Winterlinde - Handlungsbedarf?!

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Rey
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Re: Winterlinde - Handlungsbedarf?!

Beitrag von Rey »

Eben ist mir erstmal das hier an den Blättern aufgefallen! Da stimmt doch was nicht!?

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Lenhart
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Re: Winterlinde - Handlungsbedarf?!

Beitrag von Lenhart »

Ich weiß nicht, was es ist, aber meine Linde hatte das im letzten Jahr in den Wochen nach dem versandt (letztes Jahr erworben) auch. Beim zweiten Austrieb nach dem Rückschnitt war nichts mehr, dieses Jahr auch nicht. Es wird vermutlich keinen bleibenden Schaden hinterlassen.
Liebe Grüße
Lennart

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achim73
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Re: Winterlinde - Handlungsbedarf?!

Beitrag von achim73 »

wahrscheinlich irgendwelche milben. die lieben das warme trockene wetter. ich würde es mit öfter übersprühen versuchen.
Gruss, Achim
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abardo
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Re: Winterlinde - Handlungsbedarf?!

Beitrag von abardo »

Linden bekommen hier eigentlich nur Lindengallmilben und die sehen ganz anders aus.

Das hier ist Mehltau. Typisch an Linden zur jetzigen Zeit.
Die befallenen Blätter kannst du entfernen, wenn an dem Zweig noch mindestens 2 weiterer Blätter übrig bleiben.

Dann bitte 2x mit Abstand mit Mehltauschreck behandeln und zwei Wochen nicht über die Blätter giessen. Hier das Rezept -> viewtopic.php?p=548098&hilit=mehltauschreck#p548098
Zuletzt geändert von abardo am 11.05.2022, 12:13, insgesamt 1-mal geändert.
Grüße, Frank
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Rey
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Re: Winterlinde - Handlungsbedarf?!

Beitrag von Rey »

Danke!

Habe sie gestern schon mit Brennessel-Jauche eingesprüht. Aber werd gleich alles für den Mehlschreck besorgen!
Rey
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Re: Winterlinde - Handlungsbedarf?!

Beitrag von Rey »

So Mehlschreck ist hergestellt und die Linde einmal eingesprüht!

Wie oft sollte ich sie einsprühen? Und wie viel Zeit sollte dazwischen liegen?

LG René
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abardo
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Re: Winterlinde - Handlungsbedarf?!

Beitrag von abardo »

Normalerweise würde in zwei Wochen nochmal drübergehen. Wenn es zwischendurch regnet und der Baum nicht bei Regnen untergestellt werden kann, vielleicht auch nur in einer Woche.

Bei Mehltaubefall sollte man aber sowieso zusehen, daß der Baum luftig steht, möglichst weit weg von anderen typischen Mehltaukandidaten steht (Eichen, Linden, Pfaffenhut) und die Blätter möglichst lange trocken bleiben. Also nur über den Ballen giessen und eben bei Regen unterstellen.
Grüße, Frank
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Andreas Ludwig
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Re: Winterlinde - Handlungsbedarf?!

Beitrag von Andreas Ludwig »

Zeig mal die Unterseiten befallener Blätter.
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Rey
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Re: Winterlinde - Handlungsbedarf?!

Beitrag von Rey »

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Andreas Ludwig
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Re: Winterlinde - Handlungsbedarf?!

Beitrag von Andreas Ludwig »

Ok, danke.

Ganz so einfach, wie es dargestellt wurde, ist es nicht: Linden werden von einer ganzen Reihe von Schädlingen befallen. Da sind mal die erwähnten Gallmilben (mehrere Arten), dann die ebenfalls erwähnten Spinnmilben. Dann die Läuse, neben den üblichen grünen und dunklen Blattläusen etwa die Lindenzierlaus, hübsch filigran. Diverse weitere hungrige Insekten, etwa Lindenschwärmer und Nagelfleck sind auch zu erwähnen, ferner Linden-Zwergwickler, Knospengallmücke, Blattgallmücke und Blattrandgallmücke. Soviel zu den Arthropoden. Bei den Pilzen sind wesentlich der echte Mehltau, das ist ein Schlauchpilz. Nicht minder eklig der falsche Mehltau, was ein Eipilz und damit eigentlich gar kein Pilz ist. Die Viren und Bakterien, die es geben kann, lassen wir weg, sonst wird es unübersichtlich. Das sind auch meist nur Zeitgäste und nicht wirklich von Bedeutung.

