Speiseessig als Pflanzenschutz

Spezielle Baumpflege z.B. düngen, umtopfen, Erden, ein- und auswintern, Pflanzenschutz
Opa Lutz
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Speiseessig als Pflanzenschutz

Beitrag von Opa Lutz »

Hallo,
in der letzten "Bonsai Art" wird über Speiseessig zum Pflanzenschutz geschrieben, leider wurde kein Mischungsverhältnis angegeben.
Hat vielleicht von euch einer Erfahrung damit und kann ein Mischungsverhältnis angeben?
Schöne Grüße,
Lutz

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Andreas Ludwig
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Re: Speiseessig als Pflanzenschutz

Beitrag von Andreas Ludwig »

Wenn du es versuchen willst: 2 - 3 EL Essig auf 3 Liter Wasser. Dann bist du auf der (tendenziell) sicheren Seite.

Essig hat abgesehen von seiner pH-regulierenden Wirkung auch eine austrocknende, weshalb man ihn auch gegen «Unkraut» anwendet. Hat einen Haken - das wirkt auch in der Umgebung - Säuren stellen keine Fragen. Du aber schon. Deine Frage ist also, was du da genau willst: Förderung von Vorgängen in deinen Holzpflanzen? Welche, wozu? «Unkraut»-Bekämpfung? Weshalb?
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baeumchen
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Re: Speiseessig als Pflanzenschutz

Beitrag von baeumchen »

ich kenn das in der mischund 1teil essig zu 10 teile wasser,
um moos auf den stämmen zu beseitigen ...
das ist dann dem moos zu sauer und es stirbt ab
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Andreas Ludwig
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Re: Speiseessig als Pflanzenschutz

Beitrag von Andreas Ludwig »

bäumchen- ja - und dann? Moos weg. Besser oder schlechter oder egal?

Ich rate grundsätzlich ab von diesen «Zumischungen». Weil ich denke, dass die meisten das nicht im Griff haben, wenn sie morgens von Düdeldoof nach Bochum zur Arbeit rasen, zwischendurch via Smartphone das Gardena-System kontrollieren und am Abend abgehetzt nochmals kucken, wo vielleicht grad etwas Dünger nötig wäre... ich bleibe da skeptisch.
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baeumchen
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Re: Speiseessig als Pflanzenschutz

Beitrag von baeumchen »

dann. lieber Andreas
geht das moos relativ leicht ab zu bürsten, ohne dass die rinde leidet und es wächst nicht mehr so rasant nach

ach du meinst die kollegen, die speed-bonsai betreiben

da muss ich vor meinen vorschlägen allerdings explizit warnen
ich mach das als "slow-grow", mit (fast) täglicher individueller zuwendung

da gibts ein wunderbares buch mit dem titel: "Bonsai - a patient Art" ... sagt alles, oder?
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Andreas Ludwig
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Re: Speiseessig als Pflanzenschutz

Beitrag von Andreas Ludwig »

baeumchen hat geschrieben: 10.07.2024, 15:47 geht das moos relativ leicht ab zu bürsten, ohne dass die rinde leidet und es wächst nicht mehr so rasant nach
Und was ist dader Vorteil? Schadet Moos?
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Opa Lutz
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Re: Speiseessig als Pflanzenschutz

Beitrag von Opa Lutz »

Danke erst einmal,
in dem Artikel steht es würde gegen Mehltau und Blattläuse helfen.
Schöne Grüße,
Lutz

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Andreas Ludwig
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Re: Speiseessig als Pflanzenschutz

Beitrag von Andreas Ludwig »

Ok. Mehtau ist ein überschaubar komplexer Pilz, Blattläuse sind immerhin schon Arthropoden. Du benutzt also ein- und dasselbe Mittel gegen zwei «Plagen», die noch weiter entfernt verwandt sind als etwa Regenwürmer und die GSG 9.

Erste Frage: Wieso gehst du so vor? Wieso willst du so verschiedene Probleme mit nur einem Biozid lösen und ausgerechnet mit Essig dazu?

Zweite Frage: Wieso nicht richtig? Mit Benzin oder Semtec könntest du nämlich alle Probleme auf einen Schlag lösen, garantiert. Da würde nichts mehr wachsen.

Dritte Frage: Wieso liest du solche Artikel? Gegen Mehltau hilft banale Milch, die an der Wärme versauert, aber sonst niemandem was macht, gegen Blattläuse helfen etwa Marienkärferlarven, die man per Post bestellen kann.
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Immergrün
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Re: Speiseessig als Pflanzenschutz

Beitrag von Immergrün »

Milch - keine H-Milch! - hilft extrem gut gegen Mehltau. Bei Blattläusen einfach warten, bis die Natur (oder die Post) Marienkäfer(larven) vorbeischauen lässt. Oder ein paar Meisen sich der Sache annehmen...

Krankheiten sind oft auch Symptome für nicht optimale Haltung: Bei Mehltau hilft oft schon ein besser belüfteter Standort und auch eine perfekt gesunde Pflanze, die mit dem vorhanden Standort klarkommt. Nachdem ich das geändert hatte, habe ich keinen Mehltau mehr gehabt. Meine Liebe zu bestimmten Pflanzenarten musste da dem Pragmatismus weichen, dass die Natur immer das letzte Wort hat. Bei Blattläusen setze ich einfach die Brille ab, das verringert die Sorge. Irgendwann sind die Marienkäfer da...

