Werkzeug überarbeiten - Spiel in den Scharnieren, Schärfen

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Michael 86
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Werkzeug überarbeiten - Spiel in den Scharnieren, Schärfen

Beitrag von Michael 86 »

Hallo Zusammen

Ich benutze das Werkzeug von Ryuga. Nach und nach fällt mir auf dass die Werkzeuge leicht an Schärfe verlieren. Möglicherwiese liegt es auch an etwas zu viel Spiel in den Gelenken, dass dünne Zweige nicht mehr perfekt durchtrennt werden. Bei der großen Konkavzange haben sich wohl sogar die Schneiden überkreuzt und eine Kerbe rein gemacht, die Wurzelzange hat trotz geringen Alters schon keine sauberen Schneiden mehr. Es kommt halt schnell mal ein Substratkrümel dazwischen, welches man übersehen hat im Gewusel der Feinwurzeln.

Jedenfalls finde ich nur zu gewöhnlichen Scheren wirklich eine Anleitung im Netz, welche sich gut übertragen lässt. Aber wie ist es mit Konkavzange, Knospenzange und Wurzelzange?
Wie macht man das und ist die beschriebene Abnutzung normal oder bin ich in jeder Hinsicht zu unvorsichtig? Wie kann man das Spiel in den Gelenken verringern?
Grüße Michael :)

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hwolf
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Re: Werkzeug überarbeiten - Spiel in den Scharnieren, Schärfen

Beitrag von hwolf »

Hi,

Dein Verschleiß klingt für mich ziemlich normal. Was den Werkzeugen wirklich wehtut, ist der Versuch des Schneidens zu großer Äste oder Wurzeln. Die Edelstahlvarianten verbiegen dadurch, weshalb die Schneiden nicht mehr auf einander passen, die guten "normalen" Varianten brechen im Zweifel. Dadurch entsteht übrigens auch das Spiel im Niet. Ich würde Dir empfehlen, ein Set Werkzeug für Erdarbeiten und eins für "Luftarbeiten" zu reservieren, dann hast Du für Schnitte oberhalb der Erde, wo gut überwallt werden soll, länger etwas von der Schärfe des Werkzeugs. Und die Werkzeuge bitte immer ausreichend dimensioniert wählen. Nicht mit Gewalt durchziehen, lieber Absetzen und eine Nummer größer hernehmen. So, Niet (Gelenkstift) nachziehen:
Einen Hammer prellfrei auf eine feste Unterlage legen. Einene zweiten Hammer in die Hand nehmen. Mit der anderen Hand das Werkzeug so auf dem ersten Hammer positionieren, dass nur der Nietkopf der Unterseite des Werkzeugs auf dem Hammerkopf aufliegt und der Niet senkrecht ist. Mit dem Hammer in der Hand gerade von oben auf den Nietkopf der Oberseite schlagen. Mittlere Schläge genügen, nicht mit Gewalt. Nach jedem Schlag kontrollieren, ob das Spiel ausreichend verringert wurde. Es ist schnell zu fest und dies wieder kontrolliert "loser" zu machen ist sehr viel anspruchsvoller.

Knospenzange uä schärfen: Zange schließen, die Außenseite der Schnittflächen mit einem feinen Wasser- oder Ölstein in Kreisbewegungen gemeinsam abziehen. Dann Zange öffnen und inneren Grat mit sehr feinem Schleifpapier oder einem Stück Leder entfernen, indem Papier oder Leder so um den Finger gerollt werden, dass die Form der Innenseite der Klingen nachgeahmt wird. Papier/Leder in flachem Winkel zur Schneide ansetzen und mit Druck nach außen ziehen. Dabei darauf achten, die Klinge nicht abzurunden. Ggf. wiederholen. (Am besten hat man für seine Werkzeuge entsprechende Formsteine).

Und bitte glaube dem Internet nicht, wenn es Dir erzählt haben sollte, man könne Scheren schärfen, indem man einen Drahtschwamm durchschneidet ...

Viel Spaß und vielleicht willkommen im nächsten Hobbyuniversum -
Heinrich
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Guckt mal rein: https://markt.bonsai-fachforum.de/shop/wilder-heinrich/

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Heike_vG
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Re: Werkzeug überarbeiten - Spiel in den Scharnieren, Schärfen

Beitrag von Heike_vG »

Am besten das Bonsaiwerkzeug zum Schärfen, Reparieren und Einstellen zu Wolfgang Meinhardt nach Eckersdorf schicken. Er ist Werkzeugmacher, Fachmann für Bonsaiwerkzeug und macht für absolut faire Preise alles wie neu oder sogar besser. Kontaktdaten findet man über Google.

