Fächerahorn #28

Der richtige Ort Bonsai (Baum in Schale mit gewisser Reife) vorzustellen und zu präsentieren. Der Threadersteller möge bitte im Eröffnungsthread darauf hinweisen wenn allgemeine Kommentare unerwünscht sind. Andernfalls stellt sicher, dass ihr etwaige fachliche Kritik durch die "DREI SIEBE" gesiebt habt!
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Walter Pall
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Fächerahorn #28

Beitrag von Walter Pall » 12.08.2018, 15:30

Der Baum wurde jetzt in einen neue Schale von Walter Venne umgetopft. Er wurde vorher wohl zehn Jahre lang nicht umgetopft und stand in einer entsetzlichen Akadamapmape, die hart wie ein Ziegel war. Der Baum sah den ganzen Sommer hindurch gut aus, brachte jedoch keinen einigen Neutrieb. Ich habe mehr als 50 % des Wurzelballens abgenommen - vor Mitte August und mitten in einer unsagbaren Hitzewelle. Spinnt der Mann? Nun, ich hätte ohne weiters bis September oder April warten können. Aber jetzt ist die beste Zeit. Glaubt es einfach. Ich bin kein Trottel.

Einen Tag nach dem Umtopfen brachte der Baum den ersten Neutrieb in diesem Jahr. So zeigt ein Baum Liebe.

Und guckt was ich gefunden habe - ein phantastisches Nebari. Wahnsinn, werden einige sagen, toll!. Ja, aber zu toll. Es gibt für alles ein Optimum, danach wird es wieder schlechter. Dieses Nebari hat die Grenze überschritten. Es ist zu groß! Was tun? Ich werde die Krone um 100% größer machen - dann wird das Nebari passen - 'zu groß' ist nämlich relativ.

We wird berichtet werden.T
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Walter Pall
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Re: Fächerahorn #28

Beitrag von Walter Pall » 12.08.2018, 15:31

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Dirk K. aus L.
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Re: Fächerahorn #28

Beitrag von Dirk K. aus L. » 12.08.2018, 19:04

Walter Pall hat geschrieben:
12.08.2018, 15:30
Ich habe mehr als 50 % des Wurzelballens abgenommen - vor Mitte August und mitten in einer unsagbaren Hitzewelle. Spinnt der Mann? Nun, ich hätte ohne weiters bis September oder April warten können. Aber jetzt ist die beste Zeit. Glaubt es einfach. Ich bin kein Trottel.
Walter,

danke für deine Ausführungen.

Einst schriebst du hier bzgl. des Umtopfens im Herbst:

"Ab Ende August bis spätestens Mitte September, auf keinen Fall später."

Warum in diesem Fall davor? Und dazu inmitten der Hitzewelle? Ich dachte, beim herbstlichen Umtopfen sollte man gerade die Hitze vermeiden.


Grüße

Dirk
Der wahre Weg geht über ein Seil, das nicht in der Höhe gespannt ist, sondern knapp über dem Boden. Es scheint mehr bestimmt stolpern zu machen, als begangen zu werden. (Franz Kafka)

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Walter Pall
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Re: Fächerahorn #28

Beitrag von Walter Pall » 12.08.2018, 19:30

Weil ich langsam immer früher umgetopft habe und keine Nachteile entdecken konnte. Vorteil: der Baum hat länger Zeit Wurzeln zu bilden bis zur Winterruhe.
Hitzewelle: ab Mitte August wird es ruckartig kälter - allerdings immer noch and die 30° C. Die Nächte aber werden spürbar kühler. Das sit ganz wichtig, weil der Baum und die Wurzeln in der Nacht wachsen - aber nur wenn es kühl ist. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Hitze den umgetopften Bäume überhaupt nichts ausmacht, solange sie jeden Tag kräftig gegossen werden - über 30° zwei mal. Außerdem gebe is SOFORT Flüssigdünger.

Wichtig: ich lasse möglichst alle Triebe stehen!!! Jetzt ist die Zeit des Wurzelwachstums. Die Wurzeln wachen nicht einfach so, sondern wenn sie das Signal erhalten. Das #signal kommt von den Zweigenden in Form von Auxin. Wenn man die stehen lässt, dann wachen die Wurzeln sofort. Wenn man die abschneidet oder alle Blätter abnimmt, dann weiß der Baum nicht, was er machen soll.
ich weiß, dass das alles unwirklich klingt, weil es genau das Gegenteil von dem ist, was men 'weiß'. Vor zehn Jahren hätte ich jeden einen Irren genannt, der das tut, was ich jetzt mache.

Den Wert einer Methode kann man nur am Ergebnis messen - nicht an dem, ob sie dem allgemeinen Wissenstand entspricht. Nur so kommt Fortschritt zustande.

Der gezeigte Ahorn ist mindestens um die 7.000 Euro wert. Wer meint, dass ich blöd genug bin, das einfach so zu riskieren?