Seit vielen Jahren gärtnere ich nur mit Hausmittelchen wie Milch oder biologischen Stärkungsmitteln. Aber eigentlich hilft der richtige Standort immer am besten.
LIebe Grüße, Stefan
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baeumchen
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Re: Speiseessig als Pflanzenschutz

Beitrag von baeumchen »

Andreas Ludwig hat geschrieben: 10.07.2024, 16:11
baeumchen hat geschrieben: 10.07.2024, 15:47 geht das moos relativ leicht ab zu bürsten, ohne dass die rinde leidet und es wächst nicht mehr so rasant nach
Und was ist dader Vorteil? Schadet Moos?
an glatten borken hab ich kein problem, da gehts leicht ab
an schuppigen borken schadet das durchaus
die bleiben länger feucht und weich ... und zack, sind sie ab
Lärchen, Metasequoia, Flieder, Weißdorn ....

zudem ist es für mich einfach vom aussehen der bäume her besser,
wenn sie moos auf dem substrat, aber nicht auf den füßen und am hosenbein haben
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Holger
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Re: Speiseessig als Pflanzenschutz

Beitrag von Holger »

Blattläuse: Im Handel kann man auch Larven von Marienkäfern oder Florfliegen erwerben, da ist dann natürlicher Schutz gegen Blattläuse.

Gruß Holger
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Beim Universum bin ich mir aber noch nicht ganz sicher
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Re: Speiseessig als Pflanzenschutz

Beitrag von Berndbonsai »

Andreas Ludwig hat geschrieben: 10.07.2024, 18:04
Zweite Frage: Wieso nicht richtig? Mit Benzin oder Semtec könntest du nämlich alle Probleme auf einen Schlag lösen, garantiert. Da würde nichts mehr wachsen.
Huii erstaunlich sachlich argumentiert *ironie*
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Andreas Ludwig
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Re: Speiseessig als Pflanzenschutz

Beitrag von Andreas Ludwig »

Bernd - war bewusst absurd grob formuliert. Weil ich mich manchmal etwas wundere über das Treiben auf dem Planeten Bonsai.

Die Rechtslage in D ist zwar etwas unklar, aber es gab schon Bussgelder für Hobbygärtner, die mit Essig Unkraut angegangen sind. Die Überlegung dahinter ist der Gewässerschutz. Darum ist das Ausbringen auf versiegelten Flächen und in «offenen Systemen» (also Schalen mit Löchern...) untersagt. Für Heil- und Duftkräuter gilt das dann aber wiederum nicht. Es geht jetzt abr nicht darum, einen auf Rechtstaat zu machen. Bloss um Vernunft. Will man hie und da das Experiment wagen, mit Essig den pH zu regulieren - bitte. Aber flächendeckend Schädlinge damit behandeln ist absurd grob. Der zitierte Artikel gehört gelöscht.
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Georg
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Re: Speiseessig als Pflanzenschutz

Beitrag von Georg »

Ich zitiere mich mal selbst aus 2021:
"Ich habe zumindest bei meiner Ulme die Erfahrung gemacht, daß der Wurzelansatz Moos-frei sein sollte und immer gut abtrocknen können muß. Rindenstückchen sind bei mir auch schon mal abgegangen, aber die Ulme hat mit der Zeit wieder alles ausgefüllt. Ich mache halt, und das steht nach der Überwinterung im Freien dann auch wieder an, nach der "Schillymethode" mit kleinem Bunsenbrenner und Wassersprühflasche den Wurzelansatz und auch die ganze Stammrinde Moos-frei.
Was negatives ist mit der Methode mir noch nie passiert."


Die Methode: Moos mit Sprühflasche gut anfeuchten und mit Bunsenbrenner vorsichtig abflämmen. Sobald das Moos glüht, Bunsenbrenner entfernen.
Gut trocknen lassen - das wars.
Wer will kann das tote Moos später vorsichtig mit Pinzette entfernen, wenn es lose ist.
Muß man aber nicht.
Gruß
Georg
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Andreas Ludwig
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Re: Speiseessig als Pflanzenschutz

Beitrag von Andreas Ludwig »

Hier noch ein aktuelles Bild neuer Rekruten meiner «Grande Armée de la Ste. Marie». Es sind Puppen von Marienkäferchen. Mittlerweile bestelle ich nur noch in akuten Situationen für enferntere Nachbarn welche - mein Terrain ist gesichert. Denn Marienkäfer haben gegenüber Insektiziden den Vorteil, standortreu und wiederkehrend zu sein. Sie überwintern im Boden, zum Beispiel in humoser Erde (in mineralischem Susbtrat hätten sie wahrscheinlich Probleme...).

Womit wir indirekt beim Moos sind: Das ist nicht nur eine ästhetische Frage. Es ist eben auch Lebensraum, z.B. für Florfliegen, Marienkäferchen, Schwebfliegen, allerhand Wespenarten, die alle wiederum in gewisser Weise «Waffengattungen» meiner kleinen Armee darstellen. Da steht Hibiskus herum, da hat es Rosen, ein Viburnum räkelt sich – aber Blattläuse? Nicht ausgeprägt in diesem ausgeprägt blattlausfreundlichen «Sommer».

Womit ich das wieder mal erwähnt habe. :roll:

AveMaria.jpg
AveMaria.jpg (227.54 KiB) 165 mal betrachtet
(Der Russtau auf diesem Feldahorn geht mich nichts an. Er gehört der Kirche, meine Mariechen haben da bloss Kirchenasyl. Und die kleine Blattlaus am unteren Bildrand hat nicht mehr lange zu leben - auch geschlüpfte Marienkäfer fressen Blattläuse.)
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