LG, Heike
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Sanne
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Re: Werkzeug überarbeiten - Spiel in den Scharnieren, Schärfen

Beitrag von Sanne »

Hallo Michael,

zum Schärfen meiner Knospen- und Konkavzange hatte ich bei Enger eine Halbkegel-Diamantfeile gekauft.

In einer BA-Ausgabe hatte ich auch mal gelesen, dass Wolfgang Meinhardt sich auf die Reparatur und Schärfen von Bonsaiwerkzeugen spezialisiert hat.

Grüße, Sanne

Michael 86
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Re: Werkzeug überarbeiten - Spiel in den Scharnieren, Schärfen

Beitrag von Michael 86 »

Hallo Zusammen

Ich reanimiere den Thread mal wieder aus gegebenem Anlass. Irgendwie hab ich es noch nicht geschafft, auf mein Werkzeug zu verzichten, bzw. es für noch nicht so notwendig gehalten, das anzugehen. Es wird aber immer dringender. Jetzt ist mir noch die große Konkavzange aus Edelstahl aus der Hand gefallen und natürlich genau auf die Spitze der Schneiden. Die ist jetzt natürlich leicht deformiert.
Ich liebäugele schon länger mit einer halbrunden Konkavzange, da man mit dieser besser an geraden Stellen schneiden kann, ohne z.B. den dicken Stamm zu beschädigen. Ich könnte mir vorstellen, dass diese auch die Knospenzange gut ersetzen kann in vielen Fällen.
Ich bin mir dem Ryuga Werkzeug für den Preis wirklich zufrieden, man könnte ja auch Nachbearbeiten lassen. Ich werde mich diesbezüglich an Wolfgang Meinhardt wenden, wie von Heike vorgeschlagenen.
Ist höherwertiges Werkzeug gegen Abstumpfen, Gelenkspiel, Stürze nicht so empfindlich? Ich würde jetzt ungern zur Masakuni greifen die locker über 200€ kostet aber bei Enger z.B. die japanische Konkavzange, gewölbte Klinge 20cm (1231-E20) oder die Konkavzange 3163 (Kugelform-205 mm) vom Bonsaizentrum Münsterland könnte ich investieren. Ich würde dann in Edelstahl nehmen. Die beiden unterschieden sich optisch nicht sonderlich, außer der Aufschrift "Japan/Zeichen". Hersteller werden nicht genannt.
Grüße Michael :)

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Heike_vG
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Re: Werkzeug überarbeiten - Spiel in den Scharnieren, Schärfen

Beitrag von Heike_vG »

Hallo Michael,
teure Werkzeuge liegen oft feiner in der Hand und schneiden besonders exakt und geschmeidig. Die Haltbarkeit hängt dabei aber genauso vom Umgang und der Gebrauchsintensität ab wie bei gutem Werkzeug mittlerer Preislage. Herunterfallen übersteht jede Zange oder Schere nur mit viel Glück.
Wolfgang M. verkauft auch Werkzeug, das er schon in neuem Zustand einem Tuning unterzogen hat. Da kann man sich auch beraten lassen.

LG, Heike
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Michael 86
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Re: Werkzeug überarbeiten - Spiel in den Scharnieren, Schärfen

Beitrag von Michael 86 »

Danke für die Info Heike, werde ich machen.

Das hab ich mir schon in etwa gedacht. Der Unterschied in der Stahlqualität wird sicher nicht immens gewaltig ausfallen. Naja, Spiel in den Gelenken vielleicht weiniger. Gegen Schusseligkeit kann natürlich kein Hersteller verantwortlich gemacht werden, oder wenn man in gedrahtete Äste oder unsaubere Wurzeln damit schneidet. Nicht dass ich das gemacht hätte, aber ist ja durchaus denkbar...
danke nochmal für den genannten Kontakt
Grüße Michael :)

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mydear
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Re: Werkzeug überarbeiten - Spiel in den Scharnieren, Schärfen

Beitrag von mydear »

Hallo Michael,

wie du habe ich eine Rund-Konkavzange gesucht. Auf der BCD-Ausstellung in Augsburg bin ich bei Wolfgang Meinhardt am Stand fündig geworden. Eine neue, von ihm nachgeschärfte Edelstahl-Ryuga mit bearbeitetem, leicht aufgeschweißtem Anschlagstopper. Mir war vor allem wichtig, dass sie richtig in der Hand liegt. Schließlich soll es wie die letzte eine Investition für Jahrzehnte sein. Bestellen würde ich so ein Teil nur im Notfall... der ja gegeben ist.

