendwann mal an den Kragen gehen wegen dann aktuellen Stilfragen, könnten wir uns ja für die Pflanze warmlaufen.

Es ist zwar so, dass immer der Baum den Gestalter anführt, andererseits sollte dieser aber nicht überrascht reagieren. Das bedeutet, der Gestalter sollte eine Ahnung haben, womit er umgeht, je früher, umso besser. Das ist nicht ganz so banal und vielleicht lächerlich, wie es sich lesen mag. Das Reservoir an Vorbildern, die in die Gestaltung von Punica einfliessen können, ist in jeder Hinsicht riesig.

Schön. Also her mit Bildern von Granatapfelbäumen. Ganze oder Teile davon, Bonsai oder Freiland, Normales oder Eigenartiges, Eigen- wie Fremdbesitz, auch Skizzen sind willkommen. Hier in diesem ersten Teil - weitere werden nach Bedarf eröffnet - wollen wir mal sehen, was der Granatapfelbaum theoretisch kann und wirklich tut.

Ein jeder und eine jede, wie er oder sie gerade mag! Klassische Gestaltungen der 80er Jahre zeigen viel über die Feinverzweigung, natürliche Vorbilder viel über das Dickenwachstum, Bilder von alten Birnbäumen in Norddeutschland könnten auch...

Gestalten wir mal die Idee.
:wink:
Anastassia
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Beitrag von Anastassia »

Dazu fällt mir ein, das Botanische Garten Berlin Dahlem hat eine hübsche kleine Sammlung an Granatäpfeln im Kübel. Alles bereits statliche Exemplare, mindestens 4 oder 5 Pflanzen. Ich glaube es waren allerdings Nanas.

Ich werde mal zusehen, das ich einen Familienausflug organisiert bekomme. Solte jemand aus der Berliner Fraktion mir zuvorkommen und schöne Bilder schießen, bin ich nicht sauer :wink:

LG Anastassia
Andreas Ludwig
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Beitrag von Andreas Ludwig »

Ob Nana oder Mega spielt für uns nicht so eine grosse Rolle. Die grundlegenden Eigenschaften, Wuchs, Verzweigung etc. sind ja dieselben. Also nur zu.
CamKnight 1
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Beitrag von CamKnight 1 »

OK Dann mach ich mal den Anfang. Hoffe die Bäume passen hier rein also:


Granatapfel 1
Granatapfel 2
Granatapfel 3
Granatapfel 4
Zuletzt geändert von CamKnight 1 am 08.03.2007, 14:14, insgesamt 2-mal geändert.
Andreas Ludwig
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Beitrag von Andreas Ludwig »

Das ist schon mal gut, denn es zeigt zwei Eigenheiten von Punica granatum sehr gut: Die «Apikaldominanz» und die «Stammhohrückigkeit».

Das erste Wort heisst auf deutsch: der Baum wächst ganz ausgeprägt in den Spitzen, nicht rundum gleichmässig. Also hat, wer eine Punica über lange Zeit pflegt, dasselbe Problem wie mit Myrta, Serissa und anderen. Das Ding wächst stets nach oben. Viel drahten, viel rausschneiden. Oder kurz halten. Die abegbildeten Exemplare sind eher Beispiele für eine Bearbeitung, bei der man eine Weile durchwachsen lässt und dann zurückschneidet. Gibt schönen Zuwachs bei Ästen, ist aber für Minis bedingt geeignet.

Das zweite Wort heisst so etwa: Der Stamm ist gewellt. Wie ein Quittenbaum. Schön, sehr schön, dauert aber. Das letzte Exemplar ist ein Beispiel für eine Gestaltung, die man so etwa mit 40 anfangen sollte. Sonst hat man selbst wenig davon. Vieles daran ist zwar streng genommen Resultat von Überwallungen, kommt aber aufs selbe raus.
Zuletzt geändert von Andreas Ludwig am 06.03.2007, 21:12, insgesamt 1-mal geändert.
Andreas Ludwig
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Beitrag von Andreas Ludwig »

Noch eine Feststellung: Die Bilder zeigen, wie das mit den Blüten so ist. Die hat man erst bei einigermassen durchgewachsenen Bäumchen und ganz sicher nur aussen, am Ende von zwei bis drei Hand breiten Trieben. Also kein primäres Gestaltungsziel für Minibonsai, es sei denn, es fällt mal irgendwo ein Futterast an. Dass eine Frucht, lässt man sie stehen, einem Mini alles wegfuttert, ist von selbst klar.

