Nivea olé

Akzentpflanzen, Kusamono, Beisteller und andere mit Bonsai verwandte Künste z.B Suiseki
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Baske
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Nivea olé

Beitrag von Baske »

Carlo Maria Galli, der ja wahnsinns Steine findet, reibt Nivea auf seine Suiseki 🙂 (youtube min. 12). Wenn ich ihn recht verstehe, ist Nivea das einzige, mit dem er gute Erfahrungen gemacht hat. Was meinen die Sammler hier im Forum dazu?

https://m.youtube.com/watch?v=zrBSEJr2GUU&t=772s
Hippo
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Re: Nivea olé

Beitrag von Hippo »

Dieses Thema haben wir im BFF schon ausführlich diskutiert und darüber gibt es keinen einhelligen Konsenz. Macht jeder wie er will.

Sig. Galli sammelt vornehmlich Palombinos. Die Farbe ist hellgrau und der Stein ist schön dicht und gut polierbar. Deshalb sieht man auch öfter bis zum Hochglanz polierte Suiseki die ich nie in meine Sammlung stellen würde. Die betrachte ich als geschliffene "Biseki" und nenne sie gerne Aquariumsteine.

Dieses Karstgestein stammt aus einer schwach metamorphen Sedimentierung mit wenigen organischen Einschlüssen. Entstanden durch Erosion und Ablagerung von Basalt, Feldspat, Quarz und Glimmer. Ursprünglich ein Schlamm welches sich zu Tonstein verdichtet hat und durch Überlagerung eine Versenkung, Kompaktion und Metamorphose erfahren hat. Die spezielle Metamorphose geschah bei rel. niedrigen Temperaturen um die 300°C aber unter hohem Druck bis 12 Kilobar und deshalb sind einzelne Minerale darin enthalten (Chlor, Lawsonit) die dem grauen Gestein einen leicht bläulichen Schimmer verleihen.
Soviel zum Klugschiss.

Bei der AIAS (Italienischer Club) wird bei der Präsentation und Bewertung von einheimischen Suiseki, auf keine Wasseraufnahmefähigkeit des Steins geachtet und so schmieren und salben die Mitglieder was das Zeug hält um die Farbe des Steins zu verdunkeln und eine Patina vorzutäuschen.
In der Japanischen Bewertung ist die Wasseraufnahme jedoch ein wichtiger Aspekt.
Sind die Poren der Steinoberfläche mit Fetten verschlossen, perlt das Wasser ab und für den Japaner fällt dann der Stein als "bearbeitet" aus der Wertung.
Im deutschsprachigen Raum versuchen wir uns vornehmlich nach den Japanischen Gepflogenheiten zu orientieren (mit gewissen kulturellen Abstrichen).

Die Patina und Farbtiefe des Steins ist mitunter auch ein wichtiger Aspekt und Diese wird traditionell, je nach Gestein, durch Besonnung, Wässerung oder Bereibung erreicht. Hierbei helfen natürlich Fette, die Oberfläche dunkler und glänzender zu machen. Das wird dann gerne für den Verkauf appliziert aber leider ist das ein Trugschluss und der Stein verliert an Wert für einen erfahrenen Sammler. Das Schlimmste sind oft Wachse, die man gar nicht mehr aus dem Stein bekommt.

Wenn ich heute einen Stein einfette, nehme ich nur Stoffe, die ich mit Auskochen/Backen des Steins wieder entfernen kann. Da scheidet Petrochemie (Nivea) mit Sicherheit aus. Aber das ist nur mein ganz persönlicher Anspruch.
Zuletzt geändert von Hippo am 17.05.2022, 06:43, insgesamt 1-mal geändert.
Manchmal ist man der Hund und manchmal der Baum.
Baske
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Re: Nivea olé

Beitrag von Baske »

*daumen_new* Oha Hippo, du weisst viel! Das ist kein Klugschiss, das sind interessante Ausführungen.
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