Weitergabe von Bäumen

Alles andere was zu Bonsai passt.
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Andreas Ludwig
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Weitergabe von Bäumen

Beitrag von Andreas Ludwig »

Ich greife hier auf Anregung von Eva Warthemann das diffizile Thema auf, wie man dann mal mit Bäumen verfahren soll, kann man sie nicht mehr halten.

Als Eröffnung: Nach dem Tod meiner Eltern (ich lebte da in einer Einlegerwohnung und hatte einen sehr grosszügigen Garten zur Verfügung) zog in ich in die kleine Stadt in der Nähe. Dabei nahm ich wenig Rücksicht auf meine Bäume, es ging um eine weiter gefasste Lebensgestaltung. Es gab drei Stufen: Viele, wirklich viele Bäumchen verschenkte ich an Nachbarn und gab drei Schachteln an einen Bekannten, der sie günstig an einem Treffen verscherbelte. Das waren die geringfügigen.

Die etwas wertigeren bot ich ausgesuchten Bekannten in der Nähe an mit der Zusage, sie auf Wunsch zu inspizieren und «nachzuarbeiten». Die wirklich guten behielt ich, alle beide. Sie sind für mich gut, weil sie Teil meines Lebens sind. Das erkläre ich nicht weiter, aber es soll ein Aspekt sein: Manche Dinge kann man nicht weitergeben, weil ihr Wert rein ideell ist und nur von einem selbst gesehen wird.

Im Moment bastle ich wieder an ein paar Pflanzungen herum, Granatapfel, plantagenweise fast und ein Experiment mit Mandarine. Dazu pflege ich ausgesuchte Gartenbonsai in der Umgebung, die mir nicht gehören, deren Besitzer dann auch mal den ganzen Garten vererben werden. Da denke ich gar nicht ans Weitergeben, das sind bloss Beschäftigungen, die nur mich etwas angehen. Das mag dann mal mitnehmen, wer etwas dafür empfindet oder wegwerfen, wer stumpf ist. Die zwei Bäume, die ich immer haben werde, haben dasselbe Schicksal. Mit mir geht die Bedeutung dafür verloren.

Nichts, was ich an Bäumchen gepflegt habe und pflege, kann den Anspruch erheben, wesentlich zu sein. Es sind Pflanzen und ich bin ein Mensch. Das bedeutet, meine Bäumchen und ich sind eine momentane Darbietung in der Zeit. Daraus entsteht kein Anspruch auf Ewigkeit, wer Erbe mit Verflichtung verbindet, tut Unrecht. Wir haben da unseren Spleen – den sollten wir niemandem aufzwingen. Ich denke, die Frage nach dem Weitergeben und Vererben muss darum in eine ganz andere Richtung gehen (wenn wir konsequent und etwas grössenwahnsinnig sind): Wie kriegen wir eine Kultur der Wertschätzung für solche Werke hin? Nur die kann doch garantieren, was wir möchten – den Erhalt.
It is not enough to be busy. So are the ants. The question is: What are we busy about?
(Thoreau)
Eva Warthemann
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Re: Weitergabe von Bäumen

Beitrag von Eva Warthemann »

