grundsätzliche frage zu veredelungen

Allgemeine Philosophie, Stilarten, Techniken, Vorstellung und Besprechung von Rohmaterial sowie lose Sammlung von Entwicklungs-Dokus
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Heike_vG
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Beitrag von Heike_vG »

Hallo, Ihr Lieben,

über Gründe für das Veredeln steht in dem schönen Buch "Japanische Ahorne" von Vertrees eine Menge Interessantes.

Gerade bei den vielen Sorten des japanischen Fächerahorns wird deswegen veredelt, weil so die patentierten Sorten rein vermehrt werden können, denn die Edelreiser haben identische genetische Merkmale.

Bei der Sämlingsvermehrung dagegen fallen die Nachkommen durch die neue Kombination der Gene von beiden Elternpflanzen zum Teil ganz anders aus.

Die Stecklingsvermehrung oder das Abmoosen ergibt natürlich auch sortenreine Pflanzen, ist aber wohl bei der kommerziellen Vermehrung nicht produktiv genug.

Auf der Suche nach interessanten neuen Sorten werden viele Sämlinge gezogen, die einige Jahre kultiviert werden, da sich besondere Merkmale (Blattformen, Panaschüre, besondere Borke etc.) u.U. erst später ausprägen.
Rotlaubige Sämlinge werden unter dem Sammelbegriff Acer palmatum "Atropurpureum" gut und gerne verkauft, diese sind dann meist nicht veredelt.
Sämlinge mit besonders ausgefallenen und interessanten Merkmalen, von denen es kaum ähnliche geschützte Sorten gibt, könnten sich lohnen, um registriert zu werden.
Unauffällige und gewöhnlich, aber kräftige Sämlinge werden dann als Veredelungsunterlagen verwendet.

Viele Grüße,

Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

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Eva Warthemann
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Beitrag von Eva Warthemann »

Hallo an alle!
Ich habe vor zwei Jahren einen gepfropften Ahorn (Art ist mir nicht genau bekannt, -hat fein gefiederte Blätter) in den Garten auspflanzen müssen, weil die Pfropfstelle immer mehr zurücktrocknet.
In diesem Jahr bleibt mir nichts anderes übrig, den Ahorn abzumoosen, der geht mir sonst ein.
Es ist nur noch eine zwei cm dicke Saftbahn übrig, die die Krone versorgt.
Wann wäre der richtige Zeitpunkt zum Abmoosen?
Eva Warthemann
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Tropenfreak
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Beitrag von Tropenfreak »

Hallo Eva

Was meinst du mit zurücktrocknen? Hast du ein Bild?
Eventuell hat sich an der Pfropfstelle ein Pilz eingenistet.

Abmoosen könnte dem geschwächten Baum evtl. den Rest geben - aber was bleibt dir denn auch schon anderes übrig?

Ich würde im Mai / Juni abmoosen

lg Roland
Der Spirituelle Intellekt des Agrarökonomen steht in reziproker Relation zur Quantität seiner subterranen Knollengewächse ;-)

Mfg Roland
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MartinRedlich
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Beitrag von MartinRedlich »

Also wollen wir mal detailliert an die Geschichte Veredelung herangehen!

Veredelungen die in aufgepfropften Ästen bestehen sind meist gelungen!

Wenn die Pfropfstelle mitten im Stamm ist dann sind die zu 99,9% immer schlecht, auch wenn das Herzblut von Jahrzehnten unnützer Pflege drinstecken.

Es gibt ein Sprichwort das besagt man soll schlechtem Geld kein gutes nachschießen.

Übertragen auf Veredelungen bedeutet dies, man soll keinem Baum dessen Manko a) evident und b) unbehebbar ist noch jahrzehnte seine wertvolle Lebenszeit hinterher schenken.

ich gebe mal ein Beispiel:
Ich besuchte einen Bonsaifreund und der hatte gerade ne grosse Lieferung an japanischen Bäumen bekommen ...
diese Mädchenkiefern.... eigentlich ein Traum , wirklich die Astverteilung top, die Stammbewegung top und die Feinverzweigung genial...
Die Pfropfung hat das alles einfach weggewischt , das war sehr traurig anzusehen!

Man soll sich gutes Material kaufen, da nur das sich auszahlt!

Bonsai ist Kunst und Bonsai ist Entwicklung von ästhetischem Verständnis,
das bedeutet auch das der ein oder andere Spahn im laufe der Zeit fallen wird!

mfG
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MarionS
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Beitrag von MarionS »

Es hängt aber auch von der Sichtweise der jeweiligen Bonsaianer ab.

Ich bin Anfänger. Ich zerlege gerade einen Ahorn in zwei und werde an dem Baum bzw den zwei Bäumen (denn dem Stumpf gebe ich spasseshalber auch mal eine Chance, mal gucken, was daraus wird) sicher noch im Laufe der Jahre eine ganze Reihe von Techniken durchführen, die mir (noch) neu sind.
Daß der Ahorn kaum das Prunkstück meiner Sammlung werden wird, das ist mir klar. Aber zum Üben ist er immer gut. Die Arbeit macht mir zudem Spaß, und das ist Sinn der Sache.
Jemand sagte mir auch mal, als Anfänger sollte ich mir lieber 10 Bäume hinstellen, dann pflege ich keinen zu Tode.

Und gerate ich dann wirklich mal an gutes Material, ist die Chance, es zu verderben, weit geringer.
Gruß,
MarionS

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MartinRedlich
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Beitrag von MartinRedlich »

Hallo Marion:)
Klar, ich verstehe Dich da gut !
Zum üben ist son Baum ganz klar geeignet!

Grundlage meiner Überlegung ist aber der Wunsch vieler in 10 - 20 Jahren einen sehr schönen Baum zu haben.


Mei und zum Üben finde ich eher mal 20 - 30 Bäume ideal!

Das mit dem Totpflegen kenne ich auch:) 10 würden mich da nicht abhalten können:)

mfG Martin
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MarionS
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Beitrag von MarionS »

*lach* In einer Mietwohnung kannst du so viel nicht machen...
Gruß,
MarionS

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Heike_vG
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Beitrag von Heike_vG »

Hallo, Ihr Lieben,

hier sind mal ein paar Fotos von auch nach Jahren relativ guten Veredelungsstellen. Ich hatte noch mehr Fotos gemacht, die aber leider zu unscharf waren (hatte ich auf dem Mini-Display der Kamera gar nicht so gesehen), da muss ich noch welche wiederholen.

Viele Grüße,

Heike
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Acer palmatum "Butterfly" (einige Wurzeln des Nebari waren irgendwann abgestorben, da muss noch mal etwas geschehen...)
Acer palmatum "Butterfly" (einige Wurzeln des Nebari waren irgendwann abgestorben, da muss noch mal etwas geschehen...)
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Prunus serrulata
Prunus serrulata
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Pinus mugo "Mops". Die komische Wurzel kommt ab, wenn sie nicht mehr für Spanndrähte gebraucht wird. Wo die nassen dunklen Flecken sind, war kurz vorher noch Moos.
Pinus mugo "Mops". Die komische Wurzel kommt ab, wenn sie nicht mehr für Spanndrähte gebraucht wird. Wo die nassen dunklen Flecken sind, war kurz vorher noch Moos.
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Wisteria sinensis
Wisteria sinensis
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Acer palmatum "Winter Flame"
Acer palmatum "Winter Flame"
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