Gedanken zu Yamadori

Ausstellungen, Workshops, Arbeitskreise, Events u. -Organisationen, Reisen, Besuchen in Bonsai-Gärten und Töpferstuben.
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zopf
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Re: Gedanken zu Yamadori

Beitrag von zopf »

Hallo Hendrik
Im Laufe meines Bonsailebens habe ich Hunderttausende Lebewesen getötet,
damit es Unserem Kater gut geht sind auch schon ein paar Tiere
unfreiwillig aus dem Leben geschieden.
Nicht zu sprechen über die große Anzahl von Tieren
die meinem leiblichen Wohl gedient haben.
Fühle ich mich wohl dabei, eher nicht,
aber ich gestehe mir ein, das ich ein Tiermörder bin.

Was Du über die Anglerei schreibst, ja, das ist Heuchelei,
steh´ wenigstens dazu das Du Fische nur zum Spass tötest
und rede Dich nicht raus.
mfG Dieter
cogito ergo pups

Andreas Ludwig
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Re: Gedanken zu Yamadori

Beitrag von Andreas Ludwig »

Hendrik hat die Diskussion entweder nicht richtig verstanden oder absichtlich einen Freipass für sich oder andere konstruiert. Reine Eristik. Es geht überhaupt nicht darum, dass Bäumchen irgendwie leiden und nicht so sehr um einen Schaden am Wald bei der Bewilligungsfrage. Es geht vielmehr um zivilisiertes Betragen und allgemeinen Anstand. Es ist dasselbe wie Parkieren auf dem Radstreifen, weil man eben mal in die Bäckerei muss, Redbulldosen in die Wiese werfen, weil die Gemeinde zu wenig Mülleimer aufstellt und all diese kleinen Sauereien, die schöngeredet werden. Ja, das ist altmodisches Gutmenschentum – aber ich bin nunmal nicht gerne ein Schlechtmensch.

Wir hatten in Basel gerade einen skurrilen Fall vor Gericht: Da hatte sich jemand in den Kopf gesetzt, Federn sämtlicher Greifvögel zu besitzen. Weil er viele davon legal nicht kriegte, begann er, in Museen im ganzen deutschsprachigen Raum zu klauen. Er ging hin, erzählte, er arbeite an einem Buch und riss dann Schwingen- und Stossfedern, manchmal ganze Flügel aus Präparaten. Vor Gericht gab er an, die Präparate seien teils sowieso in einem schlechten Zustand gewesen... So. Jetzt ein kleines Denkspielchen: Was meint ihr, was ich von jetzt an denke, wenn mir einer sagt, er sammle Federn..? – Jeder Yamadorisammler ist auch ein Vertreter der Bonsaiszene.
It is not enough to be busy. So are the ants. The question is: What are we busy about?
(Thoreau)

Kircherl

Re: Gedanken zu Yamadori

Beitrag von Kircherl »

Was soll bitte diese Diskussion bringen???

Leute, die respektvoll mit der Natur umgehen, werden dies auch weiterhin machen.
Andere, denen es egal ist, werden auch weiterhin einen Schxxxx drauf geben das zu Ändern.

Man kann drauf hinweisen, aber nicht erziehen.

Ja, und auch ich gehe leidenschaftlich gerne angeln! (catch and release)...warum auch nicht?
Andere fahren riesige Benzin und Abgasschleudern, andere machen......................das ginge ewig so weiter.

Ergo...Ich finde es keinesfalls schlimm, wenn man mit Erlaubnis und etwas Sachverstand einen Baum aus dem Wald entnimmt.

Falls ich mich jetzt hier unbeliebt gemacht habe, entschuldige ich mich in aller Form im Vorhinein.
LG Stefan

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zopf
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Re: Gedanken zu Yamadori

Beitrag von zopf »

Hallo Stefan
Wenn Du keine Probleme damit hast
zu Deinem Vergnügen Tiere zu quälen, mach´s.
Ich bin weder ein Anwalt der Tiere noch der Bäume.

Vielleicht ist es nur mein Anliegen das versinkende Fähnchen des gesunden Menschenverstandes
noch ein bisschen über Wasser zu halten.
mfG Dieter

PS Der Nächste, bitte
cogito ergo pups

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Norbert_S
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Re: Gedanken zu Yamadori

Beitrag von Norbert_S »

In allen Dingen des Lebens das rechte Maß und Mitte zu finden, ist so ungeheuer schwierig, dass wir es ein Leben lang üben dürfen.
oder nach Fontane:
"Gegen die Torheit, die zur Zeit in Mode ist, kommt kein Verstand auf."
Norbert

So wie du bist, so sind auch deine Gebäude
Sullivan, 1924

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Hendrik Weiher
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Re: Gedanken zu Yamadori

Beitrag von Hendrik Weiher »

Das ist ja eine heftige Auseinandersetzung geworden.