Bonsai interssierten mich schon vor 40 Jahren. Damals hatte ich bei einem Bekannten erste Bäumchen gesehen die noch in einem sehr jugendlichen Zustand waren. Damals kaufte ich mir einen kleinblättrigen Ficus und eine Crassula ovata die erste Gestaltungsversuche aushalten mussten.
Der Ficus war bald hin und die Crassula lebt noch heute. Hier in Ostdeutschland gab s nur zwei Bücher von Wilhelm Elsner über Bonsai zu kaufen. Das waren dann meine Lieblingsbücher die ich so oft gelesen habe das ich sie fast auswendig kannte.
Bonsai geeignete Bäume in Baumschulen zu finden war fast aussichtslos. Deshalb waren für mich Gräberauflösungen sehr interessant und der eine oder andere Wacholder landete bei mir auf dem Grundstück. Davon sind noch einige vorhanden. An denen hänge ich auch sehr. Auf Grund meiner Hüfprobleme sind sie mir aber mit der Zeit zu schwer geworden. So geht es mir mit ein paar Pinus Silvestris und Schwarzkiefern. Auch die Pflege hat in den letzten Jahren sehr nachgelassen. Hier spielt mir mein Alter (70) einen Streich. Deshalb kommen diese Gedanken auf was wird aus meinen Bäumen? Meine Söhne haben kein Interesse für Bonsai. Und hier in der Umgebung habe ich keine Bonsaifreunde die für mich in Frage kommen. Also heißt es für mich verkaufen.
Eine andere Lösung finde ich nicht.
Ich bin ja hier Forum nicht die Einzige die dieses Alterproblem haben.
Wie wollt Ihr das regeln?
Liebe Grüße
Eva Warthemann
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mydear
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Re: Weitergabe von Bäumen

Beitrag von mydear »

Eva Warthemann hat geschrieben: 05.01.2023, 22:48 Ich bin ja hier Forum nicht die Einzige die dieses Alterproblem haben.
Wie wollt Ihr das regeln?
Gute Frage Eva,
darüber mache ich mir auch manchmal Gedanken, es ist ja noch etwas Zeit. Doch der Bonsaitrend ist vorbei. Ich bin seit 1989 im BCD, fand immer genügend Vorbilder nach denen ich mich orientieren konnte.Heute finden kaum noch junge Menschen zu Bonsai, es gibt einfachere Hobbys und natürlich die ganzen sozialen Medien, wahre Zeitfresser. Bonsai, das Hobby der grau- und weißhaarigen Generation (ich zähle da auch dazu :lol: )? In den nächsten Jahren werden mehr und mehr Sammlungen aus Nachlässen auftauchen. Oft in den letzten Jahren verwahrlost, weil die Pflege nicht mehr zu schaffen war und jung und alt überfordert hat. Solche Bäume werden gerne zu irrsinnigen Preisen angeboten, dabei sind sie in schlechtem Zustand. Es würde Jahre dauern sie wieder hochzupäppeln.

Ich bin finanziell nicht davon abhängig und das meiste ist selbst gezogen, anderes war relativ günstig zu erwerben. Meine Töchter interessieren sich nicht dafür. Sie wohnen weit weg, könnten und würden die Bonsai nicht weiter pflegen. Deshalb plane ich für die spätere Rente. Ich dachte an Aktivitäten in Arbeitskreisen, Schulen, Volkshochschule oder Gartenmärkten. Ich würde gerne jungen Menschen in der Nähe, die noch kein Geld investieren können (oder wollen) als Patenschaft Bonsai überlassen. Sie sollen auf die Pflege vorbereitet werden, dass die Pflanzen überleben können. Sie könnten mein gesammeltes Wissen annehmen (sofern sie möchten). Die Freude in den Augen der Nachfolger zu entdecken und die Pflanzen ab und an wiedersehen zu können wäre mir genug. Als Gegenleistung könnten sie meine eigenen Bonsai als Urlaubsvertretung versorgen. Ich könnte öfter unbeschwert in Urlaub gehen und die Welt genießen. Ob es sich realisieren läßt?

Grüße
Rainer
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Thro
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Re: Weitergabe von Bäumen

Beitrag von Thro »

Eva Warthemann hat geschrieben: 05.01.2023, 22:48 Hier in Ostdeutschland gab s nur zwei Bücher von Wilhelm Elsner über Bonsai zu kaufen. Das waren dann meine Lieblingsbücher die ich so oft gelesen habe das ich sie fast auswendig kannte.
Bonsai geeignete Bäume in Baumschulen zu finden war fast aussichtslos.
Hallo Eva,

kurze Frage: aus welcher ostdeutschen Gegend kommst du? Der Werdegang der ostdeutschen Bonsaigeschichte ist mir grob geläufig, auch die Schalenkreationen kenn ich schon. Ferner schaue ich mir mindesten einmal im jahr die verbliebene Sammlung in Zuschendorf an. Hattest du irgendwelche Berührungspunkte damals? Als Dresdener hab ich da etwas Lokalpatriotismus diesbezüglich ;-)

