Werkzeug überarbeiten - Spiel in den Scharnieren, Schärfen

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HeinrichI
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Re: Werkzeug überarbeiten - Spiel in den Scharnieren, Schärfen

Beitrag von HeinrichI »

Nachdem die Oberseiten der Konkavzangen fertig geschliffen wurden, kommt nun für die Bearbeitung der Innen- bzw. Unterseiten der Schneiden ein Handschleifgerät zum Einsatz.
Konkavzangen mit gerader Schneide können allerdings mit geraden Schleifkörpern geschärft werden.

Für die weitere Bearbeitung muss als erstes auf die Schneide geschaut werden. Dazu muss die Schneide hochkant gegen das Licht gehalten werden, um zu erkennen, wo geschliffen werden muss. Auf dem Foto ist zu sehen, dass im vorderen Teil und an der Spitze z.T. durch eine Reflexion, eine Unschärfe vorhanden ist. In diesem Bereich muss dann geschliffen werden.
Lichtreflexionen auf der Schneide
Lichtreflexionen auf der Schneide
Schneide.JPG (44.4 KiB) 203 mal betrachtet
Auf dem Bild handelt es sich um eine leicht gewölbte Konkavzange, die auf der Innenseite natürlich nicht mit einem geraden Schleifstein bearbeitet werden kann.

Für den Schleifvorgang mit dem Handschleifgerät sind viel Licht, ein gutes Auge und eine ruhige Hand erforderlich.

Ich beginne mit dem Schleifen erst einmal in einem Bereich, der einige Millimeter von der Schneidenkante entfernt ist, um ein Gefühl für den Moment zu bekommen. Das Schleifgerät ist auf eine Umdrehungszahl von etwa 10.000 eingestellt.
Schleifkörper mit Handschleifgerät
Schleifkörper mit Handschleifgerät
P1070940_5.jpg (98.61 KiB) 203 mal betrachtet
Fahre dann mit einer mäßigen Kraft mit dem rotierenden Schleifkörper, der nicht unbedingt senkrecht auf die Zangenfläche stehen muss, vorsichtig längs der Schneide hin- und her und arbeite mich allmählich bis an die Schneidkante heran und muss verdammt aufpassen, mit dem Schleifkörper nicht über die Schneide zu rutschen.
Im Wechsel dazu muss ich immer wieder die Schneide mit der Daumennagelmethode auf ausreichende Schärfe testen.

Ist eine ausreichende Schärfe vorhanden, muss das Gleiche mit der gegenüberliegenden Schneide vollzogen werden.

Bleibt nun im zusammengedrückten Zustand ein Spalt, muss am Stopper, wo der Hebelarm den Stopper berührt Stück für Stück im Wechsel mit der Spaltkontrolle, Material abgeschliffen werden, bis sich die Schneiden nahezu leicht überlappen.
Der Abschliff am Stopper muss behutsam Stück für Stück immer wieder im Wechsel mit der Spaltkontrolle durchgeführt werden.

Sollte man im zusammengedrückten Zustand ein Stück Papier zwischen Stopper und Hebelarm hin- und herschieben können, war es bedauerlicherweise zuviel.
Vor allem bei einer Edelstahlzange (weicher als Carbonstahl) würde sich, wenn die Zange dann zusammengedrückt wird und die Schneiden sich berühren, an der linken (unteren) Wange die Schneidkante wahrscheinlich krümmen und einen Grat bilden.
Das ist zu erspüren, in dem man mit dem Finger auf der Innenseite der Schneide über die Kante fährt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass bei einem eventuell entstandenen Grat, dieser anschließend mit einem kleinen Schleifkörper entfernt werden kann.
Beim nächsten Zusammendrücken wird dann kein erneuter Grat entstehen, denn die Schneide hat sich beim ersten Zusammendrücken an die Gegenseite angepasst und stellt somit kein weiteres Problem dar.
Sollte sich doch ein Grat haben, muss er trotzdem wieder entfernt werden.
Somit bleibt ein korrekter Anschlag trotz alledem wichtig für die Schonung der „unteren“ Schneide.

Bei Carbonstahlzangen scheint es wohl kein Problem zu sein, wenn sich die Schneiden berühren, denn bei 3 meiner Carbon- Zangen, die wohlbemerkt kaum nachgeschliffen wurden, liegen die Schneiden (versetzt) aufeinander und zwischen Hebelarm und Anschlag ist ein Spalt, so dass ein Stück Papier durchgeschoben werden kann. Das heißt, dass der Stopper, wofür er eigentlich da ist, keine Wirkung hat. Entweder ist Carbonstahl extrem stabil, oder die Schneidkanten haben einen so passenden Schliff, dass sie beim Zusammendrücken trotzdem noch frei stehen.

Auch nach dieser Arbeit ist eine Kontrolle im Wechsel zwischen Höhenversatz, Anschlagstift und Überlappung durchzuführen.