So vom Schiff kann es sowohl echter wie falscher Mehltau sein. Da trennen sich dann bereits die therapeutischen Wege, denn falscher Mehltau spricht nicht auf Brennessel-Suppe und ähnliches an. Da brauchst du Kupfersulfatlösung (ist allerdings aus der Mode, zu Recht, Gewässerschutz) oder Phosphonsäure, was auch nicht jeder grad so im Schrank hat. Aber bevor du die Artillerie auffährst: Pilze gibts auch als «Saprophyten», die totes Material abtragen. Zum Beispiel das, was rund um eine Galle oder als Folge der Braunfleckenkrankheit (Apiognomonia tilia, artspezifisch, auch ein Pilz) anfällt. Es ist darum durchaus möglich, dass du hier eine «Krankheit auf einer Krankheit» siehst, also einen harmlosen Saprophyten auf einem sonstwie erfolgten Blattschaden.

Generell irritiert mich der erfolgte Hinweis, Mehltau sei völlig normal und überall – das ist er gar nicht. Bloss bei zu schattiger, zu feuchter Haltung. Keine Ahnung, wie es bei dir aussieht, aber ich sehe manchmal Gärten, wo alles so dicht steht, dass man sich über Zustände, die an eine «Waldorf-Masern-Party» erinnern, nicht zu wundern braucht. Klingt entmutigend, aber das Beste habe ich aufgehoben: Linden sind sehr, sehr zäh. Darum werden sie auch mehrere hundert Jahre alt. Ich geriet mal in eine kleine Panik, als eine Linde im frühen Juni zu verdorren schien, alle Blätter wurden gelb. Spinnmilben. Dann fielen die Blätter ab, damit auch die Spinnmilben und es ging weiter, als wäre nichts gewesen, Neuaustrieb und gut.

Wenn dich die Ästhetik dieser Pilzflecken stört, schneid sie weg. Ist der Baum vital, mach halt einen Blattschnitt (aber bitte nur dann). Ist es nicht wahnsinnig wichtig, vertrau der Linde, stell sie luftiger und sonniger und warte ab. In keinem Fall ist deine Linde substanziell bedroht.
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Re: Winterlinde - Handlungsbedarf?!

Beitrag von Rey »

Danke für die ausführliche Info! Besonders der letzte Satz beruhigt mich!

Vielleicht könnt ihr mir noch eine Rückmeldung zum Standort geben?!

Würde den Standort als Sonnig bis Halbschattig bezeichnen. Lieber vollsonnig aufstellen?

Hier mal zwei Bilder:
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Als absoluter Neuling auf dem Bonsai-Gebiet fällt es mir schwer, die Vitalität zu beurteilen.

Falls das Alter wichtig ist, ca. 21 Jahre.
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LG und Danke René
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Re: Winterlinde - Handlungsbedarf?!

Beitrag von Andreas Ludwig »

Nun, die Blätter sind eher gross – also wird es Halbschatten sein. Je sonniger, umso kleiner die Blätter. Aber das beurteilt man nicht anhand von ein, zwei Bildern, sondern am Tagesverlauf und den kannst du nur du beurteilen.
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Andreas Ludwig
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Re: Winterlinde - Handlungsbedarf?!

Beitrag von Andreas Ludwig »

Da der Hinweis irgendwie verhallt, reiche ich Anregungen nach:

Man sollte mit den Begriffen «sonnig», «halbschattig» oder «schattig» sehr differenziert umgehen. Ein sonniger Tag in Tunis ist etwas anderes als einer in Wolfenbüttel. Ebenso ist ein sonniger Tag auf einem Fensterbrett über einer Asphaltstrasse vor einem reflektierenden Fenster etwas anderes als in einem luftigen Garten in Attenham. Mir ist das sehr vertraut, weil ich in einer feinstrukturierten Landschaft lebe. Die geht von der Flussbiegung auf 320 Meter ü.M. bis zu den kahlen Kalkfelsen auf 1000 – und das auf 20 km Distanz. Das bedeutet, dass ich mit der Betrachtung kleiner, aber extremer Biotope gross geworden bin. Ich empfehle, diese Sichtweise hin und wieder im Gedankenexperiment zu pflegen: Wo genau steht mein Baum?