Nun zum Thema: ich hätte viel darum gegeben, wenn ich jemanden als Nachbarn/ Bekannten/... gehabt hätte, der mich gerade am Anfang etwas an die Hand nimmt. Alles, was ich weiß habe in mühsamer Kleinarbeit aus Büchern, wenigen Gesprächen auf Ausstellungen in der Nähe (Bonsai- Trienale z.B.) und seit nicht allzu langer Zeit (in "Bonsai" gerechnet) von Youtube und nach dem mutigen Schritt der Registrierung hier aus dem Forum.
Die Idee von Rainer finde ich enorm begrüßenswert. Wichtig ist natürlich, dass man sowas "zeitig" genug angeht, wenn man noch fit genug ist für so eine idealerweise längere Begleitung. Weiterhin ist klar, dass das Interesse bei der Jugend dafür da ist. Schaut man auf Youtube, dann scheint "Bonsai" schon ein aktueller Trend zu sein. Viele qualitativ gute Beiträge kommen von Nachwuchstalenten in meinem Alter *hüstel*. Also wieso sollte es nicht möglich sein, trotz Instagramm, TikTok, Facebook und was es sonst noch so für Auswüchse gibt, neue Bonsaianhänger zu begeistern? Wenn dann noch ein Baum des Mentors übernommen werden kann find ich das Klasse.

Andreas seine Gedanken sind für mich sehr philosophisch. Liegt vielleicht auch daran, dass ich mit Bonsai erst anfange und nicht ans aufhören denken muss ;-) Aber eine Idee kam dann doch hoch: man kann (hochwertige, gut gestaltete...) Bonsai bzw auch Sammlungen ja durch aus botanischen Gärten, Bonsaigärten o.ä. vermachen. Ich kenne viele Beispiele vor allem aus dem USA, wo private Sammlungen der Öffentlichkiet zugänglich gemacht wurden. Teilweise, da dort Bäume mit enormer geschichtlichen Bedeutung enthalten sind, teilweise weil eben gut gestaltete Bäume zu bestaunen sind. Solche "Bonsaimuseen" wissen sehr wohl um den Wert der Bäume und haben sicher auch Interesse an der Erhaltung und Pflege.

Beim Verkauf der Bäume zu den schon festgestellten absurden Preisvorstellungen wird der Baum an sich ja zum materiellen Objekt, bei dem der ideele Wert beim Besitzerwechsel erlischt. An der Stelle kann man sich, meiner Meinung nach, nur damit trösten, dass der Baum, um den man sich 25 Jahre gekümmert hat, in gute Hände kommt und einem anderen Bonsaienthusiasten weitere 25 Jahre viel Freude bereiten wird. Dazu noch ein kleiner Ausflug: ich bin einmal über eine Seite gestolpert, wo u.a. auch Bonsais längst verstorbener Könige/ Kaiser/ aus China oder Japan angeboten wurden, teilweise (nachweislich) mehrere hundert Jahre alt. Rein aus Neugier hab ich etwas gestöbert und empfand die Preise für das "gebotene" geradezu lächerlich. Soviel zum Thema "Wertschätzung", Erhalt, Wesentlichkeit.