Grüße
Rainer
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Michael 86
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Re: Werkzeug überarbeiten - Spiel in den Scharnieren, Schärfen

Beitrag von Michael 86 »

Hallo Rainer

Naja, Notfall würde ich nicht sagen. Anschlag haben die ja mittlerweile auch schon original wenn ich nicht irre.
Nochmal n Jahr warten auf der Trophy... Oder mehrere bestellen... Ich bin eigentlich nicht sonderlich wählerisch. Nur die schmale Schere ist mir mittlerweile zu zierlich für die Finger. Da bevorzuge ich dann schon die mut den großen Griffen.
Grüße Michael :)

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mydear
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Re: Werkzeug überarbeiten - Spiel in den Scharnieren, Schärfen

Beitrag von mydear »

Michael 86 hat geschrieben:
25.03.2020, 12:54
Anschlag haben die ja mittlerweile auch schon original wenn ich nicht irre.
Hallo Michael,

ja, sie hat original einen Anschlag. Doch der stimmte nicht. Den hat Wolfgang nachgearbeitet, leicht abgeschliffen. Für mich ein gutes Gefühl, zu wissen, dass da ein absoluter Werkzeugprofi nachgebessert hat.

Grüße
Rainer
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An Anschlag und Schneide nachgearbeitete Rund-Konkavzange
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Michael 86
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Re: Werkzeug überarbeiten - Spiel in den Scharnieren, Schärfen

Beitrag von Michael 86 »

Okay danke für die Aufklärung. Ich hatte auch schon mal das Gefühl dass die Anschläge trotzdem noch eine Berührung der Klingen zulässt. Ein möglicher Grund für Abstufung.
Grüße Michael :)

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Denis_L
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Re: Werkzeug überarbeiten - Spiel in den Scharnieren, Schärfen

Beitrag von Denis_L »

Peter Chan hatte in einem seiner Videos erklärt, dass der Anschlag dafür ist, anzuzeigen, wann Schluss ist mit Nachschleifen.

Das ist kein Anschlag, der den Schwung vom Durchschneiden bremsen soll.
> Lernling <

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mydear
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Re: Werkzeug überarbeiten - Spiel in den Scharnieren, Schärfen

Beitrag von mydear »

Denis_L hat geschrieben:
29.03.2020, 18:44
Peter Chan hatte in einem seiner Videos erklärt, dass der Anschlag dafür ist, anzuzeigen, wann Schluss ist mit Nachschleifen.

Das ist kein Anschlag, der den Schwung vom Durchschneiden bremsen soll.
Glaub mir Dennis, der Wolfgang kennt sich aus. Auch renommierteste Profis aus Europa vertrauen ihm ihre Werkzeuge an.

Grüße
Rainer
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Heike_vG
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Re: Werkzeug überarbeiten - Spiel in den Scharnieren, Schärfen

Beitrag von Heike_vG »

Als ich vor vielen Jahren die Sache mit dem Anschlag noch nicht bewusst wahrgenommen hatte, habe ich mir mal eine Rundkonkavzange gekauft. Ich war sehr enttäuscht, wie schnell sie stumpf wurde und nicht mehr richtig funktionierte. Meine alten Konkav- und Knospenzangen funktionierten dagegen immer noch bestens. Als ich dann das erste Mal etwas gehört und gelesen hatte, dass die Schenkel anschlagen sollen, habe ich meine Zangen alle genauer angesehen. Die guten alten Zangen hatten sichtbare kleine Spuren am Schenkel vom Anschlagen, die schnell stumpf gewordene Rundkonkavzange nicht, da war der Anschlag etliche Millimeter weg. Das war schon recht offensichtlich.

Wolfgang Meinhardt hat für mich eine kleine Knospenzange wieder hergerichtet, die eine dicke Scharte in einer Schneide hatte. Da mussten die Schneiden nicht nur nachgeschliffen, sondern etwas gekürzt werden. Den Anschlag hat er dann auch wieder passend korrigiert.

Liebe Grüße,
Heike
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Michael 86
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Re: Werkzeug überarbeiten - Spiel in den Scharnieren, Schärfen

Beitrag von Michael 86 »

Es ist ja nicht von der Hand zu weisen, dass Stahl auf Stahl bei einer dünnen Schneidfläche eben diese leicht abrundet und abnutzt. Aus dem Grund treffen sie sich ja auch nicht direkt, sondern überlappen einander um eine 100%ige Trennung zu gewährleisten. Eine Grenze, wie weit man nachschärfen kann, macht mMn auch wenig Sinn, denn das wird von den breiter werdenden Backen irgendwann eh eingeschränkt. Ich hatte diese Tatsache schon zuvor so vermutet, hätte aber nicht gedacht, dass sich dem jemand annehmen würde und das abänderbar wäre.
Wenn man oft genug nachgeschliffen hat, wären die Schneiden irgendwann eh an dem Anschlag angestoßen. Bis dahin muss man aber ständig nachschleifen. Bei einer normalen Konkavzange würde ich das noch versuchen, aber alles andere erfordert sicher viel Übung und Erfahrung. Ich riskiere da lieber nichts und stehe nun mit Wolfgang in Kontakt.
Grüße Michael :)

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