Korkahorn

Der richtige Ort Bonsai (Baum in Schale mit gewisser Reife) vorzustellen und zu präsentieren. Der Threadersteller möge bitte im Eröffnungsthread darauf hinweisen wenn allgemeine Kommentare unerwünscht sind. Andernfalls stellt sicher, dass ihr etwaige fachliche Kritik durch die "DREI SIEBE" gesiebt habt!
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Robert S.
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Korkahorn

Beitrag von Robert S. »

Hallo,
hier ein Korkahorn, der m.E. ausser einer schönen Borke nicht viel zu bieten hat. Gerade die Spitze, die gut als Gipfelkreuz taugen würde gefällt mir nicht. Leider muß ich gestehen, daß ich mit meinen 2 Jahren Bonsaibeschäftigung immer noch keinen sicheren Blick entwickeln konnte wie es z.B. bei diesem Bäumchen weiter gehen könnte.
Insofern würde ich mich über Tipps, Vorschläge sehr freuen.
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sulrich
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Beitrag von sulrich »

So übel finde ich den Baum nicht, er hat auch eine schöne Stammverjüngung. Folgende Dinge sind mir aufgefallen:

Ist das die beste Vorderseite? Prüfe beim nächsten Umtopfen das Nebari, wenn es überall gleich gut ist, könnte man die gezeigte Ansicht vielleicht auch zur Rückseite machen, aus 2 Gründen:
- Der blau markierte Ast geht direkt nach vorne, was für die Vorderseite nicht optimal ist, mit der Seite als Rückseite könnte er Tiefe geben (auf der momentanen Rückseite scheint es nicht viele Äste zu geben).
- Die Spitze sieht auf dem Foto so aus, als würde sie eher nach hinten weggehen, was auch dafür sprechen würde, die Vorderseite zu ändern.
Das Nebari erscheint auf der rechten Seite etwas problematisch (es knickt plötzlich 'nach unten' weg), vielleicht kann man das damit auch gleich mit erschlagen.

Der gelb markierte Ast ist momentan viel dicker als die anderen und sollte stärker zurückgeschnitten werden, um einen Ausgleich zu schaffen. (Die Biegung an der gelben Stelle gefällt mir ohnehin nicht so gut, vielleicht würde ich ihn dort abschneiden).

Ja, die Spitze sieht momentan nicht optimal aus, aber die Äste müssen ohnehin noch an Umfang zulegen, also erst etwas länger wachsen lassen, dann wieder einkürzen. Der lange vertikale Ast sollte dann auf einen Nebentrieb zurückgesetzt werden; wenn an den rot markierten Nodien im nächsten Jahr kein Neuausstrieb kommt, könntest Du im übernächsten die Spitze über dem oberen Nodium abschneiden, um einen Neuaustrieb zu forcieren.

Einige der anderen Zweige haben auch zu lange Internodien, dafür gilt dasselbe wie für die Spitze. Normalerweise treibt so ein Ahorn aus allen Knopflöchern - wie lange hast Du den Baum schon?
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Viele Grüße,
Stefan

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Robert S.
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Beitrag von Robert S. »

Hallo Stefan,
erstmal vielen Dank für die Mühe die Du Dir gemacht hast.
Zu Deinen Anmerkungen:
- Ich werd Morgen ein Foto von der Rückseite und eins von der Draufsicht machen
- Der Baum steht seit ca. 1,5 Jahren bei mir und Deine Beobachtung sagt mir, daß ich nicht genug gemacht habe. Ich glaub ich hätte den Baum dieses Jahr im Frühling in eine grössere Schale setzen sollen um das Nebari besser beurteilen zu können und um das Wachstum zu fördern. Dann denke ich, hätte ich zurückschneiden müssen um eine bessere Verzweigung zu erreichen. Diese Maßnahmen werd ich im späten Frühjahr 2007 durchführen.
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Robert S.
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Beitrag von Robert S. »

Hallo,
wie angekündigt, hier also die richtige Vorderseite und eine Draufsicht.
Am Nebariproblem hat sich nix geändert, nur daß es nun links ist.
Frage. Kann Ast A bleiben, oder sollte er nicht besser verschwinden, da er ja um einiges dünner als Ast B ist.
Was die Spitze angeht. Ein Plan wäre D an der Rot markierten Stelle zu entfernen und E nach oben zu drahten. Ast C wird im Frühjahr nach den Neuaustrieb stark eingekürzt.
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sulrich
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Beitrag von sulrich »

robert6017 hat geschrieben:Frage. Kann Ast A bleiben, oder sollte er nicht besser verschwinden, da er ja um einiges dünner als Ast B ist.
Ich würde ihn stehen lassen, weil die Wahrscheinlichkeit, dass Du da einen brauchbaren Neuaustrieb bekommst, geringer ist als weiter oben zur Spitze hin. Wenn er verschwindet, hast Du rechts ein ziemliches Loch, und die Aufmerksamkeit wird noch zusätzlich auf den zu dicken Ast gelenkt. Durch austreiben lassen oder z.B. einen Blattschnitt nur bei dem dicken Ast sollte sich die Dicke irgendwann angleichen.

Dieser unterste rechte Ast unterstützt diese 'freie Besenform', die für mich sehr gut zu dem Baum passt (ich würde ihn also z.B. auch nicht stärker in die Waagrechte drahten, um ihn in Richtung klassische frei aufrechte Form zu trimmen).