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Re: Fächerahorn #28

Beitrag von Dirk K. aus L. » 12.08.2018, 19:55

Walter,

herzlichen Dank für die ausführlich Antwort. Ich habe es auch immer für unnötig gehalten, "oben" (Äste) genauso viel wegzuschneiden wie "unten" (Wurzeln).


Viele Grüße

Dirk
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Re: Fächerahorn #28

Beitrag von Michael 86 » 12.08.2018, 20:20

Hallo Walter

Ich als Neuling, der alles aufsaugt, was er finden kann, bin sehr froh, dass du hier wieder etwas aktiver bist und deine Erfahrungen und Methoden mit uns teilst. Ich habe erst vor wenigen Tagen deine Heckenschnitt-Methode wieder gelesen und immer wieder interessant. Gerade wenn man sich in das Hobby einarbeitet, fällt mir immer wieder auf, wie sehr sich schnell mal das Gelesene verschiedener Techniken vermischt und wie schnell man sich nicht mehr bewusst ist, was man schon wieder vergessen hat. Es ist gut, wie du erklärst, wozu die "alten Techniken" wie z.B. Pinzipieren gut sind, und was die Nachteile sind. Da lernt man den Zusammenhang der "Lebensweise von Bäumen" zu verstehen.

Der Zusammenhang zwischen Triebspitzen und Wurzeln war mir nicht bekannt. Ich meinte zu "wissen", dass die Blätter für das Wurzelwachstum verantwortlich seine. Ergibt es auch Sinn. Beim Abmoosen nicht schneiden, sondern treiben lassen. Möglicherweise ein Trugschluss, dass die Blattmasse dafür verantwortlich ist?

Die allgemeine Meinung besagt ja, weniger Blattmasse weniger Verdunstung. Also gut nach dem Wurzelschnitt. Allerdings wurde mir auch schon geraten, Ahorne im frisch ausgetriebenen Laub umzutopfen. Dann sind die Triebspitzen aktiv und nach Ratschlag entsprechend auch das Wurzelwachstum aktiv.

Ich bin sehr froh und dankbar, die "andere Seite" zu lesen und davon zu lernen. Denn in einem Punkt hast du auf jeden Fall recht: Nur weil alle glauben, das Richtige zu wissen, muss es nicht die Wahrheit sein. Das hat die Vergangenheit schon oft genug gezeigt.

Gibt es eine Bezugsquelle "deine" Methoden nachzulesen?
Grüße Michael :)

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chris-git@rre
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Re: Fächerahorn #28

Beitrag von chris-git@rre » 12.08.2018, 20:30

Ja vielen Dank für die Infos *daumen_new*
lg chris-git@rre

*Bilder sagen mehr als 1000 Worte*

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Hans Dieter Schäfer
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Re: Fächerahorn #28

Beitrag von Hans Dieter Schäfer » 13.08.2018, 10:08

Hallo Michael u. Walter !!
man spricht dabei von ( Auxin-Signaltransduktion bei Pflanzen )
Alles das steht nicht in Bonsai Literatur sondern findet man in Biologie Büchern oder
im Internet auf dementsprechenden Seiten.
Das Umtopfen und der Wurzelschnitt dient nur um der Pflanze wieder Platz in der Schale
zu verschaffen.
Es ist meiner Meinung vollkommen egal wann mann eine Pflanze Umtopft mann sollte nur
darauf achten das die Pflanze genug zeit bekommt sich zu generieren vor dem Wintereinbruch.
Und nicht zu früh im Frühjahr um Frostschäden zu vermeiden.
Alles andere sollte mann der Natur überlassen.
Die Natur ist unser grandioser Lehrmeister – und wir
ihre miserablen Schüler.


Gruss
Hans Dieter

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Georg
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Re: Fächerahorn #28

Beitrag von Georg » 13.08.2018, 10:30

Information ist "fast" alles!
Danke, Walter.
Gruß
Rüdiger
Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben geben, daß Du es sagen darfst(Voltaire)

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Re: Fächerahorn #28

Beitrag von Hans Dieter Schäfer » 13.08.2018, 10:33

Hallo !!
Ich möchte noch was dazu Sagen.
Wenn mann den Bonsai auf Teufel komm raus Wachsen lässt so kann
mann die Entwicklung des Wurzelansatzes um 50 bis 60 % beschleunigen.
Der Bonsai sieht in der Zeit nicht ansehnlich aus aber der erfolg kann sich sehn
lassen.
Die Natur ist unser grandioser Lehrmeister – und wir
ihre miserablen Schüler.


Gruss
Hans Dieter

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Re: Fächerahorn #28

Beitrag von abardo » 13.08.2018, 11:01

Hi,

ja, des Wurzelansatzes schon (und natürlich auch beim Zuwachs des Stammes und der Äste), aber nicht des inneren Wurzelballens.