Der Idealzustand ist sicherlich, die Bäume eigenen Kindern zu vererben und dem entsprechendes Interesse haben.
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Kyrilla
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Re: Weitergabe von Bäumen

Beitrag von Kyrilla »

Besprochen habe ich das mit meinen Kindern schon.
Meine Tochter "droht" immer, die Bäume in die Freiheit zu entlassen.....was immer sie damit meint.
Aus gesundheitlichen Gründen gebe ich ab und zu Bäume an Gartenbesitzern ab-so extrem wertvolle Bäume habe ich nicht.
Durch Urlaubspflege mußte ich bereits Verluste hinnehmen.
Es werden wohl im einstelligen Bereich Bäume übrig bleiben.
Und die...hoffe ich, werden ein Zuhause finden .
Wenn sich bei mir das Krankenhaus häuft....
Stil ist richtiges Weglassen des Unwesentlichen.
Sanne
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Re: Weitergabe von Bäumen

Beitrag von Sanne »

Auch ich habe mir schon oft darüber Gedanken gemacht, wer eines Tages sich wohl um meine Bäumchen kümmern könnte. Mein Sohn hat leider gar kein Interesse daran, aber später vielleicht ein Enkel? Auch der Sohn meiner Schwester käme evtl. in Frage. Er hat eine große Dachterrasse und auch schon mal ein Baum von mir bekommen.

Nach wie vor finde ich es sehr schade, dass der alte Flohmarkt hier im Forum nicht mehr existiert. Damals hatte ich einige sehr schöne Bäume dort erstanden und selbst welche verkaufen können.

Jedenfalls werde ich mir keine neuen Bonsai mehr zulegen, da auch für mich mit 60 die restliche (aktive) Lebenszeit begrenzt ist. Bis dahin erfreue ich mich an mein Hobby.

Grüße, Sanne
Was wären wir ohne den Trost der Bäume…
(Zitat von Gisela V.)
Eva Warthemann
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Re: Weitergabe von Bäumen

Beitrag von Eva Warthemann »

Hallo Sanne!
Ich muss Dir beipflichten. Der guten alten Flohmarkt vermisse ich auch.
Mit dem Bonsai Markt kann ich mich nicht anfreunden und wenn man dann die Wahnsinnspreise sieht für noch recht junge Bäumchen. Was soll das?
Eva Warthemann
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Harrybo
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Re: Weitergabe von Bäumen

Beitrag von Harrybo »

Danke Euch,
ihr habt wie ich glaube, ein längst überfälliges Thema aufgemacht!
Auch ich lebe, liebe und leide seit über 40 Jahren an dem Bonsaivirus!
Ich habe ebenfalls ,fast alle meine Bäume selbst gezogen und gestaltet.
Doch frage ich mich, was wird aus diesen, wenn ich nicht mehr bin oder kann?
Ich habe einige, die ich schon über 35 Jahre alt sind und die haben einen
ganz besonderen Platz, in meinem Herz!
Einige werde ich bestimmt bis zum Ende behalten -bis mir die Schere aus der Hand fällt.
Alle anderen versuche ich so gut wie möglich unterzubringen, um meine Arbeit noch einige Zeit
weiterleben zu lassen.
Auch habe ich ebenfalls die Idee, durch Anzeigen, junge Leute auf dieses Hobby aufmerksam zu machen
und ihnen die Pflege und meine Bäume näher zu bringen.
Ich habe auf etlichen Flohmärkten, meine Bäume angeboten und die Erfahrung gemacht, dass viele ein großes
Interesse an Bonsai haben ,doch auch große Angst vor der Pflege.
Ich kann mir gut vorstellen, dass mehr als man denkt, bei diesem Hobby bleiben, wenn sie erst mal Erfolge haben.
Zwar glaube ich auch, dass die Leute mich nicht überrennen werden, doch wenn einer bei der Sache bleibt ist das schon
ein Erfolg.
Eine weitere Möglichkeit könnte auch das Angebot, der Bonsai Gärtnerei Krötenheerdt sein.
Diese kaufen auch ausgesuchte Bonsai auf, allerdings zu deren Ankaufpreisen.

Und wenn das alles nichts bringt, dann sage ich,- DER WEG WAR DAS ZIEL- und lass nach meinem Ableben ,die wohl
sowieso vertrockneten Bonsai, in Flammen aufgehen und deren Asche auf mein Grab streuen!!!