Die Idee, den Baum in eine größere Schale zu setzen, um ihn etwas aufzupäppeln, finde ich sehr gut (dann auch kräftig düngen).
Was die Spitze angeht. Ein Plan wäre D an der Rot markierten Stelle zu entfernen und E nach oben zu drahten.
Ja, das kannst Du alternativ zum Einkürzen machen.
Viele Grüße,
Stefan

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Robert S.
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Beitrag von Robert S. »

Danke Stefan!
Ich denke, jetzt hab ich einen Plan wie es weiter gehen muß.
marius
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Beitrag von marius »

hi


nur mal kurz.

wäre diese variante mit "e" als neuer krone auf dem foto zur neugestaltung völlig falsch?

gruß marius
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sulrich
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Beitrag von sulrich »

marius hat geschrieben:wäre diese variante mit "e" als neuer krone auf dem foto zur neugestaltung völlig falsch?
Dass man "e" als neue Spitze hochdrahten kann, wurde ja schon diskutiert. Den von Dir angedeuteten Rückschnitt fände ich nicht gut, denn wenn man so zurückschneidet, bleiben nur Äste, die fast horizontal verlaufen. Dann wäre es unharmonisch, wenn der unterste Ast steiler nach oben geht als die anderen, also müsste er auch nach unten gedrahtet werden, und als Ergebnis hat man einen 'klassischen' frei aufrechten Baum - wobei selbst bei einem solchen die oberen Äste nicht mehr waagrecht, sondern auch nach oben gerichtet sein sollten. Ich finde aber, dass eine 'freie Besenform' besser zum Charakter dieses Baums passt.

Den Unterschied zwischen 'freier Besenform' und 'frei aufrecht' kann man gut an zwei Bäumen verdeutlichen, die Wolfgang hier gepostet hat.

Dieser Shishigashira ist klassischer frei aufrechter Baum: Die Äste entspringen an den Außenkurven des Stamms, die untersten Äste sind horizontal oder sogar leicht nach unten geneigt und bilden voneinander abgesetzte Laubpolster. Man kann auch Nadelbäume wie z.B. Kiefern in diesem Stil gestalten:
Bild

Die folgende Buche dagegen ist als freie Besenform gestaltet, welche der natürlichen Wuchsform der jungen bis mittelalten Laubbäume in unseren Breiten entspricht. Für eine Kiefer wäre dieser Stil nicht passend. Hier gehen die Äste schräg nach oben und bilden eine zusammenhängende Krone. Der Unterschied zur klassischen Besenform ist, dass die Äste nicht aus einem Punkt entspringen, dass der Stamm eine Neigung oder Knicke haben darf und die Krone asymmetrisch sein kann:
Bild
Viele Grüße,
Stefan

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marius
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Beitrag von marius »

hi sulrich


ich muß wirklich sagen, daß ich den baum unter diesen gesichtspunkten noch nicht wirklich betrachtet habe. deshalb danke für die blickrichtung. man lernt halt dazu.

doch irgendwie stört mich der dicke untere ast immer noch. und ich denke, ihn bis an die markierten stelle zurückzunehmen wäre eventuell sinnvoll.

doch dann hat man wahrscheinlich zuviel freiraum zwischen b und e auf dieser seite. es fehlt dort am stamm halt irgenwie noch ein ast.

was den ast an schnittstelle 3 auf der rechten seite angeht, könnte man den ast nicht durch dementsprechendes drahten in form bringen? auch der scheint mir irgendwie zu lang.

tja, für mich halt jetzt schwerer als zuvor. verdammt. aber nochmals danke für die tipps. ich bin jetzt jedenfalls mal gespannt, wie sich der baum noch so entwickelt.

gruß marius
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sulrich
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Beitrag von sulrich »

marius hat geschrieben:doch irgendwie stört mich der dicke untere ast immer noch. und ich denke, ihn bis an die markierten stelle zurückzunehmen wäre eventuell sinnvoll.
Aber dann bleibt ein dicker Stumpen, was auch nicht schön ist - wenn, dann müsste man ihn wohl ganz wegnehmen und auf einen Neuaustrieb an derselben Stelle hoffen.
was den ast an schnittstelle 3 auf der rechten seite angeht, könnte man den ast nicht durch dementsprechendes drahten in form bringen? auch der scheint mir irgendwie zu lang.
Der Baum ist ja noch ganz am Anfang, was den Aufbau der Verzweigung betrifft. Deswegen würde ich nicht zuviel wegnehmen, sondern nur durch Einkürzen den Neuaustrieb anregen, damit man mehr Möglichkeiten zur Gestaltung hat. Im Grunde ist es verfrüht, über einzelne Ästchen zu diskutieren, weil sich daran noch viel ändern kann; ich wollte nur eine generelle Entwicklungsrichtung andeuten.
Viele Grüße,
Stefan

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jost
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Beitrag von jost »

Hallo Robert, gib dem Baum Zeit und übe Dich in Geduld.

Dünge ihn kräftig im Frühjahr sobald der Austrieb beginnt. Laß ihn ungebremst wachsen bis ca. Ende Mai. Dann nimmst Du den Neuaustrieb bis auf ein Nodium oder eine ältere geeignete Stelle zurück und entfernst alle Blätter. Danach wird der Baum Dir mit einem üppigen Neuaustrieb aus allen Knopflöchern viele Möglichkeiten anbieten. Selektiere dann die geeigneten Triebe und entferne rechtzeitig jene, die Du nicht mehr benötigst und lass den Baum kräftig durchtreiben, um Dickenwachstum zu bekommen (Düngen nicht vergessen). Wenn Du das 2-3 Jahre machst, wirst Du ein geeignetes Grundgerüst bekommen, auf dem Du aufbauen und Feinverzweigung bilden kannst. Das Ausgangsmaterial finde ich gar nicht schlecht und die freie Besenform wird ihm gerecht.
Gruß, Joachim
marius
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Beitrag von marius »

hi


nun gut, wieder was dazugelernt.

also, dank nochmals. auch wenn die pflanze nicht mir gehört sind die tipps doch immer wieder recht hilfreich.


gruß marius
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