Ja- ich habe das Thema schon verstanden!
Nein- ich will weder mir noch Anderen einen Freibrief ausstellen -weder für das Töten von Fischen, noch für die Jagd nach Jamadori.
Ich gehe bestimmt genauso verantwortungsvoll in Wald und Feld mit der Natur um, wie alle, die hier einen Beitrag geschrieben haben.
Ganz selten siegt die Gier bei mir doch noch über den hohen moralischen Anspruch. Geht Euch das auch so?

Gestern habe ich einen Tankstellenpächter gefragt, ob ich ihn gegen ein Entgeld von jeweils 15€ von zwei in Betonpflanzkübeln verhungernden
Scheinzypressen befreien kann. Er hat mich trotz Erläuterungen zum Thema Bonsai nicht verstanden. Er war auch noch nicht so weit.
Keine Panik bitte. Ich werde sie ihm nicht in einer mondlosen Nacht stehlen.

Detlev
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Re: Gedanken zu Yamadori

Beitrag von Detlev »

Dann ist ja alles gut Henrik

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Hendrik Weiher
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Re: Gedanken zu Yamadori

Beitrag von Hendrik Weiher »

Und wenn ich dann noch gelernt habe, dass man Yamadori mit Y schreibt wird es noch schöner! :-D

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camaju
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Re: Gedanken zu Yamadori

Beitrag von camaju »

Hendrik Weiher hat geschrieben:
12.07.2017, 13:05
Das ist ja eine heftige Auseinandersetzung geworden.
*lach* *lach*

Sorry, das musste jetzt sein, wenn du das hier heftig nennst.
Gruß Jürgen *wink*

Wer nicht mit Pflanzen und Tieren kann, kann auch nicht mit Menschen.

Ich moderiere in blau, der Rest ist nur meine Meinung

Hippo
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Re: Gedanken zu Yamadori

Beitrag von Hippo »

Salü Freunde,

Es ist bald seit drei Jahren nichts mehr zu dem Thema geschrieben worden.
Leider fehlt mir die Lebenszeit, den ganzen Fred durchzulesen aber mich beschäftigt aktuell ein Gedanke der nicht unbedingt durchs EU-Parlament muss aber doch der Verständigung dienen könnte. Also eher Richtung Terminologie resp. Dialektik.
Wie manche von euch wissen habe ich 25 Jahre lang exzessiv "Bonsai betrieben" inkl. Arbeitskreisleitung und eigenem Bonsaigeschäft. Vor 12 Jahren gab ich es umständehalber auf.

Nun, zu meiner Zeit galt das Wort Yamadori noch als Tätigkeit bei der man gestaltungswürdige Wildpflanzen ausgegraben hat. Der Begriff verkörperte das Sammeln von Pflanzen, die eine gewisse Qualität und Reife besassen. Für eine, sich als ungeeignet erweisende Pflanze oder einer nichtssagenden oder gar für Jungpflanzen als Rohmaterial hätte sich jedermann gescheut das Wort in den Mund zu nehmen.

Weil ich jeden neuen Post im BFF lese, fällt mir auf, dass heute für jeden Furz der hinterm Komposthaufen rausgezupft wird, Yamadori genannt wird.
Ist die Bedeutung wirklich so krass verlorengegangen?

Darf man Member darauf hinweisen, dass ihr junger Wurzelschössling oder ihr zweijähriger Sämling, was sie am Wegesrand ausstechen, nicht im Geringsten was mit Bonsai zu tun haben und schon gar nicht mit Yamadori?

Ich habe mir früher angewöhnt, das stolz präsentierte Rutenzeug und die Saatkistchen von neuen Mitgliedern meiner Arbeitsgruppe, zu ignorieren und stattdessen sie zu Pflanzen hinzuführen, die eine brauchbare Voraussetzung und eine gewisse Reife zur Gestaltung haben.
Mit den ausgezupften Jungpflanzen und den Sämlingen sollen sie ruhig Erfahrungen sammeln aber dafür Gestaltungsvorschläge auszudenken und zu vermitteln ist zumeist reine Energieverschwendung.
Wer nicht bereit oder fähig ist für brauchbares und reifes Ausgangsmaterial Strapazen auf sich zu nehmen oder sich keine Zeit nehmen kann/will in der Gärtnerei den "one of thousand" zu finden oder auch nicht profan in der Bonsaischule die Kreditkarte zücken will, mit dem lohnt sich in der Regel auch kein Chat über Gestaltung von Bleistiftminen.
Zu meiner Zeit wurde solchen Leuten ein gescheites Buch empfohlen, aber heute muss das alles viel schneller und einfacher gehen und lesen kann eh niemand mehr seit es Youtube gibt.
Daher wahrscheinlich auch die Verkackeierung des Begriffes Yamadori.