Doch bis soweit ist, hoffe ich mich noch einige Zeit an meinen Pflanzen erfreuen zu können. Denn ich habe noch viele Projekte im Kopf.
Ich wünsche Euch ein gesundes Bonsaijahr für Euch und eure Pflanzen!
Harry.
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roro
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Re: Weitergabe von Bäumen

Beitrag von roro »

Hallo

auch ich möchte zu dem interessanten Thema noch einen Blickwinkel beisteuern: zwar habe ich noch nicht mal die Hälfte meines Arbeitslebens bis zur Pensionierung hinter mich gebracht und werde wohl erst in 40 Jahren mit dem Thema aktiv konfrontiert sein, doch möchte ich mal die „Gegenseite“ etwas beleuchten beim Thema „Weitergabe“:

- Welche Verantwortung lädt man sich auf?
- Welche Erwartungen werden an den oder die neue Pfleger/in gestellt?
- Wie ist das Verhältnis vom ideellen zum qualitativen Wert des Bonsais?
- Wann wird ein Bonsai weitergegeben?
- Wäre ich damit überfordert, einen expliziten Baum zu übernehmen?

Vorab, viele unserer liebgewonnenen eigenen Bonsais tanzen wohl nicht in der Topliga der Bonsaiszene. Dennoch stellen sie für uns einen wertvollen Gegenstand - oder besser ein wertvolles Lebewesen - dar.
Aber sehen das die anderen auch so? Oder beruht das viel mehr auf den eigenen Geschichten und Erlebnissen mit diesem Baum? Die Zahl ausstellungsreifer Bäume wird wohl bei vielen in der Minderzahl sein.
wieso sollte der Selektionsprozess in der Bonsaikunst gesellschaftlich anders verlaufen als bei der Kunst allgemein? Je bedeutungsvoller ein (Kunst-)Objekt für eine Gruppe oder die ganze Gesellschaft ist, je wahrscheinlicher überdauert es alle Widrigkeiten der Zeit.
Das führt im Umkehrschluss auch zum Eingestehen der Irrelevanz seiner eigenen Tätigkeiten innerhalb der menschlichen Geschichte: Das Loslassen, etwas hinterlassen zu wollen und das Akzeptieren einer gewissen Mittelmässigkeit in unseren Schaffensdingen - die wir trotzdem in aller Ernsthaftigkeit betreiben, wäre eine Antwort, anstatt über fehlende Anerkennung zu resignieren.
Etwas gelassener auf das Thema zu blicken, kann ernüchternd aber auch befreiend sein.
Wenn der Bonsai gut ist, wird immer jemand sich ihm erbarmen!
Geht es jedoch darum „seinen Lohn“ für dieses Lebenswerk (was Bonsai ja sehr oft werden kann) zu erhalten, muss ein kritischer Blick auf die Qualität und Relevanz erlaubt sein.

Oft hängen wir wohl viel zu stark und viel zu lange an unseren Bäumen, dass wir erst im endgültig letzten Moment die Bonsais weitergeben (vernachlässigt etz. das wurde schon in einem anderen Beitrag angesprochen). Und so wird die ganze „Last“ dem Nachfolgenden auf einen Schlag aufgebürdet.

Ich möchte ein anderes Vorgehen beliebt machen: Wieso nicht den Bonsai oder Baum 10 Jahre früher dem zukünftigen Besitzer übergeben und ihn begleiten bei der Pflege?
So könnte der/die neue Pflegende sich mit Unterstützung dem Baum annehmen und an der ihr übertragenen Aufgabe wachsen, ohne auf einmal die volle Verantwortung zu tragen.
Mir beispielsweise würde das extremen Druck wegnehmen, sollte ich mich eines Tages in einer solchen Situation befinden. Es ist eine Art Mentor-Prinzip und eine Rückversicherung; die Gewissheit, dass ich mich bei Fragen an die kompetenteste Person, nämlich den/die langjährige/n Vorbesitzer/in wenden kann.

Also vielleicht braucht dieser Übergabeprozess einfach längere Vorbereitung und auch die Offenheit von beiden Seiten sich während einen definierten Zeit für oder gegen eine Übernahme entscheiden zu können?