Vielleicht kann der Eine oder Andere etwas damit anfangen, ansonsten stehe ich gerne für Fragen zur Verfügung.

Gruß Heiner
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HeinrichI
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Re: Werkzeug überarbeiten - Spiel in den Scharnieren, Schärfen

Beitrag von HeinrichI »

Scheren müssen natürlich auch wieder mal geschärft werden. Das ist natürlich etwas einfacher, als Konkavzangen zu schleifen.
Wichtig dabei ist, das auch hier zuerst das Gelenkspiel kontrolliert und gegebenenfalls, wie oben bei der Behandlung der Konkavzangen, korrigiert wird.

Zum Schleifen verwende ich dazu wieder einen Handschleifstein (diesmal einen Ander). Die zu schärfende Schere ist ein nicht nur für Bonsai benutztes Werkzeug und sieht auch dementsprechend aus.
Diese Innenseite wurde bereits geschliffen.
Schere im Ausgangszustand
Schere im Ausgangszustand
P1120243_2.jpg (104.21 KiB) 110 mal betrachtet
Begonnen wird mit der Scherblatt- Innenseite
Man öffnet die Schere, so dass die Schneidblätter um 90° zueinander stehen, legt (für Rechtshänder) das nach rechts stehende Schneidblatt mit der Außenseite auf den linken Zeigefinger und schleift in dieser Position zuerst mit der groben Schleifsteinseite längs der Innenseite nur so lange hin und her, bis die Umrisse der Schneidblattränder (hauptsächlich die Schneidenkante) metallic- glänzend erscheint.
Schleifen der Innenseite
Schleifen der Innenseite
P1120244_3.jpg (123.73 KiB) 110 mal betrachtet
Die Restfläche der Innenseite ist erst einmal nicht von Bedeutung und kann erst mal so bleiben. Breite Scherblätter sind ohnehin mit einem Hohlschliff versehen.
Den Hohlschliff bearbeite ich mit dem Handschleifgerät nach, hauptsächlich um die Scherblattinnenseite von den Verunreinigungen sauber zu bekommen.
Nachschleifen des Hohlschliffs
Nachschleifen des Hohlschliffs
P1120247_6.jpg (98.6 KiB) 110 mal betrachtet
Es ist zu beachten, dass die Innenseiten von Scherblättern nie übermäßig abgeschliffen werden sollten. Denn fehlendes Material würde dazu führen, dass sich die beiden Schneidblätter nicht mehr korrekt berühren können und damit die ganze Schere unbrauchbar gemacht ist.

Weiterhin sollte man wissen, dass die Scherblätter der Länge nach gekrümmt sind, so, als wenn sich die Schneiden kreuzen würden. Möglicherweise hat man es bereits festgestellt, dass der mittlere Bereich der Schneidkante mit dem Stein noch nicht erreicht und somit nicht zufriedenstellend geschärft werden konnte.
Aus diesem Grund muss beim Schleifen der Stein einerseits weit genug nach rechts gezogen werden, so dass ein Abschliff über den gesamten Schneidenbereich sicher/verlässlich erreicht werden kann.
Um das zu erreichen, drückt man andererseits den Schleifstein gezielt auf der linken Seite mit dem Zeigefinger auf die zu schleifende Fläche und kann somit sicher die „Senke“ des Scherblattes erreichen. Eine durchgehende metallic- glänzende Schneidkante sollte den Erfolg zeigen.


Nun muss dasselbe Scherblatt längs gedreht und so gehalten werden, dass die Scherblätter auch wieder um 90° zueinander stehen, legt (für Rechtshänder) das nach rechts stehende Scherblatt mit der Innenseite auf den linken Zeigefinger und schleift in dieser Position zuerst mit der groben Schleifsteinseite längs der Außenseite auch wieder so lange hin und her, bis vorzugsweise die Schneidenkante metallic- glänzend erscheint.
Schleifen der Außenseite
Schleifen der Außenseite
P1120245_4.jpg (99.57 KiB) 110 mal betrachtet
Zum Abschluss bzw. im ständigen Wechsel zwischen feiner und grober Schleifsteinseite sind beide Seiten (Innen- und Außenseite der Scherblätter) vor allen Dingen die Schneidkante mit der feinen Seite des Schleifkörpers zu polieren.

Die Schärfe der Schneide wird am besten wieder mit der Daumennagel- Methode überprüft.
Genauso wird auch mit dem zweiten Schneidblatt verfahren.


Wer es ganz genau machen will, sollte, bevor das erste Mal die beiden Schneiden zusammen geführt werden, beide Schneiden mit einem möglichst feinen Schleifstein oder Schleifpapier (ich verwende 4.000er oder 1.200er) abgerieben werden. Das ist ein ähnlicher Vorgang, als wenn ein Barbier sein Rasiermesser mit einem Lederpolierer abzieht.

Viel Erfolg, Gruß Heiner
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