Meinen begrenzten Erfahrungen nach entwickelt sich bei Laubbäumen die Verzweigung und Kompacktheit eines Ballens aber umso besser, je öfter man das Laub schneidet. Wenn man neuen Austrieb schon so früh wie möglich wieder schneidet und somit für viele feine Verzweigung sorgt, umso feiner und dichter wird auch der Ballen.

Im Gegenzug dazu produziert der Ballen eines Laubbaumes nur wenige dicke, lange Wurzeln, wenn man Bäume durchtreiben lässt. Feiner Austrieb, kurze Nodien, kleine Blätter = feine, kurze Wurzeln ?

Haben andere auch diese Erfahrung ? Wie lässt sich die biologisch erklären ?

(bitte jetzt nicht durcheinanderbringen lassen: am Umtopftermin schneide ich nicht, sondern deutlich vorher. Kommt dann wieder ein Austrieb, kann man locker umtopfen, eben so wie Walter das macht)

@Walter: planst du dann auch eine grössere Schale, wenn du die Laubmasse verdoppelst ?
Zuletzt geändert von abardo am 13.08.2018, 12:42, insgesamt 2-mal geändert.
Grüße, Frank
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Re: Fächerahorn #28

Beitrag von bonsaiheiner » 13.08.2018, 12:17

Spannender thread!
Walter Pall hat geschrieben:
12.08.2018, 19:30
... Außerdem gebe is SOFORT Flüssigdünger.

Wichtig: ich lasse möglichst alle Triebe stehen!!! Jetzt ist die Zeit des Wurzelwachstums. Die Wurzeln wachen nicht einfach so, sondern wenn sie das Signal erhalten. Das #signal kommt von den Zweigenden in Form von Auxin. Wenn man die stehen lässt, dann wachen die Wurzeln sofort. Wenn man die abschneidet oder alle Blätter abnimmt, dann weiß der Baum nicht, was er machen soll.
...
Hinweis:
https://www.dbu.de/projekt_04499/01_db_2409.html
Mein Ahorn steht in keiner Akadamapampe, aber luxurierendes Trieb- und Knospenwachstum zeigt er (bisher) noch nicht. Also werde ich ihm jetzt eine Extraration Stickstoff- und Kaliumdünger gönnen.
Heiner
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Re: Fächerahorn #28

Beitrag von Hans Dieter Schäfer » 13.08.2018, 13:17

Hallo Heiner !!
Auch das ist wichtig das mann den Bonsai gut füttert sonst kein
neues Wachstum oder nur begrenzt.
Ich glaube das brauch ich dir bestimmt nicht erzählen das mit den
Düngen.
Was viele nicht wiesen das der Baum in der Natur sich selber versorgen kann
durch Nährstoffe im Boden.
Wenn mann aber mit Substrat arbeitet dann muss mann alle Nährstoffe selber zufügen.
sonst geht der Bonsai ein.
Ich glaube es ist meinerseits alles gesagt und ich verabschiede mich aus diesem thread.
Die Natur ist unser grandioser Lehrmeister – und wir
ihre miserablen Schüler.


Gruss
Hans Dieter

Sanne
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Re: Fächerahorn #28

Beitrag von Sanne » 13.08.2018, 18:53

Walter Pall hat geschrieben:
12.08.2018, 19:30
Weil ich langsam immer früher umgetopft habe und keine Nachteile entdecken konnte. Vorteil: der Baum hat länger Zeit Wurzeln zu bilden bis zur Winterruhe.
Hitzewelle: ab Mitte August wird es ruckartig kälter - allerdings immer noch and die 30° C. Die Nächte aber werden spürbar kühler. Das sit ganz wichtig, weil der Baum und die Wurzeln in der Nacht wachsen - aber nur wenn es kühl ist. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Hitze den umgetopften Bäume überhaupt nichts ausmacht, solange sie jeden Tag kräftig gegossen werden - über 30° zwei mal. Außerdem gebe is SOFORT Flüssigdünger.

...Den Wert einer Methode kann man nur am Ergebnis messen - nicht an dem, ob sie dem allgemeinen Wissenstand entspricht. Nur so kommt Fortschritt zustande.
Hallo Walter,

auch von mir vielen Dank für diese Infos!

Gibt es Baumarten, die Du nicht im Herbst umtopfen würdest? Wie sieht es mit Lärchen und Wacholder aus?

Ansonsten bin ich gespannt auf die Entwicklung der Krone bei diesem fünfstämmigen Arakawa-Ahorn.

Grüße, Sanne

cordel
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Re: Fächerahorn #28

Beitrag von cordel » 13.08.2018, 20:51

Walter Pall hat geschrieben:
12.08.2018, 19:30
Den Wert einer Methode kann man nur am Ergebnis messen - nicht an dem, ob sie dem allgemeinen Wissenstand entspricht. Nur so kommt Fortschritt zustande.
Walter,

ich bin sicher nicht der Erste, der dir das jetzt schreibt. Aber schreib bitte ein Buch und sammel damit all deine Weisheiten. Ich würde es jederzeit sofort kaufen!

Viele Grüße,
Sebastian

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