Naturalistische Eiche

Der richtige Ort Bonsai (Baum in Schale mit gewisser Reife) vorzustellen und zu präsentieren. Der Threadersteller möge bitte im Eröffnungsthread darauf hinweisen wenn allgemeine Kommentare unerwünscht sind. Andernfalls stellt sicher, dass ihr etwaige fachliche Kritik durch die "DREI SIEBE" gesiebt habt!
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RoyF.
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Naturalistische Eiche

Beitrag von RoyF. » 17.11.2009, 23:19

Hallo Bonsaifreunde

Schaue dem Treiben in diesem Forum schon eine Weile zu, aber hab bis jetz nie von mir hören lassen. Das soll sich aber ändern. Ich beschäftige mich auch schon einige Jahre intensiv mit dem Thema Bonsai und wollte heute einen Eichenyamadori vorstellen, welchen ich im Frühjahr 2009 ausgegraben habe. Der Baum ist an der Stammbasis 7-8cm breit, 65cm hoch und zwischen 60 und 80 Jahre alt. Über den Sommer sind sternförmig um den Stamm herum neue Wurzeln bis zu Fingerstärke gewachsen. Wird garantiert ein sehr schönes Nebari. Die Rinde ist wie man sieht auch schön entwickelt (auch an den Asten). Zudem sind einige natürlische entstandene Totholzstellen am Stam und einem Ast, welche mal zu natürlischen Shari entwickelt werden sollen. Den Baum habe ich Walter Pall gezeigt und er meinte die Eiche könne mal ein guter Bonsai werden. Mal schauen. Bis dahin sind es sicher noch 6-10 Jahre Arbeit (Geduld ist eine Tugend). Der Baum soll auf jeden Fall aus einer naturalistischen Sicht heraus gestaltet werden. Wenn ich dazu komme stelle ich nächste Woche Bilder von der Herbstfärung und ohne Laub rein.
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Lutz Marx
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Re: Naturalistische Eiche

Beitrag von Lutz Marx » 18.11.2009, 08:24

hallo roy,

das ist eine sehr interessante eiche, so was findet man wirklich selten. die borke und auch die verjüngung ist super, der baum ist insgesamt schon als yamadori sehr kompakt. das problem ist die fehlende verzweigung in stammnähe. ich denke, du wirst die eigentlich schönen hauptäste stark einkürzen müssen, um neu aufzubauen. aber auf jeden fall ein sehr lohnenswertes projekt. wie sieht das nebari aus? als kleiner tipp noch (ich weiß nicht, auf welchem stand du so bist): eichen sind in der schale relativ frostempfindlich, stell sie sehr geschützt über den winter oder sogar frostfrei ins gewächshaus o. ä.


lg,lutz

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Re: Naturalistische Eiche

Beitrag von Heike_vG » 18.11.2009, 11:22

Hallo Roy,

das ist wirklich ein toller Baum! Den würde ich gerne mal ohne Laub sehen.
Von den schönen alten Ästen etwas zu opfern würde mir schwerfallen.

Viele Grüße,

Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

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KHarry
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Re: Naturalistische Eiche

Beitrag von KHarry » 18.11.2009, 12:05

Wenn die Eiche wirklich schon so alt sein sollte, wäre es auch riskant, die Äste stark einzukürzen und auf Neuaustrieb zu hoffen.
Die Alternative wäre vielleicht, den Baum noch größer zu konzipieren.

RoyF.
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Re: Naturalistische Eiche

Beitrag von RoyF. » 18.11.2009, 14:41

Danke für die positive Kritik. Ich stelle so bald wie möglich die Bilder ohne Laub rein. Mein plan war auch den Baum eher ein wenig größer zu planen, dann würde das Verhältnis zwischen Verzweigung und Astlänge deutlich verbessert werden. Vielleicht kann man auch die zwei der vier Hauptäste, deren Verzweigung nicht so tief ansetzt als Merkmal für diesen Baum herausarbeiten. Immerhin haben alte Eichen in der Natur oft lange lichte Äste, an deren Ende eine unverhältnismäßig kleine Verzweigung aufsitzt. Ich werde auf jedenfall den Neuzuwachs nächstes Jahr drahten und später die Verzweigung glaubhaft dorthin positionieren, das der Baum trotzdem ausgewogen wirkt. Vor allem sehr alte Eichen sehen ja in der Natur auch oft nicht schön und gut proportioniert aus, aber irgendwie sind sie sehr aussagekräftig und wirken auf uns Menschen.
Mfg Roy