Und jetzt mal - als Kontrast gewissermassen - ein paar ganz junge Pflänzchen. Ein, fünf und sieben Jahre alt.

- Die einjährigen im runden Töpfchen sind ganz einfach abgeschnittene Triebe. Da kann man alles draus machen: In hohe Kübel mit Sanderde pflanzen, um Wurzeln zu ziehen, klein halten, auswachsen lassen...

- Drei Triebe vom letzten Jahr, zusammengepackt, so dass sie verwachsen werden. Das ist bei Punica recht einfach.

- die fünfjährigen Pflanzen zeigen, wie zuverlässig Punica auf Rückschnitt reagiert: Sehr schnell ergibt sich eine Verzweigung. Aber kaum Stammzuwachs. Die sind nur etwa sieben Zentimeter gross. Das wird dauern.

- die siebenjährige Pflanze durfte vier Jahre lang einfach durchwachsen, keinerlei Massnahmen. Danach massiver Schnitt. Vorteil: Dickenwachstum. Nachteil: gerade Stammpartien. Mal sehen, was jetzt kommt - Abwurzeln, Krümmen, Rückschnitt - alles liegt drin bei Punica.

Ganz und gar unwichtig sind auf diesen Bildern die Schalen. Wird ja nicht ausgestellt, das Zeug. Kaum vorhanden sind auch die Wurzelansätze, das dauert noch eine Weile. Aber dazu später.
Andreas Ludwig
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Beitrag von Andreas Ludwig »

So. Wenn ich meine Kontrollgänge abziehe, bleiben von 83 Klicks auf die Bilder genug übrig, um anzunehmen, dass ich anhängen kann:

---

Wir haben einige Bilder wirklich sehr schöner alter Granatapfelbonsai und einige Undergroundbilder aus dem Labor gesehen. In beiden Bildserien steckt für den Bonsaigestalter viel Information. Man muss mit der Zeit lernen, sich nicht blenden zu lassen. Nicht vom eingerichteten Ambiente inklusive professioneller Studiobeleuchtung und Wahl des Hintergrunds, nicht von miserabler Bildqualität und Kaufhaustöpfchen, auch nicht vom Wert des Baums.

Wenn man Bonsai anschaut, muss man wissen, wonach man sucht, worum es geht. Ganz bestimmt ist das so, wenn man vor Ausgangsmaterial steht, das leuchtet ein. Im Prinzip ist es dasselbe bis ganz oben, wo klingende Namen Dinge präsentieren, zu denen man dann, ganz gegen die Erwartung, spontan keinen Zugang findet. Nimmt man dieses Prinzip wirklich philosophisch, ist es zur Hälfte unsere Schuld, wenn uns etwas hässlich erscheint, weil wir nicht imstande sind, die Hälfte des Weges zu gehen.

Das kann jemand anderes woanders durchkauen. Für uns mit den Kernen im feuchten Dreck bleiben einfache Fragen. Was ist da also?

- Punica altert gut, in den dicken Stämmen der ersten Bilder sieht man das Potenzial der langfristigen Entwicklungen. Die Ausbildung der Astpolster und Kronen zeigt, dass sich die Feinverzweigung gut steuern lässt. Schönes Grün, seltene Blüten eine willkommene Überraschung.

- Dasselbe zeigen die fünfjährigen, aber kläglichen Sprösslinge weiter unten: Die Verzweigung ist eigentlich leicht zu machen. Jedenfalls im Vergleich zu einer Kiefer.

- die Siebenjährige zeigt, dass ein chinesischer Stil des Wachsenlassens und starken Rückschneidens bei der Stammentwicklung durchaus hilft.

- Fehlt bloss ein Bild der Wurzeln eines Fünfjährigen, umgetopft vor einem Jahr. Lange Bärte, gut dreimal so lang wie er Baum. Das sind gute Nachrichten für alle, die gerne «Wurzel über Stein» gestalten.

Jetzt merkt man was: Wenn eine Art so bereitwillig Gestaltungsmassnahmen annimmt, hat man natürlich die Qual der Wahl – Einzelbaum? Sumo? Frei aufrecht? Freier Besen? Norddeutscher Appelboom? Über den Stein? Bald? Oder lieber fünf Jahre wachsen lassen und dann abschneiden, damit in 25 Jahren ein richtig dicker, gedrehter Stamm da ist?