«Halbschatten» etwa kann man m.E. in drei Kategorien aufteilen: Morgensonne, Nachmittagssonne und künstliche Regulierung. Letzteres bedeutet, die Pflanze voll gegen Süden zu exponieren, aber mit Netzen, 50/50-Lattenzäunen oder anderen Schutzvorrichtungen die Sonneneinstrahlung zu halbieren.

Morgensonne und Nachmittagssonne sollte man unterscheiden. Die Erde ist ein Wärmespeicher, was am Morgen volle Sonne hat, wird am Nachmittag im Schatten auf erst mässig aufgeheiztem Boden stehen. Dagegen sind Bäume in der Nachmittagssonne sozusagen vorgewärmt, dann kommt noch die volle Strahlung. Den Hitzehöhepunkt erreicht unsere Umgebung so um 15 Uhr, dann wird was kleines, feines schon mal gedünstet... Da geht es aber nicht um die für die Pflanze ideale Lichtmenge, sondern bloss um Austrocknung, Überhitzung – Extreme halt. Bonsaihaltung ist ein Spiel mit Extremen, immer.

Weiter ist die Setzung der Linde auf dem grossen Grantiklotz zwar ästhetisch ansprechend verstanden, aber bringt der Linde nichts. Strahlt die Sonne auf den Stein, gibts Föhnsturm von unten, der Glimmer wirkt als Sonnenspiegel – Vorteil ist da keiner. Womit wir beim letzten Gedanken sind: Bonsai zerfällt in gewisser Hinsicht in zwei Aspekte – die Pflege und das Zeigen. Das hat etwa soviel miteinander zu tun wie die Dressur, Fütterung und allgemeine Aufzucht eines Rassehundes und dem Herrichten für die Jahresausstellung der Züchter. Plagte man einen Rassewelpen mit all dem, was man vor der Ausstellung mit ihm macht, würde der ein paranoides Nervenbündel. Warum also sollen unsere Bäume in Pflege aussehen wie Ausstellungsstücke? Das stresst die bloss.

Bedeutet: Ein Baum in Pflege darf ein schwächeres Jahr haben, einen Standortfehler anzeigen, Präferenzen und Reaktionen auf sich verändernde Pflege und natürlich die ganzen Beauty-Fragen, die Astwinkel, die Feinverzweigung etc. Das ist das Lernen – und wir lernen vom Baum, nicht umgekehrt. In diesem Sinne war es gemeint, als ich schrieb, dass nur du die Sonneneinstrahlung beurteilen kannst.
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Re: Winterlinde - Handlungsbedarf?!

Beitrag von Rey »

Ich muss leider gestehen, dass ich etwas überfordert bin, daraus konkrete Rückschlüsse für den Aufstellungsort der Linde abzuleiten.

Folgendes habe ich extrahiert: Stein nicht gut, eher zu schattig, da große Blätter. Also Platz mit mehr Sonne suchen!?

Würde sie jetzt in die pralle Sonne stellen, heißt von 8 bis ca. 19 Uhr Sonne, und ein bis zweimal täglich wässern. Und im Hochsommer ein etwas schattigeres Plätzchen suchen?

Ich würde sie gerne möglichst natürlich in den Garten integrieren. Soweit das bei einem Baum in einer Schale möglich ist 😬 Also sind Netze eher raus.


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Re: Winterlinde - Handlungsbedarf?!

Beitrag von Andreas Ludwig »

Rey hat geschrieben: 14.05.2022, 17:04 Ich würde sie gerne möglichst natürlich in den Garten integrieren. Soweit das bei einem Baum in einer Schale möglich ist 😬
Wo ist das Problem? Schale an geeigneten Ort stellen, nach Notwendigkeit Ort wechseln. Pflege eben.
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