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Re: Naturalistische Eiche

Beitrag von Lutz Marx » 18.11.2009, 15:10

... über die notwendigkeit des kürzens der äste kann man diskutieren, aber wie will man sonst eine vernünftige verzweigung in stammnähe bekommen. ein risiko ist das in keinter weise, ich habe selbst einige ähnliche eichen, die völlig problemlos nach rückschnitt auch wieder aus altem holz treiben, aber eben fast nur in schnittnähe. meines wissens ist das grundsätzlich bei eichen der fall. der schnitt sollte aber erst im frühjahr erfolgen

gruß, lutz

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Re: Naturalistische Eiche

Beitrag von sulrich » 18.11.2009, 15:25

Hallo,
RoyF. hat geschrieben:Immerhin haben alte Eichen in der Natur oft lange lichte Äste, an deren Ende eine unverhältnismäßig kleine Verzweigung aufsitzt. Ich werde auf jedenfall den Neuzuwachs nächstes Jahr drahten und später die Verzweigung glaubhaft dorthin positionieren, das der Baum trotzdem ausgewogen wirkt [...]
100% Zustimmung! Es wäre ein Jammer, diese reifen Äste mit ihrer wunderbaren Borke zu opfern. Für mich ist das grade das unverwechselbare an dem Baum! In der Natur kommt es bei alten Eichen oft vor, dass sie sehr starke, lange Äste haben, bei denen die Verzweigung erst am Ende sitzt. Genau der Eindruck, unter einem solchen Baum zu stehen, stellt sich für mich bei diesen Bildern ein.
Viele Grüße,
Stefan

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Re: Naturalistische Eiche

Beitrag von Walter Pall » 18.11.2009, 15:31

Das sind keine Äste, sondern Substämme. Die sollen so dick sein und sollen nach oben gehen. Wer die abschneiden will, hat es nicht verstanden.

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Re: Naturalistische Eiche

Beitrag von Lutz Marx » 18.11.2009, 15:35

...ich würde sagen, der hat über diesen baum auf den ersten eindruck eine andere meinung, walter...

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Re: Naturalistische Eiche

Beitrag von KHarry » 18.11.2009, 16:00

Walter Pall hat geschrieben:Das sind keine Äste, sondern Substämme. Die sollen so dick sein und sollen nach oben gehen.
So würde ich sie behandeln, wenn es meiner wäre - und ich würde sogar den Baum ins Freiland setzen, damit die Stämmlinge noch dicker werden, und natürlich auch der Basisstamm, der dann auch optisch kürzer würde.

'Zurück ins Beet' - das klingt dann so wie 'der taugt noch nicht viel'. Ist aber gar nicht so gemeint. Bei mir steht zur Zeit mehr als die Hälfte der Sammlung im Freiland.

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Re: Naturalistische Eiche

Beitrag von Walter Pall » 18.11.2009, 16:15

Lutz Marx hat geschrieben:...ich würde sagen, der hat über diesen baum auf den ersten eindruck eine andere meinung, walter...

Nein, ich meine schon 'hat es nicht verstanden'. Diese Eiche ist mit das beste Rohmaterila dieser Art, das ich je gesehen habe. Sie eignet sich perfekt für einen naturalistischen freien Besenstil. Wer die Substämme abschneidet um eine Standard-Frei-Aufrechte-Form zu gestalten, der begeht ein Bonsai-Verbrechen.

Übrigens ist die Frei-Aufrechte-Form für Laubbäume ganz ungeeignet. Dabei ist mir wohl bewusst, dass zu 99 % genau diese Form gestaltet wird. Aber die Frei-Aufrechte-Form ist für eine Kiefer gedacht. Laubbäume wachsen ganz anders und sollen auch als Bonsai nicht wie Kiefern gestaltet weden.
Zuletzt geändert von Walter Pall am 18.11.2009, 16:24, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Naturalistische Eiche

Beitrag von Walter Pall » 18.11.2009, 16:22

Ein Bonsai-Verbrechen begeht, wer Material, das unter Freunden 500 Euro wert ist so zurechtschneidet, dass es danach gerade noch 50 Euro oder gar weniger wert ist.

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Re: Naturalistische Eiche

Beitrag von MUGO » 18.11.2009, 17:14

also ich würde bei dem baum nur noch den neuaustrieb jedes jarh kurzhalten udn auf verzweigung hinarbeiten udn sonst sieht der doch richtig gut aus. vorallem die borke gibt dem baum charakter
Gruß Philipp

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Re: Naturalistische Eiche

Beitrag von nemo » 18.11.2009, 18:19

Nabend
Kann nur zustimmen,diese wunderbaren äste zurückschneiden währe eine schande.
Ein anfänger hätte das sicher getan,nur gut das in diesem forum profis bereit sind
gute ratschläge zu geben,und damit verhindern das man so einen schönen baum
entstellt.

fg nemo

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Re: Naturalistische Eiche

Beitrag von RoyF. » 18.11.2009, 19:43

Vielen Dank Walter für deinen Einsatz
Hätte es nicht besser ausdrücken können. Ich denk auch, dass der Baum in vielleicht 8 Jahren schon ganz anders aussehen kann und das Verhältnis zwischen Nebenstammlänge und Verzweigung in ein anderes Licht gerückt wird. Ich werde den Baum auch mindestens die nächsten 2 bis 3 Jahre die ganze Wachstumsperiode durchtreiben lassen und nur im Frühjar auf die gewünschte Verzweigung zurückschneiden und drahten. So wird denke ich der Haupt und die Nebenstämme dicker, das Nebari reifer und die Verästelung vor der späteren feinverzweigung massiver, sodass der Baum dem Eindruck einer wirklich alten knorrigen Eiche weitaus näher kommen könnte. Vielleicht kann man auch einmal im Sommer schneiden. Kommt auf den Neuzuwachs an und dann entscheide ich wenn es soweit ist.

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