Wie denkt ihr darüber?

Gruss George
Was ich an meiner Profilneurose so sehr schätze, ist meine Bescheidenheit.

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Bonsai-Abbing
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Re: Gedanken zu Yamadori

Beitrag von Bonsai-Abbing »

Übersetze den Begriff doch einfach. Für mich ist das ein Baum aus der Natur ohne spezielle Größen- und Altersempfehlung - Punkt.
Liebe Grüße
Frank *up*

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Heike_vG
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Re: Gedanken zu Yamadori

Beitrag von Heike_vG »

Hallo George,
doch, so wie Du denke ich eigentlich auch. Heutzutage wird von Anfängern geradezu inflationär alles "Yamadori" genannt, was nicht gekauft ist oder aus eigener Anzucht stammt, sondern irgendwie ausgebuddelt wird. Das finde ich nicht treffend, aber ich bin es müde geworden, darauf hinzuweisen. Neulinge lieben es häufig, japanische Fachbegriffe zu verwenden, um zu zeigen, dass sie sich schon auskennen (beweisen damit aber oft genug das genaue Gegenteil). Ich denke immer, wer sich ernsthaft mit Bonsai beschäftigt und intensiv darüber liest und lernt, wird es irgendwann verstehen, was Yamadori wirklich bzw. ursprünglich ist. "Findling" oder "gesammelte Pflanze" finde ich treffender für alle möglichen gefundenen Pflanzen. "Yama" bedeutet immerhin Berg...

Liebe Grüße,
Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

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Herbert A
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Re: Gedanken zu Yamadori

Beitrag von Herbert A »

Georg bleib locker :-)
Nicht jeder hat die Gelegenheit dazu in die Natur zu gehen und einen Baum zu suchen.

Was ich aber in 30 Jahren Bonsai gelernt habe ist dass sehr viele Leute vielleicht mehr Freude an kleinen unscheinbaren Bäumen haben als die Profis mit ihren großartigen Gestaltungen.
Ich freue mich immer öfters über die Freude der Leute.
Auch wenn es keine Yamadoriebäume im herkömmlichen Sinn sind, bereiten sie Freude.

Also mach dir ein gutes Fläschchen Rotwein auf und denke an die guten alten Zeiten.

lg
Herbert
Schön dass es dieses Forum gibt.

Hippo
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Re: Gedanken zu Yamadori

Beitrag von Hippo »

Danke Heike, Frank und Herbert für eure Stellungnahmen.

Genau wie Heike schreibt, Yama bedeutet Berg und dori bedeutet nehmen.
Ich denke das schliesst in unseren Breiten den Wald in der Ebene nicht unbedingt aus, aber aus Gartenhecken, städtischen Rabatten und Hinterhöfen entstammen keine Yamadoris.

Frank, ich benutzte Wörter wie gestaltungswürdig, Qualität, Reife und brauchbare Voraussetzung.
Ich habe bewusst deine genannten Attribute, Alter und Grösse, vermieden denn die sind für meinen genannten Bezug irrelevant, ja sogar kontraproduktiv.

Herbert ich stimme dir vorbehaltslos zu!
Mir ging es nur um den Gebrauch des Begriffes und dass Dies offenbar fast niemand der erfahrenen Bonsaianer stört und von niemand berichtigt wird.
Aber wie Heike schrieb, hat sie auch aufgehört sich daran zu stören weil sonst könnte man sich wohl den ganzen Tag darüber ärgern, oder sooo

Vielleich kommen noch mehr Kommentare, bin gespannt.
Gruss George
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bonbon-sai
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Re: Gedanken zu Yamadori

Beitrag von bonbon-sai »

Hi George,

Applaus zu deinen Gedanken und dem was du geschrieben hast! Das selbe gilt für gerettete Gartencenter-Pflänzchen und Jungpflanzen die zu Bonsai werden. Schade, dass man in der heutigen Zeit den Pflanzen nicht die Zeit gibt und sich die Menschen selbige nehmen, die dieses Hobby braucht. Dafür ballert man mit Begriffen um sich von denen man keine Ahnung hat um sich zu profilieren (s. Heikes Kommentar).
Schöne Grüße
Maik
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Mit den Menschen ist es wie mit den Autos - Laster sind schwer zu bremsen.
Heinz Erhardt

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