PS:
Ich möchte hier niemandem zu nahe treten mit den Punkten zur Relevanz und dergleichen. Nur weil jemand in der menschlichen Geschichte, Literatur, Kunst, Wissenschaft oder wo auch immer keinen Eingang gefunden hat, heisst das noch lange nicht, dass er nicht wertvoll und wichtig für sein Umfeld, seine Familie oder Freunde war.

Und ja, es spricht aus meiner Sicht auch nichts dagegen, einen „Lohn“ für die Arbeit an den Bäumen durch deren Verkauf zu erwirtschaften.
Das ist ein anderer Ansatz, weniger aufs Überdauern des Baums hinzielt, als auf seine (finanzielle) Wertschätzung. Das ist bei Kunstsammlern ähnlich: Es gibt jene, die sammeln aus Leidenschaft und der Freude an den einzelnen Werken - und machen sich wenig Gedanken, was der Marktwert ihrer Werke wohl wäre; aber es gibt auch die Sammler, welche Kunst als eine Wertanlage betrachten und weniger einen emotionalen Bezug zu einem Werk aufbauen, sondern strategisch das Thema betrachten. Beides hat uns wunderbare Sammlungen beschert. ist eines davon besser?
Sind diese Blumen künstlich? - Natürlich.
Also natürlich oder künstlich? - Natürlich künstlich!
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ElmarH
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Re: Weitergabe von Bäumen

Beitrag von ElmarH »

Hallo zusammen,
eine sehr interessante Diskussion, zu der ich meine Gedanken und Emotionen hinzufügen möchte: Ich (59) habe im Laufe meines sehr bewegten Lebens zig mal neu begonnen, Lebensraum, Beziehungen, etc.) Neben Bonsai habe ich immer gerne Gärten angelegt und gepflegt, viel Zeit und Geld investiert...... Ihr erratet schon, wohin die Reise geht. Die zurückgelassenen Gärten wurden übernommen, vielleicht weiter gepflegt, umgestaltet, evtl. sogar zu Gunsten von Garten- oder Gewächshäusern zerstückelt. Bonsais, in der Mehrzahl bessere Rohware und weiter entwickelte Rohlinge als ausstellungsreife Bäume, ereilte oft das selbe Schicksal.... Heute, mit nur noch einer Hand voller Bäume, sehe ich auf tolle Momente zurück, manchmal meditativ, aber in der überwiegenden Zeit sehr bereichernd. Alleine die Zeit, die mir Gestaltung, Betrachtung und der Genuss des Vollbrachten gab und noch gibt, ist es wert gewesen, mich mit der Natur auseinanderzusetzen. Heute genieße ich meine wenigen Bäume bei einer Tasse Kaffee oder auch Wein und ab und zu bearbeite ich sie, wenn ich Lust habe. Den Wert der verbrachten Zeit kann ich nicht beziffern, aber er ist schier unermesslich. Die Freude an Wachstum, Blüte, Harmonie bereichert mein Leben. Loslassen ist ein Prozess, den ich gelernt habe. Die schönen Momente bleiben immer Zeit meines Lebens in meinen Gedanken erhalten. Think positiv.
;-)
LG
Elmar *wink*
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mydear
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Re: Weitergabe von Bäumen

Beitrag von mydear »

ElmarH hat geschrieben: 25.01.2023, 13:04 Die Freude an Wachstum, Blüte, Harmonie bereichert mein Leben. … Die schönen Momente bleiben immer Zeit meines Lebens in meinen Gedanken erhalten.
Hallo Elmar,
kann ich so gut verstehen. So geht es mir täglich beim Bearbeiten, Pflegen und Betrachten meiner Lieblinge. Die tägliche Beschäftigung bringt schon Freude für den Tag. Nur im Urlaub (aktuell ist es ja unproblematisch, weil überschaubar für die Vertretung) kommen immer die Gewissensbisse. Und der Wunsch nach Urlaub wird jedes Jahr bedeutsamer.

Grüße
Rainer
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