Gut, dass wir mehrere haben.
Andreas Ludwig
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Beitrag von Andreas Ludwig »

Noch was Erfreuliches:

Vielleicht reichts nicht für grosse, blühende Sumo-Ringer. Mehr als hässliche Stecklinge ist aber drin in unserem Kurs.

Die Mitte habe ich bei (Korrektur:) «irgendwo» gefunden. Das Bild (Korrektur:) «habe ich ganz alleine gezeichnet». Hier (Korrektur:) «ein skizzierter» Granatapfelmini, den wir uns zutrauen können.

(So, der1. Das wäre dann die anwaltlich korrekte Form. Mache ich nur, weil ein deutscher Verlag seine Mails nicht liest und ich Euch nicht in Verlegenheit bringen will. Die vorherige Version hätte dem Bankkonto des Vorlagenbuchautors viel mehr gebracht. Da bleibe ich stur.)
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Zuletzt geändert von Andreas Ludwig am 08.03.2007, 19:14, insgesamt 2-mal geändert.
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Beitrag von der1 »

Andreas Ludwig hat geschrieben:...Das Bild kopiere ich ohne freundliche Genehmigung, dafür empfehle ich seinen Doppelband «Bonsai. Vom Grundkurs zum Meister»...
Entschuldigung, aber da muss ich doch ganz flugs einlenken.

Mit derlei Copyright-Verletzungen können wir uns massive Probleme einhandeln, allen voran Monika, die numal hier im Impressum steht und die sich rechtlich gesehen die Bilder zu Eigen macht (auch wenn sie selbst gar nichts getan hat). Wenn sie eine Abmahnung auf dem Tisch liegen hat, ist es aus mit dem gesamten Forum.

Bitte nimm das Bild wieder heraus. Es wird sich doch hoffentlich etwas vergleichbares finden lassen, wo man hinlinken kann...?

Auch an dich, CamKnight, richte ich die gleiche Bitte: wenn du die Bilder nicht selbst gemacht hast oder nicht sicherstellen kannst, dass diese wirklich frei verwendbar sind, nimm sie bitte wieder heraus. Ich gehe davon aus, dass du sie ohnehin über eine Suchmaschine gefunden hast, daher wäre eine Verlinkung zum Bild besser.

Es tut mir leid, aber, aber das muss leider sein.

Liebe Grüße

¹
Und wenn wir jetz so zusammen liegen / Ich wollt es sagen, aber hab mich nie getraut
Immer öfter, wenn wir uns berühren / Spür ich den leeren Raum zwischen unsrer Haut.
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Beitrag von Andreas Ludwig »

der1

ich bin mir sicher, dass es da keine Probleme geben wird. Die Frage ist immer, wie man vorgeht. Da ich Stahl nicht verunglimpfe, sein Bild deutlich als seines bezeichne, auf sein Buch hinweise und es sogar empfehle, handelt es sich hier um eine Form der Referenz, nicht um Diebstahl. Ich kläre das und bitte dich, solange abzuwarten. Danke.
CamKnight 1
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Beitrag von CamKnight 1 »

Hab die Suchmaschinenbilder als Links eingestellt. Hoffe jetzt is wieder alles in Ordnung.

Gruß Martin
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Beitrag von Andreas Ludwig »

Hier die Nachlieferung: Wurzelentwicklung an einer siebenjährigen Punica innerhalb eines Jahres (das bedeutet: Sie wurde mit einem frisch zurückgeschnittenen Wurzelteller eingetopft im März, 06, jetzt sieht es so aus). Links wie gewachsen, rechts abgewickelt.
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Beitrag von mohan »

Bild

DAS (!) ist natuerlich auch eine schoene Loesung, nur hast du den Topf auf einen Frosch gestellt! :lol:
Andreas Ludwig
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Beitrag von Andreas Ludwig »

Sowas.

da sieht man mal. Kaum muss man die Phantasie bemühen, brennt sie auch schon durch...

Es ist schon verständlich, dass man vielerorts Kreative einsperrt.
8)
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Beitrag von der1 »

Meinen Respekt!

Sollte der Verlag sich doch noch melden, Pech gehabt *floet*

Besten Dank (natürlich auch an dich, CamKnight) und liebe Grüße

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